Kia cee’d und Mazda3 gegen VW Golf Euro-Asiaten

12.03.2007
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Mit dem für Europa konstruierten cee’d drängt Kia ebenso ins VW Golf-Lager wie Mazda seinerzeit mit dem Mazda3. Hat der Koreaner ähnliche Qualitäten und wird dem Golf sogar gefährlich?

Mangel an Entschlossenheit kann man den Koreanern nicht vorwerfen: Sie wollen in Deutschland in der reich besetzten Kompaktklasse jährlich rund 12 000 Kia cee’d verkaufen. Das Rezept hierfür klingt Erfolg versprechend – europäisches Design und günstige Preise dank der Fertigung im neuen slowakischen Kia-Werk Zilina. Im ersten Vergleich tritt der cee':d gegen den VW Golf und den Mazda3 an.

 

Karosserie

Im neuen Kia cee’d finden vier Personen einen geräumigen Innenraum vor. Das Platzangebot ist vorn wegen des weniger wuchtigen Armaturenbretts noch etwas besser als im Mazda, reicht aber nicht an den besonders im Kopfbereich großzügigeren VW Golf heran. Dessen Motorhaube lässt sich am schlechtesten einsehen. Hier haben es Mazda- und Kia-Fahrer beim Einparken wesentlich leichter. Auch bei der Bedienung überzeugt der Koreaner: Alle Schalter sind da, wo sie hingehören, die Instrumente gut ablesbar. Die viel zu klein geratene Schrift auf dem Display des Navigationssystems (1210 Euro) überfordert dagegen selbst Brillenträger. Dafür meldet der elektronische Wegweiser unterwegs sogar Radarfallen. Im Mazda3 besteht auch nach dem Facelift im vergangenen Jahr noch Verwechslungsgefahr zwischen Lautstärkeregler und Drehknopf bei der Radiosender-Suche. Der Golf gefällt mit gewohnter Güte und hat sogar Gasdruckfedern an der Motorhaube. Dafür reagiert sein Navigationssystem ungewohnt träge auf Eingabebefehle. Bei den Kofferraumvolumina liegen alle auf einem Niveau. Der Kia punktet als einziger bei umgeklappter Rückbank mit einer ebenen Ladefläche. Der Grund: Seine hintere Sitzfläche lässt sich im Gegensatz zu den Konkurrenten vorklappen. Dafür ist die Zuladung des Koreaners mit nur 390 Kilogramm eher mickrig. Volkswagen bietet für den Golf zahlreiche Sicherheitsdetails – wenn auch zum Teil gegen Aufpreis. Beim Kia hingegen gibt es nicht mal eine Isofix-Halterung für die Kindersitze. Die hat der Mazda3 zwar serienmäßig an Bord, aber er muss, wie auch der Kia, bei hinteren Seitenairbags und Xenonlicht passen. Die Verarbeitungsqualität des cee':d ist nur durchschnittlich. So sind Teile im Motorraum und an der Heckklappeninnenseite nicht klar lackiert und auch die Spaltmaße stellenweise groß. Da ist der Mazda besser verarbeitet, auch wenn sein Dachhimmel billig wirkt. In der Summe aller Eigenschaften setzt der Golf nach wie vor in dieser Klasse hier den Maßstab.

KarosserieMax. PunkteVW Golf 1.6Kia ceeMazda 3 Sport 1.6 MZR
Raumangebot vorn100656362
Raumangebot hinten100565555
Übersichtlichkeit70374343
Bedienung/ Funktion100908590
Kofferraumvolumen100302930
Variabilität100253520
Zuladung/ Anhängelast80332531
Sicherheit150826363
Qualität/ Verarbeitung200185170175
Kapitelbewertung1000603568569

 

Fahrkomfort

Der Aufenthalt an Bord wird maßgeblich durch die Qualität der Sitze bestimmt. Hier kann sich der Golf mit Abstand am besten in Szene setzen. Die gute Seitenführung seiner Vordersitze und die straffen Polster lassen auch auf Langstrecken keine Wünsche offen. Im Mazda3 fallen die Kopfstützen vorn für Großgewachsene etwas kurz aus. Hier überzeugt der Kia mehr – wie auch bei der Schulterabstützung. Die Polsterwangen auf der Sitzfläche sind allerdings zu weich. Im Fond hält abermals der Golf das bequemste Gestühl bereit. Im Kia sind die Kopfstützen zu kurz und die Bank sollte besser konturiert sein. Im Alltag gefällt der Golf mit dem üppigsten Ablagenangebot, während im Kia das Handschuhfach etwas klein geriet. Im Mazda lässt sich der Bordcomputer nur über eine Taste im Armaturenbrett bedienen. Bei der Ölstandskontrolle nerven die Asiaten mit weit innen liegenden Haubenentriegelungen. So sind schmutzige Finger schon beim Öffnen der Motorhaube vorprogrammiert. Beim Golf befindet sich der Entriegelungsmechanismus fast direkt an der Haubenkante – eine gute Lösung. Auf Langstrecken ist der Wolfsburger der angenehmste Begleiter. Kaum Wind- und gut gedämmte Abrollgeräusche machen stressfreies Reisen auf langen Strecken ebenso möglich wie das geschmeidige Schlucken von Fahrbahnunebenheiten. Hier schneiden Mazda und Kia deutlich schlechter ab. Auf der einen Seite treten die Abrollgeräusche bei ihnen stärker in den Vordergrund, auf der anderen Seite fehlt ihren deutlich straffer abgestimmten Feder-Dämpfer-Einheiten das gute Absorptionsvermögen des VW Golf. Auf kurzen Bodenwellen rollt insbesondere der Kia etwas hölzern ab.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf 1.6Kia ceeMazda 3 Sport 1.6 MZR
Sitzkomfort vorn150118107104
Sitzkomfort hinten100726063
Ergonomie150132124127
Innengeräusche50262225
Geräuscheindruck100625354
Klimatisierung50232029
Federung leer200138130133
Federung beladen200142132139
Kapitelbewertung1000713648674

 

Motor und Getriebe

1,6 Liter Hubraum sind in dieser Klasse das Maß der Vernunft für Durchschnittsfahrer. Der Kia hat 122 PS, während es der Mazda bei 105 PS bewenden lässt und der Golf es nur auf 102 PS bringt. Erwartungsgemäß schneidet der Koreaner bei den Fahrleistungen am besten ab. Den Standardsprint von null auf 100 km/h absolviert er mit 10,3 Sekunden eine gute Sekunde schneller als die Konkurrenten. Auch bei der Höchstgeschwindigkeit kann er mit 192 km/h seine Rivalen deklassieren (Mazda 182, VW 184 km/h). Die Tatsache, dass der Kia-Motor drehfreudiger ist und spontaner auf Gaspedalbefehle reagiert, lässt den cee':d im Verkehrsalltag etwas souveräner agieren als Mazda und VW. Wer sich jedoch in höheren Drehzahlbereichen aufhält, hört teilweise unangenehme Dröhnfrequenzen. Beim Mazda sind diese weit weniger ausgeprägt, während das VW-Triebwerk mit einer für Vierzylinder hohen Laufkultur begeistert und nahezu vibrationsfrei bleibt. Beim Verbrauch liefern die drei nur Durchschnittswerte: 8,7 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer benötigte der Golf auf der Verbrauchsstrecke, während der Mazda mit 9,4 Litern das andere Ende markiert (Kia 9,1 Liter). Hierfür dürfte bei allen unter anderem die kurzen Übersetzungen und das daraus resultierende vergleichsweise hohe Drehzahlniveau verantwortlich sein. Reisetempi von 130 km/h bedeuten bereits Drehzahlen um die 4000/min. Die Fünfganggetriebe der drei Kandidaten lassen sich durch die Bank präzise schalten, beim Kia verlangen die Gangwechsel aber etwas mehr Kraftaufwand.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf 1.6Kia ceeMazda 3 Sport 1.6 MZR
Beschleunigung150120132123
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150546252
Getriebeabstufung100888688
Kraftentfaltung50222322
Laufkultur100645558
Verbrauch325179174170
Reichweite25111010
Kapitelbewertung1000538542523

 

Fahrdynamik

Mit Bremswegen um die 37 Meter aus Tempo 100 zeigen sowohl Golf als auch Kia und Mazda ein hohes Sicherheitspotenzial, wobei der Druckpunkt der Mazda-Bremse relativ stumpf wirkt. Bei den Fahrversuchen auf dem Handlingparcours überzeugt der Japaner dafür mit dem agilsten Eindruck. Dank seiner präzisen Lenkung lässt er sich nahezu zentimetergenau durch kurviges Geläuf dirigieren. Seine recht ausgeprägten Lastwechselreaktionen unterstützen das zackige Einlenkverhalten. Bei zu hohem Tempo bremst das ESP das zügig eindrehende Heck allerdings ruppig ein. Mit deaktiviertem Schleuderschutz verlangt der Mazda besonders bei Nässe eine kundige Fahrerhand, um einen Dreher zu verhindern. Der Kia ist wesentlich sanfter abgestimmt. Dafür wirkt seine Lenkung etwas unpräzise. Mit zunehmendem Lenkwinkel lässt die Rückmeldung nach, dafür nehmen die Antriebseinflüsse zu. Auch mit der Traktion steht es beim Herausbeschleunigen aus Kurven nicht zum Besten. Der VW wiederum untersteuert stärker. Sein Heck zeigt nur minimale Eindrehtendenzen. Die Lenkung verlangt zwar nach größeren Lenkwinkeln als die des Mazda, gefällt aber mit der besten Rückmeldung im Vergleich. Hinzu kommt, dass der VW ebenso wie der Mazda einen besseren Geradeauslauf hat als der Kia.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf 1.6Kia ceeMazda 3 Sport 1.6 MZR
Handling150384139
Slalom100474849
Lenkung100797488
Geradeauslauf50413841
Bremsdosierung30181716
Bremsweg kalt150738276
Bremsweg warm150807680
Traktion100402935
Fahrsicherheit150130128122
Wendekreis20151414
Kapitelbewertung1000561547560

 

Umwelt und Kosten

Gegenüber dem Golf ist der Grundpreis des cee’d um gut 2400 Euro niedriger, im Vergleich mit dem Mazda3 gar um 3741 Euro. Das ist in dieser Fahrzeugklasse eine Menge Geld. Dafür bringt der Japaner aber von Haus aus die umfangreichste Serienausstattung mit. So sind Klimaanlage und Leichtmetallräder bereits im Preis enthalten. Letztere gibt es bei Kia nicht ab Werk für den 1,6-Liter-Benziner. Sie müssen über den Händler bezogen werden. Beim Wertverlust sagt die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) dem Kia den geringsten effektiven Wertverlust voraus. Das wiederum lässt die vom ADAC prognostizierten hohen Werkstattkosten in einem milderen Licht erscheinen. Die Kosten für die üblicherweise anfallenden Wartungsarbeiten und Verschleißreparaturen werden auf der Basis von 80 000 Kilometer Laufleistung und einer vierjährigen Haltedauer berechnet. Hier schneidet der VW am günstigsten ab. Da die Versicherungseinstufungen für den cee':d noch nicht vorliegen, haben wir auf diesen Bewertungspunkt verzichtet. Hervorzuheben ist das umfangreiche Garantiepaket, das die Koreaner für ihren neuen Kompakten geschnürt haben. Es verspricht fünf Jahre Vollgarantie und zwei weitere Jahre auf den Antriebsstrang inklusive Motor und Getriebe. Damit holt der Koreaner den Kapitelsieg, der selbst durch eine ungünstige Versicherungseinstufung ungefährdet bliebe.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf 1.6Kia ceeMazda 3 Sport 1.6 MZR
Bewerteter Preis675278309264
Wertverlust50293127
Ausstattung257721
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50283733
Werkstattkosten20161416
Steuer10999
Versicherung40
Kraftstoff55373635
Emissionswerte25808786
Kapitelbewertung1000484530491

 

Fazit

Das Überraschende dieses Vergleichstests ist nicht der Sieg des VW Golf, sondern dass ihm der neue Kia cee’d bis auf wenige Punkte auf den Pelz rückt. Die Koreaner haben ein Auto auf die Räder gestellt, das auf Augenhöhe mit der etablierten Konkurrenz liegt. Vor allem der spritzige Motor und der günstige Preis überzeugen und sorgen dafür, dass der cee´d am Mazda3 vorbeizieht. Mit etwas Feinschliff bei Qualität und Komfort sowie einer üppigeren Sicherheitsausstattung könnte es für den Wolfsburger gefährlich werden. Noch ist er hier das Maß der Dinge.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf 1.6Kia ceeMazda 3 Sport 1.6 MZR
Summe5000289928352817
Platzierung123

Tags:
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