Kompakte: Neuer Kia Cee'd gegen Golf & Co. Ford Focus 1.0 EcoBoost | Hyundai i30 1.4 CVVT | Kia Cee'd 1.4 CVVT | Skoda Octavia 1.2 TSI | VW Golf 1.2 TSI

20.07.2012
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Auf den Hyundai i30 folgt jetzt der neue Kia Cee’d als zweite Kampfansage aus Korea . Erster Vergleichstest der Benziner-Varianten um 100 PS

An mindestens zwei Dinge hat man sich in der Automobilwelt leider längst gewöhnt. Zum einen werden die vierrädrigen Träume mit jedem Facelift und jedem Modellwechsel meist ein wenig teurer. Und zum anderen veranschlagt man für vollwertige Alltagsautos der Kompaktklasse nach dem Bauchgefühl mittlerweile schon rund 20.000 Euro.

Umso mehr dürfte der komplett neue Kia Cee’d wie eine Bombe in den Markt einschlagen. Denn Kia bietet den jetzt bestellbaren Golf-Gegner nicht nur gut 500 Euro günstiger an als den Vorgänger, sondern schraubt den Einstiegspreis in der Kompaktklasse auf beachtliche 13.990 Euro herunter. Wohlgemerkt mit einer Sieben-Jahres-Garantie bis 150.000 Kilometer.

So viel Selbstbewusstsein muss hinterfragt werden. Hat das Lockangebot einen Haken? Verstecken sich zusätzliche Kosten in der Aufpreisliste? Macht Kia bei der Qualität Abstriche?

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Wir stellen dem neuen Cee’d prompt seine vier härtesten Gegner in einem Vergleichstest entgegen. Neben dem Klassenprimus Golf, dem Preis-/Leistungs-Star Skoda Octavia und dem Dynamiker Ford Focus tritt der technisch eng mit dem Kia verwandte Hyundai i30 in den Ring. Weil es den Cee’d zum Kampfpreis nur mit dem 99 PS starken 1,4-Liter-Benziner gibt, treten auch die Konkurrenten in der 100-PS-Liga an. VW und Skoda setzen dafür auf den Turbo-Benziner 1.2 TSI – Ford auf einen brandneuen Downsizing-Dreizylinder mit Turbolader.

 

Karosserie

Nach wie vor fühlt man sich im geräumigen VW Golf vor allem auf den vorderen Sitzplätzen wie zu Hause. Jeder Schalter und jede Ablage sind genau dort, wo man sie erwartet, und das Platzangebot lässt keine Wünsche offen. Doch vorbei sind die Zeiten, in denen allein der Wolfsburger den Maßstab für die beste Raumausnutzung setzte. Hyundai und Kia haben fleißig an ihren technisch eng verwandten Kompakten gefeilt und bieten jetzt ein ebenso üppiges Raumgefühl. Allerdings sind sie mit 4,30 Meter Gesamtlänge auch zehn Zentimeter länger als der Niedersachse. Den zusätzlichen Raum spüren vor allem Passagiere auf der Rückbank. Hier hat man im i30 und im Cee’d am meisten Platz. Etwas verbaut wirkt dagegen der Innenraum des Ford Focus. Zwar fühlen sich Fahrer und Beifahrer in keinem anderen Auto so gut ins Fahrzeug integriert – großzügig lümmeln lässt es sich im Kölner aber weder vorn noch hinten. Dass der Skoda Octavia mit seinem Fließheck der längste Vertreter im Vergleichstest ist (4,57 Meter), merkt man vor allem am Kofferraum. Unter die große Glaskuppel passen 560 Liter Gepäck, ohne die Rücksitze umzuklappen. Die Mitstreiter müssen mit deutlich weniger auskommen, wobei der Golf (350 Liter) das Schlusslicht bildet. Kia und Hyundai bieten immerhin 380 Liter.

Im Skoda Octavia müssen die hinteren Mitfahrer durch die flach abfallende Dachlinie des Fünftürers die Köpfe etwas mehr einziehen als bei der Konkurrenz. Dafür ist es immer wieder eine Freude, wie aufgeräumt und reduziert sich die Cockpitlandschaft im Tschechen präsentiert. Zusammen mit dem Technikspender Golf setzt er den Maßstab in Sachen Bedienbarkeit. Das wird gerade im Vergleich zum Ford Focus deutlich, der seine Insassen mit einer bunten Schalterflut und dem überladenen Mitteldisplay überfordert. Hyundai und vor allem der neue Kia wirken da für asiatische Verhältnisse schon fast konservativ. Das ist gut so, lassen sich die großen Knöpfe und Drehschalter doch leicht finden und einfach bedienen. Im Kia – hier ohne Navi-System – gibt es zwei Infodisplays: das eine im Tacho, das andere oben im Armaturenträger. Gut verarbeitet wie sein Landsmann ist der Koreaner ohnehin. Der angenehme Materialmix und die weich aufgeschäumten Oberflächen rund um den Armaturenträger lassen nirgendwo den Gedanken an ein Billigauto aufkommen. Die millimetergenaue Einpassung der Schalter ist sogar im Lenkrad perfekt gelungen.

Auch bei der Sicherheitsausstattung hat Kia ordentlich aufgeholt. Eine Reifenpannenanzeige gibt es jetzt ebenso wie Kurven- und Abbiegelicht oder einen Spurassistenten. Allerdings hat nur VW hintere Seitenairbags im Angebot (350 Euro). Spitzenreiter bei den elektronischen Helfern ist immer noch der Ford Focus. Das Angebot reicht vom Notbremsassistenten über den Tempolimit-Scanner bis hin zum Toter-Winkel-Warner.

KarosserieMax. PunkteKia Cee'd 1.4 CVVTSkoda Octavia 1.2 TSIHyundai i30 1.4 CVVTFord Focus 1.0 EcoBoostVW Golf 1.2 TSI
Raumangebot vorn1007070707070
Raumangebot hinten1006057605258
Übersichtlichkeit703636363538
Bedienung/ Funktion1008890888490
Kofferraumvolumen1003456343030
Variabilität1003533353033
Zuladung/ Anhängelast803936363432
Sicherheit1508890859593
Qualität/ Verarbeitung200183184183180185
Kapitelbewertung1000633652627610629

 

Fahrkomfort

Schon auf den ersten Metern in Hyundai i30 und Kia Cee’d fällt die Stille im Auto auf. Das liegt vor allem am sehr leisen Motor: Im Stand kaum zu hören, macht sich der in beiden Autos identische 1,4-Liter-Vierzylinder tatsächlich nur bei Vollast und hoher Drehzahl bemerkbar. Weil auch Wind- und Abrollgeräusche durch die gute Dämmung draußen bleiben, herrscht selbst auf Autobahnen erstaunliche Ruhe. Auch bei der Abstimmung von Federn und Dämpfern haben die Koreaner sehr viel Wert auf Komfort gelegt. Sanfter als die Konkurrenten sprechen Cee’d und i30 auf Unebenheiten an, lassen sich selbst von groben Bodenwellen nicht aus der Ruhe bringen und überzeugen mit guter Karosseriesteifigkeit.

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Letztere haben auch Ford, VW und Skoda zu bieten, allerdings ist die Grundauslegung der Fahrwerke hier straffer und sportlicher. So neigen sich die Europäer in Kurven zwar weniger zur Seite, lassen aber kurze Bodenwellen stärker in den Innenraum durch. Einen sehr überzeugenden Kompromiss aus Sportlichkeit und Komfort bietet Ford. Zudem stecken Focus, Golf und Octavia eine volle Beladung besser weg. Hier neigen die beiden Koreaner zum Nachwippen. Dafür kann man es sich jetzt auch im i30 und Cee’d auf längeren Strecken bequem machen. Im Vergleich zu früheren Korea-Autos haben die Sitze kräftig an Komfort und Seitenhalt zugelegt. Ganz an Ford und VW reichen sie jedoch noch nicht heran.

FahrkomfortMax. PunkteKia Cee'd 1.4 CVVTSkoda Octavia 1.2 TSIHyundai i30 1.4 CVVTFord Focus 1.0 EcoBoostVW Golf 1.2 TSI
Sitzkomfort vorn150127130127130132
Sitzkomfort hinten1007069707272
Ergonomie150132130132125132
Innengeräusche503635363534
Geräuscheindruck1006258636060
Klimatisierung501835313131
Federung leer200141135143139137
Federung beladen200133132134135135
Kapitelbewertung1000719724736727733

 

Motor und Getriebe

In der 100-PS-Klasse setzen die Hersteller auf verschiedene Motorenkonzepte. Während Kia Cee'd und Hyundai i30 einem klassischen Sauger mit 1,4 Litern Hubraum und Multipoint-Einspritzung vertrauen, kommt in Golf und Octavia der 1.2 TSI aus dem VW-Regal zum Einsatz. Aus weniger Hubraum, dafür aber von Turbolader und Direkteinspritzung unterstützt, holen die Wolfsburger mehr Leistung und deutlich mehr Drehmoment. Das kann hier schon ab 1550 Umdrehungen genutzt werden, was eine ultralange Getriebeübersetzung und viel Komfort bei hohen Geschwindigkeiten zulässt. Zum Vergleich: Dreht sich die Kurbelwelle im Golf bei Tempo 130 gerade 2800 Mal pro Minute, sind es im Kia schon 4000 Umdrehungen. Für den vollen Schub muss man die Sauger sogar noch weiter treiben. Doch keine Angst, zum komfortablen Mitschwimmen im Verkehr reichen den Koreanern auch niedrige Drehzahlen. Der Kurzhuber in Kia und Hyundai überzeugt dabei mit sehr geschmeidigem und kultiviertem Motorlauf. Dazu passt die kürzere Übersetzung im Kia perfekt. Hyundai setzt auf eine etwas längere Auslegung, wobei sich die Hebel für schnelle Gangwechsel kurz und knackig durch die Gassen ziehen lassen.

Etwas rau wirkt dagegen die neue Wunderwaffe von Ford. Die Kölner bieten mit dem 1.0 EcoBoost als erste in der Kompaktklasse einen quirligen Downsizing-Motor mit drei Zylindern an, der dank 100 PS und 170 Newtonmetern keine Probleme mit dem vergleichsweise schweren Ford Focus hat (1358 kg). Mit kernigem Brummen spricht er bei jeder Drehzahl auf Gasbefehle an und dürfte auch Schaltfaulen Spaß bereiten. Allerdings muss der Einliter-Ford mit fünf Gängen auskommen – die Wettbewerber setzen allesamt auf Sechsgang-Getriebe. Trotzdem löst Ford sein Versprechen ein, den sparsamsten Benziner der Kompaktklasse anzubieten: Mit 6,1 Litern pro 100 Kilometer setzt er sich auf der Verbrauchsrunde der AUTO ZEITUNG klar an die Spitze des Testfelds. Der Golf begnügt sich dank seiner Start-Stopp-Funktion (BlueMotion Technology: 400 Euro) mit 6,5 Litern Benzin, der Rest mit rund sieben Litern.

Motor und GetriebeMax. PunkteKia Cee'd 1.4 CVVTSkoda Octavia 1.2 TSIHyundai i30 1.4 CVVTFord Focus 1.0 EcoBoostVW Golf 1.2 TSI
Beschleunigung1508998908095
Elastizität1005463546766
Höchstgeschwindigkeit1504047404246
Getriebeabstufung1008384837884
Kraftentfaltung502630262830
Laufkultur1006865686565
Verbrauch325247245249266258
Reichweite251414141816
Kapitelbewertung1000621646624644660

 

Fahrdynamik

Ebenso mustergültig wie der Verbrauch ist die agile Fahrdynamik des Focus. Das zackige Einlenken, die sehr authentische Rückmeldung in der Lenkung und das stets leicht mitlenkende Heck machen aus dem Kölner einen echten Kurven- und Slalomkünstler. Doch kaum langsamer schnürt der Skoda Octavia um den Handlingparcours, der mit seiner Spitzentraktion einen überraschend agilen Eindruck hinterlässt. Fairerweise sei hier auf die breiten Dunlop-Sportreifen hingewiesen, die ihm auch sehr gute Bremsleistungen bescheren. Von denen kann der Golf diesmal nicht profitieren. Bremswege von gut 38 Metern sind untypisch für den Musterschüler und kosten wichtige Punkte. Dafür bleiben das narrensichere Fahrverhalten und die authentische Rückmeldung auf der Handlingstrecke auch mit schmaleren Reifen (205/55 R16) und ohne adaptive Dämpfer (DCC: 975 Euro) erhalten. Ebenso narrensicher umzirkeln die beiden Koreaner die Pylonen. Ein unruhiges Heck lässt sich nur mit abgeschaltetem ESP und starken Lastwechseln provozieren. Dass der Kia agiler wirkt als sein Konzernbruder, dürfte am geringeren Gewicht und der leichtgängigeren Lenkung liegen. Der Hyundai, dessen Lenkkräfte sich per Knopfdruck variieren lassen, wirkt vor allem im Slalom schwerfälliger. Lob bekommt der Cee’d auch für seine guten Bremsen. Der mit 1236 kg Leichteste im Testfeld steht bei einer Vollbremsung aus Tempo 100 nach rund 36 Metern.

FahrdynamikMax. PunkteKia Cee'd 1.4 CVVTSkoda Octavia 1.2 TSIHyundai i30 1.4 CVVTFord Focus 1.0 EcoBoostVW Golf 1.2 TSI
Handling1505557545854
Slalom1005362456853
Lenkung1007878768282
Geradeauslauf504140414041
Bremsdosierung302019201820
Bremsweg kalt1509186718966
Bremsweg warm1508993758769
Traktion1003640363840
Fahrsicherheit150126126124123130
Wendekreis201516121115
Kapitelbewertung1000604617554614570

 

Umwelt und Kosten

In kaum einer anderen Klasse werden so hohe Stückzahlen produziert wie bei den Kompakten. Umso mehr sind für Kunden und Hersteller die Kosten entscheidend. Dass der in Deutschland gebaute Golf hier nicht die Nase vorn hat, ist logisch. Er ist als Fünftürer (Aufpreis: 785 Euro) samt Blue-Motion Technology-Paket mit 20 210 Euro das mit Abstand teuerste Fahrzeug in diesem Test.

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Das mehr als 6000 Euro günstigere Angebot von Kia klingt im direkten Vergleich fast unmoralisch. Zumal der neue Kia Cee’d für 13 990 Euro schon mit fünf Türen, CD- und USB-Radio, Multifunktionslenkrad und Bordcomputer ausgestattet ist. Diese Extras stehen freilich nicht nur bei VW in der Aufpreisliste. Wer für den Cee’d eine Klimaanlage haben will, muss allerdings zur nächsthöheren Ausstattungslinie Edition 7 (15 790 Euro) greifen, fährt aber immer noch etwas günstiger als mit dem Hyundai (15 850 Euro), der die Klimatisierung eingebaut hat.

Von solchen Einstiegspreisen kann man bei der Konkurrenz nur träumen. Selbst beim immer noch fair gehandelten Skoda Octavia für 17 240 Euro müssen elektrische Fensterheber vorn, Nebelscheinwerfer, eine Berganfahrhilfe oder Isofix-Befestigungen für Kindersitze zusätzlich bezahlt werden (siehe Preistabelle). Und wer beispielsweise einen Ford Focus mit Klimaanlage wünscht, muss sich vom verlockendsten Angebot (Ambiente: 18 050 Euro) verabschieden und die 1650 Euro teurere Trend-Ausstattung in Betracht ziehen. Apropos Ford: Enttäuschend ist nach wie vor die bescheidene Garantieleistung der Kölner: zwei Jahre auf Technik, Lack und Mobilität.

VW und Skoda kontern mit immerhin drei Jahren Garantie für den Lack. Im Vergleich dazu wirken die fünf oder sieben Jahre Komplettgarantie der Koreaner wie aus einer anderen Welt.

Kosten/UmweltMax. PunkteKia Cee'd 1.4 CVVTSkoda Octavia 1.2 TSIHyundai i30 1.4 CVVTFord Focus 1.0 EcoBoostVW Golf 1.2 TSI
Bewerteter Preis675335289307279257
Wertverlust503430312826
Ausstattung250216010
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung504528351828
Werkstattkosten201718171818
Steuer10999109
Versicherung403637373634
Kraftstoff554040404342
Emissionswerte259084908684
Kapitelbewertung1000606537582518508

 

Fazit

Schon der Hyundai i30 lieferte bei seinem Einstand ein überzeugendes Bild. Der technisch eng verwandte, aber im Detail nochmals verfeinerte Kia Cee’d wirft nun mit einer Glanzvorstellung die Rangordnung in der Kompaktklasse über den Haufen. Bei Karosseriequalität, Komfort und Fahrleistungen hält er längst mit den Besten seiner Klasse mit – beim Preis ist er jetzt unschlagbar. Da hat selbst der fair kalkulierte Skoda Octavia das Nachsehen, der hier knapp dahinter Platz zwei belegt. Als dritte Preis-/ Leistungs-Empfehlung behauptet sich der Hyundai i30 vor den beiden Deutschen, die vor allem im Kostenkapitel Federn lassen müssen. Ihre Qualitäten bei Fahrdynamik und Materialverarbeitung behalten Ford Focus und VW Golf aber dennoch.

Gesamtbewertung

Max. PunkteKia Cee'd 1.4 CVVTSkoda Octavia 1.2 TSIHyundai i30 1.4 CVVTFord Focus 1.0 EcoBoostVW Golf 1.2 TSI
Summe500031833176312331133100
Platzierung12345

Tags:
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