Lada Granta: Ein Wochenende russisches Stufenheck Lada? Gibt's die wieder?

02.10.2013

Nach drei Tagen und fast 400 Kilometern im Lada Granta fragten wir uns: Braucht der Mensch mehr Auto? Hier kommt die Antwort

"Du musst dich auf das Auto einlassen!" - mit diesen Worten drückt mir der Kollege einen kleinen Schlüssel in die Hand. Einen von der klassischen Sorte. So richtig mit Bart, ohne Knöpfe für Licht oder Verriegelung. Ich packe meine Sachen und gehe auf den Parkplatz, da steht er. Der Lada Granta. Mein Begleiter für die nächsten drei Tage.

 

Drei Tage Lada Granta: Wie viel Auto braucht der Mensch?

Sieht gar nicht mal so verkehrt aus, die kleine Stufenheck-Limousine. Etwas staksig steht sie freilich da, auf ihren 14-Zoll Leichtmetallfelgen, und auch das Heck gewinnt vielleicht in Deutschland keine Designpreise - doch schließlich ist der Granta in erster Linie auch gar nicht für uns gedacht, sondern soll Russland günstig mobil halten.

2011 wurde die neueste Entwicklung des Herstellers AwtoWAS vorgestellt. Aha. Etwas skeptisch fummle ich den Schlüssel in das widerspenstige Schloss, öffne die Tür. Vor mir ein einfacher, etwas karger Innenraum. Motor starten und los. Knarzend erwacht der kleine Vierzylinder-Benziner zum Leben. Er ist einer von der alten Schule, kommt im Motorraum ohne Plastik-Abdeckungen und Dämm-Schnickschnack aus.

Ich lege den ersten Gang ein, gebe Gas. Mühe hat das 87 PS starke Motörchen nicht, den 1135 Kilo schweren Granta im Stadtverkehr zu beschleunigen. Dabei sirren die Zylinder mit den allzeit präsenten Zahnrädchen des Fünfgang-Schaltgetriebes um die Wette. Der Lada schwimmt im Berufsverkehr mit, hakelt etwas beim Schalten. Am Ziel angekommen parke ich, stelle den Motor ab. Aus dem Armaturenbrett dringt ein wildes Bimmeln, Licht ist noch an. Generell piept der Lada Granta oft und viel. Wie die meisten neuen Autos.

Beim Aussteigen verwickelt mich ein Mann sofort ins Gespräch. Der unbekannte Russe fällt auf. "Lada? Gibt's die wieder?", fragt er erstaunt. Nein. Es gibt sie noch. Und mit der Übernahme durch Renault/ Nissan weht in Zukunft gar ein neuer Wind durch die AwtoWAS-Werkshallen in Togliatti. 2012 war der Granta übrigens das am zweithäufigsten verkaufte Modell in Russland.

Das ist mir am nächsten Tag allerdings relativ egal. Mit Tempo 140 pflüge ich über die Autobahn. 100 Kilometer Strecke liegen vor mir. Alles fühlt sich schneller an als es ist, die Karosserie schaukelt. Radio hören macht bei der Lautstärke keinen Sinn, bleibt Zeit zum Nachdenken.

Irgendwie ist er mir sympathisch, der Granta. Er ist einer von der ehrlichen Sorte. Die Materialien im Innenraum sind einfach und solide, so als wolle er sagen: "Seht her, ich bin ein Wagen für's Volk!". Nicht mehr, nicht weniger.

Besonders auf die Sicherheit haben sie bei der Entwicklung geachtet, heißt es. Zwei Airbags, ABS, ESP. Alles vorhanden, die Elektronik-Helfer funktionstüchtig. In der Mittelkonsole lädt ein Schalter dazu ein, den Schleuderschutz zu deaktivieren - nein danke, passt schon. Schließlich muss man den Grenzbereich trotz des neutralen Fahrverhaltens ja nicht herausfordern.

Ich verlasse die Autobahn, schaue auf's Preisschild: Trotz aller Einfachheit ist der Granta bei uns zu teuer. 8.990 Euro kostet er mindestens, dann noch ohne Radio. Mit einem attraktiven Gebrauchtwagenmarkt und der längst etablierten Schwestermarke Dacia (gehört ebenfalls zu Renault) hat Lada schwerwiegende Konkurrenz. Schließlich bekommt man einen neuen Dacia Sandero bereits ab 6.990 Euro.

Denn auch wenn das Fahrverhalten völlig unproblematisch ist, die Sicherheit nicht vergessen wurde und auch das Design kein Ärgernis ist, wird der Granta dennoch nicht zu dem, was sich der komfortverwöhnte Mitteleuropäer unter einem modernen Auto vorstellt.

Drei Tage sind vorbei, fast 400 Kilometer zurückgelegt. Ich stelle den Wagen wieder an der Redaktion ab. Motor aus, Schlüssel ins Türschloss fummeln. Zeit für eine Antwort auf unsere Frage: "Braucht der Mensch mehr Auto?". Nicht zwingend. Doch ein bisschen mehr wäre schon nicht schlecht...

Jonas Eling

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