Kompakte Coupés: kurz und knackig

11.12.2008
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der dreitürige Renault Mégane verbindet frisches Design mit Dynamik und Komfort. Im ersten
Vergleichstest trifft das kompakte Coupé auf seinen härtesten Widersacher, den VW Scirocco

Mit der dritten Mégane-Generation fährt Renault wieder zweigleisig und zielt stärker als bisher auf die Rivalen aus Wolfsburg: Während die fünftürige Mégane-Limousine den VW Golf im Visier hat, heißt der Gegner für das im Januar debütierende Mégane Coupé ganz klar VW Scirocco.

 

Karosserie

Das markante Bürzelheck des Vorgängers samt der nahezu geradlinig verlaufenden Dachlinie haben die Franzosen endgültig ad acta gelegt. Das Mégane Coupé präsentiert sich nun – anders als die dreitürige Variante des Vorgängers – flach und breit, aber auch weniger polarisierend, ohne an Eigenständigkeit zu verlieren.
Innen findet man typische Coupé-Verhältnisse vor. Drangvolle Enge herrscht – zumindest auf den vorderen Sitzplätzen – aber nicht. Im Gegenteil: Das Raumgefühl ist sogar noch luftiger als im Scirocco. Positiv dabei: Man sitzt nicht mehr so übertrieben hoch wie in anderen Renault.

Der VW vermittelt mit seiner höheren Gürtellinie dagegen eher den Eindruck eines maßgeschneiderten Anzugs. Alles passt, auch hier zwickt nichts. Deutlicher werden die Unterschiede im Fond. Das fünfsitzige Mégane Coupé bietet seinen Insassen nicht nur etwas mehr Kopffreiheit, sondern satte zehn Zentimeter mehr Innenbreite. Auf den zwei Einzelsitzen des VW Scirocco geht es spürbar beengter zu. Auch nicht optimal: Die integrierten Kopfstützen schränken die Sicht nach hinten ein. Überhaupt erweisen sich die beiden Coupés als recht unübersichtlich.

Vorteile verbucht der Gallier mit seinem reisetauglichen Gepäckabteil, das 377 bis 1024 Liter schluckt (VW: 292 bis 1006 Liter). Dass bei der Entwicklung auch mal der Rotstift gezückt wurde, beweist der fehlende Grifföffner an der Scirocco-Heckklappe. So muss zum Öffnen der Schlüssel immer zur Hand sein, oder man muss sie von innen fernentriegeln.

In Sachen Sicherheit herrscht Gleichstand. Der Mégane verfügt über insgesamt acht Airbags, davon sind zwei in den Vordersitzen untergebracht. Sie sollen bei einem Crash ein Abtauchen (Anti-Submarining) unter den Gurt verhindern. Werden zudem die optionalen Bi-Xenonscheinwerfer beim Renault mitbestellt, ist ein dynamisches Kurvenlicht im Preis schon enthalten (1000 Euro) – der Scirocco verfügt nur über ein statisches Abbiegelicht (1155 Euro). Der VW hält mit aktiven Kopfstützen vorn und einer aufpreispflichtigen Reifenpannenanzeige dagegen. Auch die Verarbeitungsqualität des Wolfsburgers liegt insgesamt auf einem etwas höheren Fertigungsniveau. Der Franzose wiederum hinterlässt bei den verwendeten Materialien mit seinen weichen und aufgeschäumten Kunststoffen einen fühlbar wertvolleren Eindruck.

KarosserieMax. PunkteVW Scirocco 1.4 TSIRenault Megané Coupé TCe 180
Raumangebot vorn1006364
Raumangebot hinten1004548
Übersichtlichkeit703032
Bedienung/ Funktion1008983
Kofferraumvolumen1002030
Variabilität1001535
Zuladung/ Anhängelast801630
Sicherheit1508181
Qualität/ Verarbeitung200186182
Kapitelbewertung1000545585

 

Fahrkomfort

Der Scirocco fährt – wie unser Testwagen – auf Wunsch mit der adaptiven Fahrwerksregelung DCC (925 Euro) vor. Die Dämpfer passen sich der jeweiligen Fahrbahn und -situation automatisch an und lassen sich in drei Stufen (Komfort, Normal und Sport) einstellen. Wird Komfort gewählt, spricht der VW selbst mit seinen optionalen 18-Zöllern überraschend schluckfreudig auf Fahrbahnunebenheiten an. Dieser Zustand ändert sich auch nicht, wenn er mit maximaler Beladung unterwegs ist.

Der Renault zeigt ebenfalls, dass eine konventionelle Grundabstimmung nicht gleichzeitig kompromisslos hart sein muss. Doch er nimmt Querfugen etwas trockener, und auf kurz aufeinanderfolgenden Bodenwellen neigt seine Karosserie stärker zu Nickbewegungen. Dafür steckt der Mégane mit zunehmender Beladung mehr weg, ist insgesamt leiser und besser gegen Fahrgeräusche gedämmt. Der VW kontert mit perfekt konturierten Sportsitzen vorn, während es dem weichen Mobiliar im Renault an Schenkelauflage und Seitenhalt fehlt. Im Fond ist man sich dagegen einig: Die tief positionierte Rückbank sorgt hier wie dort für eine unbequeme Sitzposition mit angewinkelten Beinen.

FahrkomfortMax. PunkteVW Scirocco 1.4 TSIRenault Megané Coupé TCe 180
Sitzkomfort vorn150125116
Sitzkomfort hinten1005256
Ergonomie150124115
Innengeräusche503233
Geräuscheindruck1007178
Klimatisierung503535
Federung leer200146146
Federung beladen200146148
Kapitelbewertung1000731727

 

Motor und Getriebe

Downsizing lautet das Motto für den VW: Zwar leistet der Benzin-Direkteinspritzer stramme 160 PS, seine Kraft schöpft er jedoch nur aus  verhältnismäßig bescheidenen 1,4 Litern. Der Vierzylinder wird allerdings von einem Kompressor und einem Turbolader zwangsbeatmet und schiebt bereits bei knapp über 1500 Touren druckvoll an. Der Motor hängt so bissig am Gas, dass man eher den Eindruck hat, in einem modernen, aber äußerst drehfreudigen Diesel zu sitzen. Zur Charakteristik passt auch das knackige Sechsganggetriebe.

Obwohl der Scirocco auf dem Papier exakt 20 PS schwächer ist als der 180 PS starke Mégane, verweist er ihn beim Sprint auf Tempo 100 mit 7,5 Sekunden in die Schranken. Damit übertrifft der VW nicht nur die Werksangabe um eine halbe Sekunde, sondern ist gleichzeitig auch gut eine Sekunde schneller als der Franzose. Dessen Zweiliter-Turbomotor mit variabler Verstellung der Einlassventile hängt ebenfalls lustvoll am Gas und zeichnet sich durch eine gleichmäßige Kraftentfaltung aus. Für eine bessere Zylinderfüllung wird der kultivierte Twin-Scroll-Turbo sogar über zwei separate Abgaskanäle beatmet.

Jedoch passt das etwas hakelige Sechsganggetriebe nicht ganz zum Charakter des drehfreudigen Motors, zumal zum Konsumverzicht der fünfte und besonders der sechste Gang recht lang ausgelegt wurden. Beide Coupés verfehlen beim Verbrauch auf unserer Teststrecke dennoch die Werksvorgaben deutlich: Der Renault schluckte 9,7 Liter Super im Schnitt, beim VW waren es 9,5 Liter.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Scirocco 1.4 TSIRenault Megané Coupé TCe 180
Beschleunigung150120113
Elastizität1007679
Höchstgeschwindigkeit1506675
Getriebeabstufung1008680
Kraftentfaltung503636
Laufkultur1007068
Verbrauch325201197
Reichweite25910
Kapitelbewertung1000664658

 

Fahrdynamik

Zurück zum adaptiven Fahrwerk des Scirocco. Die Sport-Stellung eignet sich eher für den topfebenen Asphalt, denn sie regt den Wolfsburger unnötig an. Doch auf dem Handling-Kurs setzt er mit ihr klar die Bestzeiten. Dass das Mégane Coupé hier das Nachsehen hat, liegt an seinem nicht abschaltbaren ESP.

Während der Schleuderschutz im herkömmlichen Fahrbetrieb erst recht spät einsetzt und dem Fahrer genügend Freiheiten gewährt, bevormundet es den Piloten bei der Hatz um schnelle Rundenzeiten und regelt neben dem Bremseneingriff oftmals unnötig die Motorleistung rigoros herunter, was letztendlich auch viel Zeit kostet. Den Slalomparcours umrundet der Renault dagegen sehr zügig, ohne aber den noch schnelleren VW arg in Bedrängnis zu bringen. Gleiches gilt für die neu abgestimmte Lenkung im Mégane. Sie spricht zwar deutlich exakter an als beim Vorgänger, kann aber nicht die hohe Lenkpräzision und Rückmeldung wie die Lenkung des VW vorweisen. Und mit seinen fest zupackenden Bremsen sticht der Scirocco das Mégane Coupé am Ende nochmals aus.

FahrdynamikMax. PunkteVW Scirocco 1.4 TSIRenault Megané Coupé TCe 180
Handling1508667
Slalom1007764
Lenkung1008275
Geradeauslauf503940
Bremsdosierung302017
Bremsweg kalt1508167
Bremsweg warm15010178
Traktion1004442
Fahrsicherheit150128128
Wendekreis201413
Kapitelbewertung1000672591

 

Umwelt und Kosten

Mit einem Grundpreis von 22050 Euro ist der Renault nicht nur 1250 Euro günstiger als der Volkswagen, sondern unter anderem mit CD-Radio, Nebelscheinwerfern sowie Licht- und Regensensor umfangreicher ausgestattet. Der Scirocco überzeugt mit niedrigeren Emissionswerten und schneidet bei den Unterhaltskosten für Versicherung, Kfz-Steuer und Inspektionen günstiger ab. Gleichstand herrscht dagegen bei den Garantien inklusive eines unbegrenzten Mobilitätsversprechens. Noch ein kleiner Hinweis zum Schluss: Da für den erst im Januar debütierenden Franzosen zum Redaktionsschluss noch keine Wertverlustanalyse vorlag, floss diese bei beiden nicht in die Bewertung mit ein.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Scirocco 1.4 TSIRenault Megané Coupé TCe 180
Bewerteter Preis675230240
Wertverlust5000
Ausstattung251420
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502828
Werkstattkosten201613
Steuer1099
Versicherung403431
Kraftstoff553333
Emissionswerte258785
Kapitelbewertung1000451459

 

Fazit

Der VW Scirocco bezwingt das neue Renault Mégane Coupé. Zu den besonderen Vorzügen des Wolfsburgers zählen sein bullig antretender Motor und die hohe Fahrdynamik. Doch der Abstand ist nicht sehr groß. Der Franzose bietet mehr Platz, ist variabler und auch günstiger in der Anschaffung. In puncto Fahrkomfort liegt er mit dem Scirocco auf Augenhöhe, der allerdings mit optionaler, adaptiver Fahrwerksregelung antrat.


Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Scirocco 1.4 TSIRenault Megané Coupé TCe 180
Summe500030633020
Platzierung12

Tags:
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