Kompakt-SUV von BMW, Ford und VW ohne Allradantrieb im Vergleichstest BMW X1, Ford Kuga 2x4 und VW Tiguan

19.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Es muss nicht immer Allrad sein. In den meisten Fällen reichen selbst SUV zwei angetriebene Räder. BMW, Ford und VW üben sich deshalb in der Kunst des Weglassens und liefern X1, Kuga und Tiguan auf Wunsch günstiger mit nur einer angetriebenen Achse

Sind wir doch mal ehrlich: Den allermeisten Allradlern wird in ihrem Autoleben höchstens einmal ein staubiger Feldweg unter die Räder kommen. Die häufi gsten Hindernisse, die es zu überwinden gilt, dürften Bordsteinkanten beim Parken sein. Die wenigsten müssen schwere Pferdeanhänger feuchte Wiesen hinaufziehen oder sich als Begleiter von geologischen Expeditionen durch unwegsames Terrain kämpfen. Für den normalen Verkehrsalltag bleiben letztlich die Traktionsvorteile und damit ein Plus an Fahrsicherheit übrig. Ob man dafür ganzjährig Mehrgewicht und Mehrverbrauch in Kauf nimmt, gerät beim Autokauf zur Glaubensfrage. Insbesondere bei Alle SUV-Neuheiten 2010, die für ihren Kraftstoffkonsum mitunter zu Unrecht gescholten werden.

 

Karosserie

Im Innenraum fühlen sich die BMW-Insassen aufgrund der relativ tiefen Sitzposition eher wie in einer Limousine als in einem SUV. Sowohl der Ford als auch der VW wirken luftiger. Das Gleiche gilt im Fond. Die Übersichtlichkeit ist im BMW X1 wegen der breiten D-Säule sowie der ansteigenden Gürtellinie, hinter der sich ein Radfahrer bequem verstecken kann, ebenfalls eingeschränkt. Den besseren Überblick hat der VW-Fahrer. Doch auch hier sollten die hinteren Kopfstützen versenkbar sein.

Die geteilt zu öffnende Heckklappe des Ford Kuga 2x4 ist im Alltag sehr praktisch, ermöglicht sie doch das Beladen, wenn der Hintermann mal etwas zu dicht geparkt hat. Negativ fällt dafür die nur mit dem Schlüssel zu öffnende Kuga-Motorhaube auf.

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Beim BMW missfällt der zu weit hinten liegende Ölpeilstab. Da haben die Hosenbeine kleiner Menschen bei der Ölkontrolle Kotflügelkontakt, was besonders bei Schmuddelwetter negativ ins Gewicht fällt.

Apropos Gewicht: Mit 554 Kilogramm Zuladung zeigt der VW Tiguan der Konkurrenz, dass er auch schwere Güter leicht nimmt. Wenig rückenfreundlich ist allerdings, dass der Kofferraumboden tiefer als die Ladekante liegt.

KarosserieMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDI BMTBMW X1 sDrive18dFord Kuga 2.0 TDCi 2x4
Raumangebot vorn100737072
Raumangebot hinten100676265
Übersichtlichkeit70534748
Bedienung/ Funktion100908987
Kofferraumvolumen100473939
Variabilität100454044
Zuladung/ Anhängelast80444136
Sicherheit150889480
Qualität/ Verarbeitung200176170168
Kapitelbewertung1000683652639

 

Fahrkomfort

Dass ein gut abgestimmtes konventionelles Feder-Dämpfersystem mit einem elektronisch geregelten mithalten kann, zeigt der Ford Kuga eindrucksvoll. Wird die Asphaltdecke löchrig, lässt er sich davon kaum beeindrucken. Souverän wie keiner der Konkurrenten filtert er Bodenwellen und Querfugen weg und gleitet geschmeidig übers Pflaster. Die beim Durchfahren tiefer Schlaglöcher zuweilen auftretenden leichten Poltergeräusche schmälern den Geräuscheindruck, nicht den Federungskomfort.

Auf Kopfsteinpflaster neigt der VW Tiguan zu Karosseriezittern, und grobe Frostaufbrüche absorbiert er weniger gelassen als der Ford. Der X1 federt zwar auf Bodenunebenheiten sensibel an. Aufgrund seiner straffen Abstimmung lässt er aber vor allem die Fondpassagiere nie im Unklaren darüber, was ihm gerade unter die Räder kommt.

Gleichsam als Entschädigung hält der BMW vorn dank der optionalen, vielfach einstellbaren Sportsitze (580 Euro) die besten Plätze bereit. Die VW-Sportsitze sind ähnlich bequem, doch fehlt ihnen eine ausziehbare Schenkelauflage. Im Ford ermüden die weichen Polster auf Langstrecken die Muskulatur. Auch bietet er keine neigungseinstellbare Sitzfl äche. Im Fond dagegen sitzen BMW-Passagiere mit stärker angewinkelten Beinen als in den Konkurrenzmodellen.

FahrkomfortMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDI BMTBMW X1 sDrive18dFord Kuga 2.0 TDCi 2x4
Sitzkomfort vorn150120123100
Sitzkomfort hinten100737072
Ergonomie150132132130
Innengeräusche50403329
Geräuscheindruck100706669
Klimatisierung50323234
Federung leer200147138149
Federung beladen200147132149
Kapitelbewertung1000761726732

 

Motor und Getriebe

Der Diskussion um den Verbrauch begegnen die Hersteller von Kompakt-SUV mit modernen Common-Rail-Dieselmotoren. Im hinterradgetriebenen BMW X1 arbeitet ein 2,0-Liter-Aggregat mit 143 PS samt Schaltanzeige, Start-Stopp-System und Bremsenergierückgewinnung – mit Erfolg. Auf unserer  Verbrauchsstrecke zerstäubten die Einspritzdüsen nur 6,0 l/100 km – ein Wert, der selbst manchen Kleinwagenfahrer vor Neid erblassen lässt.

Mit 6,5 Liter Testverbrauch ist der 2.0 TDI-Motor des Tiguan, der als Fronttriebler ebenfalls mit Start-Stopp-System, Bremsenergierückgewinnung und Schaltanzeige unter dem Namen „BlueMotion Technology“ verkauft wird, kaum schlechter. Der Ford Kuga reißt, allerdings ohne Spartechnik, mit 7,3 Litern etwas nach oben aus, kann aber dafür mit sehr guter Laufruhe und der besten Elastizität glänzen (siehe Tabelle S. 74).

Dafür liefert der BMW mit 9,7 Sekunden von null auf 100 km/h die beste Beschleunigung (VW: 10,2 Sekunden, Ford: 10,5 Sekunden). Die erzielbaren Höchstgeschwindigkeiten reichen von 182 km/h beim Ford bis zu 200 km/h beim BMW und zeigen, dass Spritsparen nicht unbedingt mit der Entdeckung der Langsamkeit einhergehen muss.

In puncto Leistungsentfaltung gefallen BMW und VW mit einem etwas spontaneren Antritt gegenüber dem Ford. Alle drei Kandidaten fahren mit Sechsganggetrieben vor, wobei sich das des VW am knackigsten schalten lässt.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDI BMTBMW X1 sDrive18dFord Kuga 2.0 TDCi 2x4
Beschleunigung15010010498
Elastizität100676673
Höchstgeschwindigkeit150475340
Getriebeabstufung100858480
Kraftentfaltung50343432
Laufkultur100686970
Verbrauch325258268243
Reichweite25202015
Kapitelbewertung1000679698651

 

Fahrdynamik

Obwohl nur mit Hinterradantrieb versehen und so 20 Kilogramm leichter als die Allradversion xDrive, bringt der BMW seine Kraft dank ausgeglichener Gewichtsverteilung (Vorderachse: 49,7 Prozent, Hinterachse: 50,3 Prozent) relativ schlupfarm auf die Straße. Da scharren der VW und vor allem der Ford bei vollem Leistungseinsatz schon deutlicher mit den (Vorder-)Hufen.

Wer glaubt, dass die Gewichtsersparnis durch den Verzicht auf den Allradantrieb (Ford: minus 40 kg, VW: minus 127 kg) womöglich in Handlingvorteilen mündet, wird also enttäuscht. Dennoch operieren alle drei bei der Fahrsicherheit auf einem hohen Niveau. Der Kuga zeigt an der Reifenhaftgrenze mit deutlichem Untersteuern, wann es genug ist.

Der Tiguan, ausgerüstet mit der adaptiven Fahrwerksregelung DCC (1045 Euro), lenkt knackiger ein als der Ford und zeigt weniger Seitenneigung. Gaslupfen beantwortet er in Kurven mit einem sachte eindrehenden Heck, bevor das ESP sanft eingreift.

Der zweistufige Schleuderschutz lässt sich auch im BMW nicht vollständig deaktiveren. Bei beherztem Einlenken tritt das DSC (ESP), gemessen an Ford und VW, mitunter etwas übereifrig in Aktion. Wer sich aber um eine runde Linie bemüht, was dank der feinfühligen Lenkung leicht gelingt, den belohnt der Münchner mit der „Freude am Fahren“, die auch beim Verzögern anhält: Bremswege um 34 Meter sind in diesem Test nicht zu toppen.

FahrdynamikMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDI BMTBMW X1 sDrive18dFord Kuga 2.0 TDCi 2x4
Handling150546248
Slalom100656155
Lenkung100858784
Geradeauslauf50423940
Bremsdosierung30181917
Bremsweg kalt1509010165
Bremsweg warm1508110774
Traktion100404632
Fahrsicherheit150135135130
Wendekreis208127
Kapitelbewertung1000618669552

 

Umwelt und Kosten

Für 26.600 Euro übergibt der Ford-Händler den Kuga-Schlüssel. Damit liegt sein Grundpreis zwischen 1575 und 3200 Euro niedriger als bei der Konkurrenz. Rechnet man den Aufpreis für das bei BMW und VW serienmäßige CD-Radio dazu, bleiben immer noch 770 bis 2395 Euro übrig. Auch beim Wertverlust und den Versicherungstarifen schneidet der Kölner am günstigsten ab. Hohe Werkstatt- und Kraftstoffkosten sowie kürzere Garantien werfen ihn jedoch zurück.

Dass der BMW der Premium-Liga zuzuordnen ist, zeigt sich im Kostenkapitel einmal mehr: Anschaffung, Wertverlust und Versicherung belasten hier die Haushaltskasse am stärksten. Das reißen auch die im Vergleich niedrigste Kfz-Steuer und die geringsten Kraftstoffkosten nicht heraus.

Wenig Geld für Wartung und Reparaturen sowie bessere Garantien führen schließlich den Tiguan hier zum Kapitelsieg.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDI BMTBMW X1 sDrive18dFord Kuga 2.0 TDCi 2x4
Bewerteter Preis675197188207
Wertverlust50212021
Ausstattung2516122
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50282018
Werkstattkosten20171612
Steuer10887
Versicherung40333133
Kraftstoff55424440
Emissionswerte25858384
Kapitelbewertung1000447422424

 

Fazit

Auch mit Frontantrieb heißt der Testsieger VW Tiguan. Mit seiner hochwertigen Verarbeitung, gutem Komfort und niedrigen Werkstattkosten sammelt er kräftig Punkte.

Auch in der Fahrdynamik muss er sich nicht verstecken, findet hier aber seinen Meister im zweitplatzierten BMW X1, der darüber hinaus mit dem sparsamsten Motor im Test überzeugt.

Als Dritter kann der Ford Kuga mit seinem kultivierten Motor, der sehr guten Federung und einer attraktiven Preisgestaltung aufwarten. Letzteres zählt in diesen Zeiten für viele mehr denn je.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Tiguan 2.0 TDI BMTBMW X1 sDrive18dFord Kuga 2.0 TDCi 2x4
Summe5000318831672998
Platzierung123

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