Vergleich Kompaktsportler: Mercedes A 45 AMG vs. BMW M135i xDrive Jetzt beginnt der Spaß

12.07.2013

Mit der neuen A-Klasse hat Mercedes eine 180-Grad-Kehrtwendung hingelegt - Fahrspaß ist nun wichtiger als Vernunft. Ein erster Vergleich gegen den BMW M135i xDrive

Großartig, einfach fantastisch. Prinzipiell wäre das die passende Antwort auf die Frage: Wie fährt denn der neue Mercedes A 45 AMG? Zugegeben eine etwas kurze Beschreibung für ein Auto, dass man sich 1997 beim Erscheinen der ersten hochbeinigen, mitunter etwas wackelig über den Asphalt torkelnden A-Klasse-Generation niemals erträumt hätte. Diese neue A-Klasse kauert flach über der Fahrbahn, trägt ein knapp geschnittenes Dach, bullige Schürzen, breite Reifen und verteilt unglaubliche 360 PS auf alle vier Räder.

Ja, hier hat der Fahrspaß über die Vernunft gesiegt. Ein Auto fürs Herz, für die Fluchten aus dem Alltag. Ein Anspruch, den die bisherigen A-Klasse-Generationen sportlichen Individualisten wie dem BMW M135i überlassen haben – ein BMW par excellence mit langer Haube und knapper Fahrgastzelle. Bei ihm bekommt die Technik den Platz, den sie verdient. Denn schließlich schlägt weit hinten im Motorraum platziert der legendäre Reihensechszylinder der weiß-blauen Marke. Aber nun bekommt der heiße 1er zum ersten Mal Konkurrenz aus Stuttgart oder besser gesagt aus Affalterbach, der Heimat der feinen AMG-Fahrzeuge.

Grund genug also, den 320 PS starken Bayern in der Allradvariante mit dem A 45 AMG bei dessen erstem öffentlichen Auftritt zu konfrontieren. Kaum eine Paarung findet besser zusammen als diese. Die Innenräume der Sportler bieten nicht wirklich opulente Platzverhältnisse. Vor allem hinten geht es in der A-Klasse beengt zu – Mercedes opfert Kopfraum und setzt auf ein dynamisches nach hinten abfallendes Dach.

 

DER A 45 TRITT AGGRESSIVER AUF

Vorne sitzt im Mercedes aber alles wie ein fein genähter Maßanzug. Das Lenkrad liegt perfekt in der Hand. Der AMG-Performance-Sitz schmiegt sich passgenau an die Kontur des Fahrers. Allerdings kostet das AMG-Gestühl auch 2142 Euro extra. Nicht nur am Fahrerplatz, sondern im ganzen Innenraum wirkt der von roten Kontrastnähten durchzogene AMG eine Spur aggressiver als der zwar ergonomisch durchdachte, aber sonst recht dezente BMW. Und der erste im Innenraum gewonnene Eindruck bestätigt sich, sobald sich der AMG heiser-knurrend in Bewegung setzt. Kaum zu glauben, dass unter der Haube ein aufgeladener Vierzylinder seinen Dienst verrichtet. Ungemein vollmundig bollert das Zweiliter-Aggregat bereits bei gemächlichem Landstraßentempo durch den Performance-Auspuff (595 Euro). Der BMW-Reihensechszylinder pflegt beim sanften Dahingleiten einen deutlich kultivierteren, aber dennoch stets präsenten und zudem absolut unverwechselbaren Ton.

Aber wehe, M135i xDrive oder A 45 AMG werden von der Leine gelassen. Mit dem ersten Gasbefehl werden aus den Stars der Kompaktklasse echte Sportwagen. Insbesondere der BMW verschenkt keine Zeit, das zu beweisen. Schon ab 1300 Umdrehungen produziert das Dreiliter-Triebwerk 450 Newtonmeter. Ungemein direkt reagiert der Motor dabei auf jeden Gaspedalbefehl des Fahrers – vom verzögerten Ansprechen anderer Turbos ist hier nichts zu spüren.

Im Gegenteil: Je höher die Drehzahl steigt, desto sensibler beantwortet der M135i jeden Wunsch des Fahrers. Und der A 45 AMG? Er bringt seine 450 Newtonmeter zwar erst knapp über 2000 Touren zusammen, aber dann umso beeindruckender. Zwischen 2000 und 5000 Umdrehungen ist der kleine Zweiliter-Turbo unschlagbar. Während der BMW lediglich 107 PS pro Liter Hubraum generiert, produziert der AMG sehr beachtliche 180 PS pro 1000 Kubikzentimeter. Lediglich ein Bugatti Veyron hat da mehr zu bieten.

 

EIN HAUCH VON LE MANS

Extrem gefühlvoll und direkt setzt der bei AMG von Hand montierte Vierzylinder-Turbo jede Gaspedalbewegung um. Die Schaltvorgänge des Doppelkupplungsgetriebes, egal ob hoch oder runter, werden von dramatischen Zwischengasstößen begleitet – ein Hauch Le Mans in der Kompaktklasse. Die BMW-Automatik wechselt die Übersetzungen zwar weniger spektakulär, aber ebenso schnell. Resultat: Beide Autos absolvieren den Sprint von null auf 100 km/h bis auf ein Zehntel gleich schnell. Deutlich größer wird der Unterschied jedoch, sobald das Streckenprofil kurviger wird. Jetzt ist der AMG in seinem Element.

Unglaublich, wie narrensicher er durch Wechselkurven stürmt. Extrem neutral, mit nur einer dezenten, gut kontrollierbaren Untersteuertendenz lässt sich der allradgetriebene A 45 am Limit spielerisch dirigieren. Das sensible ansprechende Fahrwerk sorgt für optimalen Bodenkontakt, ohne dabei bockig zu werden. Gut gelungen ist auch die Lenkung. Mit kleinen Lenkwinkeln, guter Rückmeldung und frei von jeder Hektik findet man mit ihr immer die perfekte Linie. Dass die Basis des A 45 AMG eigentlich ein Kompaktmodell mit Frontantrieb ist, mag man nach einer schnellen Runde auf der Rennstrecke kaum noch glauben.

Markentypisch dynamisch absolviert auch der BMW M135i xDrive seine Runden. Der Allradantrieb sorgt für ein gegenüber der Variante mit Heckantrieb deutlich ruhigeres Fahrverhalten im Grenzbereich. Das gewohnt ausgeprägte Übersteuern seines Heckantrieb-Bruders ist ihm fremd. Der 1er bleibt wie der Mercedes lange neutral, schiebt aber am Limit früher und zudem stärker über die Vorderräder. Insbesondere dann, wenn beide Kompaktsportler schnell durch Wechselkurven fegen, erfährt sich der leichtfüßigere AMG einen Vorteil. Was der Fahrspaß kostet? Viel! Vor allem Mercedes lässt sich die Sportwagen-Performance des A 45 AMG teuer bezahlen: Schon der Grundpreis liegt rund 5000 Euro über dem des M135i mit Allradantrieb.

FAZIT

Wer einen Sportwagen in der Kompaktklasse sucht, hat ihn im ausgesprochen dynamischen Mercedes A 45 AMG gefunden. Dem komfortableren, günstigeren und geräumigeren, aber nicht ganz so leichtfüßigen BMW M135i bleibt immerhin der Status des besseren Allrounders.

TECHNIK
   

BMW M135i xDrive
Mercedes A 45 AMG
Motor R6-Zylinder, 4-Ventiler,
Turbo, Direkteinspritzung
4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbo, Direkteinspritzung
Hubraum 2979 cm³ 1991 cm³
Leistung 235 kW / 320 PS bei 5800 /min 265 kW / 360 PS bei
6000 /min
Max. Drehmoment 450 Nm bei 1300 – 4500 /min 450 Nm bei 2250 – 5000 /min
Getriebe 8-Stufen-Automatik 7-Gang, Doppelkupplung
Antrieb Allrad, permanent Allrad, permanent
Fahrwerk v.: McPherson-Federbeine, adapt. Dämpfer (opt.), Stabi.; h.: Mehrfachlenkerachse,
Federn, adapt. Dämpfer, Stabi.; DSC (ESP)
v.: McPherson-Federbeine, Querlenker, Stabi.; h.:
Mehrfachlenkerachse, Federn, Dämpfer,
Stabilisator; ESP
Reifen v.: 225/40 R 18 Y, h.: 245/35 R 18 Y rundum: 235/40 R 18Y
L/B/H 4340/1765/1411 mm 4359/1780/1417 mm
Radstand 2690 mm 2699 mm
Leergewicht 1515 kg 1480 kg
Kofferraum 360 - 1200 l 341 - 1157 l
MESSWERTE
   
0 - 100 km/h¹ 4,7 s 4,6 s
Höchstgeschwindigkeit¹ 250 km/h 250 (270)² km/h
EU-Verbrauch¹ 7,8 l SP/100 km 6,9 l SP/100 km
CO2-Ausstoß¹ 182 g/km 161 g/km
KOSTEN    
Grundpreis 44.750 Euro 49.683 Euro
¹ Werksangaben
² AMG Drivers Package (2261 Euro)

Michael Godde

Tags:

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