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Pay-as-you-Drive-Versicherungen noch Zukunftsmusik?

Individuelle Prämien

Die Diskussion um Pay-as-you-Drive-Versicherungen ist in aller Munde. Ähnlich sieht es mit dem Beschluss zur Einführung des Ortungssystems eCallaus

In den vergangenen Monaten wurde immer wieder von „Usage-Based-Insurance“ und „Pay-as-you-Drive“ berichtet. Dahinter verbergen sich Tariflösungen, bei denen die Kfz-Versicherungsprämie ganz individuell nach der Art und dem Umfang des Fahrverhaltens berechnet wird. Ob der Nutzwert dabei überwiegt und die Schwachstellen in den Hintergrund stellt, wird derzeit stark diskutiert. Für die Erfassung des Fahrverhaltens werden in Europa derzeit zwei verschiedene Ansätze, basierend auf Smartphones und M2M-Technolgien, verfolgt. Die Speicherung der Daten bietet dem Fahrer ohne Zweifel Vorteile. Sie sind einerseits Grundlage für maßgeschneiderte Versicherungstarife und andererseits kann der Fahrer durch die Datenauswertung sein Fahrverhalten verbessern und damit die Fahrsicherheit erhöhen.

In einigen Ländern, etwa in den USA, Großbritannien und Irland, sind die Techniken bereits weit verbreitet. In Deutschland stecken sie noch in den Kinderschuhen und werden eher kritisch betrachtet. Durch die Aufzeichnung der Fahrzeugdaten wird ein Grad der Transparenz erreicht, der bei vielen Datenschützern die Alarmglocken läuten lässt. Im Raum stehen Fragen zum Datenschutz, zu einer sicheren Übertragung von Daten, zur Vorratsdatenspeicherung und zur Erfassung von Bewegungsprofilen. Wie bereits berichtet, äußerte sich der damalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar im letzten Jahr kritisch zu dem Thema: „Wer einen derartigen Tarif wählt, muss sich darauf einlassen, dass eine Vielzahl von Daten erhoben, gespeichert und ausgewertet wird.“ Der mangelnde Datenschutz ist auch ein Grund, warum derzeit noch wenige deutsche Versicherungen die Pay-as-you-Drive-Tarife anbieten.

Welche Technik ist am zuverlässigsten?

Im Bereich von Usage-Based-Insurance (UBI) und Pay-as-you-Drive (PAYD) greifen die europäischen Versicherer momentan auf zwei Telematik-Lösungswege zurück: die Datenerfassung via Smartphone oder M2M-Lösungen (Machine to Machine – automatische Datenübertragung zwischen zwei Geräten). Smartphones machen derzeit einen Anteil von etwa 82 Prozent der verkauften Handys aus – Tendenz steigend. Damit sind sie ein scheinbar ideales Medium für UBI-Anwendungen. Mit einer App und durch eine Verbindung zur Fahrzeugelektronik können entsprechende Daten erfasst werden. Als nachteilig sind jedoch die Plattformvielfalt (verschiedene Handybetriebssysteme) und die Kontinuität der Datenbereitstellung zu nennen.

Um eine Kompatibilität verschiedener Plattformen zu gewährleisten, müssen verschiedene Versionen einer Anwendung entwickelt werden. Zudem kann aufgrund begrenzter Akkulaufzeiten und der Empfindlichkeit des Geräts nicht für eine kontinuierliche Bereitstellung der Daten garantiert werden. Hardware-Lösungen mit integrierten M2M-Modulen stellen aufgrund der speziellen technischen Performance und Funktionalität die bessere Lösung dar. M2M-Module sind im Gegensatz zu Smartphones ausschließlich für die Erhebung und den Austausch von Daten des Fahrverhaltens konstruiert. Sie überzeugen mit einer höheren Verfügbarkeit – gewährleistet durch eine zum Teil integrierte Energieversorgung –, einer besseren Netzabdeckung und einer hohen Sicherheit durch die Nutzung von proprietären Technologien.

Gründe für die Nutzung der Telematik-Dienste

Die Frage, wie viele Autofahrer bereits Daten zu ihrem Fahrverhalten aufzeichnen, versucht eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens hnw consulting zu beantworten. Im Rahmen der Studie „Telematik-Services aus der Sicht des Fahrzeughalters“ wurden 1.065 Kfz-Besitzer in Deutschland befragt. Demnach nutzen derzeit sieben Prozent der Befragten Telematik-Dienste. Die Neugier und das Interesse an neuartigen Technologien spielen dabei eine besonders große Rolle. 55 Prozent der Telematik-Nutzer gaben an, die Fahrzeugdaten lediglich aus Interesse an der Technik und den Informationen zu nutzen. Weitere 45 Prozent nannten eine Reduktion der Versicherungsprämie als Grund. Bei Firmenwagen scheint die Erfassung von Fahrzeugdaten hingegen noch keine große Rolle zu spielen. Lediglich bei acht Prozent der Studienteilnehmer wurde das Gerät auf den ausdrücklichen Wunsch es Arbeitgebers hin installiert.

Ähnliche Datenerhebungen, wie sie auch bei UBI- und PAYD-Lösungen gespeichert werden, sollen in Kürze europaweit für mehr Verkehrssicherheit sorgen. Der Innenausschuss des EU-Parlaments hat die Einführung des Auto-Notruf- und Überwachungssystems eCall zum Jahr 2015 beschlossen. Ab Oktober nächsten Jahres müssen dann alle Neufahrzeuge mit diesem elektronischen Ortungssystem ausgestattet werden. Auch hier wird ein mangelnder Datenschutz kritisiert und werden Nachbessrungen gefordert. Es bleibt abzuwarten, in welcher Weise die Generierung, Weiterleitung und Speicherung von Daten zum Fahrverhalten in der Zukunft gestaltet werden – ob für eCall oder den Versicherungsmarkt. Die Diskussion um den „gläsernen Autofahrer“ ist noch nicht beendet.

Mia Franke