Italdesign Giugiaro Aztec Der Mars macht mobil

01.12.2006

Dieses Auto sieht aus, als käme es von einem anderen Stern direkt aus der Zukunft. Dabei entstand es 1988 in Turin.Giugiaros Entwurf war selbst der Spaßgesellschaft von heute noch weit voraus

Eckdaten
PS-kW220 PS (162 kW)
AntriebAllradantrieb, permanent, 5 Gang manuell
0-100 km/hk.A.
Höchstgeschwindigkeitk.A.
Preisk.A.

Wo ist hier die Tür? Sitzt der Pilot rechts oder links? Und kann das Ding auch fliegen? Wer den Aztec zum ersten Mal aus der Nähe betrachtet, ist hochgradig irritiert. Wie ein verirrtes Ufo steht die silberfarbene Designstudie auf der italienischen Landstraße. Doch weit und breit sind weder Astronauten noch grüne Männchen zu sehen.Giugiaros Entwurf von 1988 für einen Spaß-Sportwagen des dritten Jahrtausends ist wie ein guter Science-Fiction-Roman: visionär, fantastisch, irreal und doch vorstellbar. Tatsächlich kann dieser Prototyp fahren - besser als viele "normale" Studien. Er hat eine Straßenzulassung, und es gibt sogar noch mehr davon: Italdesign legte für Sammler in Europa und Japan eine Kleinserie von 20 Fahrzeugen auf. Sollte also je ein Aztec Ihren Weg kreuzen, dann laufen Sie nicht zum Psychiater und schlagen Sie nicht bei Erich von Däniken nach. Aber überlegen Sie gut, wem Sie von ihrem Erlebnis berichten - er könnte Sie für verrückt erklären. Verrückt ist das Karosseriekonzept des Aztec in der Tat: An Stelle eines Daches hat er zwei getrennte, zur Mitte hin aufklappbare Cockpitverkleidungen mit umlaufenden Plexiglasscheiben im Stil alter Formel-Rennwagen. Durch sie wird der in graues Weltraumleder gehüllte Innenraum optisch in zwei Hälften separiert. Zwischen Mitteltunnel und Scheibenrand bleibt gerade genug Luft für die Aztec-Besatzung, um sich nach gelungenen Manövern die Hand zu schütteln. Weil wir auf die Helikopter-Helme mit Gegensprechanlage verzichten, funktioniert die Verständigung an Bord nur über Handzeichen. Obwohl Pilot und Copilot nebeneinander sitzen wie in einem herkömmlichen Auto, sind Wortwechsel über die Scheiben hinweg praktisch unmöglich. Die Instrumente und Bedienelemente im Aztec geben weniger Rätsel auf als erwartet. Gestartet wird der Aztec auf banale Art mit einem Zündschlüssel. Das Lenkrad ist rund und stammt von Nardi, die Uhren haben Analoganzeigen, im Fußraum befinden sich die üblichen drei Pedale, und das Sortieren der Gänge geschieht per Hebel auf dem Mitteltunnel in einer klassischen H-Kulisse. Die Hi-Fi-Anlage von JVC folgt dem Stil der 80er-Jahre, als Equalizer im Auto der letzte Schrei und CD-Player noch Zukunftsmusik waren. Für jede Funktion gibt es eine eigene Taste. In diesem Punkt wurde die Vision längst von der Realität überholt: An Bedienkonzepte wie "iDrive" wagte vor 16 Jahren selbst ein Giugiaro noch nicht zu denken. Aber der Copilot blickt auf eine Kopie des Armaturenträgers für den Fahrer - samt Lenkradkranz-Attrappe, daher die Verwirrung auf den ersten Blick. Das Einzige, was das Aztec-Fahren kompliziert macht, ist der Umstand, dass der Fahrer nach vorn wenig und nach hinten gar nichts vom übrigen Verkehrsgeschehen sehen kann. Die stark gewölbten Scheiben verzerren den Blick, der rechte Fahrbahnrand ist nur zu erahnen, und in den Außenspiegeln tauchen bestenfalls die Ecken des riesigen Heckflügels formatfüllend auf. Ob der Aztec verfolgt wird, zeigt sich erst, wenn jemand zum überholen ausschert. Damit das möglichst selten passiert, treibt den Giugiaro Aztec der hinter den Sitzen quer eingebaute Fünfzylinder-Turbomotor aus dem Audi Urquattro 20V an. Mit vier Ventilen pro Zylinder, 220 PS und über 300 Newtonmeter Drehmoment stieß der Aztec leistungsmäßig 1988 noch in die Galaxie des Porsche 911 vor; heute wirbelt er mit diesem Motor keinen Sternenstaub mehr auf. Vor dem Einsetzen des Turboladers gähnt ein großes schwarzes Drehmomentloch, und die maximale Schubkraft wird heute problemlos auch von einem Golf TDI egalisiert. Der Aztec wiegt spürbar mehr als ein altes Audi Coupé von der Stange. Trotzdem ist es kaum zu glauben, dass uns diese Art der Leistungsentfaltung früher feuchte Hände bescherte. Die Dramatik ist rein optischer Natur. Immerhin erinnert der Vierrohr-Auspuff frappierend an das Feuer speiende Ende eines Raketentriebwerks - auch wenn ihm bloß ein sonorer Brummton zu entlocken ist. Spaceship statt Spaceframe auch bei der Karosserie: von Raumfahrtmaterialien keine Spur. Dafür sitzen auf den Flanken vor den abgedeckten Hinterrädern Checksysteme, mit denen über Minitastaturen verschiedene Kontrollfunktionen abgerufen werden können - von der digitalen Tankanzeige bis zu vier hydraulisch ausfahrenden Stempeln als Wagenheber. Der Aztec feierte seine Premiere auf dem Turiner Autosalon 1988 als Teil eines spektakulären Trios. Flankiert wurde er von der weitgehend baugleichen Coupé-Studie Aspid mit einteilig nach vorn aufklappendem Glasdach und der gröÿeren Minivan-Studie Asgard, mit der Giugiaro Mitsubishi zu verstehen gab, wie ein echter "Space Wagon" auszusehen habe. Aspid und Asgard blieben reine Designstudien, aber der Aztec wurde wie die meisten Messe-Showcars von Italdesign zum voll fahrtauglichen Prototypen weiterentwickelt. Zur Feier des 35-jährigen Firmenjubiläums veranstaltete Giugiaro 2003 einen Autocorso "zurück in die Zukunft" und ließ den Aztec sowie 20 wei-tere seiner Einzelstücke über öffentliche Straßen von Turin nach Como fahren. Es gab keinen einzigen Defekt. Bravo! Karsten Rehmann

Technische Daten
Motor 
ZylinderR5
Hubraum2226
Leistung
kW/PS
1/Min

162/220
5900 U/min
Max. Drehmom. (Nm)
bei 1/Min
309
1950 U/min
Kraftübertragung 
Getriebe5 Gang manuell
AntriebAllradantrieb, permanent
Fahrwerk 
Bremsenv: Trommel
h: Trommel
Bereifungv: 225/40 ZR 17
h: 225/40 ZR 17
Messwerte
Gewichte (kg) 
Leergewicht (Werk)k.A.
Beschleunigung/Zwischenspurt 
0-100 km/h (s)k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)k.A.
Verbrauch 
Testverbrauchk.A.
EU-Verbrauchk.A.
Reichweitek.A.
Abgas-Emissionen 
Kohlendioxid CO2 (g/km)k.A.

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