Hyundai Veloster, Peugeot RCZ und Toyota GT86 im Sportcoupé-Test 2013 Sportskanonen

17.07.2013
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Hyundai will mit dem neuen Veloster Turbo die gut trainierten Coupés Peugeot RCZ und Toyota GT86 ins Schwitzen bringen. Hat der Koreaner dafür genug Puste?

Die Regeln waren simpel, damals bei den Bundesjugendspielen: Wer draußen auf dem Sportplatz ordentlich Punkte sammelte, bekam eine Urkunde. Für die Besten gab’s die Ehrenurkunde mit der gedruckten Unterschrift des Bundespräsidenten. Diejenigen, die ebenfalls gut abgeschnitten hatten, erhielten eine Siegerurkunde, alle anderen eine schmucklose Teilnahmebestätigung. Irgendwann merkte dann jemand, dass diese Wettkampfform pädagogisch fragwürdig war – und die Sache schlief ein.

Der automobilen Gattung des Sportcoupés ist es ähnlich ergangen. Namen wie Opel Manta oder Ford Capri versprühten einst Glanz, sind aber längst Geschichte. Nachahmer auf Kleinwagenbasis wie Opel Tigra und Ford Puma scheiterten. Doch vor drei Jahren nahm Peugeot mit dem RCZ einen neuen Anlauf auf der Tartanbahn. Toyota und Hyundai zogen nach und schickten unlängst GT86 und den neuen Veloster Turbo hinterher auf den Platz.

 

Karosserie

Somit stehen endlich wieder drei durchtrainierte Sportskanonen in Coupé-Form am Start. Siegeshungrig blicken sie drein mit ihren angeschlitzten Augen und den gierigen Kühllufteinlässen. Und für jeden von ihnen steht fest: Sie wollen möglichst viele Punkte sammeln.

Dynamische Silhouetten mit fließenden Formen bringen sie alle mit. Aber noch in der Umkleidekabine verblüfft der Hyundai mit einer dritten Tür hinten rechts und einer großen Heckklappe. Und bevor der Lehrer in die Trillerpfeife bläst, werfen wir noch einen Blick in die Innenräume. Wie bei echten Coupés nicht anders zu erwarten, geht es überall sportlich eng zu. Dehnübungen sind zwar nicht erforderlich für den Einstieg. Bei Peugeot und Toyota gelingt er aufgrund einer niedrigen Dachpartie aber weniger lässig als beim Hyundai.

Die Bewegungsfreiheit für Fahrer und Beifahrer ist bei allen drei ähnlich, wobei im Peugeot RCZ über den Köpfen am meisten Platz bleibt. Doch auch wenn diese Athleten im Klassenbuch als 2+2-Sitzer geführt werden, finden die hinteren Passagiere einzig im Veloster ausreichend Freiraum – aber auch nur bis 1,80 Meter Körpergröße. Weitere Zähler sammelt der Koreaner mit seinem geräumigen Kofferraum. Zwar liegt sein Ladeabteil standardmäßig mit 320 Litern marginal hinter dem des Peugeot (320 Liter), eignet sich mit bis zu 1015 Litern bei umgeklappten Rücksitzen aber auch für sperrige Gegenstände. Hingegen findet im Heck des GT86 (243 Liter) gerade mal die Sporttasche Platz. Und dass der Franzose als einziger bis zu 500 Kilogramm anhängen dürfte, ist in der Praxis wohl so viel wert wie eine Eins in Musik, wenn man Sport im Abi hat. Noch schnell ein Wort zur Kleiderordnung: Die sauber vernähte Volllederausstattung im Cockpit des RCZ (3250 Euro) sorgt für einen pikfeinen Auftritt. Auch die Verarbeitungsqualität des bei Magna Steyr in Graz gefertigten französischen Coupés sticht heraus. Hyundai hat seinen Athleten aber ebenso schick gemacht, er überzeugt mit solider Materialanmutung im Innenraum. Unschön im Toyota GT86: Die Plastikübergänge an der Mittelkonsole weisen kleine Kanten auf.

KarosserieMax. PunktePeugeot RCZ 200 THPHyundai Veloster 1.6 TurboToyota GT86
Raumangebot vorn100656463
Raumangebot hinten10063815
Übersichtlichkeit70403638
Bedienung/ Funktion100808285
Kofferraumvolumen100202311
Variabilität100242623
Zuladung/ Anhängelast80212119
Sicherheit150515249
Qualität/ Verarbeitung200170166164
Kapitelbewertung1000477508467

 

Fahrkomfort

Bei den ersten Aufwärmrunden um den Platz zeigen die Sportcoupés unmissverständlich, dass sie mit Komfort nicht viel im Sinn haben. Speziell der Peugeot ist kompromisslos hart abgestimmt. Auch auf scheinbar ebener Bahn liegt der Franzose unruhig und leitet beladen teils heftige Schläge in den Innenraum weiter. Eine Spur sensibler geht die ebenfalls sportliche Feder-Dämpfer-Einheit des Toyota zu Werke, wobei auch der Japaner holprige Sprintbahnen mit deutlichem Stuckern quittiert. Der Hyundai meistert schlecht präparierte Pisten wesentlich souveräner, und je mehr Gewicht er mit sich trägt, desto besser federt er.

Gemein haben die drei Athleten passend geformtes Sportgestühl mit gutem Seitenhalt. Am besten umfassen sie den Toyota-Piloten. Im Fond hat der Toyota GT86 ebenfalls viel Halt spendende Sitze. Aber einzig im Hyundai finden die Hinterbänkler vollwertige Sitze mit Kopfstützen vor, die außerdem angenehm straff gepolstert und gut konturiert sind. Und der Veloster punktet weiter: Der große, hochauflösende Bildschirm in der Mittelkonsole ist einfach zu bedienen. Das Gegenteil gilt für den hinter dem Lenkrad versteckten Bediensatelliten im Peugeot. Der Toyota bietet zu wenig und zu kleine Ablageflächen. Was den Geräuschkomfort betrifft, ist der Peugeot RCZ im Durchschnitt zwei Dezibel leiser als seine Mitstreiter. Das macht sich vor allem auf der Autobahn bemerkbar.

FahrkomfortMax. PunktePeugeot RCZ 200 THPHyundai Veloster 1.6 TurboToyota GT86
Sitzkomfort vorn150118120122
Sitzkomfort hinten100153828
Ergonomie150120124118
Innengeräusche50292322
Geräuscheindruck100817875
Klimatisierung50342832
Federung leer200117125119
Federung beladen200117128118
Kapitelbewertung1000631664634

 

Motor und Getriebe

Das größte Sportlerherz schlägt ohne Zweifel im Toyota GT86. Sein 200 PS starker Zweiliter-Boxer dreht mit kernigem Sound in den roten Bereich bis 7500 Touren. Vorher – bei 6400 Umdrehungen – liegt das vergleichsweise schwache Drehmoment von 205 Nm an, was viel Arbeit am Schaltknüppel des knackigen Sechsgang-Getriebes bedeutet, wenn der Nippon-Renner in Schwung bleiben soll. Der Saugrohr-/Direkteinspritzer zeigt sich dennoch am genügsamsten auf der Verbrauchsrunde: Er genehmigt sich 8,2 Liter, doch der Veloster schluckt nur 0,1, der RCZ 0,2 Liter mehr.

Nachdem diese Fakten geklärt sind, heißt es: „Auf die Plätze, fertig, los!“ Der Peugeot – wie der Toyota mit 200 PS – kommt am schnellsten aus den Startlöchern. Für den Standardsprint braucht er nur 6,9 Sekunden. Und das, obwohl sein 1,6-Liter-Turbobenziner mit 1350 kg das meiste Gewicht bewegen muss. Der RCZ knöpft seinem leichteren Mitschüler aus Japan 0,2 Sekunden ab und rennt souverän bis 235 km/h – womit er der Schnellste dieses Trios ist. Und auch seine leichtgängige wie präzise Schaltung überzeugt.

Verglichen damit muss sich der Fahrer im Hyundai Veloster mehr konzentrieren, um zu jeder Zeit die richtigen Schaltgassen zu treffen. Darüber hinaus zeigt der aufgeladene 1,6-Liter-Motor des Veloster weniger Sportsgeist und spricht nicht so spontan an wie der seiner Kontrahenten. Immerhin läuft er wesentlich ruhiger. Doch als der Lehrer die Stoppuhr drückt, hat der Koreaner im Wettlauf bis zur 100-km/h-Marke mehr als eine Sekunde verloren.

Motor und GetriebeMax. PunktePeugeot RCZ 200 THPHyundai Veloster 1.6 TurboToyota GT86
Beschleunigung150121111119
Elastizität100848178
Höchstgeschwindigkeit150796372
Getriebeabstufung100827476
Kraftentfaltung50362830
Laufkultur100646763
Verbrauch325222224226
Reichweite25111010
Kapitelbewertung1000699658674

 

Fahrdynamik

Nach dieser Disziplin bitten wir die Sportskanonen von der Sprintstrecke auf den Grand-Prix-Kurs des Nürburgrings. Hier müssen sie ihr Kurventalent beweisen. Auf Anhieb fühlt sich der frontgetriebene Peugeot RCZ sichtlich wohl. Willig folgt er den Lenkbefehlen des Fahrers, krallt sich in den Asphalt und bleibt lange neutral, ehe er im Grenzbereich leicht über die Vorderräder schiebt. Zudem bremst er auch nach mehreren Runden immer noch vehement ab. Beim zehnmaligen Notstopp aus 100 km/h steht er mit kalter wie warmer Bremse nach weniger als 35 Metern.

Der Toyota GT86 verzögert auf ähnlichem Niveau wie der Franzose, die Dosierbarkeit der Bremsanlage lässt jedoch nach einigen schnellen Umläufen nach. Im Alltag funktionieren die Stopper aber problemlos. Am Ende ist der Hecktriebler mit seiner guten Traktion – der serienmäßigen Torsen-Differenzialsperre an der Hinterachse sei Dank – nur wenig langsamer als der RCZ auf der Rennstrecke. Mit seiner gefühlvollen Lenkung schlängelt sich der GT86 leichtfüßig durch die Kurven des Nürburgrings. Sein ESP hat ihn dabei stets im Griff und verhindert ein Auskeilen des Hecks frühzeitig. Wer gern im Drift um die Ecke fährt, schaltet das VSC (ESP) ab und dirigiert den gut beherrschbaren Japaner quer über den Asphalt.

Als Letzter muss der neue Hyundai Veloster Turbo beweisen, wie viel Sportler wirklich in ihm steckt. Insgesamt gibt er sich sehr sicher und weitgehend frei von Lastwechselreaktionen. Wegen des höheren Schwerpunkts neigt sich seine Karosserie in schnellen Kurven allerdings stärker als bei den anderen beiden. Zudem könnte die Lenkung etwas mehr Kontakt zur Fahrbahn vermitteln, wenngleich der Veloster auf Bewegungen am Volant schnell reagiert. Beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren bekommt er aber seine Kraft über die Vorderräder nicht ganz auf die Straße, was auch dazu führt, dass er nach seinen Mitstreitern das Ziel erreicht. Zudem benötigt er rund drei Meter mehr bis zum Stillstand aus 100 km/h als RCZ und GT86.

FahrdynamikMax. PunktePeugeot RCZ 200 THPHyundai Veloster 1.6 TurboToyota GT86
Handling150877186
Slalom100727373
Lenkung100757078
Geradeauslauf50404236
Bremsdosierung30201918
Bremsweg kalt1501047092
Bremsweg warm15010171101
Traktion100383548
Fahrsicherheit150125126115
Wendekreis20101210
Kapitelbewertung1000672589657

 

Umwelt und Kosten

Wer sich für wenig Geld ein auffälliges Coupé mit Turboantrieb wünscht, ist mit dem 24.790 Euro teuren Hyundai Veloster Turbo richtig beraten. Dafür rollt der Koreaner ab Werk auf 18-Zoll-Leichtmetallrädern und bietet unter anderem eine serienmäßige Klimaanlage. Zwar liefern Peugeot und Toyota sogar eine Klimaautomatik mit, dafür kosten ihre Sportcoupés jeweils über 30.000 Euro. Hyundai spendiert dem Veloster die automatische Klimaregelung ab der 26.990 Euro teuren Premium-Ausstattung. Den Kapitelsieg sichert sich der Koreaner darüber hinaus durch die längsten Garantiezeiten, den geringsten Wertverlust und die niedrigsten Versicherungsprämien.

Und während die Auszählung der Gesamtpunktzahlen noch läuft, steht bereits fest: Jeder dieser drei Nachwuchssportler hat seine eigene Fangemeinde.

Kosten/UmweltMax. PunktePeugeot RCZ 200 THPHyundai Veloster 1.6 TurboToyota GT86
Bewerteter Preis675194233198
Wertverlust50182120
Ausstattung25202320
Multimedia50241821
Garantie/Gewährleistung50283525
Werkstattkosten20131414
Steuer10998
Versicherung40343530
Kraftstoff55363736
Emissionswerte25222222
Kapitelbewertung1000398447394

 

Fazit

Wer geht mit der begehrten Ehrenurkunde vom Platz? Es ist der Peugeot RCZ, der durch seinen kraftvollen Antrieb und sein überaus agiles Fahrverhalten seine Wettbewerber übertrumpft. Weniger Punkte und folglich nur eine Siegerurkunde erhält der neue Hyundai Veloster Turbo auf dem zweiten Rang. Daran können auch drei gewonnene Kapitel nichts ändern. Sein Rezept: Turbopower kombiniert mit Platz. Dazu bietet er deutlich mehr Komfort als seine Mitstreiter. Fehlt noch der Toyota GT86: Nach Punkten bleibt ihm dieses Mal nur die Teilnahmebestätigung, obwohl sein knackiges Fahrwerk großes sportliches Talent zeigt. Und sein kerniger Boxer sowie der Hinterradantrieb passen perfekt – das macht Spaß, auch ohne Urkunde.

Gesamtbewertung

Max. PunktePeugeot RCZ 200 THPHyundai Veloster 1.6 TurboToyota GT86
Summe5000287728662826
Platzierung123

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