Horch 853 A Sport Cabriolet: Ausfahrt mit Hans-Joachim Stuck Familientradition

16.04.2012

Ausfahrt im Horch 853 A Sport-Cabriolet mit Hans-Joachim Stuck auf der ehemaligen Bergrennstrecke am Kesselberg

Seine Augen leuchten, die Begeisterung ist Hans-Joachim Stuck deutlich anzumerken. „So ein Auto fahren – das ist doch der Hammer. Diese Form, diese Eigenständigkeit. Und wie schön der Innenraum gemacht ist“, lächelt der Bayer, während er fast andächtig den in der Sonne vor einem Gasthaus geparkten Wagen betrachtet. Es ist ein Horch 853 A Sport-Cabriolet aus dem Fundus der Audi Tradition, das den 60-Jährigen so ins Schwärmen geraten lässt. Stuck ist eben nicht nur der erfolgreiche Rennfahrer, sondern erkennbar auch einfach ein Auto-Verrückter. Und das seit frühen Kindertagen: Im Alter von neun Jahren hatte ihn sein Vater zum ersten Mal hinter das Steuer gelassen – für erste Fahrversuche mit einem Kleinwagen auf dem elterlichen Grundstück. Es war die Initialzündung für eine Motorsportkarriere, die Hans-Joachim Stuck zwischen 1969 und 2011 Triumphe in den unterschiedlichsten Rennkategorien einbrachte – bis hin zum Titel eines Sportwagen-Weltmeisters.

DER LEGENDÄRE BERGKÖNIG
Der Vater, der den automobilen Fortbewegungswunsch seines Filius schon so früh förderte, war selbst ein Grand-Prix-Sieger: Hans Stuck gehörte in den 30er-Jahren mit Bernd Rosemeyer und Tazio Nuvolari zu den Stars im Werksteam der Auto Union. Hätte es 1934 schon eine Fahrerweltmeisterschaft gegeben, Stuck wäre der Titel nicht zu nehmen gewesen. In jenem Jahr gewann er allein drei Grand-Prix-Rennen – und siegte dazu bei Bergrennen.

Diese Motorsportart war damals ungeheuer populär – und Hans Stuck beim Einzelzeitfahren gegen die Uhr kaum zu schlagen. Das Publikum gab ihm bald den Beinamen „Bergkönig“. Und noch 1960 gewann er den Titel des Deutschen Bergmeisters. Sein Sohn Hans-Joachim Stuck erinnert sich genau, wie die viel jüngeren Konkurrenten nach dem Sieg des damals 60-jährigen Vorkriegsstars am Freiburger Schauinsland reagierten: „Ich durfte zum Rennen mitfahren und stand am Ziel. Als dann seine Bestzeit an die Ergebnistafel geschrieben wurde, rief einer der anderen Fahrer: ,Es ist doch zum Kotzen, dass wir den alten Knacker wieder nicht erwischt haben“, erzählt er lachend.

SIEGE AM KESSELBERG
Der Treffpunkt für die Ausfahrt mit dem bildschönen Horch ist nicht zufällig gewählt: Kochel am See war einst Startpunkt des Kesselberg-Rennens. Mehrfach hatte Hans Stuck hier gesiegt – und auch die letzte Auflage im Jahr 1935 gewonnen. Der Bergkönig hält so noch heute den offiziellen Streckenrekord, aufgestellt im Auto Union Grand-Prix-Boliden. Für die Zeitreise am Kesselberg hat Hans-Joachim Stuck ein paar Erinnerungsstücke mitgebracht: Er setzt sich die Staubkappe aus Leder auf, rückt die Fahrerbrille zurecht und streift die Handschuhe über – alles originale Ausrüstungsstücke seines 1978 verstorbenen Vaters. Und auch der Horch 853 A hat natürlich etwas mit Stuck senior zu tun: Die Werksrennfahrer der Auto Union durften die Top-Modelle der Zwickauer Luxusmarke als Dienstwagen pilotieren.

Hans-Joachim Stuck nimmt hinter dem Volant des Cabriolets Platz und startet den Motor, der mit einem sonoren Brummen die Arbeit aufnimmt. Der Reihenachtzylinder, Baujahr 1938, verfügt über fünf Liter Hubraum und leistet 120 PS – genug, um das 2630 Kilogramm schwere Auto bis auf eine Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h zu beschleunigen. Doch auf der Bergstrecke, wo vor Jahrzehnten Piloten um Sekundenbruchteile kämpften, lässt es der frühere Formel-1-Fahrer jetzt sehr gemächlich angehen. Für das Ausloten des Grenzbereichs fühlen sich dagegen offenbar heute zahlreiche Motorradfahrer zuständig, die die kurvenreiche Piste in teils beängstigender Schräglage absolvieren. Es ist gut, den kostbaren Oldtimer bei dichter werdendem Touristenverkehr in den geübten Händen des Profis zu wissen. Trotzdem ist es jetzt Zeit für einen kurzen Zwischenstopp – und erste Fahreindrücke: „Ich bin eingestiegen und war sofort stressfrei“, erzählt Stuck grinsend über die entspannende Wirkung einer sonnigen Fahrt im Horch Cabriolet.

BEEINDRUCKENDE BILANZ
Der Rennfahrer in Hans-Joachim Stuck hat heute Pause. Doch eigentlich gibt es den Rennprofi Stuck gar nicht mehr, denn nach der Zieldurchfahrt des 24-Stunden-Rennens auf dem Nürburgring im Juni 2011 hat der Mann, den alle Welt nur Striezel nennt, seine Motorsportkarriere offiziell für beendet erklärt. „Und bis jetzt habe ich es in keiner Beziehung bereut“, sagt er. „Im Gegenteil. Man muss auch dankbar sein und positiv zurückblicken.“ Und dafür hat er reichlich Grund, denn seine Rennerfolge füllen ganze Bücher. Stuck war Deutscher Rennsport Meister, siegte bei Formel-2-Rennen und holte in der Formel 1 Podiumsplätze. Er wurde DTM-Champion, gewann die Sportwagen-WM und triumphierte bei fast allen wichtigen Langstreckenrennen – ob auf dem Nürburgring, in Spa-Francorchamps, Le Mans oder Sebring. Eine wahrlich beeindruckende Bilanz. „Was mir fehlt, ist ein Grand-Prix-Sieg in der Formel 1“, sagt Stuck. Schon mit 23 Jahren war er in die Königsklasse aufgestiegen, doch nur selten hatte er wirklich konkurrenzfähiges Material. In Watkins Glen führte er 1977, doch ein gerissenes Kupplungsseil machte ihm einen Strich durch die Rechnung. „Brabham-Teamchef Bernie Ecclestone hatte mir vor dem Start gesagt: ‚Gewinn das Rennen – und du fährst die nächsten Jahre für mich “, erinnert sich Hans-Joachim Stuck. „Aber ich sage: no regrets.“

Behutsam steuert Stuck den Horch wieder bergab Richtung Kochel. Die Begeisterung für dieses imposante Auto ist eher noch gestiegen: „Am liebsten würde ich jetzt zwei Stunden weiterfahren“, meint er beim Abstellen des Wagens. „Einfach nur fahren – und genießen.“

DIE NÄCHSTE GENERATION
Bleibt noch die Frage nach dem wichtigsten Triumph seiner langen Karriere. „Immer der letzte“, sagt er spontan. Und der wirklich letzte Erfolg, das war Rang 15 beim Abschiedsrennen in der Eifel – gemeinsam mit seinen Söhnen Johannes und Ferdinand. Für Hans-Joachim Stuck war dieser Familien-Auftritt die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches. „Es war sehr emotional“, erzählt er. „In der letzten Runde habe ich Rotz und Wasser im Auto geheult.“ Ob Tränen beim Abschied oder unbändiger Siegesjubel – Stuck ist immer authentisch. Auch das hat ihn zu einem Publikumsliebling gemacht.

Die dritte Generation Stuck feiert bereits seit ein paar Jahren Erfolge auf der Rennstrecke. 2011 konnten sich die Brüder Johannes und Ferdinand gemeinsam in ihrem Lamborghini den Titel des Deutschen GT-Meisters sichern. „So eine Familientradition fortzusetzen, das ist schon etwas Tolles“, meint der sichtlich stolze Vater. Und den alten Bergkönig Stuck hätte das auch gefreut – da ist er sich ganz sicher.
Dieter Serowy

AUTO ZEITUNG

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