Neuer Opel Astra OPC im ersten Vergleich Opel Astra OPC | Renault Mégane Coupé R.S. | VW Scirocco R

06.09.2012
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Es muss nicht immer Porsche sein: Auch der neue Opel Astra OPC und seine härtesten Konkurrenten Renault Mégane Coupé R.S. sowie VW Scirocco R wecken die Lust auf schnelle Rundenzeiten

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Wir, die Autoverrückten, suchen sie jeden Tag: die Helden des Alltags. Begleiter, die uns helfen, auch den härtesten Arbeitstag glücklich enden zu lassen. Autos, die uns mitreißen. Solche, mit denen man abends kurz zum Einkaufen fährt und sich dennoch immer wieder an der Schranke zur Rennstrecke wiederfindet, um mal einfach abzuschalten und Gas zu geben. Keine unerschwinglichen Supersportwagen, sondern Kompakte im Sportdress, mit denen man durch Dick und Dünn geht. So einen wie den neuen Opel Astra OPC mit strammen 280 PS. Oder das rassige Renault Mégane Coupé R.S., das, wie der tief geduckte VW Scirocco R, 265 PS gegen den neuen Sportler aus Rüsselsheim in die Waagschale wirft. Ring frei zum ersten Vergleichstest.

 

Karosserie

Dass Raum und Funktionalität bei den Kompakten mit sportlichen Ambitionen nicht ganz oben auf der Prioritätenliste stehen, versteht sich von selbst. Aber die drei Kampfhähne schaffen den Spagat. Vor allem der bullige Opel hat viel Platz zu bieten. Vorn wie hinten finden selbst Großgewachsene genug Raum, um sich zu entfalten. Und selbst das Gepäckabteil fällt üppiger aus als bei den beiden Konkurrenten.

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Das Blechkleid des Renault Mégane R.S. ist nicht nur optisch auf Angriff gestylt, sondern auch enger geschnitten. Vor allem das flacher verlaufende Dach sorgt für weniger Kopffreiheit im Franzosen. Beim Scirocco sind schlicht die Sitze zu hoch montiert. Zusammen mit den stark in die Seiten gezogenen Dachholmen entsteht so ein recht enges Raumangebot. Auch hinten wird es im VW schmal, sodass die Insassen Schulter an Schulter sitzen müssen. Dafür punktet der sachliche Niedersachse mit der besten Materialqualität und Verarbeitung. Während die Oberflächenunterschiede im Opel Astra OPC deutlich ins Auge fallen und die ein oder andere Passung nicht so recht sitzt, gibt es beim Scirocco nichts auszusetzen. Das gilt mit leichten Einschränkungen auch für den Mégane R.S. Der büßt allerdings reichlich Punkte bei der Sicherheitsausstattung ein, Opel und Volkswagen bieten hier mehr. So gehört Xenonlicht zum Beispiel bereits zur Serienausstattung.

KarosserieMax. PunkteVW Scirocco ROpel Astra OPCRenault Mégane Coupé R.S.
Raumangebot vorn100636564
Raumangebot hinten100454947
Übersichtlichkeit70303232
Bedienung/ Funktion100898583
Kofferraumvolumen100223230
Variabilität100153030
Zuladung/ Anhängelast80162425
Sicherheit150959981
Qualität/ Verarbeitung200186178182
Kapitelbewertung1000561594574

 

Fahrkomfort

Platz nehmen und Wohlfühlen gilt für alle drei Sportskameraden. Allerdings verzichtet Volkswagen beim R-Testwagen auf die optionalen Schalensitze (3260 Euro). Gut für den Komfort, schlecht für das sportliche Flair. Im Opel Astra OPC gehört das eng anliegende Gestühl zum Serienstandard. Allerdings lassen sie sich gegen einen Obolus von 900 Euro mit ausziehbarer Oberschenkelauflage und elektro-pneumatisch einstellbaren Seitenwangen auf Komfort trimmen. Weniger Einstellmöglichkeiten, weniger Komfort heißt es im Renault Mégane Coupé R.S.. Da beim Testwagen das Cup-Paket an Bord ist, versprüht der Franzose jetzt nicht nur im Innenraum Rennstreckenatmosphäre. Die Sitze spannen Fahrer und Beifahrer wie Schraubstöcke ein, und auch das Fahrwerk ist nochmals straffer abgestimmt. Federungskomfort? Wenig! Zumindest im Vergleich zu Opel und VW. Diese beiden verfügen über adaptive Dämpfer (VW: 975 Euro Aufpreis), die auf Knopfdruck dem sportlichen Grundcharakter eine sanftere Note beimischen.

FahrkomfortMax. PunkteVW Scirocco ROpel Astra OPCRenault Mégane Coupé R.S.
Sitzkomfort vorn150120122115
Sitzkomfort hinten100525654
Ergonomie150124120115
Innengeräusche50333639
Geräuscheindruck100707173
Klimatisierung50403939
Federung leer200135131130
Federung beladen200137133131
Kapitelbewertung1000711708696

 

Motor und Getriebe

Mit dem neuen Astra OPC schickt Opel nicht nur den stärksten Astra aller Zeiten ins Rennen, sondern auch den ersten mit Benzin-Direkteinspritzung und Turbolader. Satte 280 PS presst das Aggregat aus zwei Liter Hubraum. Den Leistungsvorteil verspielt der OPC aber mit seinem hohen Gewicht. Renault und VW müssen einen Hauch weniger Masse pro PS beschleunigen. Bis Tempo 100 liegen alle drei allerdings gleichauf. Das Spektakel, dass der Turbomotor des Opel Astra OPC entfacht, ist jedoch von besonderer Qualität. Der Lader reißt die Luft mit wildem Fauchen förmlich aus der Atmosphäre, ein Hochgenuss für Turbofans. Kehlig heiser trompetet der Mégane seinem Drehzahllimit entgegen – der Motor fühlt sich eher nach drehwilligem Saugmotor an und ist exzellent zu dosieren. Der Vierzylinder des Neuer Scirocco GTS: Debüt des 211 PS-Kompakten in Leipzig verbindet beide Welten miteinander. Er dreht ungeniert bis zur 7000er-Marke und tritt schon bei 2000 Umdrehungen derart druckvoll an, dass er oberhalb von 100 km/h im sechsten Gang des exakt und leicht schaltbaren Getriebes uneinholbar davonzieht. Dass die Abstimmung des Scirocco R im Ganzen besser ist, unterstreicht schlussendlich der Testverbrauch. Während Opel und Renault gut elf Liter benötigen, genehmigt sich der VW lediglich 9,5 Liter auf 100 Kilometern.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Scirocco ROpel Astra OPCRenault Mégane Coupé R.S.
Beschleunigung150131129132
Elastizität100888685
Höchstgeschwindigkeit150909093
Getriebeabstufung100878082
Kraftentfaltung50362230
Laufkultur100656767
Verbrauch325201173171
Reichweite25989
Kapitelbewertung1000707655669

 

Fahrdynamik

Die Flucht aus dem Alltag beginnt mit dem Einsteigen. OPC-, R.S.- und R-Logos weisen im Innenraum darauf hin, dass es hier gleich zur Sache geht. Ja, Opel, Renault, VW bewältigen den Alltag mühelos, aber sie sind für die Freizeit gemacht. Keine Spur von langweiligen Fronttrieblern mit zu viel Leistung. Hier steht der Spaß im Fokus. Und der kommt auf, sobald die Ampel der Boxengasse auf Grün schaltet. Brachial stürmt der OPC nach vorn. Das serienmäßige mechanische Sperrdifferenzial koordiniert die Kraft zwischen den beiden Vorderrädern. Sehr willig beantwortet die Vorderachse die Kurswünsche des Fahrers – etwas mehr Rückmeldung in der Lenkung wäre jedoch wünschenswert. Aber der Astra liegt wie das sprichwörtliche Brett. Der Druck auf die OPC-Taste trimmt Motor, Lenkung und Fahrwerk kompromisslos auf Fahrspaß. Jetzt ist der Sportsgeist spürbar. Wechselkurven durcheilt der Opel satt und ohne wilde Ausfallschritte.

Agiler und leichtfüßiger wetzt jedoch der Renault durch jede Biegung. Die gute Rückmeldung in der Lenkung bezahlt der Mégane-Pilot allerdings mit deutlich spürbaren Antriebseinflüssen vom heftig an den Vorderrädern zerrenden Antrieb. Auch der R.S. nutzt mit dem Cup-Paket (1590 Euro, ohne Schalensitze) ein mechanisches Sperrdifferenzial. Allerdings bringt er insbesondere aus engen Kehren heraus seine Kraft nicht so souverän auf die Strecke wie der schwere Brocken aus Rüsselsheim – und das kostet Zeit. Die ausgeprägte Neigung, auf harte Bremsmanöver oder bei Lastwechseln in Wechselkurven mit dem Heck nach außen zu drängen, ist eher hilfreich als störend – aber vor allem macht sie den Mégane zum Fahrspaßkönig. Dabei verlangt er aber auch am meisten Konzentration. Er kommuniziert ungefiltert mit seinem Piloten und lässt keinen Raum, um mit den Gedanken abzuschweifen – Willkommen im Gute-Laune-Paradies! Der Opel Astra OPC spult die Handling-Runde aber dennoch schneller ab.

Das, was Mégane und Astra fehlt, bietet der Scirocco. Er ist ausgeglichen, sein Motor am saubersten zu dosieren und sein Fahrwerk im Grenzbereich narrensicher. Und er ist dabei vor allem schnell. Zwar verzichtet Volkswagen beim Scirocco R auf eine mechanische Differenzialsperre, aber das XDS-System, das über Bremseingriffe die Kraft bedarfsgerecht portioniert, hat keine Mühe, die 265 PS mit viel Grip auf den Asphalt zu bringen. Die Lenkung arbeitet perfekt. Sie eliminiert die Antriebseinflüsse nahezu vollständig, generiert aber dennoch eine feinfühlige Rückmeldung. Im Sportmodus zeigt der heiße Wolfsburger dann sein ganzes Potenzial. Die Federung, die gerade noch die Anreise komfortabel gestaltete, unterwirft sich jetzt nur noch dem einen Ziel: die schnellste Rundenzeit auf den Asphalt zu bringen. Der Scirocco trifft jeden Einlenkpunkt mit chirurgischer Präzision, zieht sich auf der Ideallinie durch die Kurve und schiebt mit sattem Punch von unten über die Geraden. Genauso soll es sein – perfekt.

Einzig der Kaltbremswert des Wolfsburgers könnte noch etwas besser sein – hier demonstriert der Opel Standfestigkeit. Erst mit warmen Bremsen kann der VW überzeugen.

FahrdynamikMax. PunkteVW Scirocco ROpel Astra OPCRenault Mégane Coupé R.S.
Handling150838075
Slalom100869682
Lenkung100848082
Geradeauslauf50393735
Bremsdosierung30221722
Bremsweg kalt1508410877
Bremsweg warm1501039989
Traktion100454040
Fahrsicherheit150130125120
Wendekreis2014510
Kapitelbewertung1000690687632

 

Umwelt und Kosten

Die Freude am Fahren gibt es nicht zum Schnäppchenpreis. Für den Opel Astra OPC verlangen die Rüsselsheimer 34.250 Euro, Volkswagen lässt sich den Scirocco R mit 34.825 Euro teuer bezahlen. Der Renault Mégane RS Trophy: Alle Daten und Preise ist zwar bereits ab 27.990 Euro zu haben. Aber nur wer das Cup-Paket (ab 2990 Euro) mitordert, das Differenzialsperre, Brembo-Bremsanlage mit geschlitzten Bremsscheiben, mattschwarze 18-Zoll-Räder, Cup-Fahrwerk und vor allem die eng anliegenden Recaro-Schalensitze beinhaltet, bekommt die uneingeschränkte Fahrspaßgarantie mitgeliefert. Doch selbst dann bleibt der rassige Franzose in diesem Testtrio unterm Strich das günstigste Angebot.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Scirocco ROpel Astra OPCRenault Mégane Coupé R.S.
Bewerteter Preis675164167198
Wertverlust50171720
Ausstattung25202020
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50281827
Werkstattkosten20161312
Steuer10888
Versicherung40323030
Kraftstoff55322727
Emissionswerte25888682
Kapitelbewertung1000405386424

 

Fazit

Würden wir in diesem Vergleichstest nur den reinen Sportsgeist bewerten, wäre der Mégane ein echter Titelaspirant. Sein agiles, leichtfüßiges Handling begeistert bereits auf den ersten Metern auf abgesperrter Strecke. Zwar ist er nicht schneller als Opel Astra oder VW Scirocco, aber er versprüht am meisten Rennstreckenflair. Allerdings verlangt diese konsequente Ausrichtung von seinen Besitzern im Alltag die höchste Kompromissbereitschaft. So erreicht er in der Gesamtwertung trotz seines günstigen Einstiegspreises nur den dritten Rang. Der Opel Astra OPC hat das gleiche sportliche Ziel wie der Renault im Visier, kann es aber besser mit allen anderen Ansprüchen, die man an einen Alltagspartner stellt, in Einklang bringen. Allerdings fehlt ihm der letzte Feinschliff. Ganz im Gegenteil dazu der VW Scirocco R: Er ist genau der Partner, der uns sicher und bequem durch den Alltag bringt und uns nach Feierabend mitreißt. Gerade noch komfortabel im Schritttempo dem allabendlichen Berufsverkehr entkommen, mutiert er auf abgesperrter Strecke zum agilen, leicht beherrschbaren Sportler, der seinen Rivalen keine Chance lässt.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Scirocco ROpel Astra OPCRenault Mégane Coupé R.S.
Summe5000307430302995
Platzierung123

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