Kindersitz-Test: Babyschalen und Kindersitze im Test Sicher Reisen

26.05.2011

Wie sicher sind Kindersitze? Zwölf Marken-Modelle wählten wir für einen Crash-Test. Hier die Stärken und Schwächen

 

Kindersitze im Test

Kindersitz ist nicht gleich Kindersitz. Während die kleinsten Erdenbürger in so genannten Babyschalen sicher reisen sollen, gibt es für die Heranwachsenden weitere Sitzkategorien. Die Klasse 1 ist für Kinder von eineinhalb bis vier Jahren oder bis 18 Kilogramm Körpergewicht gedacht, die Klasse 2/3 schützt Kinder von dreieinhalb bis zwölf Jahren, die 15 bis 36 Kilogramm auf die Waage bringen. Somit haben junge Eltern beim Kindersitz-Kauf häufig die Qual der Wahl.

Unser Zubehörtest soll Ihnen bei der richtigen Entscheidung helfen. Dazu wählten wir je Sitz-Kategorie drei bis fünf Markenprodukte in der Preisspanne von 100 bis 200 Euro aus. In diesem Test konzentrieren wir uns auf die universell einsetzbaren Kindersitze, die auch bei älteren Fahrzeugen, die nicht über eine Isofix-Befestigung verfügen, verwendet werden können. Alle Testprobanden werden also mit dem Gurtsystem des Autos am Beifahrersitz oder auf der Rücksitzbank arretiert. Das macht sie zwar preiswerter, aber eine falsche Montage ist hier schneller passiert. Generell gilt: Jeder Kindersitz sollte ohne Spielraum, also so fest wie möglich, mit dem Fahrzeugsitz verzurrt sein. Ist er es nicht, dann wirkt beim Unfall eine zusätzliche unnötige Beschleunigungskraft auf das Kind, die im schlimmsten Fall sogar ein Verdrehen des Sitzes nach sich zieht.

Sichere Babyschalen?
Die Tücken der simplen Gurtbefestigung zeigte sich vor allem bei den Babyschalen. Bei drei unserer vier Testkandidaten befanden sich die Babyschalen nach dem Crashtest in einer viel zu steilen Endlage – also Punktabzug für die ungenügende Sitzbefestigung von Maxi Cosi, Römer und Recaro. Hier überzeugte lediglich der Teutonia Tario. Er verfügt über eine solide Basisschale, die separat an den Sitz gegurtet wird und in die sich dann mit einem Handgriff die Babyschale einklinken lässt.

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Die Verriegelung der Gurtschlösser funktionierte nur beim Römer Baby Safe Plus und beim Teutonia Tario akzeptabel. Die Größenanpassung des Anschnallgurts der nur dünn gepolsterten Teutonia-Schale ist dagegen eine unnötige Herausforderung, denn hier müssen alle Gurte stets neu eingefädelt werden.

Den besten Schutz beim simulierten Crashtest bietet der Testsieger dieser Kategorie, die Babyschale von Maxi Cosi. Hier registrierten wir die geringsten Belastungen im Kopf-, Hals- und Brustbereich. Bei den Kindersitzen in der Kategorie 15 bis 36 Kilogramm zeigte sich in unserem Test eine generelle Schwachstelle: Die Gurtführungen mit Klemmen und Umlenkrollen aus Kunststoff sind unterdimensioniert – sie geben bei größeren Belastungen nach. Dadurch liegt der Gurt nicht eng an, was im Crashfall für zusätzliche Verletzungen verantwortlich ist. 

Haltegurt gerissen
Bei zwei Sitzen traten schwerwiegende Mängel auf. Beim Recaro Young Expert in der Klasse bis 18 Kilo riss unter Crashtest-Belastungen der Schritt-Gurt. Das überforderte die verbleibenden Becken- und Schultergurte. Sie konnten den 15 Kilo schweren Test-Dummy nicht halten – er rutschte aus dem Sitz in Richtung Fußraum. Beim Recaro Monza (bis 36 kg) brach eine Kunststoffführung, die den Serien-Sicherheitsgurt des Autos in eine geeignete Position zum Kinderhals bringen soll. So etwas birgt Gefahren von Sekundärverletzungen, die unbedingt ausgeschlossen werden müssen.

Auch bei den anderen Sitzen nahmen die Schultergurte einiger Hersteller beim Crashtest ihre Schützlinge allzu fest in den Würgegriff – Punktabzug für Cybex Solution, Conrad Lift EVO PT, Römer Kid Plus und Recaro Monza. Bei der Auswertung der Kopfbelastungen konnten unsere Prüfer recht gute Ergebnisse registrieren. Den besten Schutz bieten hier die Testsieger: der Römer Kid Plus in der Klasse bis 18 Kilogramm und der Römer King Plus in der Klasse bis 36 Kilo. Nur bei einem Produkt im Test, dem Recaro Young Expert, wirken derart große Kräfte am Kopf, das Folgeschäden nicht ganz auszuschließen sind.

Gurt mit Polster
Die Kraftverteilung auf den Brustkorb ist bei allen getesteten Kindersitzen – korrekte Gurteinstellung vorausgesetzt – akzeptabel. Die besten Werte verzeichneten wir bei den Kindersitzen von Maxi Cosi, Recaro und Römer. Hier machen sich die breiten Gurte und das gepolsterte Gurtgeschirr bezahlt.

Während sich bei den Kindersitzen für die Kleinen (Gruppe 1, bis 18 Kilogramm) einschalige Konstruktionen durchgesetzt haben, sind für die größeren, also die bis Zwölfjährigen, Sitze mit separater Kopfstütze und zusätzlichem Seitenaufprallschutz üblich. Diese lassen sich teilweise auch einstellen, um eine optimale Anpassung an die jeweilige Körpergröße zu erreichen. Wichtig: Kopf- und Bewegungsfreiheit dürfen nicht unnötig eingeschränkt werden. Denn Kinder sollen sich auch auf längeren Reisen wohlfühlen. In diesem Punkt konnten alle von uns getesteten Exemplare gut abschneiden. Auch bei der Polsterung gab es keinen Ausreißer – die Materialien sind atmungsaktiv und sorgen so für ein angenehmes Sitzklima. Die Bezüge aller Testsitze lassen sich zudem abnehmen und in der Waschmaschine reinigen.

Holger Ippen |Fazit
Unser Test zeigt: Die meisten Kindersitze erfüllen ihre Schutzfunktion. Doch berstende Gurte und nachgebende Umlenkösen aus Kunststoff, wie wir sie bei Recaro Young Expert und Recaro Monza erlebten, darf es bei einer Sicherheitseinrichtung nicht geben. Und: Beim Kindersitz-Kauf sollten Sie auch unbedingt auf den Gurtverlauf im Halsbereich und eine gute Handhabung beim Anschnallen achten.

AUTO ZEITUNG

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