Vier Kleinwagen von Opel, Suzuki, Renault und VW im Vergleichstest Vier Kurze bitte

12.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Vergleich in der kleinen Klasse: Die Neuen Opel Agila und Suzuki Splash treten an gegen Renault Modus und VW Fox

Ganz schön unbescheiden sind wir geworden. Sportwagen müssen plötzlich bequem, Offroader sportlich und Cabrios auch Coupés sein. Und von den Kleinen erwarten wir selbstverständlich, dass sie geräumig sind und komfortabel, sicher und flott, praktisch und hübsch – aber trotzdem bezahlbar. Reichlich viel gewünscht? Ja, aber nicht fernab der Realität: Der VW Fox etwa steht für knapp über 11.000 Euro vor der Tür und ist mit 75 PS nicht gerade ärmlich motorisiert.

Der Renault Modus, nach dem Facelift Anfang des Jahres plötzlich mit eckigen Augen nicht mehr so knuddelig dreinblickend wie einst, liegt als Avantage mit 75 PS bei 12.950 Euro. Suzuki Splash Club und Opel Agila Edition, bis auf leichte kosmetische Eigenheiten am Bug und einige individuelle Lösungen in technischen Details baugleich, treten mit 86 PS an. Den Suzuki gibt es bereits für 12.700, den Opel für 13.700 Euro. Also einsteigen bitte und die Türen schließen.

 

Karosserie

Vom klassischen Graue-Maus-Kleinwagen sind alle vier deutlich entfernt. Das signalisieren nicht nur die hoch aufragenden Karosserien, sondern auch die pfiffigen Formen – speziell beim Suzuki, beim Opel und beim Renault.

Doch Optik ist ja nicht alles: Denn wenn es ums Platzangebot geht, macht dem VW Fox, der etwas konservativ neben der jüngeren Konkurrenz steht, keiner etwas vor. Vorn bietet er unter dem Strich nicht mehr als der Opel und der Suzuki. Doch in der zweiten Reihe ist der Fox eine Klasse für sich. Die Messwerte bescheinigen ihm zwar die geringste Innenhöhe, doch Luft über dem Scheitel ist trotzdem genug. Und mehr Beinraum als er bietet in diesem Quartett schlicht keiner.

Der Modus geizt am heftigsten mit diesem wertvollen Gut. Käufer des Dynamique-Modells (13950 Euro) können gegen 300 Euro Aufpreis allerdings eine – wie auch im längeren Grand Modus – verschiebbare und hinter den Vordersitzen aufstellbare Rücksitzbank ordern. Die schafft Platz – allerdings zu Lasten des ohnehin kleinen Kofferraums (217 Liter).

Eine verschiebbare Rückbank hat der Fox serienmäßig, wobei die Lehne allerdings – Ausnahme in dieser Runde – serienmäßig ungeteilt ist und damit die Variabilität schmälert. Gut beraten ist also, wer 99 Euro extra investiert in geteilt klappbare Lehnen. Mit im Paket: Cupholder und eine Ablage in der Mitte der Sitzfläche, die den kleinsten VW dann endgültig zum Viersitzer machen.

Weitere Punkte sammelt der Fox mit dem größten Kofferraum (260 Liter) und der höchsten Zuladung (500 Kilogramm). Doch den nahen Kapitelsieg verstolpert er dann, weil es Seitenairbags vorn nur gegen Aufpreis und Kopfairbags überhaupt nicht gibt. So geht der erste Etappensieg an den Suzuki, der ab Werk die meisten Sicherheits-Features serienmäßig hat und daher auch den baugleichen Opel aussticht.

KarosserieMax. PunkteVW Fox 1.4Suzuki Splash 1.2Renault Modus 1.2 16VOpel Agila 1.2
Raumangebot vorn10063636163
Raumangebot hinten10048403940
Übersichtlichkeit7050474847
Bedienung/ Funktion10075706770
Kofferraumvolumen10016131513
Variabilität10020353035
Zuladung/ Anhängelast8029202618
Sicherheit15034615037
Qualität/ Verarbeitung200114112116112
Kapitelbewertung1000449461452435

 

Fahrkomfort

Obwohl das Quartett durch die Bank auf eher kurzem Radstand unterwegs ist, ist der gebotene Federungskomfort erstaunlich. Der Opel und der Suzuki machen ihre Sache schon mit straffer Grundnote sehr manierlich, wobei allenfalls Querfugen oder tiefe Wellen für Abstriche sorgen. Hier kommt es zu kräftigen Knuffen oder langhubigen Karosseriebewegungen.

Der Fox wirkt noch besser ausbalanciert, was sich ebenso bei höherer Beladung zeigt. Hier sind der Agila und der Splash etwas unterdämpft, denn sie federn weit aus, wenn es durch tiefere Schlaglöcher geht. Am besten wird der Modus mit den Narben fertig, die der Schwerlastverkehr auf unseren Straßen hinterlässt. Sanft und souverän steckt er so einiges weg, was sogar manchen Kompakten hart in Radaufhängungen und Karosserie schlägt.

Der akustische Komfort geht bei allen in Ordnung: Sie lassen zwar auf Kopfsteinpflaster Fahrwerksgeräusche hören, und auf manchen Asphaltsorten singen die Reifen das Lied der Straße doch sehr deutlich. Windgeräusche aber und das helle Brummen der kleinvolumigen Motoren werden niemals störend.

Der Fox punktet vorn wie hinten mit den besten, weil großen, straff gepolsterten und nicht mit Seitenführung geizenden Sitzen, während die weichen Renault-Polster längst nicht jedem zusagen. Doch in ergonomischer Hinsicht gerät der VW klar ins Hintertreffen: Die hohe Ladekante ist ebenso unpraktisch wie die Beschränkung auf zwei Türen, die die Nutzung der Rücksitze erschwert. Und die tiefe Platzierung des Radios sowie der Drehregler der Klimaanlage erscheint mit Blick auf die Rivalen geradezu als unfreundlicher Akt.

Auch beim Klimakomfort lässt der Fox Federn. Zwar haben die Klimaanlagen der Konkurrenz alle Mühe, durch ihre kleinen Ausströmer genügend kalte Luft in die Innenräume zu pusten, die sich wegen der großzügigen Verglasung bei Sonnenschein enorm aufheizen. Doch Agila, Splash und Modus haben die Klimaanlagen serienmäßig an Bord, während der Fox-Fahrer ohne gesonderten Griff in die Brieftasche nur eine schnell ansprechende, wirkungsvolle Heizung vorweisen kann.

FahrkomfortMax. PunkteVW Fox 1.4Suzuki Splash 1.2Renault Modus 1.2 16VOpel Agila 1.2
Sitzkomfort vorn15077686568
Sitzkomfort hinten10062535053
Ergonomie15086110100110
Innengeräusche5031292633
Geräuscheindruck10054525652
Klimatisierung5013222120
Federung leer2001009812098
Federung beladen200989611596
Kapitelbewertung1000521528553530

 

Motor und Getriebe

Während Opel und Suzuki einen in Japan entwickelten 1,2-Liter mit 86 PS einsetzen, lassen es Renault und VW etwas geruhsamer angehen: 75 PS sind es bei beiden, wobei Renault diese Leistung aus gerade mal 1,15 Litern holt und VW im Fox den altbekannten 1,4-Liter verbaut.

Trotz allmählich antiquierter Zweiventil-Bauweise entpuppt sich dieser Wolfsburger Methusalem allerdings als attraktiver Wegbegleiter. Er legt schon bei wenig Drehzahl ordentlich los, zieht im Mittelfeld gut durch und pusht den Fox in der Beschleunigung aufs Niveau des stärkeren Suzuki Splash. Der gleich starke, aber mit 19 Newtonmeter weniger Drehmoment gesegnete Renault fällt da eklatant ab.

Er fordert auch in alltäglichen Fahrsituationen am meisten Geduld – etwa wenn es gilt, nur mal eben aus mittleren Drehzahlen wieder auf Tempo zu kommen. Dabei läuft er nicht nennenswert kultivierter als der im Ton leicht brummige, aber niemals störende Fox-Motor.

Am flottesten unterwegs ist man mit dem Opel Agila – der Testwagen hatte einige tausend Kilometer mehr auf dem Zähler als der identisch motorisierte Suzuki, dessen Motor vermutlich noch nicht richtig freigefahren war.

Dass der Trend zum kleinen Hubraum nicht immer zu den erhofften Sparrekorden führt, zeigt sich an der Zapfsäule: Hier liegen Opel und Suzuki mit 7,7 und 7,6 Litern nur im Mittelfeld, während der Fox mit 7,2 Liter Testverbrauch den Maßstab setzt. Schlusslicht ist der Renault Modus: 8,1 Liter Super zeugen davon, dass auch bei normaler Fahrt relativ oft hohe Drehzahlen bemüht werden müssen. Die damit verbundenen Schaltvorgänge gehen immerhin, wie bei den Konkurrenten, locker von der Hand.

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Fox 1.4Suzuki Splash 1.2Renault Modus 1.2 16VOpel Agila 1.2
Beschleunigung15011311083120
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit15037453345
Getriebeabstufung10076727072
Kraftentfaltung5024232124
Laufkultur10062656365
Verbrauch325198193186191
Reichweite2512101010
Kapitelbewertung1000522518466527

 

Fahrdynamik

Spitzenwerte bei Handling und Slalom sind wahrlich keine Kriterien beim Kauf vernunftbetonter Kleinwagen. Daher nur so viel: Alle vier zeigten auf der abgesperrten Teststrecke ein auch für Anfänger gut beherrschbares, von Untersteuern geprägtes Verhalten im Grenzbereich. Die schlechten Werte für den Modus resultieren aus einem sehr früh regelnden, zudem nicht komplett abschaltbaren ESP. Auffällig bei Agila und Splash: Beim rabiaten Bremsen wird das entlastete Heck leicht unruhig.

FahrdynamikMax. PunkteVW Fox 1.4Suzuki Splash 1.2Renault Modus 1.2 16VOpel Agila 1.2
Handling1501115220
Slalom10068534473
Lenkung10062585558
Geradeauslauf5036293329
Bremsdosierung3018141614
Bremsweg kalt15078637858
Bremsweg warm15074707657
Traktion10063606360
Fahrsicherheit1501109010590
Wendekreis2018192019
Kapitelbewertung1000538471492478

 

Umwelt und Kosten

Besonders im Vergleich mit dem Suzuki wirkt der VW in der Serienausstattung reichlich kahl: Klimaanlage? ESP? Zentralverriegelung? Bitte zuzahlen! Doch unterm Strich ist alles halb so wild, denn 11025 Euro Grundpreis lassen Luft für die Extras, die die Konkurrenz schon serienmäßig hat.

So kommt der Fox mit AZ-Normausstattung am billigsten und legt mächtig nach: Der niedrigste Wertverlust sowie die geringsten Werkstatt- und Kraftstoffkosten sprechen ebenso für den VW wie die lange Mobilitätsgarantie.

Gerade bei den Garantien sieht der Agila schlecht aus, denn obwohl er technisch mit dem Splash identisch ist, gewährt Opel nur zwei Jahre Schutz vor Technikpannen, während Suzuki hier für drei Jahre geradesteht. Renault bietet wie VW ebenfalls eine unbegrenzte Mobilitätsgarantie. So schiebt sich auch der konstant gut punktende Modus bei den Kosten vor das Auto mit dem höchsten Grundpreis – den Agila.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Fox 1.4Suzuki Splash 1.2Renault Modus 1.2 16VOpel Agila 1.2
Bewerteter Preis675395359354340
Wertverlust5043363634
Ausstattung2591012
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5028242719
Werkstattkosten2015141414
Steuer109999
Versicherung4035343534
Kraftstoff5541403839
Emissionswerte2584878387
Kapitelbewertung1000650612606588

 

Fazit

Opel Agila und Suzuki Splash sind eine Bereicherung für die kleine Klasse. Dass der Splash vor dem Agila landet, liegt einzig an den Kostenvorteilen und an der generöseren Sicherheitsausstattung des Suzuki.

Der hohe Rückstand des Modus geht auf den müden, dabei durstigen Motor und die überschaubaren fahrdynamischen Qualitäten zurück. Wer damit leben kann, kauft einen der komfortabelsten Kleinwagen. Und der VW Fox? Er macht das Rennen – ausgewogen, geräumig und preiswert, wie er ist.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Fox 1.4Suzuki Splash 1.2Renault Modus 1.2 16VOpel Agila 1.2
Summe50002680259025692558
Platzierung1234

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