Funkschlüssel geknackt: Keyless-Go unsicher Millionen Funkschlüssel geknackt

11.08.2016

Ein Forscher-Team hat eine Sicherheitslücke aufgedeckt und so 100 Millionen Funkschlüssel geknackt. Betroffen sind vor allem VW-Modelle ab 1995.

Ein Forscherteam hat Sicherheitslücken in weltweit rund 100 Millionen Autos aufgedeckt. Der Knackpunkt sind die Autoschlüssel, genauer gesagt die Funkschlüssel. Deren Verschlüsselung ließ sich offenbar knacken und beliebig oft reproduzieren, was im Ergebnis für die Forscher wie ein Universalschlüssel für alle Autos ist. So war es für sie kein Problem mehr, die Autos von 15 Marken zu öffnen ohne Spuren zu hinterlassen. Darunter sind besonders viele VW-Modelle ab dem Baujahr 1995, Autos der Konzern-Töchter Audi, Seat und Skoda, aber auch Fahrzeuge von Opel, Ford und Renault. Auf die aktuellen Modelle bezieht sich das Problem mit den Autoschlüsseln jedoch nicht, die Ursache für die Sicherheitslücke liegt nämlich in den veralteten Sicherheitssystemen der älteren Autos. Doch die Hersteller sind bereits alarmiert, VW arbeitet mit den Forschern bereits an einer Lösung. Aufgrund der Komplexität der Entschlüsselung sieht Opel jedoch kein Risiko für seine Kunden. Durch die Sicherheitslücke lässt sich das Auto ohnehin erst mal nur öffnen, ein Diebstahl ist allein dadurch nicht möglich.

Keyless-Go unsicher (Video):

 

Sicherheitslücke Funkschlüssel & Keyless-Go

Doch der ADAC warnt vor dem Sicherheitsproblem im Autoschlüssel, denn schließlich hinterlasse diese Einbruchart keine Spuren und mache es so schwer, Ansprüche bei der Versicherung zu erheben. Auch moderne Schließsysteme wie zum Beispiel das Keyless-Go-System sind nicht unbedingt sicherer. Zugegeben, natürlich ist es sehr bequem: Man muss einfach nur seinen Autoschlüssel dabei haben und schon schließt sich das Auto auf magische Weise selbst auf, sobald sich der Besitzer dem Fahrzeug auf wenige Meter nähert. Und auch der Motorstart gelingt ganz ohne Schlüssel. Das Wort "Besitzer" muss in diesem Zusammenhang allerdings neu definiert werden. Denn Besitzer ist derjenige, der das digitale Funksignal kennt, das den Autoschlüsseln konstant entströmt und das – sehr zum Verdruss von Hersteller und Kunde – relativ einfach aufgefangen und damit von Personen genutzt werden kann, denen das Auto nicht gehört. Oder kürzer: Signal abgefangen, Auto weg. Dazu sind Apparaturen vonnöten, die in eine normale Laptoptasche passen und in Ganovenkreisen gerade rasende Verbreitung finden. Der Einkaufspreis von etwa 35.000 Euro ist nach dem erfolgreichen Entwenden einer Luxuslimousine locker wieder drin, danach ist alles de facto ein Netto-Gewinn. Der ADAC ist sogar der Meinung, dass sogenannte Funkverlängerer mit wenig Aufwand selbst hergestellt werden können und hat im Netz ein Video veröffentlicht, das zeigt, wie leicht zwei Personen ein komplettes Auto klauen können, ohne Alarm, ohne etwas aufbrechen oder kurzschließen zu müssen – der Wagen rollt ganz ruhig vom Hof, während der Besitzer friedlich schlummert. Die eine Person verlängert dabei die Reichweite des schwachen Funksignals, das der Autoschlüssel in der Wohnung konstant aussendet, indem er das Frequenz-Auffangsystem vor ein Fenster der Wohnung hält. Diese Vorgehensweise zeigt, wie schnell jedes Auto mit Keyless-Go-System geklaut werden kann. Mehr zum Thema: TÜV-Mängel erkennen

Probleme mit Funkschlüssel und Keyless-Go bekannt

Eine Nachfrage bei diversen Herstellern bezüglich dieser Problematik zeigt zweierlei: Erstens ist die Problematik allen Herstellern bereits bekannt und zweitens gibt es bei keinem bisher Pläne, etwas dagegen zu unternehmen. Der Autobesitzer muss selbst für Sicherheit sorgen. Die sicherlich einfachste Gegenmaßnahme besteht darin, die dem Autoschlüssel konstant entströmenden Funksignale einzusperren, sodass die Langfinger-Hardware nichts mehr aufzuschnappen hat. Dazu muss man den Schlüssel nicht in einem Bleitresor beerdigen, eine leichte Blechdose schirmt schon Einiges ab. Aluminium – der Klassiker aller Verschwörungstheoretiker und Elektroempfindlichen – müsste allerdings mehrlagig um den Schlüssel gewickelt werden und ist daher nicht so praktisch wie die Dose. Komplett abgeschirmt sind die Funkwellen dann aber ohnehin immer noch nicht. Am besten wäre es also, wenn die Autohersteller sich selber in die Pflicht nähmen und ihren immerhin in den meisten Fällen mit einem Aufpreis versehenen Service sicher machten. Mehr zum Thema: 16-Jähriger klaut Luxuskarren

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