Automarkt Japan: Kei-Cars, Elektroautos und Hybride im Fokus Im Land Toyotas

01.01.2014

Der Automarkt Japan erscheint einem Deutschen äußerst fremd: Die Käufer lieben Hybride und kantige Kleinstwagen. Vor allem aber halten sie ihren lokalen Herstellern die Treue – allein Toyota verkauft fast die Hälfte aller Neuwagen

Sushi statt Bratwurst, Wasabi statt Senf und Reiswein statt Weißwein – Japan unterscheidet sich nicht nur kulinarisch von Deutschland. Auch der Automarkt im Land des Lächelns hat einige Besonderheiten zu bieten. So finden sich auf den Straßen kaum große Limousinen oder SUV. Stattdessen begegnen einem viele Hybridmodelle, Vans sowie Kei-Cars, die landestypischen kantigen Kleinstwagen.

 

Automarkt Japan: Elektroauto-Förderung seit 1996

Außerdem wird kein anderer Automarkt so deutlich von einem heimischen Hersteller geprägt wie Japan. Beinahe jeder zweite Neuwagen trägt das Toyota-Logo. Zum Vergleich: VW kommt in Deutschland auf einen Marktanteil von 21,2 Prozent. Toyota dominiert den hinter den USA und China drittgrößten Automarkt der Welt. Unter den zehn meistverkauften Neuwagen finden sich fünf Toyota-Modelle. Doch die Marke hat in Japan viel mehr zu bieten: Ihr Portfolio umfasst beeindruckende 41 Baureihen – Karosserievarianten wie Kombis oder Stufenheckmodelle nicht mitgezählt. Die Auswahl reicht vom 3,40 Meter kurzen Pixis bis zum siebensitzigen Sportvan Vellfire.

Neben Toyota prägen vor allem die anderen heimischen Hersteller den Automarkt in Japan: Nissan hat sich nach einer Schwächephase Anfang der 2000er-Jahre wieder erholt und liegt nun deutlich vor Honda auf Platz zwei. Insgesamt schrumpfte der japanische Markt in den ersten drei Quartalen 2013 um 8,9 Prozent. Diese Entwicklung kam jedoch nicht überraschend, da 2012 ein besonders erfolgreiches Jahr mit 3,39 Mio. Neuzulassungen war – die Japaner kehrten nach Erdbeben, Tsunami und der Atomkatastrophe von Fukushima wieder zur Normalität zurück.

Im Gegensatz zum Rest der Autowelt fassen die SUV in Japan nur langsam Fuß. Mit dem Mazda CX-5 liegt das meistverkaufte Modell lediglich auf Platz 18. Dafür halten die Japaner dem Van-Segment die Treue. Während in den USA und Europa die große Zeit der Raumwunder vorbei ist, schätzen sie die gute Übersichtlichkeit, die Schiebetüren und die beliebten nach außen schwenkbaren Drehsitze. Kein Wunder, gehört die japanische Gesellschaft doch zu den ältesten der Welt – rund 23 Prozent der Bevölkerung sind über 65 Jahre.

So findet man auf der Insel auch viele Kleinst- und Kleinwagen mit automatischen Schiebetüren. Das meistverkaufte Auto Nippons ist der Toyota Aqua, ein Hybrid-Kleinwagen, der sich unter dem Blech viele Komponenten mit dem Yaris Hybrid teilt. Der Aqua löste den Toyota Prius nach vier Jahren an der Spitze der Verkaufsstatistik ab. Nicht nur an den beiden Bestsellern erkennt man, dass Japan das Mutterland des Hybridantriebs ist: Fahrzeuge mit Benzin- und Elektromotor machen 27,6 Prozent des Marktes aus. In den ersten drei Quartalen 2013 wurden mehr als 35 Mal so viele Hybride wie in Deutschland verkauft. Viele Modelle treten daher zuerst in Japan als Hybridvarianten an – so etwa der neue Mazda 3 SKYACTIV-Hybrid.

Auch bei den Elektroautos gehört Japan zu den am weitesten entwickelten Märkten. Was die Neuzulassungen der Stromer betrifft, liegt die Inselnation hinter den USA auf Platz zwei. Zu Jahresbeginn 2013 gab es 1381 öffentliche Schnellladestationen – die größte Anzahl weltweit. Dafür gehören Autos mit Dieselmotor aufgrund der meist städtischen Mobilität und der strengen Schadstoffauflagen zu den Raritäten.

> > Auf Seite 2: Elektromobilität, Kei-Cars und Premiummarken in Japan

Das starke japanische Interesse an der E-Mobilität ist auch einer langfristigen staatlichen Förderung zu verdanken: Schon 1996 beschloss die Regierung die ersten Subventionen für alternative Antriebe. Im Mai 2009 startete das „Förderprogramm für den Kauf grüner Fahrzeuge“ – für alle neu zugelassenen Elektroautos und Hybride fielen die Erwerbssteuer und die in Japan übliche Gewichtssteuer weg. Außerdem reduzierte das Parlament die jährliche Kfz-Steuer für E-Autos um 50 Prozent. So sank etwa der Preis für einen Mitsubishi i-MiEV abzüglich aller staatlichen Subventionen von 29.800 auf 20.900 Euro.

 

Automarkt Japan: Privilegien für Kleinstwagen-Fahrer

Dass die japanische Regierung Fahrzeugsegmente gezielt fördern kann, hat sich auch bei den so genannten Kei-Cars gezeigt. Während bei uns die Zeit der Minimalautos à la BMW Isetta in den 60er-Jahren endete, ist das Segment in Japan bis heute beliebt. 2013 entfielen fast 40 Prozent aller Neuzulassungen auf die „keiji-dosha“, die „leichten Automobile“. In den ersten drei Quartalen wurden in Japan mehr Kei-Cars als Autos in ganz Frankreich verkauft.

Die „leichten Automobile“ dürfen per Gesetz nur 3,40 Meter lang und 1,48 Meter breit sein. Ihre Motoren, meist Dreizylinder-Turbobenziner, sind auf einen Hubraum von 660 cm3 und eine maximale Leistung von 64 PS beschränkt. Für die Karosserieform gibt es keine Vorgaben, sodass die Vielfalt innerhalb des Segments vom Roadster (Daihatsu Copen) bis zum Mini-SUV (Suzuki Jimny) reicht. Meist begegnen einem die Kei-Cars jedoch im kantigen Boxen-Design mit praktischen hinteren Schiebetüren.

Die Vorteile für Kei-Car-Besitzer: Sie müssen deutlich weniger Steuern zahlen und bekommen günstigere Autoversicherungen. Außerdem sind sie in den Stadtregionen vom Nachweis eines bis zu 200 Euro im Monat teuren Parkplatzes befreit. Trotz ihrer geringen Größe punkten viele Kei-Cars mit einer umfangreichen Ausstattung: Große Bildschirme, Internetzugang und TV-Empfang erleichtern die oft stundenlangen Wartezeiten im alltäglichen Verkehrsstau der Metropolen.

Der Kei-Car-Markt wird traditionell von Suzuki und der Toyota-Tochter Daihatsu dominiert, allerdings hat Honda in den letzten Jahren mit vielen neuen Modellen stark aufgeholt. Ausländische Hersteller spielen auf dem japanischen Automarkt traditionell eine kleine, aber feine Rolle. Gerade Fahrzeuge aus Deutschland genießen im Land des Lächelns ein hohes Prestige – der VW Golf ist seit Jahren das erfolgreichste Importmodell.

Audi, BMW und Mercedes beherrschen das Premiumsegment – die Stuttgarter verkauften 2013 sogar mehr Autos als Lexus. Allerdings führte Toyota seine Nobelmarke erst vor acht Jahren in Japan ein, zuvor liefen die Modelle unter dem Toyota-Logo. Auch die Nissan-Tochter Infiniti sucht man im Heimatmarkt vergebens – sie soll erst 2014 starten. Es ist jedoch fraglich, ob sich die japanischen Premiummarken gegen die deutsche Konkurrenz durchsetzen können. Denn wer etwas auf sich hält, leistet sich ein teures Importfahrzeug – und genießt europäisches Essen.

Markus Bach

Tags:
Diagnosegerät
UVP: EUR 9,99
Preis: EUR 8,99
Sie sparen: 1,00 EUR (10%)
Alkoholtester
 
Preis: EUR 16,99 Prime-Versand
SONAX AntiFrost KlarSicht
UVP: EUR 18,48
Preis: EUR 13,50 Prime-Versand
Sie sparen: 4,98 EUR (27%)
Copyright 2017 autozeitung.de. All rights reserved.