Hyundai Veloster 1.6 Turbo vs. Turbo Rennversion: Vergleich Serien-Täter

20.10.2013

Drei Starts, drei Zielankünfte: Die erste Motorsport-Saison mit dem seriennahen Renn-Veloster Turbo von Hyundai lief gut. Höchste Zeit für einen Vergleich mit der Straßenversion

Ja, genauso hat das bunt beklebte Coupé auch einmal ausgesehen: einfarbig lackiert, mit Dachfenster über dem Gepäckabteil und ergonomisch gestaltetem Innenraum. Das war im Februar 2013, knapp ein halbes Jahr nach der Straßen-Premiere des Veloster Turbo. Danach ging’s auf die automobile Schlachtbank. Alles musste raus, damit aus dem Kompaktsportler mit einzelner Fondtür auf der Beifahrerseite ein Rennauto werden konnte. Sitze, Rückbank, Dachhimmel, Mittelkonsole und sämtliche Verkleidungsteile waren unnötiger Ballast.

Jetzt dominiert eine Zelle aus Stahlrohren den Innenraum des Koreaners, an zehn Punkten fest mit der Karosserie verschweißt. Das macht ihn nicht nur sehr crash-sicher, sondern erhöht auch die Verwindungssteifigkeit. Statt des praktischen Multifunktionslenkrads steckt ein abnehmbares und extra griffiges Volant von OMP vor den Serieninstrumenten. Das gut gepolsterte Gestühl wich dem elf Kilogramm leichten Pro Racer SPG XL von Recaro aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) – einem Schalensitz, in dem Fahrer unterschiedlichster Statur Platz finden.

 

Hyundai Veloster: LEICHT MODIFIZIERT

Verantwortlich für den Aufbau waren die Brüder Jürgen und Peter Schumann, die in Saarbrücken eines der größten Hyundai-Autohäuser Deutschlands führen und seit mehr als 30 Jahren aktiv Motorsport betreiben. Mit viel Liebe zum Detail und handwerklicher Kunst verwandelte das Team in nur 200 Arbeitsstunden die Straßen-Version in einen echten Renner. Technisch blieb der Veloster Turbo jedoch beinahe unangetastet. Zwar hat der Vierzylinder-Turbo mit 1,6 Liter Hubraum ein paar Pferdestärken dazugewonnen – mittels veränderter Motorsoftware, modifiziertem Turbolader sowie neuen Nockenwellen stieg die Leistung auf rund 230 PS –, und die Serien-Bremse wich einer Anlage von AP Racing. Getriebe, Kupplung und Lenkung sind dagegen Hyundai-Stangenware und sehr solide, wie sich herausstellte. Die Einstellung der Außenspiegel sowie das Öffnen der Seitenfenster erfolgen nach wie vor elektrisch, und der Direkteinspritzer wird immer noch mit einem zentralen Knopf gestartet. Entscheidend für die Performance eines Rennautos sind aber Fahrwerk und Antrieb. Wo der quirlige Standard-Veloster auf einen gelungenen Kompromiss aus Federungskomfort und Fahrsicherheit auch bei sportlicher Gangart setzt, ordnet die Renn-Variante alles der Kurvendynamik unter. Die Zutaten: Eibach-Gewindefahrwerk mit Sachs-Dämpfern, Differenzialsperre von Drechsler und profillose 17-Zoll-Rennreifen von Hankook mit 235er-Breite vorn.

Mit diesem Paket ging der Veloster Turbo erstmals im April bei der Langstreckenmeisterschaft (VLN) Nürburgring an den Start, die auch über die Grand-Prix-Strecke des Eifelkurses führt. Genau dorthin haben wir nun das Serienauto zum Fahrvergleich eingeladen. Der 186 PS starke Viersit-zer reagiert erfreulich schnell auf Lenkbefehle, hat im Grenzbereich aber Mühe, seine gesamte Power in Kurven über die Straßen-Gummis im Format 215/40 R 18 auf den Asphalt zu bringen. Immerhin drückt der mit maximal 0,95 bar arbeitende Direkteinspritzer 265 Nm Drehmoment auf die Kurbelwelle. Zurück in den Renn-Veloster, der von sämtlichem Dämm-Material befreit wurde und deshalb deutlich klangvoller zu Werke geht. Dank Sperrdifferenzial und 3,5 Grad Sturz an der Vorderachse haften die warmen 17-Zoll-Slicks des für die Nordschleife abgestimmten Kompakt-Coupés prima. Der Grenzbereich liegt enorm hoch, ist aber auch schmaler. Doch insgesamt ist das Fahrverhalten nicht spitz und jederzeit berechenbar  –  ein entscheidender Vorteil bei widrigen Bedingungen. So rollte das Coupé während des 24-Stunden-Rennens Mitte Mai auch dann noch konstant schnell und sicher, als die grüne Hölle mit Nebel und Sichtweiten unter 50 Metern zur nassen Hölle wurde. Ein ähnliches Szenario erlebten die Fahrer um Hyundai Motor Deutschland-Geschäftsführer Markus Schrick beim Sechs-Stunden-Rennen Ende August. 

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Nach knapp zwei Dritteln der Renndistanz setzten Schauer ein – Renningenieur Andreas Glomb entschied, Regenreifen aufzuziehen. Die richtige Wahl, denn obwohl es zwischenzeitlich an manchen Stellen abtrocknete, waren noch große Teile der 24,358 Kilometer langen Kombination aus Nordschleife und verkürztem GP-Kurs klatschnass. Über 4200 Renn- und Trainingskilometer hat die seriennahe Race-Version des Veloster Turbo 2013 bereits absolviert – ohne technische Probleme. Das spricht für die Zuverlässigkeit der Koreaner, die ihre Entwicklungsarbeit stark auf Europa fokussieren.

Dass die legendäre Berg-und-Tal-Strecke nämlich nicht nur für den Motorsport gut ist, sondern auch wie gemacht für Erprobungsfahrten, hat Hyundai längst erkannt. Deshalb wurde am Nürburgring ein neues Testzentrum errichtet. Das Engagement zeigt: Hyundai meint es ernst und gibt bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge Vollgas – und motorsportlich ab 2014 auch mit dem i20 WRC in der Rallye-Weltmeisterschaft.

TECHNISCHE DATEN
   

HYUNDAI VELOSTER 1.6
TURBO

HYUNDAI VELOSTER TURBO 
RENNVERSION
Motor 4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbo,
Direkteinspritzung
 4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbolader,
Direkteinspritzung
Hubraum 1591 cm³ 1591 cm³
Leistung 137 kW / 186 PS bei 5500 /min 169 kW / 230 PS
Max. Drehmoment 265 Nm bei 4500 /min 330 Nm bei 5000 /min
Getriebe 6-Gang, manuell 6-Gang, manuell
Antrieb Vorderrad Vorderrad, mechanisches
Sperrdifferenzial
Reifen rundum: 215/40 R 18 V;
Hankook Ventus Prime 2
vorn: 235/620 R 17; hinten: 215/615 R 17;
Hankook Ventus
L/B/H 4250/1805/1399 mm 4250/1805/1349 mm
Radstand 2650 mm 2650 mm
Leergewicht 1255 kg ca. 1100 kg
Kofferraum 320 – 1015 l k.A.
Tankinhalt 50 l 100 l
MESSWERTE
   
0 - 100 km/h¹ 8,4 s k.A.
Höchstgeschwindigkeit¹ 214 km/h ca. 230 km/h
EU-Verbrauch¹ 6,9 l S/100 km k.A.
CO2-Ausstoß¹ 157 g/km k.A.
KOSTEN    
Grundpreis 24.790 Euro Einzelstück,
unverkäuflich
1 Werksangaben

Paul Englert

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