Galerie: Kompakt-SUV Herbst-Kollektion

Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit dem neuen Tiguan stürmt Volkswagen den hart umkämpften SUV-Markt. Nach dem ersten Vergleichstest der 150 PS starken Benzin-Variante mit dem Opel Antara 2.4 tritt jetzt der Diesel an. Wie gut ist der neue VW im Vergleich mit Land Rover Freelander TD4, Mitsubishi Outlander 2.2 DI-D und Toyota RAV4 2.0 D4-D?

Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Nach diesem Motto handeln die Wolfsburger oft, bevor sie in eine neue Klasse drängen. Auch mit dem neuen Tiguan folgen sie diesem Prinzip – und scheinen damit richtig zu liegen. Im ersten Vergleich mit dem Opel Antara (Heft 22/07) siegte der Tiguan.

Jetzt nimmt er es gleich mit drei Gegenspielern auf: Land Rover Freelander TD4, Mitsubishi Outlander 2.0 DI-D und Toyota RAV4 D-4D wollen wissen, ob der Tiguan 2.0 TDI mit neuem Common-Rail-Diesel das Zeug hat, um in seiner Klasse den Maßstab zu setzen.

 

Karosserie

Über Platzmangel kann sich im Tiguan sowohl vorn als auch hinten niemand beschweren. Vorn reicht er sogar an die üppigen Platzverhältnisse des Land Rover Freelander heran. Das typische Geländewagen-Gefühl, das der Brite traditionsbewusst vermittelt, kommt aber im VW nicht auf. Im Tiguan sitzt der Fahrer nicht ganz so hoch und fühlt dank der vielfältigeren Sitzeinstellung besser integriert.
Hinten schickt sich der Wolfsburger sogar an, die neue Referenz zu werden. Land Rover und Mitsubishi bieten zwar auch viel Platz, aber selbst hinter einem großgewachsenen Fahrer bleibt im Fond des VW mehr Bewegungsfreiheit.

Der Toyota RAV4 fällt vorn wie hinten eine ganze Nummer kleiner aus. Der Japaner bietet dafür viel Nutzwert auf kleinem Raum: Durch einfaches Umlegen der Rückbank entsteht eine ebene Ladefläche. Leider öffnet die schwenkbare Hecktür nach rechts – und damit beim Beladen am Straßenrand zur unpraktischen Seite.
Der variable Tiguan punktet mit pfiffigen Ideen. Auch bei ihm lässt sich – wie beim Toyota – die Rückbank im Handumdrehen zusammenfalten. Zusätzlich ist bei ihm die Beifahrerlehne vorklappbar, wodurch sich die an sich schon üppige Laderaumlänge noch vergrößert.

Als echter Ladeprofi entpuppt sich der Outlander. Er trumpft mit der – wegen des abklappbaren Stoßfängers – niedrigsten Ladekante und der größten Laderaumhöhe auf. Zudem darf der Mitsubishi satte 566 Kilo zuladen. Da kommen die Konkurrenten nicht mit. Vor allem die Zuladung des VW fällt sehr mickrig aus. Als Entschädigung kann der Tiguan mit 2200 Kilogramm die schwerste Last an den Haken nehmen.

Fast komplett ist die Sicherheitsausstattung des VW. Nur für ihn gibt es hintere Seitenairbags (300 Euro) und eine Reifenpannenanzeige (130 Euro). Echte Überzeugungsarbeit leistet der Tiguan auch bei der Verarbeitung und der Materialqualität. Insbesondere die hohe Karosseriesteifigkeit lässt die Konkurrenz von Mitsubishi und Toyota alt aussehen. Nur der noble Land Rover gefällt ebenfalls durch eine solide Verarbeitung. Die teilweise dominanteren Hartplastikflächen auf der Mittelkonsole kosten ihn allerdings ein paar wichtige Zähler.

KarosserieMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDILand Rover Freelander TD4Mitsubishi Outlander 2.0 DI-DToyota RAV4 2.2 D-4D
Raumangebot vorn10073757069
Raumangebot hinten10072697062
Übersichtlichkeit7053605348
Bedienung/ Funktion10090908885
Kofferraumvolumen10051415748
Variabilität10053405345
Zuladung/ Anhängelast8034394438
Sicherheit15092826970
Qualität/ Verarbeitung200180177160161
Kapitelbewertung1000698673664626

 

Fahrkomfort

Der Komfort ist die Paradedisziplin des Land Rover Freelander 2. Das fängt bereits mit den sehr bequemen und gut geformten Sitzen an: Ihre Langstreckentauglichkeit ist exzellent, der Seitenhalt ausreichend. Straffer, aber keineswegs unbequem sind die sehr passgenauen und mit der besten Rückenunterstützung glänzenden Sitze des Tiguan. Das gilt auch für die Rückbank – im Fondabteil des VW sitzt man eindeutig am besten. Die Knie muss man hier nicht so stark anwinkeln wie im Mitsubishi, die Oberschenkel haben mehr Auflage als im Toyota, und der Rücken findet noch mehr Halt als im Freelander.

Land Rover und VW legen ohnehin größten Wert auf entspanntes Reisen. Ihre Common-Rail-Turbodiesel arbeiten sehr kultiviert, und die Wind- und Fahrwerksgeräusche bleiben erfreulich zurückhaltend. Dagegen sind die Lebenszeichen in Outlander und Toyota deutlich lauter. Ihre Motoren brummen stets unterschwellig zu den ohnehin ausgeprägten Geräuschkulisse. Ein Klangbild, das auf langen Strecken nervt.

Obwohl sich der Tiguan dem Federungskomfort von der straffen Seite nähert, hinterlässt er einen sehr überzeugenden Eindruck. Wellige Pisten mit kleinen Unebenheiten und großen Bodenwellen meistert er feinfühlig und mit sehr großen Federungsreserven. Selbst wenn man den Tiguan mutwillig überlädt, ihm in diesem Fall also die enorme Zuladung des Mitsubishi auf die Achsen packt, zeigt er sich unbeeindruckt. Outlander und RAV4 kommen deutlich früher an ihre Grenzen und absorbieren hervorstehende Kanten vor allem mit der Hinterachse steifbeiniger.
Unterm Strich ist es die Geschmeidigkeit, mit der der Freelander Querfugen butterweich wegbügelt und dieses Kapitel für sich entscheidet.

FahrkomfortMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDILand Rover Freelander TD4Mitsubishi Outlander 2.0 DI-DToyota RAV4 2.2 D-4D
Sitzkomfort vorn1501151159687
Sitzkomfort hinten10082797078
Ergonomie150138138133129
Innengeräusche5040423337
Geräuscheindruck10071736568
Klimatisierung5038373136
Federung leer200147153138139
Federung beladen200150148135131
Kapitelbewertung1000781785701705

 

Motor und Getriebe

Der Tiguan 2.0 TDI ist der erste VW mit Vierzylinder-Common-Rail-Turbodiesel. Die alten, knatternden Pumpe-Düse-Diesel haben ausgedient. Das neue Triebwerk gefällt mit deutlich besserer Kraftentfaltung und einer guten Laufkultur. Allerdings lässt sich dies nicht in jedem der sechs Gänge wirklich auskosten. Vor allem der erste Gang ist viel zu kurz ausgelegt. Kaum hat man die Kupplung gelöst, verlangt der Antriebsstrang nach dem zweiten Gang.

Wie harmonisch das Zusammenspiel aus Kraftentfaltung und Getriebeübersetzung funktionieren kann, demonstriert eindrucksvoll der Freelander.
Der Toyota geht sehr spritzig ans Werk und hält sich zudem beim Kraftstoffkonsum zurück. Er benötigt lediglich 7,2 Liter pro 100 Kilometer. Der mit dem alten Pumpe-Düse-Turbodiesel aus dem VW-Regal bestückte Outlander zeigt, was die alten Selbstzünder am besten können: sparen. Sein Testverbrauch liegt in diesem Vergleich bei nur 7,1 Liter Diesel – Bestwert.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDILand Rover Freelander TD4Mitsubishi Outlander 2.0 DI-DToyota RAV4 2.2 D-4D
Beschleunigung150129126125130
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15056515750
Getriebeabstufung10072837375
Kraftentfaltung5034322934
Laufkultur10068706468
Verbrauch325193188199198
Reichweite2516161616
Kapitelbewertung1000568566563571

 

Fahrdynamik

Die Allradtechnik der SUV dient weniger der Geländetauglichkeit als vielmehr der Sicherheit im Alltag. Erhöhte Fahrstabilität und bessere Traktion unter widrigen Wetterbedingungen stehen im Vordergrund. Spürbar wird dies besonders im Outlander. Nur bei ihm hat der Fahrer mittels Drehknopf auf der Mittelkonsole die Wahl, ausschließlich die Vorderräder anzutreiben. Das Resultat: Der Outlander schiebt erheblich früher über die Vorderachse. Mit Allradantrieb bleibt der Outlander dagegen gutmütig und sehr agil.

Der wendige RAV4 spielt seinen sehr kleinen Wendekreis in der Stadt aus. Rangieren im Parkhaus und schnelles Einparken gelingen mit ihm am besten. Auch bei zügiger Fahrt gefällt der Toyota. Trotz gefühlloser Lenkung wetzt er sicher und flink ums Eck. Leider regelt das beherzt eingreifende elektronische Stabilitätsprogramm den Fahrspaß zu früh ein. Das trifft auch auf den mit starker Seitenneigung um die Ecken biegenden Land Rover zu. Sehr viel Rückmeldung vermittelt dabei die erstaunlich präzise und direkte Lenkung des Freelander.

Nahezu perfekt agiert der Tiguan – egal, wo man gerade mit ihm unterwegs ist. Die Lenkung besticht mit Präzision und Rückmeldung, die Untersteuertendenz ist minimal, der Grenzbereich extrem hoch und breit. Die Bremsen lassen sich exzellent dosieren, und das elektronische Stabilitätsprogramm arbeitet sehr feinfühlig. In puncto Handling und Fahrspaß bewegt sich der Tiguan in einer anderen Klasse. Da dürfte es in Zukunft selbst der Fahrdynamik-Profi BMW X3 schwer haben, den Wolfsburger hinter sich zu lassen.

FahrdynamikMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDILand Rover Freelander TD4Mitsubishi Outlander 2.0 DI-DToyota RAV4 2.2 D-4D
Handling15046384234
Slalom10051323935
Lenkung10086847474
Geradeauslauf5042414039
Bremsdosierung3018171212
Bremsweg kalt15078607677
Bremsweg warm15082697674
Traktion10080817775
Fahrsicherheit150135133126128
Wendekreis20891214
Kapitelbewertung1000626564574562

 

Umwelt und Kosten

Anders als der Golf in der Kompaktklasse zählt der VW Tiguan 2.0 TDI in seinem Segment nicht zu den teuersten Vertretern. Im Gegenteil: Er punktet nicht nur mit seinem günstigen Basispreis – nur der RAV4 ist günstiger–, sondern auch mit einer nahezu vollständigen AUTO ZEITUNG-Normausstattung. Auch die Versicherungskosten fallen vor allem mit der niedrigen Vollkasko-Einstufung weniger belastend aus als die der anderen SUV. Zudem freut sich der Kunde in den ersten vier Jahren über den geringsten Wertverlust.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Tiguan 2.0 TDILand Rover Freelander TD4Mitsubishi Outlander 2.0 DI-DToyota RAV4 2.2 D-4D
Bewerteter Preis675194182193195
Wertverlust5023202122
Ausstattung2516185
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5028222525
Werkstattkosten2016111316
Steuer107776
Versicherung4033303031
Kraftstoff5542414443
Emissionswerte2583827283
Kapitelbewertung1000442413410421

 

Fazit

Die Wolfsburger können sich freuen. Das Motto: Wer zuletzt lacht, lacht am besten hat sich wieder einmal bewahrheitet. Der neue Tiguan 2.0 TDI gewinnt diesen Vergleichstest souverän. Der kompakte Soft-Offroader kann es sich leisten, das Komfortkapitel an den sanften Land Rover Freelander und die Motor-/ Getriebewertung an den spritzigen sowie recht sparsamen Toyota RAV4 abzugeben.

Allerdings räumt er beiden Konkurrenten nur einen geringen Punktevorsprung ein. In allen anderen Disziplinen setzt sich der VW eindrucksvoll an die Spitze des Testquartetts und markiert den neuen Maßstab bei den Kompakt-SUV.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Tiguan 2.0 TDILand Rover Freelander TD4Mitsubishi Outlander 2.0 DI-DToyota RAV4 2.2 D-4D
Summe50003115300129122885
Platzierung1234

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