Jaguar XFR-S Sportbrake: Test des Sport-Kombis mit 550 PS Jaguar bekennt Farbe

07.09.2014

Die schrille Lackierung in „Ultra Blue“ lenkt ein wenig ab vom Wesentlichen: 550 PS, null bis 100 km/h in 4,1 Sekunden, 300 km/h Spitze. Nebenher jobbt der Jaguar XFR-S Sportbrake auch noch als praktischer Kombi. Test

Keine Frage, der Jaguar XFR-S Sportbrake ist ein echter Hingucker. Angesichts der recht unbritischen Lackierung in „Ultra Blue“ – es ist das wohl schärfste Metallicblau der Saison – fällt dem Automobilbewanderten sofort der Audi RS 2 von 1994 ein, der farblich doch sehr ähnlich gekleidet war und mit seinem 315 PS starken Fünfzylinder-Turbo im Gewand eines aufgepumpten Audi 80 Avant die Automobilwelt um die Gattung Power-Kombi bereicherte.

Leistungsstarke Laster gab es seither bei verschiedenen Herstellern, doch der Kombi an sich ist nun mal keine typische britische Art, schon gar nicht in der Familie der geschmeidigen Raubkatzen. Für Leistung hatten die Briten allerdings schon immer ein Faible, und davon hat auch die Topversion des Oberklasse-Kombis XF Sportbrake reichlich abbekommen.

 

Im XFR-S Sportbrake steckt ein echter Racer

Zwar arbeitet hier der gleiche 5,0-Liter-Kompressor-V8 wie im bereits bekannten XFR, als XFR-S legt der aber noch mal um 50 PS und 55 Newtonmeter Drehmoment zu – das macht unterm Strich 550 PS und gewaltige 680 Nm. Dass hier sämtliche Pferde vollständig zum Dienst angetreten sind, daran lässt der XFR-S keine Zweifel. Drückt man das rechte Pedal beim Anfahren durch, verblüfft der Hecktriebler mit – zumindest auf trockenem Asphalt – guter Traktion, sodass sich die Vollblüter voll und ganz auf den Vortrieb konzentrieren.

Doch als das unbestechliche GPS-gestützte Messgerät selbst nach mehreren Duchgängen konstant 4,1 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h vermeldet, sind wir schon etwas überrascht. Bei Jaguar sind sie das wohl auch, denn die Briten geben lediglich 4,8 Sekunden für den Standardsprint an. Das Beschleunigunspotenzial des blauen Wunders ist als klares Bekenntnis zum Hochleistungssport zu werten – wie auch die erst bei 300 km/h abgeregelte Höchstgeschwindigkeit, die der Jag relativ mühelos erreicht und dabei zudem recht stabil geradeaus läuft.

Erst wenn man aus über 200 km/h so richtig in die Eisen geht, wird der Kombi etwas unruhig. Dann muss man am Lenkrad ein wenig korrigieren. An der Bremse selbst gibt es hingegen nichts auszusetzen. Sie sorgt dafür, dass sich die 20-Zoll-Pirelli P Zero in den Asphalt verbeißen und der Sportbrake aus Tempo 100 nach knapp 33 Metern zum Stillstand kommt – beim ersten Versuch (kalt) genauso wie beim zehnten.

Dass sich die Bremse obendrein gut dosieren lässt, gereicht dem XF-Topmodell besonders auf kurviger Strecke zum Vorteil. Hier schwingt sich der über zwei Tonnen schwere Kombi erstaunlich präzise dirigierbar, ja fast leichtfüßig und spurstabil durch die Radien – besonders wenn man sich im Dynamic-Modus bewegt, der unter anderem die adaptiven Dämpfer und die ESP-/Schlupfregelung auf Sport trimmt.

Gut dazu passen auch der volle, aber nie aufdringliche V8-Sound, untermalt vom dezenten Summen des Kompressors, sowie die Achtstufen-Automatik von ZF, die meist schnell und unauffällig die Übersetzungen wählt, auf Gaspedalbefehle aber manchmal etwas hektisch reagiert. So wird mitunter ein Gang zu weitzurückgeschaltet, obwohl dies bei dem großzügig angelegten Drehmomentangebot – 680 Nm zwischen 2500 und 5500 Umdrehungen – gar nicht nötig wäre. Da ist es manchmal sinnvoll, per Lenkradwippen manuell einzugreifen.

Im Grunde hat der Jaguar das Zeug dazu, den schwierigen Spagat zu schaffen zwischen ultrastarkem Sportgerät und voll alltagstauglichem Kombi. So ganz gelingt ihm das aber nicht, denn der Federungskomfort des sehr straff abgestimmten Briten erfordert Zugeständnisse seitens der Besatzung. Das ständige Wippen der Karosserie selbst bei minimal welligem Asphalt nervt auf Dauer ebenso wie der hohe Testverbrauch von 15,2 Litern pro 100 km.

Sogar bei sehr zurückhaltender Fahrweise sind kaum weniger als zwölf Liter möglich. Und dass der XF Kombi eher zu den Kleineren seiner Klasse gehört, ist eher zu verschmerzen als die zum Teil etwas nachlässige Verarbeitung im Innenraum sowie das veraltete und zu langsame Touchscreen-Bediensystem. Zumal der Jaguar mit über 110.000 Euro zu den Teuersten unter den Power-Kombis zählt.

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TECHNIK
 

JAGUAR XFR-S SPORTBRAKE
Motor V8-Zylinder, 4-Ventiler, Kompressor, Direkteinspritzung
Hubraum 5000 cm3
Leistung 405 kW / 550 PS bei 6500 /min
Max. Drehmoment 680 Nm bei 2500 - 5500 /min
Getriebe 8-Stufen-Automatik
Antrieb Hinterrad, elektronische Differenzialsperre
Fahrwerk v.: Doppelquerlenker, Federbeine;
h.: Mehrfachlenkerachse, Federn;
rundum: adaptive Dämpfer, Querstabilisator;
DSC (ESP)
Bremsen rundum: innenbelüftete Scheiben; ABS; Bremsassistent
Bereifung v.: 265/35 ZR 20 Y; h.: 295/30 ZR 20 Y;
Pirelli P Zero
Felge v.: 9 x 20; h.: 10 x 20
L/B/H 4961/1877/1468 mm
Radstand 2909 mm
Leergewicht/Zuladung 2097 / 353 kg
Anhängerlast gebr./ungebr. - / -
Kofferraumvolumen 550 - 1675 l
Abgasnorm Euro 5
Typklassen HP 21/VK 31/TK 29
Messwerte 0-100 km/h in 4,1 s, 0-200 kh/h in 13,6 s
Höchstgeschwindigkeit1 300 km/h (elektronisch abgeregelt)
Bremsweg 100-0 km/h kalt/warm 32,8/32,9 m
Verbrauch 15,2 l SP/100 km
EU-Verbrauch1 12,7 l SP/100 km
CO2-Ausstoß1 297 g/km
Grundpreis 110.450 Euro;
Festplattennavigation: 2490 Euro, DAB-Empfang: 460 Euro, Rückfahrkamera: 360 Euro, Warnsystem "Toter Winkel": 540 Euro
¹ Werksangaben

Unser Fazit

Faszinierender Sport-Kombi mit atemberaubenden Fahrleistungen, hoher Fahrstabilität und noch höherem Verbrauch. Mäßiger Federungskomfort, sehr teuer.

Jürgen Voigt

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