Jeep Wrangler Rubicon 10th Anniversary Edition: Rubicon Trail Hard Rock in der Sierra Nevada

12.10.2013

Rubicon Trail ist, wenn es fast senkrecht bergauf geht. Auf losem Schotter. In einer Felsrinne, die gerade einmal Platz für ein halbes Auto bietet. Wenn dann dieser Felsblock im Weg steht und sagt: „Geh nach Hause, Kleiner!“

Manchmal zieht eine dieser warmen Brisen durch die Bäume. Hier oben in den Wäldern der Sierra Nevada startet ein herrlicher Sommertag mit tiefblauem Himmel und kühler Bergluft. Die Wildnis atmet Kiefernharz, Staub und Erde, auf dem beinahe türkis-grünen Wasser des Lake Tahoe glitzern Kaskaden von Licht. Ein ganzes Rudel neuer Jeep Wrangler rumort die Uferstraße entlang, irgendwo da vorne, am hinteren Ende eines einsamen Parkplatzes verschwindet ein schmaler Weg im Wald. Das soll der berühmte Rubicon Trail sein? Eine staubige Piste? Mehr nicht?  Dass die Amerikaner einen Hang zum Pathos haben, ist bekannt, aber uns diesen Waldweg hier als härteste Offroad-Strecke der Welt zu verkaufen...?


Aller Anfang ist seicht


Zornig bolzen die Jeep Rubicon durch knöcheltiefen, samtweichen Staub, bald ist die Luft regelrecht eingenebelt. Ein paar querliegende Baumwurzeln tauchen auf, aufsteigende Steinplatten drücken sich durch die Fahrspuren, und diese Hindernisse reichen aus, um die Besatzung des Wrangler vor uns in hektisches Schnattern ausbrechen zu lassen. Man hängt sich weit aus den Seitenfenstern, es wird mit Kennermiene gepeilt – und als dieses ach so furchterregende Hindernis im Kriechgang und mit aktivierten Differenzialsperren geschafft ist, feiern die Jungs Kindergeburtstag. Städter. Lifestyle-Blogger wahrscheinlich. Die Typen kommen vermutlich direkt von der Königstraße und glauben, wenn man sich die polierten 22-Zöller eines Protz-SUVs am Bordstein anschrammt, war das schon Offroad. Wir zuckenmit den Achseln und nehmen die Wurzelplatte verächtlich volley. Mit Heckantrieb und im Straßengang. Ihr Lieben: Das hier ist die „10th Anniversary Edition“ des Wrangler Rubicon, also die nochmal extra auf Hardcore getrimmte Variante des geländegängigsten Jeep überhaupt. Der spürt so eine Treppenstufe nicht mal. Und abgesehen davon – bis hierher wären wir auch im Tiguan gekommen. Ach, was, im Golf!

Zugegeben: Für ein paar Wasserdurchfahrten legen wir dann doch lieber den Allradantrieb ein, und an den seifigen Bergaufstücken, die mit einem verblockten Stein-Slalom garniert sind, ebenfalls. Und es wird auch sonst rauer. Der feine Staub wechselt unmerklich und stetig zu immer gröberem Schotter. Nach anderthalb Stunden hat uns die Piste dann doch vollends weichgeprügelt. Als wir aus dem Wald tauchen und auf einem blanken Fels-Riff hoch oben über dem Fluss landen, ist der Reiz des Rubicon-Trail noch nicht so wirklich bei uns angekommen. Der alte Goldgräberpfad, der irgendwann zur County Road befestigt und ab den 40er-Jahren dem Verfall preisgegeben wurde, ist hart, keine Frage. Aber die Messlatte? Unser Guide zählt einmal alle Anwesenden durch, dann lässt er seinen martialisch aufgerüsteten Short-Wheelbase-V8-Wrangler an: „Ab jetzt wird’s ein wenig schwieriger!“ Damit verschwindet er hinter einer Kieferngruppe, die unmittelbar am Abgrund wächst. Wir hechten hinterher und sind nach wenigen Metern völlig im Eimer: Unser Wrangler bockt und prügelt über fußballgroße Steinbrocken bergab, kracht mit den  Unterboden-Schutzplatten an jeder Felsstufe auf die Kanten, schwankt und schlittert über derbste Geröllrinnen entlang der Fall-Linie in die Tiefe.

 

Fahren? Fehlanzeige

Das ist kein Fahren mehr, das ist ein kontrollierter Absturz. Endlich wird klar, weshalb die Jeep-Leute so stolz auf die Nehmerqualitäten ihres Wrangler sind. Endlich glauben wir zu verstehen, welche Kompetenz sich tatsächlich hinter dem Prädikat  „Trail-rated“, Trail-geprüft, verbirgt. Falls Sie immer noch glauben, Ihr Familien-SUV sei „geländegängig“ – genau hier wäre das gute Stück reif für die Schrottpresse. Auf halbem Weg stockt die tastende Kolonne plötzlich, und aus dem Führungsfahrzeug schwärmen Lotsen in gelben T-Shirts aus. Nate, ein Junge Anfang Zwanzig, hängt sich durchs Seitenfenster herein, mustert uns Kaugummi kauend: „Das ist der Cadillac-Hill. Der heißt so, weil hier immer die Autos runterfallen und ausbrennen. Angefangen hat’s mit einem Cadillac in den 1920ern... Tut einfach genau das, was ich sage, dann geht alles gut, ok?“ Bedeutungsschwangere Verständnispause. Ich starre Nate an, hinter mir rummst die Beifahrertür. Nate schaut mich grübelnd an: „Will wohl lieber laufen, Dein Kollege. Hätte ich die Klapperschlangen erwähnen sollen?“ Plötzlich beginnt er breit zu grinsen, haut dem Wrangler aufmunternd aufs Blech: „Let´s go!“

Millimetergenau dirigiert Nate den Wrangler durch die Engstelle, nach einer guten Minute haben wir die Traverse am Steilhang geschafft. Eigentlich völlig geschmeidig. Wenn man gute drei Meter auf den Differenzialgehäusen schrammend geschmeidig finden möchte. Jetzt ab ins Camp am Talboden, das Lagerfeuerbier schmeckt einem Helden natürlich besonders gut! Bei Sonnenaufgang versammelt unser Guide die Gruppe (ja, auch die Blogger sind da, Respekt!) und benötigt für das Briefing genau einen Satz: „Bergauf ist immer schwerer als bergab.“ Gemeint ist damit, dass man in einer 45-Grad-Rinne, gefüllt mit abrutschendem 25-Zentimeter-Korn-Schotter, die Nerven verlieren kann. Wenn die Räder der rechten Seite überhaupt nicht in der Rinne laufen, sondern auf der wasserüberströmten Felsplatte daneben. Die wiederum den Wrangler derart in Schräglage drückt, dass man sich den Kopf einfach so durchs Seitenfenster am Schotter anhauen kann. Und sich dann voraus ein Felsblock aufbaut, überden man gestern irgendwie runtergerutscht ist, bei dem man heute aber keine Ahnung hat, wie man da hinaufkommen soll. Nate winkt und dirigiert die Vorderräder des Wrangler in eine für uns unsichtbare Grip-Position. Jetzt Vollgas! Das Auto rutscht seitlich durch die Rinne, drängt sich pumpend gegen die Felsplatte. Nate nickt zufrieden: „Weiter Vollgas!“ Der Wrangler bäumt sich auf, schrammt nach links, knallt hart auf die Kante des Felsblocks, und irgendein Rad findet tatsächlich Traktion: Mit einem Ruck sind wir oben. Nate wischt sich ungerührt grinsend eine prächtige Schlammpackung aus dem Gesicht, die ihm die durchdrehenden Räder verpasst haben: „Alright,  Buddy!“  Und das war dann wirklich ein Kompliment.

Johannes Riegsinger

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