Honda Civic CRX 1.5i: Testfahrt & Kaufberatung Der XS-Sportler aus Japan

von Gerrit Reichel 04.10.2017

Auf dem Kopf trug Mann in den Achtzigern Vokuhila. Der Honda CRX hingegen ist vorne kurz und hinten erst recht. Eindrücke von einem extremen Coupé aus Japan. Fahrbericht und Kaufberatung

Mit einer ziemlich vollmundigen Überschrift präsentierte Honda 1984 ein neues Spaßmobil: „Alles für den Sport“, stand in großen Lettern auf dem Verkaufsprospekt. Mancher war da spontan verwirrt, zumindest im ersten Moment. Denn gemeint war ein Modell der bis dahin kreuzbraven Baureihe Civic, die ihren bürgerlichen Charakter schon im Namen trug. Bis 1983 war der Civic alles andere als ein aufregendes oder gar sportliches Auto: Das Scheinwerferdesign der zweiten Generation erinnerte mit seiner barocken
Chromeinfassung ein bisschen an den alten Hundeknochen-Ford. Und auch technisch konnten die Japaner mit dem Civic in der unteren Kompaktklasse nichts mehr reißen. Die Konkurrenz von VW (Golf), Opel (Kadett) oder auch Mazda (323) war übermächtig und viel moderner. Hätte man nur die Überschrift gehabt, wäre der Slogan „Alles für den Sport“ für einen Civic also so glaubwürdig gewesen wie die Meldung, aus einem Tamagotchi einen Samurai gezüchtet zu haben.

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Rekord-Civic ab 36.050 Euro

 

Honda Civic als CRX mit 100 PS für 825 Kilogramm

Doch die dritte Civic-Generation leitete bei Honda eine neue Ära ein. Schon die dreitürige Basisausführung kam ungewohnt knackig daher und verblüffte plötzlich mit einem ultraschicken steil abfallenden Glasheck. Daneben gab es einen Verwandlungskünstler namens Shuttle, der zwischen Limousine und Kombi rangierte und bei Bedarf das Fassungsvermögen eines Kleintransporters offerierte. Ihn konnte man sogar mit Allradantrieb ordern. Das Coupé CRX aber schlug dem Fass den Boden aus: Mit glatten 100 PS für 825 Kilogramm und gegenüber dem Basis-Dreitürer noch einmal um 18 Zentimeter reduziertem Radstand wirkte der 3,67 Meter kurze Wagen wie ein Knalleffekt auf Rädern. Der Chrom war verschwunden, stattdessen zierten Kunststoffplanken mit aufreizenden roten Zierstreifen die Türen. Frontmaske bestanden aus dem neuentwickelten leichten Plastik Honda Polymer Alloy (HPA). Obendrein schmückte den CRX eine umfangreiche Serienausstattung, zu der ein elektrisch betätigtes Schiebedach gehörte, das sich beim Öffnen auf der Außenhaut nach hinten schob, sowie in Deutschland das Blaupunkt-Radio Hamburg SQM 23. Im Innenraum erfreuten gut konturierte Sportsitze Fahrer und Beifahrer. Falls deren Gepäck doch mal größer ausfallen sollte als der Kofferraum, so versprach der Prospekt, bräuchte man einfach nur die Rücksitzlehne vorzuklappen für ein doppeltes Stauvolumen. Das war allerdings eine elegante Umschreibung dafür, dass die Rücksitze zum Transport ausgewachsener Menschen absolut ungeeignet waren.

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Testfahrt CRX: 8-Bit-Computer errechnet die Spritmenge 

Was Honda dem CRX alles für den Sport mitgegeben hatte, offenbarte sich unter der Motorhaube: Der nur 1,5 Liter große Aluminium-Querstrom-Vierzylinder verfügte über zwei Einlassventile pro Brennraum. Der Kraftstoff wurde mit Hilfe einer programmierten Anlage eingespritzt, für die ein 8-Bit-Computer die jeweils wirtschaftlichste Menge bei optimaler Leistung errechnete. Die Technik kam angeblich aus der Formel 1. Mehr als 30 Jahre später sind die kleinen Renner beinahe wieder ausgestorben. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg zählte 2013 nur noch 60 zugelassene Honda CRX 1.5i. Das 85er Coupé von Hubert Thies aus Südlohn steht immer noch blendend da. Der Lack in Victoria Rot – daneben gab es noch Baltic Blau und Greek Weiß – glänzt in der Sonne, während die Handling-Teststrecke der AUTO ZEITUNG für den Oldie geräumt wird. Wo gerade noch zehn neue Diesel-SUV mit Leergewichten von 1700 Kilo und mehr um die Ecken rutschten, darf jetzt der CRX noch einmal zeigen, wie sich sein gutes Leistungsgewicht von 8,25 Kilo pro PS anfühlt. Kaum hat der Motor im zweiten Gang 5000 Touren überschritten, steht die erste Kurve an. Ansatzlos lenkt der Honda ein. Wow. Beim Lastwechsel am nächsten Kurveneingang kommt das Heck. Die schmalen 175er Reifen sind am Limit, die Starrachse ist es auch. Kein Drama, eher ein willkommenes Mitlenken. Einfach früh aufs Gas und zügig aus der Kurve. Der CRX zieht unbeirrt nach vorn. Ein Riesenspaß. Und der kleine Vierzylinder jubelt, als wolle er noch einmal ein Lanze brechen für den lustvollen Leistungszuwachs allein durch Drehzahl. Doch es ist vorbei. Unwiederbringlich. Das Topmodell der kommenden Generation, der Type R, wird 2015 dank Direkteinspritzung und Turbolader mit mindestens 280 PS vorfahren und statt zierlicher 13-Zoll-Felgen Räder in 18 Zoll oder mehr besitzen. Immerhin: Der Frontantrieb wird bleiben. Und der glorreiche Name – CRX.

Honda Civic Coupe CRX 1.5i (Bj.: 1983-85): Technische Daten und Fakten
Antrieb
R4-Zylinder; vorn quer eingebaut; 3-Ventiler; obenliegende Nockenwelle, Zahnriemenantrieb; Gemischbildung: elektronische, programmierte Benzineinspritzung; Bohrung x Hub: 74,0 x 86,5 mm; Hubraum: 1488 cm3; Verdichtung: 8,7:1; Leistung: 74 kW/100 PS bei 5750/min; maximales Drehmoment: 130 Nm bei 4500/min; Fünfgang-Getriebe; Mittelschaltung; Vorderradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Stahlkarosserie mit Kunststoffteilen, zwei Türen und Heckklappe; Radaufhängung vorn: Querlenker, Dämpferbeine, Drehstabfedern, Stabilisator; hinten: Starrachse an Längslenkern, Panhardstab, Dämpfer, Schraubenfedern, Stabilisator; Zahnstangenlenkung; Bremsen: v./h. innenbel. Scheiben/Trommeln; Reifen: 175/70 HR 13; Stahlräder: 5 x 13
Eckdaten
L/B/H: 3675/1625/1290 mm; Radstand: 2200 mm; Spurweite v./h.: 1400/1415 mm; Leer-/Gesamtgewicht: 825/1220 kg; Tankinhalt: 41 l; Bauzeit: 1983 bis 1985; Stückzahl: 7669; Preis (1984): 19.490 Mark
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 8,9 s; Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h; Verbrauch: 7,5 l/100 km

1Werksangaben



MARKTLAGE

Zustand 2:  4200 Euro
Zustand 3:  2800 Euro
Zustand 4:  1400 Euro
Wertentwicklung: leicht fallend
Definition der Zustandsnoten

von Gerrit Reichel von Gerrit Reichel
Unser Fazit

Mit der dritten Generation erfand Honda den Civic vollständig neu. Und der CRX war das Tüpfelchen auf dem i: Konsequent sportlich, innovativ, sparsam und, was damals keine Selbstverständlichkeit war, haltbar. Die Karosserie ist drei Zentimeter kürzer als die des Golf I GTI, der Radstand beträgt immerhin 20 Zentimeter weniger. Das nennt man Coupé, das sorgt für Handlichkeit! In Verbindung mit dem geringen Gewicht und dem spritzigen Motor ist der CRX eine Wucht. Hinzu kommt das dynamische Design. Da bleibt das gute Gefühl, in seltenen Sportwagen zum Spottpreis zu fahren

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