Jeep Renegade vs. Mini Countryman und Skoda Yeti Abenteuer Alltag

Inhalt
  1. KAROSSERIE: Kompakte SUV im Vergleich
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. SO TESTET DIE AUTO ZEITUNG
  7. FAZIT

Jeep wagt sich mit dem Renegade in die Klasse der kompakten SUV. Dort warten die bewährten Konkurrenten Mini Countryman und Skoda Yeti für ein erstes Kräftemessen

Der Zusammenschluss von Fiat und Chrysler trägt nun auch für Jeep die ersten Früchte. Mit dem Renegade (zu Deutsch: Abtrünniger) entert die Chrylser-Tochter die hart umkämpfte Bühne der Kompakt-SUV, wo vom Billig- bis zum Premium-Anbieter fast jeder Hersteller etwas vom Kuchen abhaben möchte. Der Renegade basiert auf der gleichen Plattform wie der ebenfalls noch ganz frische Fiat 500X, mit dem er sich den Großteil der Technik teilt. Langjährige Fans der Marke zucken da reflexartig zusammen, doch in Zeiten, in denen in manchem Mercedes Technik von Renault steckt, dürfte dies keinen mehr ernsthaft schocken – solange das Ergebnis stimmt. Ob dies der Fall ist, klärt der Vergleichstest mit Mini Countryman und Skoda Yeti, allesamt ausgestattet mit rund 140 PS starken Turbodieselmotoren und Allradantrieb.

 

KAROSSERIE: Kompakte SUV im Vergleich

Der Renegade gibt sich auf den ersten Blick als Jeep zu erkennen und ist mit seiner kantigen Karosserie, der steil stehenden Frontscheibe sowie dem typischen Grill samt sieben Luftschlitzen optisch sogar näher dran am letzten rustikalen Geländewagen von Jeep, dem Wrangler, als die übrigen Modelle. Und das kastenförmige Design kommt dem Ami in puncto Raumangebot spür- und messbar zugute. Vor allem die Kopffreiheit ist aufgrund der geraden Seitenlinie besser als beim Mini, wo der seitliche Dacheinzug den Köpfen der Insassen näher kommt.

Der ebenfalls recht geräumige Skoda liegt auf annähernd gleichem Niveau, muss dem Jeep aber bei der Innenbreite den Vortritt lassen. Im Gegenzug punktet der Tscheche mit seiner herausragenden Variabilität: Drei einzeln verschieb- und sogar herausnehmbare Rücksitze sind in dieser Klasse nach wie vor unerreicht. Auch der Countryman präsentiert sich mit seiner dreiteilig klappbaren und ebenfalls verschiebbaren Rücksitzbank überdurchschnittlich variabel, während es der Jeep Renegade mit Ausnahme von der serienmäßig umlegbaren Beifahrersitzlehne bei Standardkost bewenden lässt.

Geht es um die Transportqualitäten, steckt der Yeti die beiden Konkurrenten mit seiner bis zu 1760 Liter großen Laderaumkapazität und der höchsten Zuladung ebenfalls locker in die Tasche. Dass der Renegade ganz frisch, Yeti und Countryman hingegen bereits einige Jahre auf dem Buckel haben, wird beim Blick auf die Liste der verfügbaren Assistenzsysteme deutlich: Ob es dabei ums Spurhalten oder -wechseln geht, das selbstständige Einparken oder Notbremsen, Abstandswarnen oder das adaptive Halten desselbigen – all diese Features sind nur für den Jeep erhältlich.

 

FAHRKOMFORT

Dass der Countryman als Cooper SD die Fahne des Sportlers hochhält, muss er in diesem Kapitel mit einigen Punktabzügen bezahlen: Vor allem die Federung zeigt sich auf holpriger Fahrbahn spürbar straffer als die von Jeep und Skoda. Die Folge: Unebenheiten bekommen  die Insassen recht deutlich zu spüren, beim Überfahren von Querfugen gibt sich speziell die Hinterachse ziemlich bockig, und derbe Fahrbahnschäden quittiert das Fahrwerk mit unschönem Poltern. Als nachgiebiger und komfortabler präsentiert sich der Jeep, der merklich softer abgestimmt ist.

Seine Feder-Dämpfer-Kombination hinterlässt auf den verschiedenen Komfortstrecken des Testgeländes sowie im Alltag einen guten Eindruck. Zudem lässt sich der Renegade am wenigsten von hoher Fahrzeugzuladung beeindrucken. Zwischen Jeep und Mini platziert sich der ebenfalls tendenziell eher straffe Yeti, der mit seiner ausgewogenen Abstimmung punktet. Im Vergleich zu den beiden anderen Soft-Offroadern gefällt er auch bei hoher Zuladung mit den geringsten Aufbaubewegungen – dafür dürfte die Federung auf schnell aufeinanderfolgenden Unebenheiten etwas sensibler ansprechen.

Nicht ganz so überzeugend wie das Fahrwerk sind die Komforteigenschaften der Sitze im Renegade: Da mangelt es der Sitzauflage sowie dem Schulterbereich der Vordersitze an Seitenhalt, und auch die Rücksitzbank könnte besser konturiert sein. Wie es besser geht, demonstrieren Mini und Skoda. Deren Sitze bieten guten Halt, sind aber gleichzeitig sehr bequem.

Als Mitreisender nimmt man am besten im Fond des Yeti Platz, da er über drei Einzelsitze verfügt, die ausreichend groß und angenehm gepolstert sind. In puncto Geräuschkomfort können sich Jeep und Skoda vom Mini absetzen. Der Bayer mit britischen Wurzeln entwickelt besonders auf der Autobahn die kräftigste Geräuschkulisse, Motor-, Wind- und Abrollgeräusche treten bei ihm spür- und messbar deutlicher in den Vordergrund – bei Tempo 130 beträgt die Differenz zwischen ihm und dem Renegade immerhin vier dB(A).

 

MOTOR/GETRIEBE

In Sachen Antrieb herrscht zwischen den drei kompakten Kraxlern weitgehende Einigkeit. Für Vortrieb sorgen zwei Liter große Turbodiesel, die im Fall von Skoda und Jeep 140 PS leisten, der BMW-Selbstzünder im Mini sattelt nochmals drei Pferde obendrauf. Dass er beim Sprint von null auf 100 km/h mit gemessenen 9,1 Sekunden sechs Zehntel vor den beiden anderen liegt, dürfte aber eher dem geringeren Gewicht als der Mehrleistung zuzuschreiben sein. Dafür muss sich der Mini bei der Elastizität dem Renegade geschlagen geben, der mit bis zu 350 Nm im hohen Gang satter durchzieht als die etwas schwachbrüstigere Konkurrenz (Mini: 305 Nm; Skoda: 320 Nm).

Während die windschlüpfigeren Countryman und Yeti mit langem Anlauf an der 200 km/h-Marke kratzen, bietet der Renegade der Luft mehr Widerstand und muss bereits bei 182 km/h die Segel streichen. Dafür liegen die drei Allradler beim Testverbrauch sehr eng zusammen: Mit ermittelten 6,4 l/100 km trennen den besten (Mini) gerade einmal 0,2 Liter vom schlechtesten (Jeep), der seine mäßige Aerodynamik aber zumindest teilweise mit seinem effizienten Allradsystem kompensieren kann. Dieses legt die Kardanwelle im Frontantriebsmodus mithilfe einer zusätzlichen Kupplung still und vermeidet somit unnötige Reibungsverluste. Der Yeti verzichtet als einziger auf ein Start-Stopp-System und liegt mit 6,5 Litern pro 100 Kilometer zwischen Mini und Jeep.

Für Vielfahrer weitaus wichtiger als die marginalen Verbrauchsunterschiede dürften hingegen die Differenzen bei der Reichweite sein: Dank seines 60 Liter großen Kraftstofftanks kommt der Tscheche mit einer Füllung mehr als 900 Kilometer weit, während Countryman und Renegade schon rund 200 Kilometer früher an die Zapfsäule müssen. Die drei SUV leiten ihre Kraft an manuelle Sechsgang-Getriebe weiter, optional stehen auch Automaten (Doppelkupplungsgetriebe für Skoda) zur Verfügung. Die Getriebe von Countryman und Yeti sind passend gestuft, während die vergleichsweise kurz übersetzten unteren Gänge im Jeep den Fahrer dazu zwingen, häufiger zum etwas schwergängigeren Schalthebel zu greifen.

 

FAHRDYNAMIK

Was sich auf öffentlicher Straße bereits angedeutet hat, fördern die Fahrdynamikprüfungen auf abgesperrter Strecke eindeutig zutage: Die sportliche Gangart liegt dem komfortabel-gelassenen Renegade nicht wirklich. Sowohl beim Slalom als auch auf dem Handlingkurs präsentiert sich der Jeep als hartnäckiger Untersteuerer, das frühzeitig eingreifende und nicht abschaltbare ESP erstickt jegliches sportliche Gefühl bereits im Keim. Auf der Habenseite des Jeep stehen dafür das gutmütige Fahrverhalten sowie die hohe Fahrsicherheit, die der Renegade dem Piloten auch bei hoher Geschwindigkeit bietet. Und mit Bremswegen von konstant unter 35 Metern überzeugt der Ami beim Notstopp mit der besten Leistung.

Mini und Skoda legen ein spürbar agileres Fahrverhalten an den Tag und bieten mit ihren knackigen Fahrwerken und den präzisen Lenkungen auf kurvigen Landstraßen erstaunlich großen Fahrspaß. Der Mini ist dank seiner extrem direkten Lenkübersetzung, der strafferen Fahrwerksabstimmung und der besser dosierbaren Bremse noch etwas vergnüglicher, mit seinem schlechteren Geradeauslauf und seiner nervöseren Art auf Dauer aber auch etwas anstrengender.

Der Skoda Yeti schafft hier den größeren Spagat, er bleibt angenehm unauffällig im Alltag und legt in Slalom und Handling dennoch die besseren Zeiten hin – Respekt. Die Lenkung punktet mit passenden Lenkkräften – nicht zu schwer-, aber auch nicht zu leichtgängig – und guter Rückmeldung. Dass der fahraktive Countryman im Fahrdynamikkapitel, sonst eine echte Mini-Domäne, sogar dem gemütlichen Renegade den Vortritt lassen muss, liegt an seiner nur durchschnittlichen Bremsperformance: Mit 37,3 (kalt) und 36,0 Metern (warm) erweist sich seine Bremse als nicht ganz so zupackend wie die der Konkurrenten.

 

UMWELT/KOSTEN

Mit 26.500 Euro haben die Amerikaner den Jeep Renegade fair eingepreist, obendrein ist er noch am umfangreichsten ausgestattet. Skoda verlangt für den Yeti 28.230 Euro – er liegt damit nur noch rund 1000 Euro unter dem Countryman. Punkte verliert der Jeep allerdings wegen den mehr als doppelt so hohen Kosten für die Wartung sowie der lediglich zwei Jahre währenden Mobilitätsgarantie.

Mini (fünf Jahre) und speziell Skoda (unbegrenzte Garantie) zeigen sich zumindest in diesem Punkt spendabler. Und während der Renegade nach festgelegten Intervallen in die Werkstatt muss, verfügen Countryman und Yeti über  exible Intervalle, die sich nach der jeweiligen Nutzung des Autos richten.

 

SO TESTET DIE AUTO ZEITUNG

Für die Bepunktung des Kofferraums legen wir sowohl das Volumen bei aufrechten Rücksitzen als auch bei dachhoher Beladung und umgeklappten Rücksitzen zugrunde.

 

FAZIT

Großes Lob: Mit dem Jeep Renegade haben die Amerikaner unter italienischer Führung ein modernes und sympathisches Kompakt-SUV auf die Räder gestellt, das eine überzeugende Vorstellung abliefert und sich abgesehen vom recht trägen Fahrverhalten keine wirkliche Blöße gibt. Somit landet er in der Endabrechnung auf Platz zwei und kann den zwar fahraktiven und sehr unterhaltsamen, aber gleichzeitig weniger komfortablen und teuren Mini Countryman hinter sich lassen. Der Sieg geht an den Skoda Yeti. Der leicht angegraute Tscheche hinterlässt – abgesehen von den Assistenz- und Infotainmentsystemen – mit top Variabilität und viel Dynamik einen positiven Eindruck. 

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