Hyundai i30/BMW 118d: Vergleich Hyundai jetzt auf Augenhöhe?

06.08.2015
Inhalt
  1. Hyundai i30 gegen BMW 118d: KAROSSERIE
  2. Diesel-Kompakte im Vergleichstest: FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GERTRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Mit viel Fleiß verbessert Hyundai stetig seine Modelle – so auch den i30. Wie gut schlägt sich der gerade facegeliftete Asiate gegen den ebenfalls überarbeiteten Premium-Kompakten BMW 118d? Vergleichstest

Der allererste Hyundai war 1967 noch ein Lizenzbau des englischen Ford Cortina – mit dem Bau eigener Fahrzeuge begannen die Koreaner erst Mitte der 70er-Jahre. Doch seit zwölf Jahren entwickeln die Asiaten nun bereits Modelle in Europa, um insbesondere in Deutschland – dem härtesten Automarkt der Welt – Kunden zu gewinnen.

Ein erfolgreiches Beispiel dieser Arbeit ist der kompakte i30, dessen zweite Generation jetzt mit dezenten optischen Retuschen in ihre zweite Lebenshälfte startet. Diese durchlebt derzeit auch die zweite 1er-Generation von BMW, das Symbol für Premium-Fahrspaß in der Kompaktklasse. Beide Autos treten mit sparsamen Dieseln zu einer Abstandsmessung der besonderen Art an. Hier droht garantiert kein Führerscheinverlust, stattdessen erfolgt eine Standortbestimmung.

 

Hyundai i30 gegen BMW 118d: KAROSSERIE

Kaum ein BMW-Kunde dürfte wegen des Platzangebots den 1er wählen, denn dieser kommt zweifellos sehr knapp geschnitten daher, was speziell für den Fond gilt. Da ist die Unterbringung von Großgewachsenen im i30 weit weniger unbequem. Sein etwas geringeres Kofferraumvolumen (360 bis 1200 Liter; Hyundai: 378 bis 1316 Liter) gleicht der BMW mit mehr Variabilität in Gestalt einer optionalen dreigeteilt klappbaren Rücksitzlehne („Durchladesystem“ 200 Euro) aus.

Zusätzlich punktet der Münchner mit dem mustergültigen iDrive-System, das neben einer Motorölstandskontrolle blitzschnelle Zugriffe auf Telefon-, Navigation- oder Multimediafunktionen erlaubt. Demgegenüber findet der Hyundai i30 ein Smartphone mitunter erst nach mehreren Anläufen. Auch bei der Sicherheitsausstattung läuft der Deutsche dem Koreaner den Rang ab: So gibt es für ihn etwa optional einen Abstandswarner und -regler sowie einen Spurhalteassistenten.

Ein Notrufassistent ist sogar serienmäßig an Bord. Immerhin will Hyundai in der zweiten Jahreshälfte noch einen Spurhalteassistenten nachreichen. Eine hochwertige Verarbeitung, deren Bild nur von einem klarlackfreien Heckklappenrahmen getrübt wird, bietet der i30 dagegen jetzt schon. Damit schmilzt in diesem Kapitel der Abstand auf den BMW beträchtlich.

 

Diesel-Kompakte im Vergleichstest: FAHRKOMFORT

Die ab 490 Euro für den BMW 118d erhältlichen Sportsitze sind gut investiertes Geld, sorgen sie doch mit ihrer körpergerechten Konturierung für eine hohe Langstreckentauglichkeit und guten Seitenhalt, wenn es mal etwas dynamischer zugehen sollte. Obwohl ebenfalls bequem, können die vorderen i30-Sitzgelegenheiten diese Niveau hier nicht halten. Dafür warten sie mit einer Sitzbelüftung auf (Komfort-Paket, 1250 Euro ab Premium), was im Sommer nicht nur Hemdträger freuen dürfte.

Beachtlich ist der Federungskomfort, den der Hyundai trotz 17-Zoll-Räder mit Reifen im Format 225/45 R ,17 V bereitstellt. Auf Kanaldeckeln, Querkanten und Querfugen erweist sich seine gelungene Feder-Dämpfer-Abstimmung als wirkungsvoller Filter zwischen Fahrbahnunebenheiten und Passagieren. Auch unter Beladung ändert sich an dieser guten Performance kaum etwas – mit einer Ausnahme: Auf kurzen Bodenwellen braucht der Hyundai den an der Hinterachse zur Verfügung stehenden Federweg rasch auf und schlägt durch.

Diese Eigenschaft teilt er sich mit seinem bayerischen Kontrahenten, der auf optionalen 16-Zöllern mit Runflat-Bereifung in der Dimension 205/55 R 16 W zum Test antrat. Möglicherweise sind die Zuladungen – BMW: 459 kg; Hyundai: 503 kg – etwas optimistisch dimensioniert. Aber auch unbeladen bleibt der Europäer hinter dem Asiaten zurück. Dies zeigt sich etwa auf Querkanten, wo die Hinterachse trockene Stöße Richtung Insassen schickt.

 

MOTOR/GERTRIEBE

Der bekannte 1,6-Liter-Diesel des Hyundai ist im Rahmen des Facelifts auf 136 PS erstarkt, Euro-6-Norm konform und mit einem serienmäßigen Start-Stopp-System ausgerüstet. Neu ist ein optionales Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. BMW hat ebenfalls aufgestockt und dem 118d einen komplett neuen 2,0-Liter-Selbstzünder mit 150 PS spendiert, der mit der optionalen Achtstufen-Automatik gut harmoniert. Unabhängig von der Leistungsdifferenz in Höhe von 14 PS spricht der Bayer im Drehzahlkeller aber spontaner an als der Koreaner. Doch beide geben sich für Dieselverhältnisse recht drehfreudig und lassen auch hinsichtlich ihrer Laufruhe kaum Wünsche offen.

Das Automatik-Getriebe des BMW reagiert auf Änderungen der Gaspedalstellungen aber spürbar aufmerksamer als das des Hyundai, bei dem man mitunter manuell eingreifen möchte – einen S-Modus besitzt die Schaltbox des Koreaners nicht. Wie erwartet deklassiert der 1er den i30 bei den Fahrleistungen. An der Tankstelle herrscht dagegen fast Gleichstand: Mit einem Testverbrauch von 5,8 Litern pro 100 Kilometer ist der Münchner nur einen Hauch sparsamer als sein Rivale (5,9 Liter).

 

FAHRDYNAMIK

Auf dem Handlingkurs gibt sich der Hyundai zwar fahrsicher, aber auch träger als der BMW. Im Grenzbereich tendiert er bedächtig zum Untersteuern und setzt ebenso sanft zu leicht kontrollierbaren Lastwechselreaktionen an. Der Sport-Modus seiner serienmäßigen Flex Steer-Lenkung beschert dem Fahrer wegen der geringeren Servo-Unterstützung zwar mehr Gefühl fürs Auto, doch der grundsätzlich fahrdynamisch eher zurückhaltende Asiate ändert dadurch seinen Charakter nicht.

Da geht der BMW 1er deutlich agiler zu Werk, schlägt auf Fahrerlenkbefehl zackige Haken, bleibt an der Reifenhaftgrenze nahezu neutral und lässt sich mit etwas Geschick per Gasfuß zu einem unterhaltsamen leichten Übersteuern animieren. Top-Bremswerte von 34,8 Metern (warm) sorgen zusätzlich dafür, dass die „Freude am Fahren“ ungetrübt bleibt.

 

UMWELT/KOSTEN

Der 118d kostet im Grundpreis bereits über 6000 Euro mehr als der Hyundai i30 – da muss man „premium“ schon wirklich wollen und sich oben-drein auch noch mit einem vergleichsweise bescheidenen Garantieangebot abfinden. Auf die Technik gewährt BMW nur zwei Jahre, Hyundai dagegen fünf. Und bei der Mobilität bieten die Asiaten mit 15 Jahren einen dreimal so langen Schutz wie die Deutschen – Kapitelsieg führt den i30! Den Wertverlust konnten wir hier nicht bewerten, da es für den Hyundai mit Doppelkupplungsgetriebe laut DAT noch keine Berechnungen gibt.

 

FAZIT

Der knappe Punkteabstand zum Sieger dieses Duells, dem BMW 118d, zeigt, wie positiv sich der Fleiß der Koreaner auswirkt. In vielen Bereichen ist der Hyundai i30 dem BMW inzwischen nahezu ebenbürtig, in einigen Punkten, etwa dem Federungskomfort, sogar leicht überlegen. Schwächen zeigt der i30 noch in der Ausstattung, besonders bei den Fahrerassistenzsystemen.

Auf Abstandswarner oder Notrufassistent beispielsweise müssen Interessenten wohl noch bis zur nächsten Generation warten. Speziell im Motor/Getriebe- und im Fahrdynamik-Kapitel spielt der BMW als einziger Hecktriebler der Kompaktklasse seine Stärken aus. Der 118d ist ein überaus stimmiges, fahrspaßorientiertes Gesamtpaket, das allerdings auf der Kostenseite Nehmerqualitäten verlangt.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

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