Sportliche Limousinen im Vergleich: Mercedes 190 E, Peugeot 405, Renault 21 & Citroen BX Vier Richtige

15.12.2013

Kompakte Familienlimousinen mit einer Extra-Portion Sportlichkeit bereiten nicht nur eine Menge Fahrspaß, sie heben auch das Image der ganzen Baureihe und der Marke (aus AUTO ZEITUNG 25/1987)

Das Rezept ist vier Jahre alt und stammt von Daimler-Benz. Man nehme eine kompakte, sportliche Familienlimousine und werte sie optisch und technisch gründlich auf. Zusatz-Power für den Motor, Spoiler für Optik und Aerodynamik, straffes Fahrwerk fürs Gefühl.


Topmodell macht die Baureihe populär


Dadurch entsteht ein Topmodell, in dessen Glanz sich auch die biederen Mitglieder der Baureihe sonnen können. Seit Herbst 1983 zeigt der Mercedes 190 E 2.3-16, wie erfolgreich das Rezept ist. Zwar verkauft sich der teure Vierventiler nicht überragend, aber er hilft, die ganze Mercedes 190-Baureihe populär zu machen und ihr Sport-Image einzuhauchen. Selbst auf Dieseln sieht man heute Breitreifen und Spoiler. Derartige Erfolge lassen die Konkurrenz natürlich nicht ruhen. Überall entstanden Kraftbolzen. Die Fanzosen ließen sich etwas mehr Zeit, aber jetzt eifern sie gleich zu dritt dem Daimler-Erfolg nach.

Citroen BX GTI 16V, Peugeot 405 MI 16 (mit identischer Motorisierung) und Renault 21 2L Turbo sind brandneu und die Topmodelle ihrer Baureihen.Fangen wir mit dem stärksten  im Test an, dem Renault mit 175 PS. Im Gegensatz zu seinen drei Konkurrenten, die sich zur Leistungssteigerung der Vierventil-Technik bedienen, bevorzugt Renault immer noch den Abgas-Turbolader. Aufgrund der langen Erfahrung mit dieser Technik und aufgrund der Möglichkeiten moderner Elektronik verständlich.

Renault: Turbo mit Elektronik-Check

So kombinierten die Ingenieure ihren 115-PS-Zweiliter-Leichtmetallmotor mit einer modernen Steuerungselektronik, die Zündung, Benzineinspritzung  und den Turbolader kontrolliert. Gleich zwei Ladeluftkühler sorgen dafür, dass die vom Lader komprimierte und erhitzte Luft leistungsgerecht gekühlt wird. Der Erfolg der Mühe: 60 zusätzliche PS, insgesamt nun 175. Um die gesund zu halten und auf die Straße zu bringen, hat Renault eine Menge Detailarbeit geleistet. Die Elektronik sorgt dafür, dass erst bei warmem Motor der volle Ladedruck aufgebaut wird, dass im ersten Gang nicht die vollen 270 Newtonmeter Drehmoment auf Antriebswellen und Vorderräder losgelassen werden.

Trotz der elektronischen Überwachung kann der Motor sein Arbeitsprinzip nicht verleugnen. Er bietet das berüchtigte Turboloch, den süchtig machende Turbobums und zerrt vehement an den Vorderrädern. In anderen Disziplinen als der Traktion erfüllt der Turbo seine sportlichen Aufgaben sehr gut. Sein im Vergleich zu schwächeren R21 verbessertes Fahrwerk mit Servolenkung und ABS ist straff und gutmütig, Motor- und Windgeräusche halten sich in Grenzen.

Peugeot 405 mit Schwächen im Detail

In diesen Punkten kann der Peugeot 405 MI 16 nicht überzeugen. Das Geräusch des Motors und das Zischen des Fahrtwindes nerven. Auch in anderen Details braucht der 405 noch Feinarbeit: Die Kunststoffverarbeitung im Bereich des Armaturenbretts ist weit davon entfernt, optimal zu sein. Der von innen einstellbare Außenspiegel klappt durch Fahrtwind an, die Bremsen haben keinen definierten Druckpunkt. Und der Leerlauf des 16V-Motors ist so schwachbrüstig, dass das Drehen an der Servolenkung ihn absterben lässt. Der 1,9-Liter-Leichtmetallmotor mit zwei obenliegenden Nockenwellen ist eine Neuentwicklung von Peugeot. Wie bei 16V-Motoren fast üblich, überzeugt er weniger durch Drehmoment als durch Drehfreude.

In der Praxis bedeutet das: häufiges Schalten des präzise zu schaltenden Fünfgang-Getriebes. Wer das nicht mag, muss sich mit Geduld wappnen. Das auf  Landstraßen übliche Überholmanöver im Bereich zwischen 60 und 100 km/h absolviert der Renault im fünften Gang in 9,5 Sekunden. Der Peugeot braucht dafür 14,5. Das niedrige Drehmoment von 177 Newtonmetern hat auch einen Vorteil: Traktionsprobleme wie beim Renault Turbo sind dem Peugeot fast fremd. Der MI 16 glänzt zudem mit dem geringsten Verbrauch im Test. 10,8 Liter Super konsumierte er auf der AUTO ZEITUNG-Verbrauchsstrecke.

Das Fahrverhalten des Peugeot ist hingegen nicht so unproblematisch wie das des Renault. Zwar zeigt auch er einen guten Geradeauslauf, aber die Lastwechselreaktionen in Kurven sind sehr viel ausgeprägter und können den ungeübten Fahrer überraschen. Der straff abgestimmte MI 16 bietet einen recht ordentlichen Federungskomfort, nur auf kurzen Bodenwellen beschweren sich die Fondpassagiere über Komforteinbußen. Citroen, allmählich wieder gesundende Tocher des Peugeot-Konzerns, implantierte dem BX exakt den gleichen Motor, den Peugeot in den MI 16 einbaut, und nennt das Topmodell jetzt GTI 16V.

Genau wie im Peugeot leistet er 158 PS, sitzt quer zur Fahrtrichtung, treibt die Vorderräder an und bringt seine Kraft über ein Fünfgang-Getriebe  an  die  Antriebsachse, das sogar im gleichen Verhältnis übersetzt ist. Trotz dieses hohen Gleichmaßes würde man auf den ersten Metern Fahrt im BX nicht auf den Peugeot-Motor tippen. Hier im Citroën hört er sich deutlich blecherner, scheppernder an. Offensichtlich hat Citroën noch mehr Probleme als Peugeot, die Geräuschentwicklung der vielen Ventile zu absorbieren. Auch das, was der Auspuff an Lärm abstrahlt, verdient nicht die Bezeichnung „Sound“, erfüllt nicht die Erwartungen an einen modernen Sportmotor.

Vielleicht können Alfa-Komponistem hier einmal Entwicklungshilfe leisten. An der Leistungsentfaltung des BX-Motors merkt man dann doch, dass sie der des MI 16 entspricht. Auch hier im BX will der Motor über Drehzahl gefordert werden, auch hier gibt er sich unterhalb von 4500/min wenig kraftvoll. Schnelle Autobahnetappen sind mit dem Citroen BX GTI 16V gut möglich. Doch stören – neben der Geräuschentwicklung – auch die flatternde Motorhaube (aus Kunststoff) oder der im Fahrtwind zitternde Scheibenwischer. Wenig solide wirken das Knistern und Knacken von Türen und Schiebedach.

 

Citroen BX mit kompletter Ausstattung

Dafür darf der Citroën BX GTI 16V für sich in Anspruch nehmen, mit einem Kaufpreis von 32.000 Mark nicht nur der mit Abstand preiswerteste Wagen in diesem
sportlichen Quartett zu sein, sondern er ist zudem mit ABS, Servolenkung, Fünfgang-Getriebe, Zentralverriegelung, elektrischen Fensterhebern und umklappbarer Rücksitzbank auch noch gut und vollständig ausgestattet.

Was hat der Oldie dieser Gruppe, der Mercedes 190 E 2.3-16, den nachstürmenden Konkurrenten entgegenzusetzten? Nun, solche Probleme wie eben am Citroen beschrieben, plagen ihn überhaupt nicht. Er wirkt durch und durch solide, da klappert und rappelt nichts. Aber eigentlich ist das auch selbstverständlich, kostet er doch mit 62.700 Mark fast doppelt so viel wie ein BX GTI 16V.

Mercedes vom Kat kastriert

Dafür bietet jedoch der Mercedes als einziger in diesem Feld eine ordentliche Abgas-Reinigungsanlage mit geregeltem Drei-Wege-Katalysator und mit Lambda-Sonde. Die drei Franzosen lassen diesen Umweltschutz vorerst noch vermissen, alle drei künden ihn erst für das kommende Frühjahr an. Mal sehen, wie viel an Leistung und Drehfreude dann bei den gallischen Kontrahenten auf der Strecke bleibt, und wie sich bei ihnen der Benzinverbrauch entwickelt. Der Mercedes 190 E 2.3-16 jedenfalls wurde durch seine zusätzliche Abgasreinigung regelrecht kastriert. Das macht sich nicht nur durch die verlorengegangenen 15 PS (170 statt einst 185) bemerkbar, sondern vor allem durch die geringere Laufkultur des Aggregats.

Drehte der Motor früher freudig und kernig jubelnd hoch, so wirkt er mit Kat regelrecht zäh und angestrengt, und dies umso mehr, je höher die Drehzahl wird. Die Höchstgeschwindigkeit, früher bei hurtigen 230 km/h, ist auf 223 km/h gesunken, der Verbrauch dafür aber um knapp einen Liter auf 12,3 Liter pro 100 Kilometer
gestiegen. Hinzu kommt ein wenig melodiöses, nichtsdestotrotz recht lautes Motorgeräusch. Daimler Benz will den Motorschwächen demnächst mit einem 2,5-Liter-16V abhelfen. Geblieben sind die bekannten Stärken des Mercedes 190. Neben seiner  guten  Verarbeitung, dem hochwertig ausgestatteten Innenraum und der logischen Bedienung sind das auch die entspannte Sitzposition, die Sportsitze mit der sportlichen Seitenführung und die tadellosen Bremsen. Weniger überzeugend ist das Platzangebot auf den Rücksitzen, wie auch die Kopffreiheit größer sein könnte. Der Benz ist eben ein recht flaches, kompaktes Auto, das war Konzept.

Von der Familie zum Supersportler

Der Mercedes ist der einzige Wagen in diesem Vergleich, der seine Kraft über die Hinteräder auf die Straße bringt. Entsprechend hat er auch die wenigsten Traktionsprobleme beim Beschleunigen. Der Geradeauslauf des Wagens ist bis in höchste Geschwindigkeitsbereiche hinein makellos. Windgeräusche produziert er am wenigstens unter den vier Konkurrenten, dennoch könnte das Geräuschniveau insgesamt niedriger sein. 

Das Fahrwerk überzeugt trotz sportlicher Tieferlegung mit gutem Komfort. In schnell gefahrenen Kurven verhält sich der 190 E 2.3-16 weitgehend neutral. Allerdings: Im äußersten Grenzbereich weiß der Fahrer nie so genau, ob das Fahrzeug nun unter- oder übersteuern will. Weitere Schwachpunkte sind die träge Kugelumlauf-Lenkung und das unpräzise Fünfgang-Schaltgetriebe.

TECHNIK
 
  CITROEN BX GTI 16V
 ANTRIEB Wassergekühlter Viertakt-Vierzylinder-Reihenmotor, vorn quer eingebaut, Motorblock und  Zylinderkopf aus Leichtmetall, fünffach gelagerte Kurbelwelle, zwei obenliegende  Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Motronic
AUFBAU+FAHRWERK Vorn Einzelradaufhängung an McPherson-Federbeinen, Dreiecksquerlenker, hydropneumatische Federelemente, Querstabilisator, hinten Einzelradaufhängung, gezogene Längslenker, hydropneumatische Federelemente.  Lenkung: Zahnstange, servounterstützt.
Bremsen: Zweikreis-Bremssystem, rundum Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet, ABS, Handbremse auf die Vorderräder wirkend, Felgen: 6 J x 14X, Reifen: 195/60 R 14 V
FAHRLEISTUNGEN¹ Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 8,3 s; Höchstgeschwindigkeit: 216 km/h; Verbrauch: 11,1 l/100 km
ECKDATEN L/B/H: 4237/1686/1350 mm; Radstand: 2655 mm; Spurweite v./h.: 1440/1334 mm; Wendekreis: 11,3 m; Leergewicht: 1025 kg; Zuladung: 379 kg; Tankinhalt: 66 l; Preis (Test-Basispreis): 32.000 Mark
  MERCEDES 190 E 2.3-16
ANTRIEB Wassergekühlter Viertakt-Vierzylinder-Reihenmotor, vorn längs eingebaut, Zylinderkopf  aus  Leichtmetall, fünf-fach gelagerte Kurbelwelle, zwei obenliegende Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, elektronische Benzineinspritzung und Zündung
AUFBAU+FAHRWERK Vorn Einzelradaufhängung, Dämpferbeine, Schraubenfedern, Querlenker, Querstabilisator,  hinten Einzelradaufhängung, Raumlenkerachse, Schraubenfedern, Stoßdämpfer, Querstabilisator. Lenkung: Kugelumlauflenkung, servounterstützt. Bremsen: Zweikreis-
Bremssystem, rundum Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet, ABS, Handbremse auf die  Hinterräder wirkend, Felgen: 7 J x 15, Reifen: 205/55 R 15 V
FAHRLEISTUNGEN¹ Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 8,0 s; Höchstgeschwindigkeit: 223 km/h; Verbrauch: 12,3 l/100 km
ECKDATEN L/B/H: 4430/1706/1361 mm; Radstand: 2665 mm; Spurweite v./h.: 1446/1429 mm; Wendekreis: 10,6 m; Leergewicht: 1140 kg; Zuladung: 500 kg; Tankinhalt: 70 l; Preis (Test-Basispreis): 62.700 Mark

TECHNIK
 
  PEUGEOT 405 MI 16
 ANTRIEB Wassergekühlter Viertakt-Vierzylinder-Reihenmotor, vorn quer eingebaut, Motorblock und Zylinderkopf aus  Leichtmetall, fünffach gelagerte Kurbelwelle, zwei obenliegende Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Motronic
AUFBAU+FAHRWERK Vorn Einzelradaufhängung an McPherson-Federbeinen, Dreieckquerlenker, Querstabilisator, hinten  Einzelradaufhängung, Längslenker, Drehstabfedern, Teleskopstoßdämpfer, Querstabilisator. Lenkung: Zahnstange, servounterstützt. Bremsen: Zweikreis-Bremssystem, rundum Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet, ABS, Handbremse  auf die Hinterräder wirkend, Felgen: 6 J x 14, Reifen: 195/60 R 14 V
FAHRLEISTUNGEN¹ Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 8,2 s; Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h; Verbrauch: 10,8 l/100 km
ECKDATEN L/B/H: 4408/1716/1406 mm; Radstand: 2669 mm; Spurweite v./h.: 1450/1436 mm; Wendekreis: 11,5 m; Leergewicht: 1100 kg; Zuladung: 430 kg; Tankinhalt: 70 l; Preis (Test-Basispreis): 35.990 Mark
  RENAULT 21 2L TURBO
ANTRIEB Wassergekühlter Viertakt-Vierzylinder-Reihenmotor, vorn längs eingebaut, Motorblock und Zylinderkopf aus Leichtmetall, fünffach gelagerte Kurbelwelle, eine obenliegende Nockenwelle, Turbolader, computergesteuerte Benzineinspritzung und Zündung
AUFBAU+FAHRWERK Vorn Einzelradaufhängung, McPherson-Federbeine, Dreiecksquerlenker, Querstabilisator, hinten Verbundlenkerachse  an gezogenen Längslenkern, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Querstabilisator. Lenkung: Zahnstange,  servounterstützt. Bremsen: Zweikreis-Bremssystem, rundum Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet, ABS,  Handbremse auf die Hinterräder wirkend, Felgen:  6,5  J  x  15,  Reifen: 195/55 R  15 V
FAHRLEISTUNGEN¹ Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 8 s; Höchstgeschwindigkeit: 227 km/h; Verbrauch: 12,9 l/100 km
ECKDATEN L/B/H: 4498/1714/1375 mm; Radstand: 2597 mm; Spurweite v./h.: 1450/1402 mm; Wendekreis: 11,2 m; Leergewicht: 1195 kg; Zuladung: 395 kg; Tankinhalt: 66 l; Preis (Test-Basispreis): 39.150 Mark

Unser Fazit

Es ist gar nicht so einfach, eine brave Familienkutsche nachträglich zum Supersportler aufzuwerten. Der Mercedes 190 E 2.3-16 repräsentiert in diesem Vergleich den höchsten Standard, lässt sich das jedoch mit einem alptraumhaften Preis bezahlen. Der Renault 21 bringt viel Spaß, sein Turbo-Motor verlangt vom Fahrer jedoch Charakter. Peugeot 405 MI 16 und Citroën BX GTI sind zwei ausgesprochen muntere Limousinen, die noch einiger verbessernden Detailarbeit bedürfen.

Gernot Röthig / Wolf-Henning Fanslau

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