Mittelklasse-Test: Kia Optima 2012 gegen Ford Mondeo und VW Passat Kia Optima | Ford Mondeo | VW Passat

02.03.2012
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit dem Optima schickt Kia eine Limousine nach Deutschland, die den etablierten Mittelklasse-Größen die Stirn bieten will. Erster Vergleichstest mit VW Passat und Ford Mondeo

Vier Türen und ein Stufenheck gelten gemeinhin als gutbürgerliches Automobilmenü. Diesem Rezept folgten auch die Konstrukteure des neuen Kia Optima. Aber stimmen auch die übrigen Zutaten? Die neue Mittelklasse-Limousine verlangt nach einem genauen Blick. Schrillen doch in den Chef-Etagen der Konkurrenz ob der rasanten Verkaufserfolge der Koreaner in den letzten Jahren inzwischen die Alarmglocken. Müssen sich also Ford und VW auf einen gefährlichen Gegner einstellen?

 

Karosserie

Sowohl an der Tankstelle als auch auf dem Supermarktparkplatz entfaltet die coupéhafte Kia-Silhouette aus der Feder von Ex-Audi- und VW-Designer Peter Schreyer reichlich Hingucker-Potenzial. Die stimmige Form setzt sich bei der Gestaltung der Innenraumdetails fort. Die Materialien wirken insgesamt höherwertiger als im Ford. Doch zeigen teils unsaubere Passungen, etwa an der Lenksäule, und die quäkende Billighupe Verbesserungspotenzial in Sachen Qualität – ein Thema, dass die Wolfsburger perfekt beherrschen.

Geht es um die Funktion, leidet das Raumangebot des mit Schiebedach bestückten Kia unter der geringen Kopffreiheit. Da ist das Angebot in Ford und VW weit großzügiger. Auch fällt die Übersichtlichkeit schlechter aus als bei der Konkurrenz. Die Bedienung des Kia-Radio- und Navisystems verläuft weitestgehend selbsterklärend. Nicht optimal im Kia Optima 1.7 CRDi: Entriegelt man die Fondsitzlehnen vom Kofferraum aus, springen diese nicht sofort aus ihrer Verriegelung. Hier ist unpraktischerweise eine zweite Hand gefragt.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist der Umgang mit den verschachtelten Bordcoumputer-Menüs im Ford. Zudem arbeitet das Navigationssystem des Mondeo recht träge. Mustergültig ist dagegen die Bedienung im Passat. Vorteil für den Ford: Der Mondeo ist ausschließlich mit großer Heckklappe lieferbar. Sie gibt einen bis zu 1460 Liter messenden Kofferraum frei – Bestwert innerhalb des Trios.

Der VW Passat 2.0 TDI BlueMotion Technology sticht ihn allerdings in der Zuladung aus. Gegen dessen 565 Kilogramm (Ford: 540 kg) wirken die 505 des Kia recht mickrig. Der Wolfsburger setzt auch den Maßstab mit der umfangreichsten Sicherheitsausstattung, die der Konkurrenz zum Beispiel optionale hintere Seitenairbags und Notlaufreifen voraus hat.

KarosserieMax. PunkteVW Passat 2.0 TDI BlueMotion TechnologyFord Mondeo 2.0 TDCIKia Optima 1.7 CRDi
Raumangebot vorn100798276
Raumangebot hinten100797977
Übersichtlichkeit70323731
Bedienung/ Funktion100858284
Kofferraumvolumen100485441
Variabilität100252520
Zuladung/ Anhängelast80454230
Sicherheit1501049485
Qualität/ Verarbeitung200180173175
Kapitelbewertung1000677668619

 

Fahrkomfort

Mit bestens konturierten Vordersitzen empfiehlt sich vor allem der Ford für Langstrecken. Die VW-Sitze könnten, wie das Kia-Gestühl, mehr Seitenhalt vertragen. Dem Asiaten mangelt es darüber hinaus an Oberschenkelauflage.

Im Fond reist es sich im VW Passat 2.0 TDI BlueMotion Technology am bequemsten, wahrend die Mondeo-Polster einen etwas störenden Wulst im Schulterbereich aufweisen. Unbequemer geht es im Optima zu. Hier müssen Großgewachsene wegen der seitlich eingezogenen Dachbögen Kopfkontakt fürchten und verweilen mit relativ stark angewinkelten Beinen auf der Rückbank.

Zwar sind die Instrumente des Kia gut ablesbar, doch rutschten die Schalter für ESP, Start-Stopp-System und Spurassistent aus dem Blickfeld und werden vom Lenkrad verdeckt. Zudem kann der extrem spiegelnde Navigationsbildschirm den Fahrer bei tief stehender Sonne blenden. Aus ergonomischer Sicht setzt abermals der Wolfsburger den Maßstab. Positiv: Die Koreaner gaben dem Optima als einzigem Kandidaten im Testfeld eine Klimaautomatik serienmäßig mit auf den Weg. Der Ford kontert immerhin mit einer optionalen beheizbaren Frontscheibe (ab 390 Euro), die vereiste Scheiben zügig abtaut.

Schlechten Straßen begegnen die Feder-Dämpfer-Elemente des straff abgestimmten Optima mit ordentlichem Ansprechverhalten und ausreichenden Dämpfungsreserven. Eigenschaften, die unter voller Beladung nur wenig schlechter werden. Der Mondeo geht mit Fahrbahnunebenheiten aller Art etwas verbindlicher um als der Kia Optima 1.7 CRDi. Störend fallen höchstens der leichte seitliche Versatz der Hinterachse auf Schlaglöchern sowie gelegentliches Fahrwerkspoltern auf. Vorbildlich federt und dämpft der mit adaptivem Dämpfersystem (DCC, 1085 Euro) ausgerüstete Passat. Eine lohnenswerte Investition, denn beinahe sänftengleich bügelt der Wolfsburger damit Fahrbahnunebenheiten aus.

FahrkomfortMax. PunkteVW Passat 2.0 TDI BlueMotion TechnologyFord Mondeo 2.0 TDCIKia Optima 1.7 CRDi
Sitzkomfort vorn150105110100
Sitzkomfort hinten100726866
Ergonomie150121112105
Innengeräusche50303128
Geräuscheindruck100757472
Klimatisierung50353836
Federung leer200140136134
Federung beladen200145136132
Kapitelbewertung1000723705673

 

Motor und Getriebe

Während Ford und VW die klassische Marke von zwei Liter Hubraum erreichen, bescheidet sich Kia beim Optima mit 1,7 Litern. Mit 136 PS wirft der Optima nur vier PS weniger in die Waagschale als seine deutschen Konkurrenten, liegt dafür jedoch mit 325 statt 320 Newtonmetern beim Drehmoment etwas vorn. Eine Begegnung auf Augenhöhe?

Nicht ganz. Denn bei höherem Tempo beschleunigt der Kia spürbar verhaltener als der Ford oder der VW – und mit 197 km/h Spitze hinkt er den zweien auch klar hinterher, wenn es darum geht, auf freier Autobahn mit Vollgas ans Ziel zu kommen. Bei solchen Parforce-Ritten ist es natürlich vorbei mit der Sparsamkeit – hier wie da erklimmen die Verbräuche zweistellige Dimensionen.

Mit weniger Eile im Nacken lassen sich dagegen im Alltag Werte erzielen, die den hohen Dieselpreis erträglich machen – und hier punktet der Optima: Lediglich 6,6 Liter verkonsumierte der mit Start-Stopp-System (300 Euro bei „Edition 7“, Serie bei „Spirit“,) bestückte Kia auf der AUTO ZEITUNG-Verbrauchsstrecke, während der Ford nach 7,0 und der mit serienmäßigem Start-Stopp-System ausgerüstete VW sogar nach 7,2 Litern verlangte. Für ihren größeren Durst entschädigen der Ford Mondeo 2.0 TDCI und der Passat aber mit den besseren Umgangsformen. Der kleine Korea-Diesel hängt zwar bei niedrigen Drehzahlen noch wacher am Gas als der Mondeo-Motor. Er klingt aber bei höheren Drehzahlen angestrengter und ist auch lange nicht so drehfreudig. Dem Passat-Triebwerk kann man zwar einen leicht nörgelig-rauen Ton ankreiden. Doch was Drehfreude, Vibrationsarmut und Leistungsentfaltung anbetrifft, legt er die Messlatte auf ein für diese Konkurrenz nicht erreichbares Niveau.

Die Schaltung des Mondeo gefällt auch in diesem Test einmal mehr mit guter Stufung und angenehmer Führung. Auch das Doppelkupplungsgetriebe des Passat-Testwagens (Aufpreis 2150 Euro) funktioniert bestens und beherrscht auf Knopfdruck sogar das Segeln – also das Rollen mit Leerlaufdrehzahl bei entkoppeltem Antriebsstrang. Die sechs Gänge des Kia sind passend gespreizt, und die Schaltung überzeugt – bis auf den Kraftaufwand, der bei großer Kälte zum Einlegen des zweiten Gangs nötig war.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Passat 2.0 TDI BlueMotion TechnologyFord Mondeo 2.0 TDCIKia Optima 1.7 CRDi
Beschleunigung15010710199
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150616051
Getriebeabstufung100858078
Kraftentfaltung50353433
Laufkultur100666563
Verbrauch325245249256
Reichweite25192022
Kapitelbewertung1000618609602

 

Fahrdynamik

Wie jeder Ford ist der Mondeo ein Fahrerauto mit dynamischen Talenten, die Landstraßen zu einem großen Spaß machen. Er lässt sich willig in Kurven dirigieren und tut auch bei deaktiviertem ESP nichts, was den Fahrer vor unlösbare Aufgaben stellen könnte.

Doch der VW Passat 2.0 TDI BlueMotion Technology liegt noch einmal eine Klasse besser, wenn er mit adaptiven Dämpfern ausgerüstet ist wie unser Testwagen. Straffe, sehr gefühlsechte Lenkung, wenig Karosseriewanken, sehr gute Traktion, mustergültig stabiles Verhalten auch bei Lastwechseln: Das notiert die Test-Crew nach vielen freudvollen Runden auf der Handlingstrecke, wo die 1,5-Tonnen-Limousine mit bestens dosierbarer Bremse Sportler-Qualitäten offenbart.

Der Kia verfehlt dieses hohe Niveau deutlich, er fällt auch gegenüber dem Ford weit zurück. Zu gefühllos ist seine Lenkung, zu schlecht die Traktion beim Beschleunigen aus Kurven heraus. Zu allem Überfluss zeigt der Optima bei Lastwechseln in Kurven einen deutlichen Hang zum Übersteuern und schaukelt sich bei mehreren Richtungswechseln so stark auf, dass selbst geübte Fahrer bei deaktiviertem ESP einen Dreher kaum verhindern können.

Eindeutig hält das Fahrverhalten nicht Schritt mit den dynamischen Erwartungen, die das Design des Kia weckt. Auch die gemessenen Bremswege sind kein Ruhmesblatt für ein Auto, das die etablierte Mittelklasse-Konkurrenz aufmischen will: Während Ford Mondeo 2.0 TDCI und Passat aus 100 km/h mit kalter Bremse nach 36,4 respektive 36,0 Metern standen, benötigte der Kia für diese Übung inakzeptable 44,6 Meter. Mit warmer Bremse brauchte der Kia noch immer fast 40 Meter bis zum Stillstand. Eventuell wären mit anderer Bereifung kürzere Bremswege möglich gewesen.

FahrdynamikMax. PunkteVW Passat 2.0 TDI BlueMotion TechnologyFord Mondeo 2.0 TDCIKia Optima 1.7 CRDi
Handling150746057
Slalom100767056
Lenkung100737169
Geradeauslauf50424240
Bremsdosierung30201918
Bremsweg kalt15090865
Bremsweg warm150989554
Traktion100454138
Fahrsicherheit150130130122
Wendekreis2012711
Kapitelbewertung1000660621470

 

Umwelt und Kosten

Komplett ausgestattet ist der Kia deutlich preiswerter als seine deutschen Konkurrenten. Hinzu kommen sieben Jahre Garantie. Die niedrigsten Kraftstoffkosten und der geringste Wertverlust innerhalb des Test-Trios tragen ihren Teil dazu bei, dass der Kia Optima 1.7 CRDi in diesem Kapitel einen satten Punktevorsprung einfährt. Da es für ihn noch keine Typklassen-Einstufungen gibt, wurden diese für alle Kandidaten aus der Wertung genommen. Am Kapitelsieg des Koreaners ändert das jedoch nichts.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Passat 2.0 TDI BlueMotion TechnologyFord Mondeo 2.0 TDCIKia Optima 1.7 CRDi
Bewerteter Preis675184201204
Wertverlust50192021
Ausstattung2514219
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50281845
Werkstattkosten20161414
Steuer10888
Versicherung40
Kraftstoff55404142
Emissionswerte25888486
Kapitelbewertung1000397388439

 

Fazit

Ein Anfang ist gemacht. Mit dem Optima haben die Koreaner ein attraktives Auto auf die Räder gestellt, das mit sparsamem Motor, niedrigen Kosten und großzügigen Garantien in der Mittelklasse punkten kann. Das Platzangebot fällt allerdings etwas schlechter aus als bei der Konkurrenz, und die miserable Bremsleistung wirft den Koreaner schließlich auf den letzten Platz zurück. Hier sollte Kia dringend nachbessern. So landet der bewährte Ford Mondeo mühelos auf dem zweiten Rang. Seine große Heckklappe und der üppige Kofferraum überzeugen im Alltag ebenso wie der gute Sitzkomfort. Die besten Bremsen, der beste Federungskomfort und ein hohes fahrdynamisches Potenzial küren den VW Passat zum Testsieger. Bis auf Weiteres ist der Wolfsburger der Maßstab in der Mittelklasse.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Passat 2.0 TDI BlueMotion TechnologyFord Mondeo 2.0 TDCIKia Optima 1.7 CRDi
Summe5000307529912803
Platzierung123

Tags:
E-Bike zu gewinnen
Gewinnspiel

E-Bike und 20 x 2.000 € zu gewinnen!

Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.