Kleinwagen für Preisbewusste im Test Lada Kalina: 53 Meter Bremsweg!

07.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Ein Auto für 8550 Euro. Kein Winzling, sondern ein ausgewachsener Fünftürer. Einer mit ernsten Sicherheitsmängeln: kein ESP, kein ABS, 53 Meter Bremsweg. Hat der neue Lada Kalina eine Chance gegen den ebenfalls sehr günstigen Dacia Sandero für 10.000 Euro und den bewährten Skoda Fabia für 12.990 Euro? Test der Preisbrecher

Mit überschaubarer Technik und einem verlockend günstigen Einstiegspreis von nur 8550 Euro will der Lada Kalina 1119 anderen Billig-Anbietern die Schau stehlen. Dafür erhält man einen fünftürigen Kleinwagen mit 1,6-Liter-Motor und 81 PS.

Bei diesem Kampfpreis muss selbst die rumänische Renault-Tochter passen. Denn der 87 PS starke Dacia Sandero 1.6 MPI kostet mit exakt 10.000 Euro einges mehr. Die stattliche Fließhecklimousine verzichtet ebenfalls auf Hightech, stattdessen kommt bewährte Technik früherer Renault-Modelle zum Einsatz.

Einen anderen Weg geht die VW-Tochter Skoda. Die Tschechen bedienen sich bei ihren Modellen aus dem VW-Konzernbaukasten. Allerdings basiert der Fabia bereits auf der Technik der nächsten VW-Polo-Generation, die im Sommer 2009 erscheint. Dafür ist der Skoda Fabia für 12.990 Euro mit 86-PS-Benziner zwar deutlich teurer, im Vergleich zum VW Polo aber immer noch ein günstiges Angebot.

 

Karosserie

Mit einer Länge von knapp über vier Metern gehört der Dacia Sandero zu den Großen unter den Kleinen in seinem Segment. Diesen Vorteil kann der Rumäne im Innenraum aber nicht ganz ausspielen. Denn der kürzere Lada Kalina bietet aufgrund seiner etwas größeren Innenbreite seinen Passagieren vorn wie hinten mehr Bewegungsfreiheit.

Noch etwas bequemer geht es im Skoda zu, der insgesamt betrachtet das beste Raumangebot bereitstellt. Dafür erweist er sich als etwas unübersichtlicher. So sind wegen seiner steil angeordneten Windschutzscheibe hochstehende Ampeln an Kreuzungen nur mit Verrenkungen einsehbar. Und dass die Tschechen beim Thema Variabilität knausern, beweist die beim Einstiegsmodell Classic aufpreispflichtige, asymmetrisch teilbare Rückbank für 130 Euro extra.

Diese gehört beim Lada ebenso zum Grundrüstzeug wie die hohe maximale Zuladung von 505 Kilogramm. Allerdings erinnert die Verarbeitungsqualität des Russen mit nachlässig verlegten Teppichen und stellenweise scharfkantigen Kunststoffen eher an grobe Laubsägearbeiten denn  an westlichen Fertigungs-Standard.

Beim Dacia Sandero gibt es nur geteilt umklappbare Rücksitzlehnen. Sein Gepäckabteil nimmt gut und gern einen Reisekoffer mehr mit und bietet mit 320 bis maximal 1200 Liter das größte Stauvolumen. Dem nur teilweise verkleideten Kofferraum fehlt allerdings ein vernünftiger Ladekantenschutz, was schnell für unschöne Kratzer auf dem lackierten Blech sorgt.

Geht es um die Sicherheitsausstattung, nimmt der Skoda Fabia mit serienmäßigem ESP und Kopfairbags die Führungsposition ein. Für den Dacia sind diese Features gar nicht erhältlich. Noch katastrophaler sieht die Bilanz beim Lada aus, der noch nicht einmal ein ABS an Bord hat. Darüber hinaus fehlen im Fond die Kopfstützen.

Nur zwei Airbags für Fahrer- und Beifahrer – das ist alles, was der Kalina in puncto Sicherheit zu bieten hat – gänzlich unzeitgemäß. So erhält der Lada bei der Sicherheitsbewertung denn auch nicht nur die rote Karte, sondern nur sechs von insgesamt 150 erzielbaren Punkten. Hier muss der russische Hersteller schleunigst nachbessern.

KarosserieMax. PunkteSkoda Fabia 1.4 16VDacia Sandero 1.6 MPILada Kalina 1119 8V
Raumangebot vorn100595758
Raumangebot hinten100595758
Übersichtlichkeit70424846
Bedienung/ Funktion100856360
Kofferraumvolumen100232513
Variabilität100202035
Zuladung/ Anhängelast80262630
Sicherheit15070326
Qualität/ Verarbeitung20013411092
Kapitelbewertung1000518438398

 

Fahrkomfort

Das nachgiebig gepolsterte Mobiliar im Lada Kalina gewährt mit seinen kurzen Sitzflächen vorn nur wenig Oberschenkelauflage. Auch mangelt es an genügend seitlicher Abstützung. Etwas besser steht der Dacia da, dessen Sitze besser aufgeschäumt sind. So macht nur der Skoda bei der Sitzprobe eine gute Figur, der übrigens als einziger ein in Höhe und Reichweite einstellbares Lenkrad hat, was für eine wesentlich bequemere Körperhaltung hinter dem Volant sorgt.

Als ergonomisch verbesserungswürdig erweist sich der Dacia. So befindet sich der Hupenknopf unpraktischerweise im Blinkerhebel, und der Drehschalter für die elektrisch einstellbaren Außenspiegel liegt ungünstig unter dem Handbremshebel versteckt. Wie es richtig geht, zeigt der tadellose Skoda, der keinerlei Fragen aufwirft. Und auch beim Lada ist bis auf das etwas zu tief platzierte Radio alles logisch angeordnet.

Auf langen Strecken entpuppt sich der Russe allerdings als Schreihals. Sein lautes Triebwerk ist nicht frei von Dröhnfrequenzen und nervt auf Dauer mit seiner penetranten Geräuschkulisse. Über 100 km/h kommen sogar noch laute Windgeräusche hinzu, die mit dem lärmenden Motordröhnen um die Wette eifern. Den Blick in
die Außenspiegel kann man sich dann getrost ersparen, da sie taktgleich mit dem Wind zittern und dadurch nur noch wenig Informationen über das tatsächliche Verkehrsgeschehen preisgeben.

Sobald der Kalina über schlechte Strecken rollt, ist er aber komfortabler als der Dacia. Mit zunehmender Beladung ändern sich hingegen die guten Vorzeichen. Die durch Querfugen und Kanaldeckel entstandenen Anregungen beantwortet die Lada-Karosserie mit kräftigem Nachschwingen. Dann wirkt der Kalina unharmonisch und unterdämpft. Hier zieht der Dacia seine Register. Er spricht auf Bodenunebenheiten genauso sanft an wie der Skoda, der leer mit seinem schluckfreudigen Ansprechverhalten den ausgewogensten Eindruck in diesem Trio hinterlässt.

FahrkomfortMax. PunkteSkoda Fabia 1.4 16VDacia Sandero 1.6 MPILada Kalina 1119 8V
Sitzkomfort vorn150807268
Sitzkomfort hinten100564545
Ergonomie1501168794
Innengeräusche50292718
Geräuscheindruck100676035
Klimatisierung50191717
Federung leer200114110112
Federung beladen200108108102
Kapitelbewertung1000589526491

 

Motor und Getriebe

Der vornehmlich rau klingende 1,6-Liter im Kalina ist mit 81 PS nur minimal schwächer als die Motoren der Konkurrenz. Auf Gasbefehle aus dem Drehzahlkeller reagiert er aber spürbar antrittsstärker. Oberhalb von 4000 Touren spricht der Zweiventiler hingegen nur noch zäh an. Genau umgekehrt verhält er sich mit dem Skoda-Triebwerk. Der 1,4-Liter-Vierventiler wird zwar erst oberhalb von 4000 Touren so richtig lebendig, dafür glänzt der Fabia mit der besten Laufruhe im Feld. Hinzu kommt sein präzise geführtes Fünfganggetriebe.

In puncto Leistungsentfaltung hinterlässt der Dacia den harmonischsten Eindruck. Zwar könnte sein 1,6-Liter etwas kultivierter zu Werke gehen, dafür entfaltet der drehfreudige Zweiventiler seine Kraft schön gleichmäßig. In der Elastizitätsprüfung zieht der durchzugskräftige Sandero dem Fabia sogar deutlich davon. Verbesserungswürdig – neben der etwas hakeligen, aber bei weitem deutlich exakteren Schaltung als der des Kalina – ist sein hoher Durchschnittsverbrauch von 8,2 Liter Super. Am wenigsten genehmigte sich der Lada, der im Testschnitt 7,5 Liter konsumiert.

Motor und GetriebeMax. PunkteSkoda Fabia 1.4 16VDacia Sandero 1.6 MPILada Kalina 1119 8V
Beschleunigung150898281
Elastizität100616852
Höchstgeschwindigkeit150347027
Getriebeabstufung100852664
Kraftentfaltung50242616
Laufkultur100655030
Verbrauch325235226239
Reichweite25101012
Kapitelbewertung1000603558521

 

Fahrdynamik

Auf der Handlingstrecke wird die Fahrsicherheit der Testwagen überprüft. Der Lada zeigt hier eine katastrophale Vorstellung, was beweist, dass seine Technik auf einem prähistorischen Stand ist. Er stellt sogar ein Sicherheitsrisiko dar: Seine Karosserie schwankt in Kurven wie ein Matrose nach einem ausgiebigen Landgang. Und flott gefahrene Biegungen beantwortet der Kalina mit ausgeprägten Lastwechselreaktionen, die mit seiner sehr indirekt arbeitenden und zugleich sehr teigig ansprechenden Lenkung kaum zu parieren sind. Vom schlechten Geradeauslauf, der häufige Lenkkorrekturen und viel Konzentration erfordert, ganz zu schweigen.

Wie eingangs erwähnt, gibt es bei Lada ESP und ABS weder für Geld noch gute Worte. Zudem sind seine Bremsen genauso kritisch wie sein Fahrverhalten. So benötigt der Kalina für die Vollbremsung aus 100 km/h indiskutable 53 Meter (warm).

Zum Vergleich: Der Dacia steht mit kalter Bremsanlage nach 40,3 Metern, mit warmer Bremse nach 42,7 Metern – beides gerade noch ausreichende Werte. Auch der Rumäne muss auf ein im Notfall schützend eingreifendes ESP verzichten. Das ist nicht optimal, aber im Grenzbereich ist sein Fahrverhalten deutlich sicherer und fällt bei weitem nicht so kritisch aus wie das des Lada.

Völlig frei von Beanstandung bleibt nur der Skoda, der mit seinem serienmäßigen ESP in jeder Situation gutmütig und damit auch sicher beherrschbar bleibt. Es bereitet sogar eine Menge Spaß, den kleinen Tschechen um die Ecken zu treiben. Dafür sorgen neben seiner zielgenau arbeitenden Lenkung auch der mit hoher Regelgüte sanft agierende elektronische Rettungsanker. Und mit Bremswegen von 38,7 (kalt) sowie exakt 37 Metern (warm) beweist der Fabia, dass er auf der Höhe der Zeit ist.

FahrdynamikMax. PunkteSkoda Fabia 1.4 16VDacia Sandero 1.6 MPILada Kalina 1119 8V
Handling1501188535
Slalom100635444
Lenkung100655432
Geradeauslauf50353520
Bremsdosierung30181717
Bremsweg kalt15064480
Bremsweg warm15080240
Traktion100292825
Fahrsicherheit1501188535
Wendekreis20181516
Kapitelbewertung1000608445224

 

Umwelt und Kosten

Nur 8550 Euro für den Lada Ka-lina 1119 8V – das klingt nach einem verlockend günstigen Angebot. Der Dacia Sandero 1.6 MPI startet ab 10.000 Euro, und Skoda verlangt für den Fabia 1.4 16V mindestens 12.990 Euro. Vergleicht man die AUTO ZEITUNG-Normausstattungen miteinander, kehrt jedoch schnell Ernüchterung ein. Dann schmilzt der Preisvorteil des Lada auf den reichhaltig ausgesstatteten Dacia Sandero nämlich auf nur noch 660 Euro zusammen.

Völlig undiskutabel ist das nicht lieferbare ESP bei beiden, während es im 86 PS starken Fabia vernünftigerweise ab Werk mit an Bord ist. Ärgerlich nur, dass die restliche Grundausstattung des kleinen Tschechen noch magerer ausfällt als beim Lada. Der Russe verliert zwar nach vierjähriger Haltedauer 69 Prozent seines Wertes. Nominell betrachtet und verglichen mit dem 4440 Euro teureren Skoda macht er das aber über seinen geringen Einstiegspreis locker wieder wett.

Für den Skoda sprechen seine niedrigen Wartungskosten und Typklasseneinstufungen sowie die umfassenderen Garantien nebst unbegrenzter Mobilität. Gegen den Lada und den Dacia hat er jedoch keine Chance. Auch der Sandero kann den Kapitel-sieg des Kalina nicht vereiteln, da er beim Unterhalt den Geldbeutel am stärksten belastet und schlechtere Abgas-Emissionswerte vorweist.

Kosten/UmweltMax. PunkteSkoda Fabia 1.4 16VDacia Sandero 1.6 MPILada Kalina 1119 8V
Bewerteter Preis675353421466
Wertverlust50394545
Ausstattung25060
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50281921
Werkstattkosten20161415
Steuer10999
Versicherung40373335
Kraftstoff55383739
Emissionswerte25888488
Kapitelbewertung1000608668718

 

Fazit

Unter den drei Kleinen aus dem Osten gewinnt der Skoda Fabia verdient. Er hat ein ordentliches Platzangebot, bietet viel Komfort und ist sicherheitstechnisch ganz up to date.

Mit dem Zweitplatzierten, dem Dacia Sandero, könnte man eigentlich schon gut leben, würde seine Sicherheitsausstattung nicht so dürftig ausfallen.

Keine Empfehlung ist der Lada Kalina mit seinen miserablen Bremsen und dem kritischen Fahrverhalten. Wer ihn kauft, spart am falschen Ende.

Gesamtbewertung

Max. PunkteSkoda Fabia 1.4 16VDacia Sandero 1.6 MPILada Kalina 1119 8V
Summe5000292626352352
Platzierung123

Tags:
Severin Elektrische Kühlbox
UVP: EUR 123,99
Preis: EUR 62,90 Prime-Versand
Sie sparen: 61,09 EUR (49%)
Nulaxy FM Transmitter
 
Preis: EUR 23,89 Prime-Versand
Alkoholtester
 
Preis: EUR 16,99 Prime-Versand
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.