Luxus-Hybride: Audi A8 gegen Mercedes S 400 Audi A8 hybrid | Mercedes S 400 hybrid

30.07.2012
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Drei Jahre nach Mercedes hat jetzt auch Audi eine Staatskarosse mit Hybridantrieb im Angebot

Kanzler müsste man sein. Oder zumindest Minister. Nicht wegen der bedeutenden politischen Entscheidungen, sondern einfach nur, um sich in einer von Deutschlands Luxuslimousinen durchs Land chauffieren zu lassen. Man hätte die Wahl – schließlich sind die Zeiten längst vorbei, in denen allein die S-Klasse den Vorzug der Staatsmänner bekam. Jetzt tummeln sich vor allem auch Audi A8 im Berliner Regierungsviertel. Und mit der neuesten Technik aus Ingolstadt würde man dort richtig was hermachen. Auch wenn die S-Klasse längst einen Hybrid-Schriftzug trägt, kann doch nur der neue Der neue Audi A8 hybrid im ersten Fahrbericht rein elektrisch fahren.

 

Karosserie

Geradezu majestätisch präsentieren sich die Innenräume der beiden Staatslimousinen – mit besten Materialien, perfekter Verarbeitung und luftigem Raumgefühl. So reisen also Könige. Allerdings darf das Gepäck im Audi nicht allzu fürstlich ausfallen: Ins Heck passen wegen der großen Batterie nur 335 Liter (Mercedes: 560 l). Wer den Ingolstädter als Hybrid bestellt, muss zudem auf einige Sicherheitsfeatures verzichten. Notlaufreifen, Abstandsradar samt Notbremsassistent sowie Kurvenlicht gibt es lediglich für die anderen A8-Modelle.

KarosserieMax. PunkteAudi A8 hybridMercedes S 400 hybrid
Raumangebot vorn1009494
Raumangebot hinten1009195
Übersichtlichkeit703840
Bedienung/ Funktion1008480
Kofferraumvolumen1002248
Variabilität10033
Zuladung/ Anhängelast801928
Sicherheit150121140
Qualität/ Verarbeitung200195193
Kapitelbewertung1000667721

 

Fahrkomfort

Wer hervorragenden Automobilkomfort genießen will, kommt an der Mercedes S-Klasse nicht vorbei. Zum einen erreicht kaum ein anderer Fahrersitz die Bequemlichkeit eines Wohnzimmersessels so wie das weich gepolsterte, aufpreispflichtige Edel-Exemplar von Mercedes. Zum anderen entkoppelt einen die serienmäßige Luftfederung völlig vom schlecht gepflasterten Straßenalltag. Auch wenn das Schweben hin und wieder mit sanftem Schaukeln einhergeht, gelangen selbst schroffe Wellen, harte Kanten oder tiefe Löcher nie bis in den Innenraum durch. Das Phänomen wird umso erstaunlicher, je mehr Zuladung in den Kofferraum der S-Klasse wandert. Mit voller Beladung von 541 Kilogramm (Audi: 421 kg) läuft das Dickschiff geradezu zur Höchstform auf. Auch die gleichfalls serienmäßige Luftfederung des Audi versteht es, die Insassen vor allen lästigen Straßenbelägen zu schützen. Aufgrund der 19-Zoll- Bereifung (Mercedes: 18 Zoll) und die grundsätzlich straffere Auslegung werden gelegentliche leichte Vibrationen über die Vorderachse in die Karosserie übertragen. Mit reichlich Ballast an Bord können längere Wellen zudem ein leichtes Nachsacken auf der Hinterachse erzeugen.

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Ebenso bequem und vielseitig einstellbar, aber mit anderem Charakter präsentieren sich die festeren Sitze im Audi. Das wird vor allem auf der gut ausgeformten Rückbank deutlich, in die man nicht so hineinsackt wie in die der S-Klasse. Ob man lieber weicher oder fest sitzt, bleibt letztlich Geschmackssache.

FahrkomfortMax. PunkteAudi A8 hybridMercedes S 400 hybrid
Sitzkomfort vorn150140140
Sitzkomfort hinten1009496
Ergonomie150124122
Innengeräusche505047
Geräuscheindruck1009595
Klimatisierung504846
Federung leer200182185
Federung beladen200180186
Kapitelbewertung1000913917

 

Motor und Getriebe

Auch wenn an beiden Kofferraumklappen ein Hybrid-Schriftzug prangt, steckt dahinter doch eine ganz unterschiedliche Antriebstechnik. Der Mercedes S 400 Hybrid gleicht mit seinem 3,5-Liter-V6 unter der Haube im Prinzip dem S 350 mit 306 PS. Allerdings leistet der Sauger hier ohne Direkteinspritzung nur 279 PS, wird dafür aber vom 20 PS starken E-Motor unterstützt. Der versteckt sich im Getriebegehäuse und dient gleichzeitig als lautloser Anlasser. Dass der Verbrenner in der S-Klasse zum Spritsparen ständig an- und ausgeschaltet wird, entgeht dem Fahrer so fast vollständig.

Audi setzt beim frontangetriebenen A8 Hybrid hingegen auf Downsizing und nutzt den aus dem VW-Regal bekannten Zweiliter-Turbobenziner (2.0 TFSI) mit Direkteinspritzung und 211 PS als Basis. Der läuft prinzipbedingt etwas rauer als der seidig weiche Sechszylinder der S-Klasse.

Die assistierende E-Maschine fällt im Ingolstädter dafür etwas imposanter aus, sie kann den Zweitonner mit 54 PS und 210 Nm Drehmoment sogar allein anschieben. Um bis zu maximal drei Kilometer oder 100 km/h schnell rein elektrisch fahren zu können, muss der EV-Knopf in der Mittelkonsole gedrückt werden, der Akku im Heck voll geladen sein und der Fahrer einen sehr sensiblen Gasfuß haben. Beendet man die lautlose Fahrt mit beherzterem Gasbefehl, muss man auf die Reaktion kurz warten. Der anschließende Schub setzt dann plötzlicher und vehementer ein als im insgesamt ausgeglicheneren Mercedes. Beim Beschleunigungsvermögen herrscht dennoch fast Gleichstand – beim Verbrauch hingegen nicht. Die S-Klasse verlangt auf der 100 km langen AUTO ZEITUNG-Normrunde mit 9,8 Litern fast zwei Liter mehr Super als der A8 (8,1 Liter).

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi A8 hybridMercedes S 400 hybrid
Beschleunigung150121119
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit1507990
Getriebeabstufung1008487
Kraftentfaltung503538
Laufkultur1007882
Verbrauch325228195
Reichweite251818
Kapitelbewertung1000643629

 

Fahrdynamik

Drei Meter Radstand und Gewichte von gut zwei Tonnen lassen keine Bestzeiten auf dem Handlingparcours erwarten. Dennoch beeindruckt vor allem der Audi mit einer agilen Fahrdynamik. Wer das Audi Drive Select auf dynamisch stellt, bekommt neben der strafferen Dämpferabstimmung auch prompt die sattere Rückmeldung in der Lenkung und kann so fast spielerisch schnelle Kurvengeschwindigkeiten erzielen. Beim Beschleunigen aus sehr engen Kehren heraus können die Vorderräder die Kraft für einen Fronttriebler recht gut auf die Straße bringen. Was stört, ist das etwas gefühllose, fast digitale Ansprechverhalten des Antriebs. Hier reagiert der Sechszylinder im Mercedes spontaner auf Gasbefehle. Durch die stärkere Seitenneigung verliert die S-Klasse in engen Kurven aber früher die Traktion auf dem entlasteten angetriebenen Hinterrad. Der Audi beeindruckt zusätzlich mit den bissigeren Bremsen.

FahrdynamikMax. PunkteAudi A8 hybridMercedes S 400 hybrid
Handling1506862
Slalom1005548
Lenkung1008682
Geradeauslauf504545
Bremsdosierung302220
Bremsweg kalt15010487
Bremsweg warm15010395
Traktion1004042
Fahrsicherheit150135132
Wendekreis2049
Kapitelbewertung1000662622

 

Umwelt und Kosten

Wer Luxusklasse fahren will, muss mit pompösen Kosten rechnen. Die dürften S-Klasse-Fahrer gewohnt sein. Erstaunlich, dass der qualitativ ebenbürtige Audi A8 hybrid rund 10 000 Euro günstiger ist. Die geringeren Kraftstoff- und Versicherungskosten sowie eine lückenlose AUTO ZEITUNG-Normausstattung zum Basispreis lassen den Audi auch dieses Kapitel gewinnen.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi A8 hybridMercedes S 400 hybrid
Bewerteter Preis6756655
Wertverlust5054
Ausstattung252513
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung502828
Werkstattkosten201411
Steuer1098
Versicherung402622
Kraftstoff553732
Emissionswerte259087
Kapitelbewertung1000300260

 

Fazit

Audi hat den Hybridantrieb in der Luxusklasse konsequenter umgesetzt als die Konkurrenz. Ein kleinerer Verbrenner sorgt für weniger Verbrauch, ein größerer E-Motor erlaubt rein elektrisches Fahren. Das Konzept funktioniert einwandfrei, auch wenn wir uns bei sportlicher Fahrweise ein besseres Ansprechverhalten gewünscht hätten. Der rundum mustergültige S-Hybrid wird Zweiter – weil sie fahrdynamisch nicht ganz mithalten kann und die schlechtere Kostenbilanz vorweist.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi A8 hybridMercedes S 400 hybrid
Summe500031853149
Platzierung12

Tags:
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