BMW und Toyota: Gemeinsames Sportwagenprojekt

Athletisches Duo

BMW und Toyota entwickeln seit einem Jahr gemeinsam die Plattform eines mittelgroßen Sportwagens. Das Projekt ist immer noch streng geheim – wir nennen erste Hintergründe und Details

Bis jetzt haben sie dicht gehalten. Seit einem Jahr gibt es das gemeinsame Sportwagenprojekt zwischen BMW und Toyota, doch bis heute gab es nicht mal Gerüchte über den Stand des Projekts, mit dem beide Marken Image gewinnen und gleichzeitig Geld sparen wollen.

Offiziell heißt es weiter, dass man „an einer gemeinsamen Plattform für einen mittelgroßen Sportwagen“ arbeite. Hinter den Kulissen läuft längst der Countdown. Die Proportionen und grundsätzlichen Parameter der beiden Modelle stehen fest, ebenso dass die Architektur auch gleich für eine offene Version, ergo für einen Roadster mit Stoffverdeck, taugen soll. Zum Design gibt es ebenfalls klare Hinweise, und dabei sind jetzt ausgerechnet die Japaner, sonst bekannt für besondere Zurückhaltung, unerwartet vorgeprescht.

Denn in Detroit zeigte Toyota mit der spektakulären FT-1-Studie erstaunlich konkret, wie so ein Sportler aussehen könnte, auch wenn Details zur Tarnung krass überdreht sind. Zu sehen ist klassisches Sportwagendesign à la Toyota 2000GT (1967), Celica (1970) und Supra (1978). Also lange Motorhaube, eine für beste Kurveneinsicht weit zurückgesetzte A-Säule sowie ein weit nach hinten gerücktes, voll auf den Fahrer fixiertes Cockpit.

Dazu viel Karbon, Leder und rote Ziernähte. Und ganz unten 21-Zoll-Alu-Räder mit Reifen im Format 245/35. Die von uns recherchierten Maße – 4,68 Meter Länge, 1,97 Meter Breite und (nur) 1,23 Meter Höhe – täuschen etwas, denn das Serienauto wäre rund 20 Zentimeter kürzer. Der Motorraum passt übrigens ideal für einen aufgeladenen Reihensechszylinder.

BMW & Toyota: TURBOPOWER AUS SECHS ZYLINDERN

Die Philosophie des Projekts aus Toyota-Sicht ist klar. „Das wird kein Supersportwagen, sondern ein innovativer und emotionaler Sportler für größere Stückzahlen“, sagt ein Manager der Europazentrale. Denn die oft etwas trockene Marke soll cooler werden. So will es jedenfalls Toyota-Chef Akio Toyoda, der selbst gern Autorennen fährt – am liebsten auf der Nürburgring-Nordschleife.

„Tut uns leid, noch zu früh für Informationen!“ Die Münchener tun noch geheimnisvoller. Nicht ohne Grund, denn sie haben in entscheidenden Bereichen die technische Entwicklungshoheit.

Speziell beim Fahrwerk. Gesetzt sind Frontmotor und Heckantrieb, wobei der Motor zur idealen Gewichtsbalance – angestrebt ist eine 50:50-Relation zwischen Vorder- und Hinterachse – direkt an der Spritzwand, quasi in Mittellage, hockt. Zudem liegt der Schwerpunkt des Autos extrem tief, und der Fahrer hat durch eine ungewöhnlich niedrig positionierte Armaturentafel die Piste direkt im Blick.

Logisch: viel Leichtbau mit Kohlefaser und Aluminium, an keiner Position Wohlstandsspeck. Super Voraussetzungen also für eine ungewöhnlich leichtfüßige, optimale Straßenlage und aufregende Kurvenkünste, die selbst in der Liga der Leistungssportler ganz neue Maßstäbe setzen sollen.

Motorisch lässt es BMW ebenfalls krachen, denn nach dem Stand der Dinge favorisiert man für eine Topversion einen aufgeladenen Dreiliter-Biturbo-Sechszylinder aus dem neuen 3er-M-Bereich (S55) mit rund 400 PS. Im Gespräch ist aber auch das 320 PS starke Aggregat des M135i (N55), das mit dem wohl kaum 1200 Kilo schweren Auto leichtes Spiel hätte. Und als Basismotorisierung dient sich hier der Zweiliter-Vierzylinderturbo mit 218 PS an. Übrigens: An dem BMW-Sechszylinder ist auch Toyota interessiert.

Der Standardsprint von null auf Tempo 100? Der dürfte in der Topversion in rund vier Sekunden erledigt sein, die abgeregelte Spitze liegt wie immer bei 250 km/h. Eine Hybridversion und ein Diesel sind bei BMW erst mal nicht geplant – gewichtsmäßig schlicht zu schwer für diesen puren Sportler. 

Die möglichen Einstiegspreise dürften bei Toyota günstigstenfalls unter der 35.000-Euro-Marke liegen, der schärfere und stärkere BMW ist mindestens 5000 bis 10.000 Euro teurer. Wenn die beiden Partner weiter so Gas geben, könnten die Sportler schon spätestens Anfang 2017 bei den Händlern stehen.

Wolfgang Eschment