Lackpflege: Polituren und Wachse im Classic Cars-Vergleich Glänzend gemacht

02.07.2014

Lieber polieren statt neu lackieren: Zwölf Lackpolituren und Wachse mussten im Test unseres Old- und Youngtimer-Magazins Classic Cars beweisen, ob sie wirklich glanzvolle Ergebnisse liefern

Stumpf und matt präsentiert sich an diesem Morgen unser Triumph Spitfire in seinem angejahrten Lackkleid. An und für sich ist der kleine Roadster sonst prima in Schuss, und deswegen wollen wir mit ihm nicht gleich den Weg zum nächsten Lackierer antreten, sondern sehen, was sich mittels moderner Lackaufbereitung und -Pflege noch herausholen lässt. Deshalb haben wir in Zusammenarbeit mit den Experten der Gesellschaft für Technische Überwachung GTÜ gleich ein Dutzend Lackpolituren sowie die bei acht Produkten dazugehörigen Lackversiegelungen in der Praxis am charmanten Briten getestet.

Prinzipiell gliedert sich unser Testfeld in zwei Produktkategorien auf: Vier Kombiprodukte, bei denen Lackpolitur und Lackversiegelung in einer Substanz vereint sind, sowie acht Systeme, die sich in ein Politurmittel und eine im Nachgang anzuwendende separate Versiegelung aufteilen.

Der Gretchenfrage des Verbrauchers „Was soll ich denn jetzt kaufen?“ gehen wir mit den jeweils von den Herstellern vorgeschriebenen Anwendungsempfehlungen sowie moderner, unbestechlicher Messtechnik nach. Lediglich das Aufbereitungs- und Versiegelungssystem Swissvax sprengte das übliche Testprozedere und läuft daher außer Konkurrenz mit. Während die übrigen elf Produkte durchweg mit Verarbeitungs- und Einwirkzeiten von wenigen Minuten angewandt werden können, gestaltet sich die Arbeit mit dem schweizerischen Premiumprodukt sehr viel aufwändiger.


Lackpflege: Polituren und Wachse im Vergleichstest


Hier bietet der Hersteller nicht nur ein aufwändig gestaltetes Büchlein mit dezidierter Anwendungsbeschreibung, sondern sogar eigene Workshops für die perfekte Lackpflege an. Darin werden zur Erzielung eines maximal guten Ergebnisses mehrstündige Einwirkzeiten – auch unter Sonneneinstrahlung – gefordert. In Summe erfordert Swissvax einen sehr viel höheren und mit anderen Produkten kaum vergleichbaren Zeitaufwand. Daher überprüften wir dieses Mittel mit demselben Anwendungsschema wie bei den übrigen, verzichteten jedoch auf eine Wertung und stellen die vollumfängliche Anwendung des schweizerischen Edelprodukts in einer der nächsten Ausgaben separat vor.

Unsere Testkriterien orientieren sich ganz an der Praxis für den Endverbraucher und geben einerseits Aufschluss über das erzielte Reinigungs- und Konservierungsergebnis. Andererseits fließen die praktische Handhabung sowie die Kosten in das Testergebnis ein. Der Tiefenglanz wird mittels Sichtprüfung anhand der Schärfe des Spiegelbilds in der Lackfläche bestimmt. Ebenso beurteilen wir den Grad der erzielten Farbauffrischung mittels Sichtprüfung.

Hierbei sehr hilfreich ist unsere Anordnung der Testfelder für jedes Produkt auf der Motorhaube unseres Spitfire, die in insgesamt zwölf Bewertungsflächen aufgeteilt wurde.

Moderne optische Messtechnik kommt in Form des BYK Micro-Haze plus zur Bestimmung von Glanzgrad und Glanzschleier zum Einsatz. Der Glanzgrad ermittelt sich aus dem Verhältnis von eingestrahltem und reflektiertem Licht und gibt damit simplen Aufschluss über die Stärke des erzielten Glanzes. Der gemessene Wert für den Glanzschleier trifft hingegen eine Aussage über die Mikrostruktur der Lackoberfläche. Für das Auge tritt der Glanzschleier in Form einer mehr oder weniger milchigen Lackoberfläche in Erscheinung, hervorgerufen durch Mikrostrukturen in der Lackoberfläche, die ein messbares Quantum an diffusem Streulicht zur Folge haben. Je homogener die erzielte Lackoberfläche ist, desto geringer ist der Streulichtverlust und desto „satter“ erscheint der Lack.


Im Test: Lackpolitur und Lackversiegelung


Last but not least testen wir das Abperlverhalten von Wasser auf der versiegelten Lackoberfläche. Während wenige kleine verbleibende Rundperlen Zeichen einer guten Versiegelung sind, stehen flächige Wasserausbreitungen für eine eher unvollkommene Versiegelung des Lacks. Kaum weniger wichtig für den Anwender sind neben den beschriebenen Kriterien für Reinigung und Konservierung die ganz pragmatischen Punkte, wenn es um die Anwendung der Produkte geht. Wichtig sind hier eine vollständige, verständliche und auch lesbare Gebrauchsanleitung, genauso wie ein solider und dichter Verschluss der Gebinde.

Darüber hinaus beurteilen wir auch den Geruch der Produkte, der in aller Regel chemisch, teils aber auch parfümiert ist. Stark unangenehm für die Nase zeigte sich keines des getesteten Mittel. Essentielle Kriterien für die Praxis sind schließlich die Dosierbarkeit der Gebinde, sprich wie sich die Mittel aus Flaschen und Dosen entnehmen lassen, die Verteilbarkeit von Politur und Wachs sowie die Auspolierbarkeit der Substanzen.

Während sich die acht getesteten systemischen Produkte mit separater Politur und Versiegelung den vier Kombiprodukten bei Reinigung und Konservierung deutlich überlegen zeigten, behaupteten sich die Kombiprodukte im Bereich der praktischen Anwendung auf Augenhöhe. Gleiches gilt für die Kriterien der Preisbewertung und der Ausstattung. Entsprechend rangieren sieben der acht systemischen Produkte mit einer Gesamtpunktzahl von mehr als 175 Punkten im Bereich „empfehlenswert“.

Mit stolzen 209 Punkten geht Meguiar’s Ultimate Compound + Gold Class Carnauba Plus als überlegener Sieger aus diesem Test hervor und erhält sogar die Testnote „sehr empfehlenswert“. Mit Gesamtpunktzahlen von weniger als 175 Zählern erhalten die vier Kombiprodukte zwar allesamt ein „bedingt empfehlenswert“, doch zeigt gerade die Glanzpolitur von Liqui Moly, dass auch diese Produkte ihre Berechtigung haben. Mit der besten Leistungsbewertung innerhalb dieser Gruppe, ansehnlichen 170 Gesamtzählern, und dem konkurrenzlos günstigen Preis von 1,41 Euro pro 100 Mil- liliter wird das schwäbische Produkt sogar klarer Preis-Leistungs-Sieger im Gesamtfeld.

Der eindeutige Sieger dieses Vergleichstests heißt jedoch Meguiar’s. Mit 104 Zählern im Bereich Reinigung und Konservierung spielt das US-amerikanische Produkt in einer eigenen Liga und ist dazu noch kinderleicht und narrensicher anwendbar. Obgleich das System von Swissvax aus den eingangs erwähnten Gründen des Testprozederes außer Konkurrenz getestet wurde, vermochte nur das schweizerische Produkt an die Reinigungs- und Konservierungswerte von Meguiar’s heranzukommen. Und das wie gesagt vor dem Hintergrund einer drastisch verkürzten Einwirkzeit.

Weitere Ratgeberthemen und viele andere tolle Themen finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Classic Cars am Kiosk. Das vollständige Ergebnis unseres Vergleichstests finden Sie hier in der PDF-Datei zum Download:

Unser Fazit

Die Testergebnisse liefern ein eindeutiges Bild und favorisieren die Zweikomponenten-Systeme klar gegenüber den Kombiprodukten. Insbesondere bei Glanzgrad und Glanzschleier zeigen sie sich teils deutlich überlegen. Wer also die Zeit für zwei liebevolle Arbeitsgänge an seinem Klassiker investieren will, liegt hier grundsätzlich nicht verkehrt. Aber auch die Kombiprodukte haben ihre Berechtigung – etwa dann, wenn man nicht gleich einen kompletten Samstag mit Lackpflege verbringen kann oder will. Sie lohnen sich zudem, wenn der Lack noch nicht so verwittert ist und eine geringe Auffrischung genügt. Liqui Moly zeigt hier, dass auch für wenig Geld tolle Ergebnisse zu erzielen sind, während Meguiar’s im Testfeld die Benchmark setzt.

Jürgen Gassebner

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