Kompakt-Kombis im Dreikampf Frachtverkehr

15.05.2008
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Die Koreaner wollen es wissen: Mit den beiden speziell für Europa entwickelten kompakten Kombis Hyundai i30 cw und Kia ceed SW greifen sie die alteingesessene Konkurrenz an. Im Test müssen sie ihr Können gegen den etablierten VW Golf Variant unter Beweis stellen

Verkehrte Welt: Im Rahmen der Globalisierung läuft alles anders, die Kontinente rücken näher zusammen. Während VW den Golf Variant im fernen Mexiko produzieren lässt, streben die Südkoreaner immer mehr in Richtung Westen. Beispiel Hyundai i30 cw: Er wurde in Europa entwickelt und kommt zwar – wie die i30-Limousine – derzeit noch aus Südkorea, rollt aber schon Anfang 2009 nicht mehr in Asien, sondern in Tschechien vom Band. Und zwar nicht unweit der Fabrik der Hyundai-Konzernmarke Kia, die den nahezu technisch identischen cee'd jetzt schon in der Slowakei bauen lässt. Für den Vergleichstest wählten wir die wirtschaftlichen Zweiliter-Turbodiesel, die allesamt 140 PS leisten.

 

Karosserie

Der Hyundai beweist Größe im Fond, der Kia beim Laderaum

Gegenüber der herkömmlichen i30-Limousine ist der Kombi mit einer Länge von knapp 4,48 Metern deutlich gewachsen (plus 23 cm). Um fünf Zentimeter verlängert wurde auch der Radstand, der beim i30 cw (Crossover Wagon) exakt 2,70 Meter misst. Vom Zuwachs profitieren vor allem die Passagiere im Fond, die sich neben einer ausgezeichneten Kopffreiheit auch über reichlich Platz für die Knie freuen dürfen. Spürbar enger sind hier der Kia cee'd SW (Sporty Wagon) und vor allem der VW Golf Variant, der dafür vorn mit dem besten Raumgefühl dagegenhält. Schnell wird aber klar, dass sich der Hyundai seinen Platzvorteil in Reihe zwei auf Kosten des Ladevolumens erkauft. Denn im Verhältnis bietet er mit 415 Litern nur wenig Stauraum. Klappt man die asymmetrisch teilbaren Rücksitzlehnen um, steigt zudem der Ladeboden leicht an. Immerhin stehen dann 1395 Liter Kofferraumvolumen zur Verfügung. Wie es besser geht, beweisen VW und Kia. Hier wie dort findet man einen topfebenen Ladeboden vor, zudem schluckt der Golf schon im Normalzustand der Rückbank gut zwei Koffer mehr als der Hyundai (505 bis maximal 1495 Liter). Nochmals zwei weitere Reisetaschen mehr nimmt der Kia mit, der stolze 534 bis 1664 Liter Volumen vorweist und zudem mit der niedrigsten Ladekante glänzt. Insgesamt ist der VW aber praxistauglicher, da er neben der serienmäßig umklappbaren Beifahrerlehne mit 530 Kilogramm auch die höchste maximale Zuladung bietet.

Unter dem Sicherheitsaspekt liegt der Golf Variant ebenfalls unangefochten vorn. Zwar hat auch der Hyundai eine Reifenpannenanzeige serienmäßig an Bord, Xenon-Scheinwerfer oder gar Seitenairbags hinten haben hingegen nur die Wolfsburger im Programm. Fragen wirft der Hyundai auf: Warum zum Beispiel der Fensterheber-Einklemmschutz beim i30 cw nur für die Premium-Topversion (1800 Euro) lieferbar ist, bleibt uns ein Rätsel. So geht der erste Etappensieg an den VW, der auch qualitativ den hochwertigsten Eindruck hinterlässt. Zwar gibt es hinsichtlich der Material- und Fertigungsqualität auch bei den beiden Südkoreanern nichts ernsthaft zu bekritteln, doch empfindliche Insassen dürften dem Kia die unangenehmen Kunststoffausdünstungen übel nehmen.

KarosserieMax. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDIKia cee’d SW 2.0 CRDiHyundai i30 cw 2.0 CRDi
Raumangebot vorn100706969
Raumangebot hinten100676870
Übersichtlichkeit70444343
Bedienung/ Funktion100908686
Kofferraumvolumen100515639
Variabilität100484328
Zuladung/ Anhängelast80383536
Sicherheit150867075
Qualität/ Verarbeitung200185175175
Kapitelbewertung1000679645621

 

Fahrkomfort

Gegen den VW Golf Variant haben es die beiden anderen schwer

Schon bei der ersten Sitzprobe wird klar: Der Golf passt auf Anhieb. Das liegt nicht nur an den guten, Halt gewährenden Leder-Sportsitzen des Testwagens, sondern auch an deren vielfältigen Einstellmöglichkeiten. Großgewachsene finden schnell eine optimale Sitzposition, während man im Hyundai und im Kia trotz Höheneinstellung schon in niedrigster Stellung recht hoch thront. Das an sich bequeme Mobiliar könnte bei beiden zudem etwas mehr Oberschenkelauflage gewähren. Dennoch kann der cee'd gegenüber dem i30 einen kleinen Vorteil verbuchen, da seine ausgeprägteren Seitenwangen den Körper besser abstützen. Ein anderes Bild ergibt sich im Fond. Hier zieht der Kia sogar mit dem VW gleich. Abzüge bekommt der Hyundai für seine tiefer montierte und stark geneigte Rückbank, die weniger Auflagefläche bietet und für eine unbequeme Haltung sorgt.

Dafür hält sich der i30 akustisch mehr zurück und ist leiser als der Kia. Das insgesamt lauteste Innengeräusch attestieren unsere Messungen dem VW, was aber einzig und allein seinem rauen Pumpe-Düse-Turbodiesel zuzuschreiben ist. Geht es dagegen auf die mit zahlreichen Herausforderungen gespickten Marterstrecken, behält der VW die Oberhand und bügelt Unebenheiten geschmeidig glatt. Kaum schlechter ist der Hyundai, während die straffe Fahrwerksabstimmung beim Kia über weniger Federweg verfügt und Kanaldeckel sowie Querfugen nur recht unwillig und leicht poltrig verarbeitet. Wobei der cee'd SW jedoch mit zunehmender Beladung harmonischer anspricht und dann an Fahrkomfort sogar etwas zulegt.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDIKia cee’d SW 2.0 CRDiHyundai i30 cw 2.0 CRDi
Sitzkomfort vorn150135107105
Sitzkomfort hinten100747472
Ergonomie150132124124
Innengeräusche50283334
Geräuscheindruck100575860
Klimatisierung50322730
Federung leer200136128132
Federung beladen200134130132
Kapitelbewertung1000728681689

 

Motor und Getriebe

Die zwei baugleichen CRDi haben Kultur, der TDI hat Biss

Auf dem Papier sind alle gleich: Will heißen, die Leistung der drei Selbstzünder liegt mit 140 PS auf einem Niveau. In der Praxis ergeben sich jedoch Unterschiede. Während die beiden technisch identischen Zweiliter-Common-Rail-Diesel von Hyundai und Kia mit angenehmer Laufruhe glänzen, muss der VW Golf Variant 2.0 TDI noch bis Mitte des Jahres mit der penetrant knurrigen Pumpe-Düse-Einspritztechnik im Zweiliter-TDI vorlieb nehmen. Erst danach startet das neue Common-Rail-Aggregat auch im Golf Kombi. Das ist aber auch schon das einzige Manko des Zweiventilers. Denn bereits aus dem Drehzahlkeller spricht der Motor deutlich bissiger an, und der VW fährt dem südkoreanischen Duo davon.

Die Triebwerke von Hyundai und Kia kontern mit gleichmäßiger Kraftentfaltung und einer höheren Drehfreude, wobei der Kia insgesamt einen noch lebhafteren Eindruck hinterlässt als der Hyundai. Die Kraftübertragung erfolgt hier wie dort über Sechsganggetriebe. Die hohe Schaltpräzision und die gute Abstufung steigern beim Golf Variant den Fahrspaß, während sich die Schalthebel im i30 cw und im cee'd SW etwas hakeliger führen lassen. Auch sind deren Gänge fünf und sechs zum Spritsparen recht lang ausgelegt. Und obwohl die Getriebe- und die Achsübersetzungen der beiden übereinstimmen, spricht der Kia auf Gasbefehle spontaner an. Dafür konsumiert er im Test mit 6,8 Litern pro 100 km etwas mehr als der Hyundai, der mit nur 6,5 Liter Diesel auskommt, während der VW (6,6 Liter) nur unwesentlich mehr Kraftstoff durch seine Einspritzdüsen entlässt. Interessant: Die drei Rivalen liegen damit jeweils genau einen Liter über der Werksangabe.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDIKia cee’d SW 2.0 CRDiHyundai i30 cw 2.0 CRDi
Beschleunigung150141133127
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150757575
Getriebeabstufung100858181
Kraftentfaltung50292828
Laufkultur100505556
Verbrauch325205203206
Reichweite25161415
Kapitelbewertung1000601589588

 

Fahrdynamik

Der Kia ist überraschend agil, der Volkswagen eher handlich

Bei forcierter Fahrweise legen die Kombis ein insgesamt gutmütiges Fahrverhalten an den Tag. Der sportlich abgestimmte Kia überzeugt beim Slalom sogar mit den schnellsten Zeiten, auf dem Handlingkurs eilt aber der handlichere VW davon, der weniger mit den Vorderrädern zum Kurvenaußenrand schiebt und auch mit einer höheren Lenkpräzision punktet. Geht man in zu schnell angegangenen Kurven plötzlich vom Gas, dreht das Variant-Heck zudem hilfreich ein, was die Agilität noch verbessert. In diesen Disziplinen hinkt der komfortablere Hyundai etwas hinterher. Stärker untersteuernd und im Vergleich zu den anderen mit ausgeprägteren Karosseriebewegungen durcheilt er die Teststrecke langsamer. Gilt es aber, das Tempo schnellstmöglich wieder abzubauen, beißt sich der i30 cw förmlich in den Asphalt und steht bei der Kaltbremsung aus Tempo 100 bereits schon nach sehr guten 36,2 Metern. Der Golf (36,4 Meter) und der cee'd (36,5 Meter) geben sich mit ausgezeichneten Werten ebenfalls keine Blöße. Mit warmer Bremsanlage ändert sich hingegen das Blatt, hier ist der Kia unangefochten an der Spitze und benötigt sogar nur 35,8 Meter.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDIKia cee’d SW 2.0 CRDiHyundai i30 cw 2.0 CRDi
Handling150464336
Slalom100515649
Lenkung100817877
Geradeauslauf50393839
Bremsdosierung30191716
Bremsweg kalt150868588
Bremsweg warm150809282
Traktion100353131
Fahrsicherheit150133130130
Wendekreis2013108
Kapitelbewertung1000583580556

 

Umwelt und Kosten

Der Kia ist beim Preis und beim Garantieversprechen unschlagbar

Mit einem Grundpreis von 22890 Euro ist der Kia ein verlockend günstiges Angebot, das auch der nur 1400 Euro teurere Hyundai nicht schlagen kann. Dafür bietet der i30 cw die bessere Ausstattung, die unter anderem schon serienmäßig eine Klimaautomatik, ein Reifendruck-Kontrollsystem sowie einen Lichtsensor umfasst. Das bedeutet aber nicht, dass der Kia nur wenige Annehmlichkeiten an Bord hat. Denn betrachtet man die AUTO ZEITUNG-Normausstattung, fällt auf, dass für die beiden Koreaner nur der Metalliclack noch extra bezahlt werden muss.

Abgeschlagen und teuer dagegen ist hier der VW. Bei seinem ohnehin schon hohen Grundpreis von 25725 Euro müssen die bei Hyundai und Kia bereits ab Werk montierten Alu-Räder und auch das CD-Radio noch optional hinzugeordert werden. Dafür glänzt der VW nicht nur mit den niedrigsten Abgasemissionen im Test, sondern belastet mit seinen vorteilhaften Versicherungseinstufungen und Wartungskosten das Budget am geringsten. Beim nominellen Wertverlust macht sich der günstige Einstiegspreis des cee'd SW positiv bemerkbar. Er verliert nach vier Jahren nur knapp 13000 Euro. Weitere Pluspunkte sammelt der Kia zudem mit einer fünfjährigen Technik-Garantie. Darüber hinaus soll eine siebenjährige Garantie auf Motor und Getriebe das Vertrauen in den cee'd stärken.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDIKia cee’d SW 2.0 CRDiHyundai i30 cw 2.0 CRDi
Bewerteter Preis675213233223
Wertverlust50242524
Ausstattung25122121
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50283428
Werkstattkosten20161413
Steuer10777
Versicherung40332930
Kraftstoff55454445
Emissionswerte25868084
Kapitelbewertung1000464487475

 

Fazit

Das Allround-Talent VW Golf Variant ist auch in diesem Vergleichstest nicht zu toppen. Dennoch schlagen sich der Kia cee'd Sporty Wagon und der Hyundai i30 Crossover Wagon recht wacker. Der günstige Preis des Kia, sein agiles Fahrverhalten und das üppige Kofferraumvolumen sorgen dafür, dass er als Zweiter auf dem Siegertreppchen landet. Zusätzlich erfreut sein kultiviert laufender Turbodiesel mit gleichmäßiger Kraftentfaltung. Letzteres gilt auch für den identischen Antrieb im Hyundai. Die Vorzüge des i30 cw sind sein Komfort, ein exzellenter Kaltbremswert und das großzügige Platzangebot im Fond. Darüber hinaus bietet er eine recht üppige Serienausstattung. Relativ gering ist dagegen der Nutzwert des knapp bemessenen Gepäckabteils. Wen das nicht stört, der ist aber auch mit dem Hyundai gut bedient.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf Variant 2.0 TDIKia cee’d SW 2.0 CRDiHyundai i30 cw 2.0 CRDi
Summe5000305529822929
Platzierung123

Tags:
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