Jaguar Land Rover: Technik-Vorstand Dr. Wolfgang Ziebart im Interview Qualitäts-Schub

28.01.2014

Jaguar Land Rover steht für britische Premiumautos mit innovativer Technologie. Über zukünftige Projekte, Leichtbau und Elektrifizierung sprachen wir mit dem neuen Technik-Vorstand Dr. Wolfgang Ziebart

Herr Ziebart, Sie sind jetzt 100 Tage im Amt. Schon eingelebt?
Jaguar Land Rover war nicht komplett neu für mich, denn in meiner Zeit bei BMW vor ca. 13 Jahren war ich auch für Rover zuständig. Überrascht hat mich jedoch, wie sehr sich das Team weiterentwickelt hat. Die technologische Kompetenz der Mannschaft befindet sich heute auf Augenhöhe mit dem Wettbewerb. Phantastische Chancen bieten sich durch die Größe des Unternehmens. Dadurch dass wir relativ klein sind, sind wir flexibler als Große.

Was sind für Sie als Technik-Chef wichtige Aufgaben?
Aktuell gibt es drei große Fragestellungen, die für uns alle gelten. Zum einen die Verbrauchssenkung, zum anderen die Assistenzsysteme und die Telematik. Es sind drei Bereiche mit einer besonders dynamischen Entwicklung und einer ganz neuen Dimension. So rückt etwa das unfallfreie Fahren in greifbare Nähe. Was früher Utopie war, ist jetzt Vision und bald Realität. Wir entwickeln neue Motoren, Materialien, grüne Technologien und neue Wege, wie ein Fahrer mit seinem Autos kommuniziert. Natürlich versuchen wir auch, unseren Vorsprung in den Bereichen Leichtbau und Allradtechnik weiter auszubauen. Die Studie Jaguar C-X17, die wir auf der IAA in Frankfurt präsentierten, hat gezeigt, welches Potenzial wir haben, um neue Segmente zu belegen.

Leichtbau verwirklicht Jaguar seit Jahren mit Aluminium-Karosserien. Beabsichtigen Sie, auch Karbon-Konstruktionen in die Serienfertigung aufzunehmen?
Im Bau von Aluminiumkarosserien haben wir sicherlich einen deutlichen Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb. Wir produzieren und investieren schon seit mehr als 15 Jahren in diese Technologie, die ihren Ursprung in der Raumfahrt hat. So haben wir Produktionsverfahren entwickelt, die es uns ermöglichen, in größeren Stückzahlen zu produzieren. Diesen Vorteil möchten wir auch in Zukunft weiter ausbauen. Karbon bietet aktuell für uns keine durchschlagenden Vorteile.

Jaguar-Produkte genießen inzwischen – auch nach dem Image-Report der AUTO ZEITUNG – den Ruf, besonders zuverlässig zu sein. Wie stellen Sie sicher, dass dies auch künftig so bleibt?
Der Qualitätsanspruch ist in allen Bereichen verankert. Von der Entwicklung über die Produktion bis hin zum Service. Nicht nur die Leser der AUTO ZEITUNG attestieren uns dies, sondern auch unsere Kunden. In der renommierten Kundenzufriedenheitsstudie JD Power in UK erzielt Jaguar Platz eins, Land Rover Platz sechs. Land Rover wurde zudem ausgezeichnet als Marke mit den meisten Verbesserungen. In Deutschland ist Jaguar in der ADAC Kundenzufriedenheitsstudie auf Platz zwei hinter Porsche.

Wo liegen die größten Kosten-Sparpotenziale bei zukünftigen Modellen? Und wo lohnt es sich, in die Komponenten/ Materialien zusätzlich zu investieren?
Kostensenkungspotenziale, aber auch Qualitätsverbesserungen lassen sich für einen kleinen Hersteller hauptsächlich durch Gleichbauteile über die Modelle und Marken hinweg realisieren. Wir haben einen Komponentenbaukasten, aus dem wir uns bedienen, um jeweils das optimale Fahrzeug für das jeweilige Segment zu entwickeln. Zusätzlich investieren muss man bei Jaguar Land Rover sicherlich in das „Britische“, zum Beispiel in Leder, Furniere, aber auch in Technologien. Dabei fallen enorme Investitionen auch in den Bereichen alternative Antriebe, Assistenzsysteme und Telematik an. Wir haben hier einen höheren Anteil an Eigenentwicklungen, als es in der Industrie üblich ist, weil wir glauben, dass wir damit schneller und flexibler sind. Für 2015 ist ein neues Mittelklasseauto angekündigt.

Welche technischen Besonderheiten wird es neben der Alu-Karosserie geben?
Die neue Aluminiumarchitektur wird einzigartig sein. Sie hat Vorteile hinsichtlich der Dynamik, der Sicherheit und der Effizienz. Hinzukommen die neuen Motoren, die ein breites Spektrum von weniger als 100 g CO2/km und bis zu 300 km/h Höchstgeschwindigkeit bieten werden. Auch das Design wird etwas ganz Besonderes sein wird. Mehr möchte ich jetzt noch nicht verraten.

Welche Vorteile bringt Ihnen die Entwicklung eigener Vierzylinder-Motoren?
Unsere aktuellen Motoren sind überwiegend eigene Entwicklungen, die lediglich bei anderen Herstellern produziert werden. Sie sind technisch absolut auf der Höhe der Zeit. Trotzdem blicken wir nach vorn. Im Premiumsegment müssen zukünftig Verbesserungen realisiert werden, die nur mit hohen technischen Innovationen umgesetzt werden können. Die Kluft zwischen Low-cost-Motoren in den Volumensegmenten und Hightech-Aggregaten in den Premiumsegmenten wird größer werden. Hier haben wir als kleiner Hersteller viele Möglichkeiten, die wir auch nutzen werden.

Wann kommt das Jaguar-SUV? Und mit welchen Besonderheiten wird die Serienvariante des C-X17 an den Start rollen? Trägt es eine Aluminium-Karosserie?
Es war unsere Absicht, mit der Studie C-X17 die Akzeptanz eines Jaguar Crossovers zu testen. Das Feedback war sehr positiv, sodass wir derzeit über eine mögliche Produktion nachdenken. Diese hochmoderne Aluminium-Karosserie ist die Basis für künftige Jaguar- und Land Rover-Fahrzeuge. Der C-X17 soll speziell die Flexibilität der neuen Architektur zeigen.

Welche Vorteile bietet eine Alu-Konstruktion – neben der Gewichtsreduzierung und dem Rostschutz?
Aluminium ist sicherlich wichtig, um Gewicht einzusparen und somit den Verbrauch zu senken. Aber mit weniger Masse erzielt man auch eine höhere Fahrdynamik.

Wird das Jaguar-SUV die aus XF und XJ bekannte Allrad-Technik oder Land Rover-Komponenten bekommen?
Der C-X17 ist eine sportliche Geländewagen-Studie. Das heißt, er ist so konstruiert, dass selbst auf schlechten Straßen die Fahreigenschaften unter allen Witterungsbedingungen gesichert sind. Die geländegängigen SUV sind eindeutig eine Domäne von Land Rover, und Jaguar beabsichtigt nicht, in diese Domäne einzubrechen. Ein möglicherweise in die Produktion gehender sportlicher Crossover von Jaguar würde andere Kundenwünsche abdecken – und auch andere Kunden anziehen als ein Land Rover SUV.

Wird es spezielle Entwicklungen für den Zukunftsmarkt China und den „Heimat-Markt“ Indien geben?
Unser Heimatmarkt ist England, und China ist auch kein Zukunftsmarkt mehr, sondern heute schon der größte Markt für Luxusautos. Er stellt besondere Anforderungen, denen wir nachkommen müssen – sowohl hinsichtlich der Karosserieform als auch bei den Motoren. Deshalb bauen wir u.a. eine Fabrik in China mit unserem Joint-Venture Partner Chery, um diesen Anforderungen noch besser gerecht zu werden. Der indische ist zwar kleiner als der chinesische Markt, entwickelt sich aber ebenfalls besser als andere Märkte. Es gibt eine Klientel für Luxusfahrzeuge, und wir haben im Markt eine gute Position um die Nachfrage zu bedienen. In Pune bauen wir den Jaguar XF und den Land Rover Freelander um somit besser am Wachstum zu partizipieren.

Welche Bedeutung räumen Sie der Automobil-Elektronik ein, und wie groß wird künftig die Entwicklungstiefe auf diesem Gebiet für den Automobilhersteller selbst sein?
Die Elektronik ist der Treiber für alle drei oben genannten Bereiche Assistenzsysteme, Telematik und Verbrauchssenkung. Die hohe Rechenleistung, die dafür notwendig ist, kann heute zu akzeptablen Kosten dargestellt werden. Die Entwicklungstiefe ist bereits sehr groß und wird in Zukunft noch größer. Schon heute sind bei uns von 7000 Ingenieuren 2000 im Bereich der Fahrzeugelektronik tätig.

Wo wird es künftig Alleinstellungsmerkmale bei der Ausrichtung der Modellreihen Ihres Hauses geben?
Aluminium wird auch zukünftig eine unserer Besonderheiten sein, und wir werden versuchen, diesen Technologievorsprung z.B. mit neuen Fertigungsverfahren weiter auszubauen. Außerdem entwickeln wir die 4x4-Technik permanent weiter. In diesem Bereich macht kein anderer Hersteller mehr als wir. Das gilt auch für die Kombination aus Dynamik und Design. Innovative Technik, verpackt in dramatischen und puristischen Linien gibt es so nur bei uns.

Die ersten Hybrid-Modelle sind bereits vorgestellt, wann wird die Plug-in-Technik folgen?
Wir haben eine Anzahl von Forschungsprojekten für einen zukünftigen Mild-Hybrid und einen Plug-in-Hybrid. Ob und wann wir diese Technologien einführen, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sagen.

Welche Alternativ-Antriebe präferieren Sie darüber hinaus für künftige Jaguar-Modelle?
Wir gehen davon aus, dass sich die Hybridtechnologie langfristig im Premium-Segment durchsetzen wird, wenn die Batterietechnologie fortgeschritten ist. Die Elektrifizierung wird auch an Bedeutung gewinnen, besonders für das Zweit- und Drittfahrzeug, was jedoch je nach Marktgegebenheit andere Anforderungen stellt. Wir setzen derzeit noch auf die Weiterentwicklung der konventionellen Antriebe. Hier ist noch Potenzial für Verbesserungen, das wir – wie alle anderen Hersteller – auch nutzen werden.

Wird es einen Jaguar mit CNG-fähigem Motor geben?
Diese Technologie ist schon seit Jahren (durch andere Hersteller) auf dem Markt verfügbar und konnte sich bisher nicht in der Breite durchsetzen. Wir beobachten die Entwicklung. Technisch wären wir in der Lage, dies kurzfristig umzusetzen.

Wie sehen Sie die Zukunft für einen Fahrzeugantrieb mit Brennstoffzellen-Technik?
In diesem Bereich sehen wir in absehbarer Zeit kein Potenzial für unsere Marken. Selbstverständlich beobachten wir auch das, aber unsere Anstrengungen liegen auf anderen Feldern.

Wird es den F-Type künftig auch mit einem Dieselmotor und Allrad-Technik geben?
Wir haben im April dieses Jahres das F-Type Cabriolet eingeführt, und im April 2014 kommt schon das Coupé. Es gibt sicherlich noch viele Möglichkeiten, das Angebot zu erweitern, aber die aktuelle Modellpalette hat eine Menge zu bieten.

Das Gespräch führte Holger Ippen

AUTO ZEITUNG

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