Kompaktklasse Aktuelles Sportstudio

16.08.2010
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Sportliche Kompakte mit ebenso kräftigen wie sparsamen Diesel-Triebwerken liegen im Trend. Wie schlägt sich der BMW 120d mit dem 177 PS starken und verbrauchsoptimierten Turbodiesel gegen Mégane Renault Sport 2.0 dCi mit 173 PS und Toyota Auris 2.2 D-CAT mit 177 PS?

Sportliches Fahren mit Dieselantrieb, das schien vor wenigen Jahren noch so unvereinbar wie etwa der FC St. Pauli und Champions-League-Fußball. Doch seit die modernen Dieselmotoren nicht nur Spar-, sondern auch Spurt- und Spaßkönige sind, gibt es immer weniger Gründe, die Selbstzünder aus sportlichen Autos fernzuhalten. So glänzen die drei Kandidaten dieses Tests in der Kompaktklasse denn auch mit Leistungswerten, die selbst für Verwöhnte wenig Wünsche offen lassen. Der BMW 120d wartet mit 177 PS und einem Drehmomentmaximum von 350 Nm auf. 173 PS und 360 Nm kann der Mégane Renault Sport 2.0 dCI aufbieten. Der kräftigste Diesel-Mégane heißt tatsächlich so. Er ist ein Produkt der Renault-Sportabteilung, die im ehemaligen Alpine-Werk im nordfranzösischen Dieppe beheimatet ist. Dort werden die besonders sportlichen und starken Renault-Modelle gebaut. Ganz wie zu Zeiten des Alpine-Gründers Jean Rédélé, der seine Sportwagenmanufaktur 1973 an Renault verkaufte. Zurück zum Test-Trio: Der Toyota Auris kann mit den beeindruckendsten Zahlen auftrumpfen – 400 Nm maximales Drehmoment und 177 PS.

 

Karosserie

Dabei verbirgt sich der kräftige Toyota-Diesel in einem denkbar unauffälligen Kleid. Außer dem D-CAT-Schriftzug deutet nichts darauf hin, dass dies ein Power-Auris ist. Er hat dafür andere Qualitäten: ein verglichen mit BMW 120d und Mégane Sport üppiges Raumangebot und ein Ladevolumen, das sich bei Bedarf auf fast 1400 Liter erweitern lässt. Noch besser könnte man den Toyota als Raumfahrzeug nutzen, wenn sich die Rücksitze zu einer ebenen Ladefläche falten ließen. Auf den vorderen Plätzen des Auris leidet das Raumgefühl unter der ausladenden Mittelkonsole, die das Interieur enger erscheinen lässt, als es eigentlich ist. Besser aufgehoben fühlt man sich da im Renault, der auch in puncto Übersichtlichkeit und mit der einfacheren Bedienung vor dem Toyota liegt. Der BMW schließlich bietet am wenigsten Platz für Passagiere und Gepäck. Freuen können sich die 120d-Insassen dagegen über die umfangreichste Sicherheitsausstattung, bei der freilich viele Extras nur gegen Aufpreis zu haben sind. Auch die Wertigkeit der Werkstoffe im Innenraum und die Verarbeitungsqualität sind um einiges besser als bei Renault und Toyota. Am Mégane stören Details wie der wackelig eingepasste Monitor des Navi-Systems, beim Auris die glänzenden und klein beschrifteten Knöpfe, die sich nur nach Eingewöhnung fehlerfrei bedienen lassen. Was jedoch nichts daran ändert, dass der ausgewogene Renault im Karosseriekapitel die meisten Punkte sammelt – vor BMW und Toyota.

KarosserieMax. PunkteBMW 120 dRenault Mégane Sport 2.0 dCiToyota Auris 2.2 D-CAT
Raumangebot vorn100566363
Raumangebot hinten100475356
Übersichtlichkeit70575238
Bedienung/ Funktion100828578
Kofferraumvolumen100262731
Variabilität100233520
Zuladung/ Anhängelast80283233
Sicherheit150918475
Qualität/ Verarbeitung200183170175
Kapitelbewertung1000593601569

 

Fahrkomfort

Besser schneidet der Auris bei der Bewertung des Fahrkomforts ab. Das weicher abgestimmte Toyota-Fahrwerk federt sensibler über feine und grobe Unebenheiten hinweg und lässt sich auch durch die maximal zulässige Beladung nicht aus der Ruhe bringen. Nur deutlichere Stöße von der Hinterachse und eine zarte Wankneigung bei einseitigen Anregungen deuten an, dass das Toyota-Fahrwerk an seine Grenzen stößt. Klar straffer geben sich BMW und Renault, aber keiner der beiden ist dabei unangenehm hart. Der Mégane leidet ein wenig unter der optionalen 18-Zoll-Bereifung, die recht straff abrollt. Zudem neigt er bei kurzen Fugen, wie sie auf Autobahnen gern auftreten, zum Stuckern an der Vorderachse. Viele Punkte sammelt der BMW mit seinen aufpreispflichtigen Sportsitzen (570 Euro), die zu den empfehlenswertesten Extras der Einser-Ausstattungsliste zählen. Da können auch die werkseitig verbauten Sportsitze im Mégane und erst recht nicht die zu weichen und zu wenig Seitenhalt bietenden Auris-Sessel mithalten. Wer freilich gern Passagiere auf den hinteren Plätzen befördert, ist mit dem Toyota am besten bedient. Er bietet dort den meisten Knieraum und hat die bequemste Bank. Das Schlusslicht ist hier der BMW, der im Grunde ein besserer 2+2-Sitzer mit coupéhaft engen Sitznischen ist. Dennoch liegt der 120d am Ende der Komfortwertung vorn, auch weil er sich in fast keiner Disziplin wirkliche Schwächen leistet. Nur einen Punkt dahinter landet der Auris. Etwas deutlicher fällt der Rückstand des Mégane aus, der seine Sportlichkeit auch nach außen am offensivsten zeigt.

FahrkomfortMax. PunkteBMW 120 dRenault Mégane Sport 2.0 dCiToyota Auris 2.2 D-CAT
Sitzkomfort vorn150138120105
Sitzkomfort hinten100606570
Ergonomie150115124121
Innengeräusche50292228
Geräuscheindruck100656163
Klimatisierung50222221
Federung leer200125115135
Federung beladen200120125130
Kapitelbewertung1000674654673

 

Motor und Getriebe

Fast Gleichstand herrscht bei der Motorleistung und dem zur Verfügung stehenden Drehmoment – mit Ausnahme des Toyota D-CAT-Motors, der satte 400 Nm auf die Kurbelwelle stemmt und damit deutlich über den Angaben für BMW und Renault liegt. Leider merkt man im Fahrbetrieb jedoch wenig davon. Sowohl bei den gemessenen Fahrleistungen als auch beim subjektiven Fahrgefühl kann der Japaner mit seinen europäischen Konkurrenten nicht mithalten. Vom ebenfalls 177 PS starken BMW trennen den Toyota Welten: 1,5 Sekunden beim Spurt auf 100 km/h und fast 20 km/h bei der Höchstgeschwindigkeit. Das ist schon ein richtiger Klassenunterschied. Nur wenig schlechter als der Münchner geht der Franzose aus Dieppe. Überhaupt ist das BMW-Triebwerk das Maß der Dinge in der Antriebswertung: Der neue, verbrauchsoptimierte Vierzylinder bietet nicht nur die besten Fahrleistungen und hängt mit einer für Dieselmotoren eher ungewöhnlichen Drehfreude am Gas, er verbraucht auch mit Abstand am wenigsten Kraftstoff. Die auffälligste Neuerung an dem Leichtmetall-Diesel ist die – wie auch bei den BMW 1er-Benzinern – sehr gut funktionierende Start-Stopp-Automatik, die bei jedem Stillstand den Motor abschaltet und ihn bei Betätigung des Kupplungspedals wieder startet. Von den weiteren Maßnahmen zur Reduzierung des Verbrauchs und damit der CO2-Emissionen merkt der Fahrer erst an der Tankstelle etwas: piezoelektrische Einspritzung mit Arbeitsdrücken von 1800 bar, intelligentes Energiemanagement, das die Lichtmaschine nur bei Bedarf in Schub- und Bremsphasen einsetzt sowie eine elektrisch zuschaltbare Kühlmittelpumpe, um nur einige zu nennen. Bei der Verbrauchsmessfahrt konsumierte der Hightech-BMW-Motor 7,6 Liter Diesel je 100 Kilometer – und damit 0,8 Liter weniger als der Toyota und genau zwei Liter weniger als der durstige Renault. Mit etwas Zurückhaltung kann man mit dem 120d durchaus Verbrauchswerte mit einer Sechs oder gar einer Fünf vor dem Komma realisieren. So gewinnt der Bayer das Motorenkapitel sehr deutlich vor der Konkurrenz aus Frankreich und Japan, zumal der BMW-Diesel auch bei Geräuschentwicklung und Laufkultur vorn liegt.

Motor und GetriebeMax. PunkteBMW 120 dRenault Mégane Sport 2.0 dCiToyota Auris 2.2 D-CAT
Beschleunigung150158147142
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150989080
Getriebeabstufung100888286
Kraftentfaltung50383630
Laufkultur100585454
Verbrauch325193168183
Reichweite25121111
Kapitelbewertung1000645588586

 

Fahrdynamik

Auch bei den fahrdynamischen Übungen distanziert der BMW die Konkurrenz – wenig überraschend, da er mit seinem in der Kompaktklasse einzigartigen Hinterradantrieb konzeptionelle Vorteile besitzt. Dabei zeigt sich die Überlegenheit des BMW nicht einmal so sehr mit der Stoppuhr. Noch überzeugender als die guten Ergebnisse auf dem Handlingkurs und der Slalomstrecke ist die Art und Weise, wie sich der 120d agil und kurvengierig um Biegungen treiben lässt, dabei sehr neutral bleibt und nur auf nachhaltige Aufforderung mit dem Heck ausschwenkt. Schnelles Kurvenfahren macht mit dem Mégane fast genauso viel Spaß, jedoch muss man sich hier mit den Traktionsproblemen des Fronttrieblers und der gefühllosen Lenkung anfreunden. Zudem beteiligt sich das abgeschaltete ESP ab 50 km/h ungefragt wieder am Geschehen. Allerdings ist im Optionspaket "Sportfahrwerk" (1000 Euro) ein komplett abschaltbares ESP enthalten. Der Auris schließlich zeigt eher wenig sportliche Neigungen, bleibt jedoch auch mit ausgeschaltetem ESP in allen Lebenslagen überaus fahrsicher. Da der BMW auch die besten Bremsen im Vergleich hat, fällt der Sieg sehr deutlich aus.

FahrdynamikMax. PunkteBMW 120 dRenault Mégane Sport 2.0 dCiToyota Auris 2.2 D-CAT
Handling150666054
Slalom100595952
Lenkung100826268
Geradeauslauf50443841
Bremsdosierung30201818
Bremsweg kalt150959179
Bremsweg warm150957879
Traktion100403638
Fahrsicherheit150132130130
Wendekreis2016714
Kapitelbewertung1000649579573

 

Umwelt und Kosten

Die Stunde des Toyota Auris schlägt im letzten Wertungskapitel. Mit niedrigem Grundpreis und sauberen Abgasen prescht er nach vorn. Auch die übrigen Kosten liegen im klassenüblichen Rahmen. Trotz der geringsten Kraftstoffkosten kann der BMW 120d nicht so richtig punkten. Vor allem die Münchner Preispolitik verhindert ein besseres Abschneiden. Der 120d ist nicht nur weit teurer als die Konkurrenz, er ist auch noch recht mager ausgestattet, sodass Details wie Klimaanlage oder Leichtmetallräder extra zu Buche schlagen. Renault und Toyota sind nicht nur billiger, sie sind schon ab Werk so ausgerüstet, dass nicht mehr viele Wünsche offen bleiben.

Kosten/UmweltMax. PunkteBMW 120 dRenault Mégane Sport 2.0 dCiToyota Auris 2.2 D-CAT
Bewerteter Preis675201208218
Wertverlust50242124
Ausstattung2531920
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50202825
Werkstattkosten20151316
Steuer10776
Versicherung40323030
Kraftstoff55423841
Emissionswerte25838084
Kapitelbewertung1000427444464

 

Fazit

Die überlegenen motorischen und dynamischen Qualitäten des BMW 120d geben den Ausschlag zum Sieg in diesem Vergleichstest. Der Turbodiesel aus München liegt in fast allen Disziplinen – nicht zuletzt auch im Verbrauch – vor den beiden Konkurrenten. Der Mégane Renault Sport 2.0 dCi glänzt ebenfalls mit seinem quirligen Triebwerk, das allerdings zu viel Diesel verbraucht, und mit dem straffen, handlichen Fahrwerk. Die Qualitäten des Toyota Auris 2.2 D-CAT liegen eher im Komfort, in den niedrigen Kosten und im Raumangebot. Er ist das richtige Auto für Fahrer, denen Platz und bequemes Reisen wichtiger sind als sportliches Fahren. Der Mégane richtet sich an dynamische Freunde der Marke, die Gefallen an seinem extrovertierten Auftritt finden. Und der BMW ist ein Allrounder, allerdings mit recht knappem Raumangebot.

Gesamtbewertung

Max. PunkteBMW 120 dRenault Mégane Sport 2.0 dCiToyota Auris 2.2 D-CAT
Summe5000298828662865
Platzierung123

Tags:
Zmarta Autokredit
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