Jaguar XJ13: Sport-Traumwagen Der wilde 13

14.09.2014

Sein Name brachte ihm Unglück: „Experimental Jaguar Nr. 13“ wurde gebaut, um in Le Mans zu gewinnen. Doch der erste Jaguar mit Zwölfzylindermotor sah dort nicht einmal die Startflagge

Seine Jungfernfahrt unternahm er klammheimlich, ohne Erlaubnis der Chefdirektion. Am Sonntag, den 5. März 1967, morgens um sieben, rollte Testfahrer Norman Dewis am Steuer des XJ13 auf die Erprobungsstrecke der Motor Industry Research Association (MIRA) in Mittelengland.

Noch heute lernt dort fast jeder britische Serienwagen das Laufen. Dewis fuhr vier fliegende Runden, die er nie vergessen wird: „Das Auto benahm sich fürchterlich, das Chassis war überhaupt nicht abgestimmt. Schon nach ein paar Kilometern schmerzten mir die Arme. Aber ich unterbot den alten Rundenrekord.“

 

SCHNELLER AlS EIN FORD GT40

Am folgenden Montag zitierte Jaguar-Patriarch Sir William Lyons den eigenmächtig handelnden Testfahrer zu sich ins Büro. Es kam zu einem denkwürdigen Dialog, den Dewis wie folgt überlieferte: „Lyons fragte mich, wo ich am Sonntag gewesen war. Ich tat, als müsse ich nachdenken, und er half mir auf die Sprünge: ‚Was Sie taten, war weithin zu hören. Sie waren mit dem XJ13 in MIRA, obwohl ich vor Wochen verboten habe, das Auto dort zu fahren. Warum haben Sie sich über meine Anweisung hinweggesetzt?‘

‚Weil Sie nicht sagten, wie lange das Verbot gilt.‘ So viel Schlitzohrigkeit ließ Lyons einlenken: ‚Und wie schnell waren Sie?‘ – ‚251 km/h Schnitt. Schneller als mit dem D-Type.‘ – ‚Ok. Sie dürfen weiter testen, aber nur sonntags. BMC muss es ja nicht wissen.‘“

Lyons hatte 1966 die Jaguar-Aktienmehrheit an die British Motor Corporation abgetreten. Fortan bestimmte BMC an der Browns Lane in Coventry über die Budgets. Motorsport war darin nicht vorgesehen. Das torpedierte Jaguars Pläne, den ersten eigenen V12 mit einem Le-Mans-Sieg einzuführen, um danach von diesem Rennmotor ein Serienaggregat für den E-Type abzuleiten. Nun war der Prototyp namens XJ13 aber fertig, und er lief schon im Rohzustand schneller als Jaguars berühmter Le Mans-Siegerwagen von 1955, ’56 und ’57, der D-Type.

So ein Auto wollte Lyons nun wirklich nicht sterben lassen. Der XJ13 wurde also heimlich weiterentwickelt. Dewis und sein Kollege David Hobbs schraubten den Rundenschnitt in MIRA schließlich auf 260 km/h – ein Rekord, der 30 Jahre lang halten sollte, bis er von einem McLaren F1 verbessert wurde. „Ich fuhr damals auch einen Ford GT40. Unser Auto war schneller“, sagt Dewis, und darin schwingt noch immer die Trauer darüber mit, dass es nie zu einem direkten Schlagabtausch kam.

Ford siegte 1967 in Le Mans, und Jaguar blieb nur die undankbare Rolle eines Zuschauers. Denn der XJ13 war ein Pechvogel. Nicht einmal für den E-Type taugte sein Motor. Das aus zwei XK-Sechszylindern mit verkürztem Hub zusammengesetzte Triebwerk mit vier obenliegenden Nockenwellen und zunächst sechs Vergasern baute zu breit und war zu teuer.

So verschwand der XJ13 vorläufig sang- und klanglos in der Mottenkiste – bis 1971, als Jaguar den E-Type Serie 3 mit einem völlig neu konstruierten V12-Motor vorstellte. Für dieses Ereignis ließ Jaguar einen Werbefilm drehen, in dem auch das erste Zwölfzylinder-Projekt seinen Auftritt bekam. Am 20. Januar 1971 drehte Dewis mit dem XJ13 in MIRA wieder seine Runden. Es waren die letzten für dieses Auto. Das Pech blieb ihm treu. In der rückwärtigen Steilkurve der Strecke brach die Magnesiumfelge eines Hinterrades in drei Teile.

Der XJ13 schleuderte und überschlug sich. Geistesgegenwärtig duckte Dewis sich nach innen weg und überlebte den Crash beinahe unverletzt, obwohl sein Helm am Rahmen der Frontscheibe zerbarst. Aus den brauchbaren Resten des Wracks und neu angefertigten Teilen ließ Jaguar den Wagen später restaurieren. Heute rollt er zu besonderen Anlässen wie für unsere Fotos wieder über den Kurs von MIRA, aber nie sonntags – die Anwohner würden sich bitter über den Lärm beschweren.

Der inzwischen mit einer Benzineinspritzung von Lucas ausgerüstete Motor veranstaltet schon im Leerlauf ein ungeheures Spektakel. Ohne jede Dämmung sitzt er unter einer dünnen Plexiglashaube im Nacken des Fahrers.

In zwei Sechserreihen recken sich die Ansaugtrichter seitlich hervor. Die Auspuffrohre enden unmittelbar nach der Hinterachse. Der XJ13 zischt, sägt und röchelt, und wenn man das Gas durchtritt, schreit er sich den Frust über die verpassten Le Mans-Einsätze von der Seele.

Der Fahrer sitzt in einem von Kühlwasserrohren gut geheizten Cockpit. Die Stirn ragt über die Frontscheibe hinaus, das rechte Bein kämpft gegen den außen platzierten Schalthebel. Wer größer als 1,60 Meter ist, riskiert orthopädische Schäden. Aber das Leiden lohnt sich.

Die höllisch unbequeme Flunder ist in Fahrt ein himmlisches Erlebnis. Ihr Design stammt aus der Feder des Aerodynamikers und Jaguar-Chefdesigners Malcolm Sayer. Obwohl der Motor hinten eingebaut ist, wird die Verwandtschaft zu Sayers Jahrhundert-Entwurf, dem E-Type, offensichtlich.

Doch während dem E-Type ewig die Sonne scheint, steht der nicht minder faszinierende XJ13 für immer auf der Schattenseite. Vielleicht hätte Jaguar ihm die Nummer 14 geben sollen.

JAGUAR XJ13 (Bj.: 1966): Technische Daten und Fakten
Antrieb
V12-Zylinder, mittig längs eingebaut; je zwei obenliegende Nockenwellen pro Zylinderbank; 2-Ventiler; Lucas-Benzineinspritzung; Hubraum: 4994 cm3, Verdichtung: 10; 502 BHP bei 7600/min; 523 Nm bei 6300/min; ZF-Fünfgang-Getriebe; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Aluminium-Monocoque; vorn doppelte Dreieckquerlenker, Stabi.; hinten Quer- und Längslenker, v./h. Federbeine; Bremsen: rundum Scheiben, vorn innenbelüftet; Reifen: vorn 600 x 15, hinten 700 x 15
Eckdaten
L/B/H 4810/1800/980 mm; Radstand: 2413 mm; Trockengew.: 980 kg; Bauj.: 1966; Stückzahl: 1
Fahrleistungen
Höchstgeschwind.: (je nach Übersetz.): 285 bis 335 km/h

Karsten Rehmann

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