Kraft Dreikampf Kraft Dreikampf

30.11.2006
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

In der Kompaktklasse geht es heiß her. Mit dem BMW 130i und dem VW Golf R32 kommen gleich zwei Sportler mit leistungsstarken Sechszylindern auf den Markt, den der Audi A3 Sportback 3.2 quattro bisher allein beherrschte. Welches der drei Konzepte überzeugt am meisten im Alltag und auf der Rennstrecke?

Wie sich die Zeiten ähneln. Die Spritpreise schießen wie bei der Ölkrise 1973 in die Höhe, und die deutsche Autoindustrie baut Kleinwagen mit leistungsstarken und alles andere als sparsamen Motoren. Genau wie damals, als BMW kurz bevor die Öl-Multis die Hähne zudrehten seiner 02-Baureihe den Turbo verschrieb und durstige 170 PS locker machte. Audi begnügte sich zu jener Zeit mit einem 110 PS starken Audi 80 GTE, der quattro folgte erst später. Doch beide hatten es damals nicht leicht. Ihr Erfolg fiel der Ölkrise zum Opfer. Volkswagen hatte mehr Glück. Erst als die Spritpreise sich wieder beruhigt hatten, präsentierten sie ihren potenten und sparsamen GTI. Die leistungshungrige Nation wartete geradezu auf derartige Kompakt-Sportler. Auch heutzutage scheint der Hunger auf Spaßmacher im Kompaktmaß groß zu sein, trotz der hohen Spritpreise. Seit seinem Marktstart im Herbst 2004 lässt sich der A3 Sportback mit dem 3.2 Liter VR6 (250 PS und Allradantrieb) ordern. BMW und VW legen nun nach. Die Münchner bringen den 130i. Unter seiner Haube steckt ein Dreiliter-Reihensechszylinder, der seine 265 PS lediglich an die Hinterräder entlässt. Volkswagen kontert mit dem R32. Er nutzt den gleichen 250 PS starken VR6, der auch den Audi antreibt, und verteilt seine Kraft ebenfalls auf alle vier Räder. Die entscheidende Frage also: Wer ist nun der beste Kompakt-Sportler mit sechs Zylindern?

 

Karosserie

Serienmäßig üben sich alle drei Kandidaten in optischer Zurückhaltung. Übertriebene Spoiler findet man ab Werk weder bei Audi, noch BMW oder VW. Im Gegensatz zum Golf GTI nimmt sich der neue R32 fast schon zurück. Er verkörpert mit seiner polierten Kühlermaske und dezenteren Lufteinlässen in der tiefen Frontschürze eine gediegenere Art der auferlegten Sportlichkeit. Höchstens die beiden armdicken Endrohre, mittig unter der Heckschürze platziert, verraten die wahren Absichten. Der 130i würde im Serien-Look auch als harmloser 118d durchgehen. Erst wenn er, wie unser Testwagen, die Anbauteile des M-Sportpakets (2100 Euro inklusive M-Aerodynamik-Kit, 17-Zoll-Mischbereifung, M-Sportfahrwerk, Sportsitze, M-Sportlederlenkrad, Nebelscheinwerfer und anderes mehr) trägt, wirkt er so muskulös wie es der Motor verdient. Zwar gibt es auch für den Audi ein spezielles S-Line-Paket (1600 Euro inklusive S-Line-Sportfahrwerk, 17-Zoll-Bereifung, S-Line-Sportsitze, exklusive Farben), aber selbst damit bleibt er seiner eleganten Erscheinung treu. Geht es um den Platz im Innenraum, drängt sich der R32 in den Vordergrund. Er bietet jedem Passagier reichlich Bewegungsfreiheit. Der auf der gleichen Bodengruppe aufbauende Audi A3 Sportback besitzt zwar den gleichen Radstand wie der Golf, nutzt ihn aber nicht so perfekt aus. Insbesondere das bedeutend flacher verlaufende Dach kostet den A3 wertvolle Kopffreiheit. Selbst der BMW bietet mehr Luft nach oben. Dennoch fühlt man sich im kleinen 130i beengter als im Audi oder VW. Die Gründe dafür liegen zum einen in der breiten Mittelkonsole, die die Vordersitze weit nach außen zwingt, und zum anderen in den kleinen Türausschnitten, wodurch die B-Säule stark in den Schulterbereich der Frontpassagiere rückt. Wer erwartet hatte, dass der Golf, der wie seine beiden Konkurrenten gut verarbeitet ist, dieses Kapitel gewinnen würde, liegt falsch. Als R32 verliert er nämlich wichtige Punkte, weil auf Grund seines Allradantriebs das Kofferraumvolumen schrumpft, der Anhängerbetrieb laut VW nicht vorgesehen ist und die für die Sicherheit nicht unwichtigen Nebelscheinwerfer in der Preisliste nicht auftauchen. Somit geht der erste Kapitelsieg an den Audi.

KarosserieMax. PunkteVW Golf R32Audi A3 Sportback 3.2 quattroBMW 130 i
Raumangebot vorn100676459
Raumangebot hinten100565249
Übersichtlichkeit70526057
Bedienung/ Funktion100908882
Kofferraumvolumen100404145
Variabilität100283330
Zuladung/ Anhängelast80193427
Sicherheit150106108106
Qualität/ Verarbeitung200181185178
Kapitelbewertung1000639665633

 

Fahrkomfort

Komfort und Sportlichkeit in Einklang zu bringen, gelingt nicht jedem. In Wolfsburg hat man sich diesem Zielkonflikt anscheinend besonders intensiv gewidmet und den richtigen Kompromiss gefunden. Zwar ist der Golf keine Sänfte, dennoch bietet er trotz seiner opulenten 18-Zoll-Bereifung und seines straffen Sportfahrwerks ein hohes Maß an Abroll- und Federungskomfort. Fahrbahnunebenheiten verarbeiten die Federelemente des R32 bedeutend gelassener als das serienmäßige Sportfahrwerk des Audi und erst recht als das optionale M-Sportfahrwerk im Einser. Geradezu rüde teilt der 130i seinen Insassen die Beschaffenheit der Fahrbahndecke mit. Auf unebene Streckenabschnitte reagiert der BMW mit stetigen Federbewegungen, die insbesondere auf langen Autobahnetappen unangenehm auffallen. Für die Sportsitze (550 Euro), die einen Teil der gebotenen Fahrwerkshärte abmildern, verdient BMW aber großes Lob. Bei ihnen lassen sich die Schenkelauflagen in der Länge variieren und die seitlichen Flanken der Lehne mittels Luftpolster ideal anpassen. Neben einer bequemen Polsterung hat man so einen fast perfekten Seitenhalt. Die Sitze des R32 schmiegen sich noch eine Idee besser an Fahrer und Beifahrer und kosten zudem keinen Cent extra. Genau wie jene des A3 Sportback, die allerdings härter und schmaler ausfallen als bei R32 und 130i. Völlig unverständlich ist, dass der Audi im Gegensatz zu BMW und Volkswagen keine Klimaanlage hat. Gegen Aufpreis erhält der Kunde nur die teure Klimaautomatik (1390 Euro).

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf R32Audi A3 Sportback 3.2 quattroBMW 130 i
Sitzkomfort vorn150141125138
Sitzkomfort hinten100726560
Ergonomie150130122120
Innengeräusche50253032
Geräuscheindruck100707274
Klimatisierung50351135
Federung leer200129126115
Federung beladen200127123113
Kapitelbewertung1000729674687

 

Motor und Getriebe

Wenig Platz und mäßiger Komfort werden nebensächlich, wenn der Fahrer im 130i per Knopfdruck die sechs Zylinder zum Leben erweckt. Zwischen 1000 und 7000 Umdrehungen beherrscht das BMW-Triebwerk wie ein exzellent ausgebildeter Tenor jede Tonart. Vor allem, wenn die Drehzahlmessernadel die 5500 Umdrehungen überschritten hat, bläst der Reihen-Sechszylinder aus voller Lunge seine Lebensfreude durch die Auspuffanlage ins Freie. Aber damit allein würden sich die BMW-Techniker nicht zufrieden geben. Die Art und Weise, mit der das BMW-Aggregat seine 265 PS freigibt, stellt die beiden VR6-Motoren der Konkurrenz in den Schatten. Ab Leerlaufdrehzahl schiebt der 130i kräftig an. Ohne Verzögerung reagiert das Triebwerk auf Gaspedalbewegungen und lässt seine Kurbelwelle bis zu 7000 Mal pro Minute rotieren. Nur auf den ersten Metern haben die allradgetriebenen VW und Audi die Nasen vorn. Bauen die Hinterräder des Einsers erst einmal Grip auf, düpiert er förmlich den in den oberen Gängen enttäuschenden R32. Sogar der gleich starke Audi enteilt dem Golf, muss aber den davonstürmenden BMW ebenfalls ziehen lassen. Neben dem Motor ist auch das Getriebe des 130i ein Genuss. Ausreichend leichtgängig und extrem präzise lassen sich die sechs Gänge sortieren. Die beiden Schaltboxen von Audi und VW verlangen insbesondere beim Herunterschalten mehr Aufmerksamkeit. Beim schnellen Schalten landet man schon mal im falschen Gang. Bedeuten mehr Temperament und mehr Leistung auch mehr Verbrauch? Nein. Der Einser verbraucht im Schnitt auf 100 Kilometer 11,4 Liter Super Plus. Damit ist er knapp einen Liter sparsamer als der Audi und sogar 1,2 Liter als der R32.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf R32Audi A3 Sportback 3.2 quattroBMW 130 i
Beschleunigung150172169172
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150120120120
Getriebeabstufung100838591
Kraftentfaltung50383942
Laufkultur100697382
Verbrauch325114117126
Reichweite25141413
Kapitelbewertung1000610617646

 

Fahrdynamik

Audi und VW treten mit Allradantrieb gegen den heckgetriebenen BMW an. Auf trockener Strecke liegen die Vorteile eindeutig beim 130i eine Fahrmaschine erster Güte. Das M-Sportfahrwerk, das ihn beim Komfort beeinträchtigt, trumpft auf kurvigen Strecken auf. Der Einser lässt sich nahezu ohne Seitenneigung durch schnelle Wechselkurven dirigieren. Dabei liefert die gestochen scharfe elektro-hydraulische Lenkung (Aktivlenkung: 1300 Euro) dem Fahrer immer intensive Rückmeldung und begeistert mit spontanen Reaktionen. Dank der enormen Traktion, die die Hinterachse aufbaut, lässt sich der 130i sehr neutral aus Kurven herausbeschleunigen und reagiert auf Lastwechsel mit gut kontrollierbarem Übersteuern. Allerdings nur, solange das DSC III (ESP) ausgeschaltet ist. Bleibt es aktiv, greift die Regelelektronik so stark und früh ein, dass die Freude am Fahren für ambitionierte Sportfahrer auf der Strecke bleibt. Deutlich sensibler und damit eher unterstützend, kontrolliert das ESP des R32 das Geschehen. Aber selbst wenn der Fahrer die Elektronik ausschaltet, bleibt der VW immer sicher zu beherrschen. Dennoch kann der Golf die Vorteile des Allradantriebs zumindest auf trockener Fahrbahn nicht nutzen. Zu früh schiebt das kopflastige Auto (Vorderachslast: VW 60 %, Audi 58 % und BMW 52%) über die Vorderräder zum Kurvenaußenrand. Von ähnlichem Charakter ist der Sportback 3.2 quattro. Etwas ausgeprägtere Lastwechselreaktionen beim Gaswegnehmen und Bremsen in Kurven unterscheiden ihn vom Golf und kosten Zeit. Außerdem leidet der Audi unter seiner stärkeren Seitenneigung, die ihn nicht ganz so zielgenau durchs Kurvengeschlängel spurten lässt, wie es der R32 und vor allem der 130i vormachen. Auf nasser Piste sammeln R32 und A3, die über das gleiche Allradsystem mit Haldex-Kupplung verfügen, Punkte. Dann ist der Heckantrieb des Einsers durch mangelnde Traktion unterlegen. Sehr gute Verzögerungswerte liefern die gut dosierbaren Bremsen des BMW. Weder der Audi noch der VW erreichen die Top-Werte des Bayern.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf R32Audi A3 Sportback 3.2 quattroBMW 130 i
Handling150121119122
Slalom100606364
Lenkung100898891
Geradeauslauf50363630
Bremsdosierung30191921
Bremsweg kalt150124116127
Bremsweg warm150121122134
Traktion100808040
Fahrsicherheit150143141130
Wendekreis20131415
Kapitelbewertung1000806798774

 

Umwelt und Kosten

Trotz üppiger Ausstattung und guter Garantiebedingungen verliert der VW dieses Kapitel. Der Audi setzt sich mit geringstem Wertverlust und günstigen Versicherungseinstufungen durch. Selbst der BMW triumphiert hier über den R32. Bessere Emissionswerte, ein ebenfalls geringerer Wertverlust und nicht zuletzt die bessere Kraftstoffbilanz auf den von uns zu Grunde gelegten 20 000 Kilometern pro Jahr wiegen die mäßige Garantie des BMW wieder auf.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf R32Audi A3 Sportback 3.2 quattroBMW 130 i
Bewerteter Preis675335336336
Wertverlust50505655
Ausstattung25494348
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50242414
Werkstattkosten20414243
Steuer10363637
Versicherung40323635
Kraftstoff55272830
Emissionswerte25788180
Kapitelbewertung1000672682678

 

Fazit

Wer hat nun den besten Kompromiss aus Alltagsnutzen und Rennstreckenspaß gefunden? Am Ende ist es mal wieder der Golf. Ohne auf Dynamik zu verzichten, bietet er den besten Komfort. Sein aggressiv klingender und im Gegensatz zum baugleichen VR6 des A3 mitunter recht lauter Motor bleibt leider etwas hinter den Erwartungen zurück, begeistert aber dennoch mit einem kräftigen Antritt aus dem Drehzahlkeller. Die Krone für den besten Antrieb und für das Fahrwerk mit dem höchsten Spaßpotenzial gebührt jedoch dem agilen 130i: ein BMW, wie ihn die Fans der Marke lieben werden. Seine mit dem M-Sportfahrwerk bedingungslos sportive Ausrichtung und der damit einher gehende schlechte Federungskomfort kosten ihn jedoch den zweiten Platz. Den sichert sich der ohne Fehl und Tadel verarbeitete Audi A3 Sportback 3.2 quattro. Dass ausgerechnet er es ist, der das Kostenkapitel gegen den Golf gewinnt, ist eine durchaus pikante Überraschung.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf R32Audi A3 Sportback 3.2 quattroBMW 130 i
Summe5000345634363418
Platzierung123

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