Kompaktklasse: Renault Mégane gegen Hyundai i30 und Toyota Auris im Vergleichstest Hyundai i30, Renault Mégane, Toyota Auris

28.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Die Asiaten sind auf dem Vormarsch. Die überarbeiteten Hyundai i30 und Toyota Auris wollen die etablierte europäische Konkurrenz – wie den Renault Mégane – das Fürchten lehren

Japan und Korea sind längst Großmächte im Automobilbau. Und China ist seit kurzem der größte Automarkt der Welt. Wer dann noch genau die deutschen Zulassungs-Hitlisten studiert, reibt sich verwundert die Augen: Das meistverkaufte Auto aus Fernost ist in diesem Jahr (bis einschließlich Juli) der Hyundai i30 mit 18.116 Zulassungen. Doch damit nicht genug, denn er liegt sogar noch deutlich vor dem erfolgreichsten Franzosen – dem Renault Mégane (17.336 Zulassungen). Hyundai ist damit längst kein Exot mehr, sondern auch hierzulande auf dem Weg zu einer Volksmarke – wo Toyota schon angekommen ist. Sind die Asien-Mobile wie etwa der Hyundai i30 blue 1.6, der gerade eine Überarbeitung erfahren hat, eine Alternative zu europäischen Kompaktstars?

Vielleicht darf ’s – nachdem die US-Verkehrsbehörde Toyota endlich von dem Verdacht, gefährliche Autos zu bauen, freigesprochen hat – auch ein Auris 1.6 valvematic sein? Diese Modellreihe ist in diesem Jahr ebenfalls runderneuert worden. Doch warum in die Ferne schweifen, mag sich mancher fragen. Und wird schon jenseits des Rheins fündig – beispielsweise bei einem Renault Mégane TCe 130. Bei diesem Modell sind die Franzosen dem – vom Volkswagen- Konzern initiierten – Trend zum Downsizing gefolgt. Das heißt, sie haben den Hubraum verkleinert und das dadurch entstehende Leistungsmanko mit einem Turbolader kompensiert. So tritt der Mégane TCe in der 130-PS-Klasse mit einem Motor an, dessen Hubraum nur 1397 cm3 beträgt.

 

Karosserie

Bei Fahrzeuglängen zwischen 4,25 und 4,30 Metern und Unterschieden in der Breite, die ebenfalls im niedrigen einstelligen Zentimeterbereich angesiedelt sind, kann keiner der Probanden sich in Sachen Raumangebot entscheidend absetzen. Vorn bieten alle drei durchaus großzügige Platzverhältnisse, hinten mangelt es beim Renault etwas an Beinfreiheit. Letztere hat der Franzose offensichtlich dem Kofferraum geopfert. Denn da bietet der Mégane, auch vollbesetzt, 405 Liter Stauvolumen – für diese Klasse ein guter Wert.

Wer dagegen gern Freunden beim Umzug hilft, sollte den Toyota Auris ordern, dessen Laderaum maximal 1.335 Liter fasst. Dafür fehlt es dem Mégane ebenso wie dem Auris an Übersichtlichkeit. Hier ist der Hyundai i30 – zumindestens beim Blick nach vorn – etwas besser. Dennoch empfiehlt es sich für alle drei, etwas Geld in Einparkhilfen zu investieren, wenn man keine verbeulten Stoßfänger mag. In Sachen Bedienbarkeit gibt es hingegen wenig Grund zur Klage, auch wenn man sich an die etwas willkürlich verstreut platzierten Schalter und Tasten im Renault ein wenig gewöhnen muss.

Ebenso erfreulich ist der Qualitätseindruck. Hier hat besonders dem Auris das Facelift gutgetan, mit dem neue Materialien im Innenraum zum Einsatz gekommen sind. Was hingegen aktuelle Sicherheitsfeatures anbetrifft, herrscht bei allen drei Konkurrenten durchaus Ergänzungsbedarf. Spurhalte- und Spurwechselassistenten sind ebenso Fehlanzeige wie etwa Berganfahrhilfen oder Rückfahrkameras. Immerhin ist der Mégane in der teuren Luxe-Ausstattung mit dynamischem Kurvenlicht erhältlich.

KarosserieMax. PunkteRenault Mégane TCe 130Toyota Auris 1.6 valvematicHyundai i30 blue 1.6
Raumangebot vorn100696866
Raumangebot hinten100535653
Übersichtlichkeit70363640
Bedienung/ Funktion100838583
Kofferraumvolumen100353128
Variabilität100252525
Zuladung/ Anhängelast80292930
Sicherheit150817971
Qualität/ Verarbeitung200182176172
Kapitelbewertung1000593585568

 

Fahrkomfort

Zugunsten der Fahrsicherheit ist unseren Autos in den letzten Jahren der Fahrkomfort etwas abhanden gekommen. Vorbei die Zeiten, als man noch die Wahl hatte zwischen Sänften und Sportlern. Da machen auch unsere drei Testkandidaten keine Ausnahme. Alle haben eine recht straffe Grundabstimmung, wobei der Mégane GT Line schon deutlich in den sportlichen Bereich geht. Das muss man mögen, denn zu ordentlichem Federn entschließt sich der Franzose erst bei voller Beladung. Doch auch die beiden Asiaten können hier nicht wirklich überzeugen, quittieren Fahrbahnverwerfungen gern mit unangenehmem Poltern.

Nicht so gut gefällt auch das vordere Gestühl von Auris und i30. Zwar ausreichend bequem, sitzt man jedoch einfach zu hoch und erfährt in Kurven kaum seitliche Abstützung. Mindestens eine Klasse besser sind hier die – allerdings ebenfalls zur aufpreispflichtigen GT Line gehörenden – Sportsitze des Renault Fluence 1.6 16V 110 im Fahrbericht. Nachholbedarf gibt es außerdem bei den Koreanern in Sachen Akustik. Bei Autobahntempo wird der i30 im Gegensatz zu Mégane und Auris ungebührlich laut. Was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass er als einziger nur mit einem Fünfganggetriebe antritt.

FahrkomfortMax. PunkteRenault Mégane TCe 130Toyota Auris 1.6 valvematicHyundai i30 blue 1.6
Sitzkomfort vorn150122112110
Sitzkomfort hinten100667060
Ergonomie150118123116
Innengeräusche50343026
Geräuscheindruck100716865
Klimatisierung50333228
Federung leer200128133130
Federung beladen200132135130
Kapitelbewertung1000704703665

 

Motor und Getriebe

Und dieser fehlende sechste Gang dürfte auch seinen Anteil daran haben, dass der Hyundai, obwohl nominell nur geringfügig schwächer als die Konkurrenz, bei den Fahrleistungen etwas hinterherhinkt. Lediglich bei der Elastizitätsprüfung kann er halbwegs mithalten. Aber gegen den modernen, kleinen Turbo von Renault ist hier ohnehin kein Kraut gewachsen. Der tritt in jeder Lebenslage an, als wolle er das nächste Rennen gewinnen. Dabei täuschen die Messwerte im Hinblick auf die Souveränität des Franzosen sogar ein wenig. Insbesondere bei der Elastizität macht sich der Turbo positiv bemerkbar. Hier hat speziell der Toyota Auris keine Chance.

Soll er dem Renault Paroli bieten, muss sein Fahrer kräftig den Schalthebel bemühen. Den Griff dahin kann sich der Renault-Lenker meist sparen, obschon sich das Sechsganggetriebe recht flüssig schalten lässt. Doch dieser Power-Auftritt hat seinen Preis. Denn genau wie bei vielen anderen Downsizing-Motoren bleiben auch die Trinksitten des kleinen Renault-Turbo nur solange zurückhaltend, wie man im Verkehr einfach mitschwimmt. Wer das Fahrpedal zu offensiv betätigt, wird stehenden Fußes mit einem ICE-Zuschlag bestraft. Dagegen legen der Toyota und insbesondere der Hyundai geradezu die Disziplin und Askese asiatischer Tempelmönche an den Tag. Wobei dem i30 blue natürlich sein serienmäßiges Start-Stopp-System zugute kommt, was weder Auris noch Mégane zu bieten haben.

Motor und GetriebeMax. PunkteRenault Mégane TCe 130Toyota Auris 1.6 valvematicHyundai i30 blue 1.6
Beschleunigung150107105102
Elastizität100765874
Höchstgeschwindigkeit150534947
Getriebeabstufung100807874
Kraftentfaltung50322623
Laufkultur100585652
Verbrauch325213232241
Reichweite25121213
Kapitelbewertung1000631616626

 

Fahrdynamik

Obwohl es sich hier um normale, wenngleich ordentlich motorisierte Kompaktautos handelt, ist ihnen eine forcierte Gangart nicht ganz fremd. Das trifft besonders auf den Renault Mégane zu, der sowohl bei der Slalom-Prüfung als auch auf dem Handling-Testkurs mit klaren Bestzeiten glänzen kann. Verantwortlich dafür ist aber nicht allein sein Sportfahrwerk, sondern in starkem Maße auch die gegenüber dem Vorgängermodell deutlich verbesserte Lenkung. Dazu kommen eine gute Traktion und eine Abstimmung, die das Untersteuern minimiert hat.

Das i-Tüpfelchen beim Mégane, zumindest für engagierte Fahrer, ist jedoch ein spät eingreifendes ESP, das dem Vorwärtsdrang des Franzosen die lange Leine lässt. Das genau gegenteilige Verhalten legt der Toyota Auris an den Tag. Der Japaner nimmt Biegungen aller Art stur untersteuernd. Und wenn die Wetterkarte für den nächsten Tag geringe Reibwerte, sprich Regen oder gar Schnee, ankündigt, hat man das Gefühl, dass der Auris schon mal in vorauseilendem Gehorsam sein ESP aktiviert. Nichts für den Spaß, aber immer auf der sicheren Seite. Wozu auch seine guten Bremsen ihren Teil beitragen.

Genau die können dagegen beim Hyundai alles andere als begeistern. 39 Meter Bremsweg aus Tempo 100 bis zum Stillstand sind wahrlich kein Ruhmesblatt. Mit dem Hyundai lässt sich auch bei Handling und Slalom wenig Staat machen. Immerhin greift auch hier das ESP sicher zügelnd ein, wenn der Fahrer zu übermütig wird. Und das ist auch gut so, denn bei abgeschalteter elektronischer Schleuderbremse zeigt der Koreaner heftige Lastwechselreaktionen, die auch versierten Fahrern schnelle Reaktionen abverlangen.

FahrdynamikMax. PunkteRenault Mégane TCe 130Toyota Auris 1.6 valvematicHyundai i30 blue 1.6
Handling150676355
Slalom100736663
Lenkung100757370
Geradeauslauf50404038
Bremsdosierung30171917
Bremsweg kalt150839361
Bremsweg warm150949461
Traktion100423943
Fahrsicherheit150126130124
Wendekreis20131111
Kapitelbewertung1000630628543

 

Umwelt und Kosten

Dafür kann der Hyundai bei kühlen Rechnern richtig Punkte machen. Denn schon im Grundpreis trennen ihn 3.000 Euro von seinem nächst günstigeren Konkurrenten, dem Toyota. Zum Renault sind es sogar fast 4.000 Euro. Und selbst wenn diese Unterschiede mit der AUTO ZEITUNG-Normausstattung kleiner werden, bleibt der in absoluten Zahlen geringste Wertverlust. Dazu kommen die niedrigsten Kraftstoffkosten und – nicht zu unterschätzen – die langen Garantieversprechungen der Koreaner.

Hier muss insbesondere der Renault Mégane Federn lassen, den auch sein vergleichsweise hoher Preis und die Tankrechnungen zurückwerfen. Im Mittelfeld bewegt sich der Toyota Auris, sowohl in puncto Preise als auch Benzinkosten. Und sogar Boden gutmachen auf die französische und koreanische Konkurrenz kann der Japaner im Hinblick auf die zu erwartenden Werkstatt-Rechnungen.

Kosten/UmweltMax. PunkteRenault Mégane TCe 130Toyota Auris 1.6 valvematicHyundai i30 blue 1.6
Bewerteter Preis675256264297
Wertverlust50252730
Ausstattung2520144
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50272535
Werkstattkosten20141614
Steuer10999
Versicherung40303230
Kraftstoff55353839
Emissionswerte25868886
Kapitelbewertung1000502513544

 

Fazit

Der Sieg des Renault Mégane TCe 130 war hart erkämpft. Denn wo es einerseits viel Licht gibt – kräftigster Motor –, ist auch der dunkle Schatten – höchster Verbrauch – nicht weit. Da war es hilfreich, dass der Franzose auch in Sachen Fahrdynamik und Fahrkomfort wenig Schwächen zeigte und so seine Führung über das für ihn leidige Kostenkapitel hinwegretten konnte. So bleibt dem Toyota Auris, obwohl auch er sich in keiner Disziplin einen Einbruch leistete und dem Franzosen immer dicht auf den Fersen blieb, letztlich nur ein guter zweiter Platz auf dem Treppchen. Die Domäne des frisch überarbeiteten Hyundai i30 blue ist der Bereich Umwelt/Kosten. Doch hier zu gewinnen, reicht noch nicht, um die Defizite auf anderen Gebieten zu kompensieren. Nachholbedarf hat der Koreaner noch bei der Fahrdynamik und den Bremsen. Doch das Aufholtempo von Hyundai ist beeindruckend.

Gesamtbewertung

Max. PunkteRenault Mégane TCe 130Toyota Auris 1.6 valvematicHyundai i30 blue 1.6
Summe5000306030452946
Platzierung123

Tags:
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