Honda Insight, Toyota Prius und VW Golf im Vergleichstest Honda Insight, Toyota Prius und VW Golf

12.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Honda Insight, Toyota Prius und VW Golf zeigen mit unterschiedlichen Antriebskonzepten, wie die Entwicklung in der Kompaktklasse aussehen könnte. Ist der Hybridantrieb der Japaner das beste Rezept zum Fahren und Sparen?

Es soll ja in Deutschland immer noch ein paar Autojournalisten geben, die nicht ohne – imaginäre – Knoblauchzehe und Silberkugel in Hybridautos steigen. Dabei zeigten schon die ersten beiden Prius-Generationen sowie die Honda-Hybriden Insight und Civic, dass die Kraft der zwei Motoren auch in der preissensiblen Kompaktklasse funktioniert. Großer Markterfolg war den japanischen Vorreitern auf dem deutschen Markt damit freilich nicht beschieden. So sind von den bisher gebauten 1,2 Millionen Prius nur ein Zehntel auf europäischen Straßen unterwegs.

Das soll mit dem neuen Toyota Prius anders werden. Mit mehr Hubraum, stärkerem und leistungsfähigerem Hybridsystem, verbesserter Lenkung und komfortablerem Fahrwerk will er jetzt mehr europäische Kompakt-Käufer zu Hybrid-Anhängern bekehren.

Der Honda Insight nutzt die IMA (Integrated Motor Assist) des Civic Hybrid. Allerdings kann er, anders als der Prius, nicht rein elektrisch anfahren. Erst in Fahrt und bei nur milder Beschleunigung kann der 14-PS-Elektromotor den Insight ohne Unterstützung fortbewegen. Verglichen mit den beiden Hybrid-Kompakten aus Japan kommt der VW Golf 1.4 TSI etwas konventionell daher.

Der Klassenprimus aus Wolfsburg setzt auf Downsizing. Ein kleiner Vierzylinder sorgt mittels Benzin-Direkteinspritzung und Turboaufladung für richtig Dampf bei bescheidenem Normverbrauch. Beim Sparen hilft auch das weit gespreizte Siebengang- Doppelkupplungsgetriebe. Wie gut sich der Golf damit gegen die Hightech-Kompakten von Honda und Toyota behaupten kann, zeigt dieser Vergleichstest.

 

Karosserie

Die konventionelle Auslegung des Golf hat durchaus ihre Vorteile. Zum Beispiel das in dieser Klasse mustergültige Raumangebot vorn und hinten. Weder im Honda noch im Toyota sitzen die maximal fünf Insassen so luftig, genießen einen ähnlich großen Einstellbereich der vorderen Sitzmöbel oder haben eine so gute Übersicht.

Im Prius etwa engt die ausladende und sehr hohe Mittelkonsole Raumangebot und -gefühl sehr stark ein. Dass sich unter der Konsole eine schlecht erreichbare Ablage befindet, ist da nur ein schwacher Trost. Dagegen geizt der Insight mit Bewegungsfreiheit auf den hinteren Plätzen. Immerhin haben die beiden Japaner mit den markanten Kamm-Hecks die größeren Kofferräume zu bieten, büßen aber Punkte ein, weil sie nicht anhängertauglich sind. Das mag vielen Interessenten gleichgültig sein.

Ob sie freilich bereit sind, über billige Plastiklandschaften im Cockpit, die wenig hochwertige Qualitätsanmutung und die teilweise wirre Bedienung hinwegzusehen, muss sich zeigen. Vor allem der Toyota enttäuschte im Test mit blechernem Türklang und diversen Klapperquellen auf schlechten Fahrbahnen.

Zudem nerven beide Hybrid-Mobile mit absichtlich eingebautem Unfug: Der Prius stößt beim Rückwärtsfahren ein nervtötendes, lautes Piepsgeräusch aus, und zwar im Innenraum. Was soll das? Der Honda missfällt mit undurchsichtiger Funktion der Start-Stopp-Automatik.

So weigert diese sich etwa bei Stopps den Motor auszuschalten, wenn der Gebläse-Luftstrom auf die Frontscheibe gerichtet ist.

KarosserieMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIHonda InsightToyota Prius
Raumangebot vorn100706258
Raumangebot hinten100574850
Übersichtlichkeit70383434
Bedienung/ Funktion100907876
Kofferraumvolumen100303344
Variabilität100302535
Zuladung/ Anhängelast80392322
Sicherheit150927088
Qualität/ Verarbeitung200185168165
Kapitelbewertung1000631541572

 

Fahrkomfort

Besonders im Federungskomfort soll der neue Prius laut Toyota Fortschritte gemacht haben. Gut so, denn das etwas ruppige Federungsverhalten und das hölzerne Abrollen des alten Prius passten nicht so recht zum sanften elektrischen Gleiten bei niedriger Geschwindigkeit.

Die Fortschritte auf diesem Gebiet sind deutlich, auch wenn immer noch ein gebührender Respektabstand zum VW Golf besteht. Der Wolfsburger hat das harmonischere Fahrwerk, das grobe Unebenheiten und Querfugen sensibler verarbeitet. Am widerspenstigsten gibt sich der Honda, dessen Federungselemente unwillig ansprechen und der auch nicht mit Fahrwerkspoltern spart.

Seinen deutlichen Kapitelsieg zementiert der Golf mit den besten Sitzen in diesem Vergleich. Sie sind ausreichend groß, angenehm straff und bieten besten Halt. Allerdings gibt es die guten Sitze nicht umsonst. Sie gehören zusammen mit den 17- Zöllern und weiterem Kleinkram wie Reifendruckkontrolle und abgedunkelte Scheiben zum 1150 Euro teuren Sportpaket „Seattle“.

FahrkomfortMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIHonda InsightToyota Prius
Sitzkomfort vorn150130109112
Sitzkomfort hinten100706062
Ergonomie150132112115
Innengeräusche50393335
Geräuscheindruck100696165
Klimatisierung50333131
Federung leer200134118128
Federung beladen200133112125
Kapitelbewertung1000740636673

 

Motor und Getriebe

Wie viel verbrauchen sie denn nun wirklich? Der Prius der dritten Generation zieht sich sehr ordentlich aus der Affäre. Mit 5,4 Liter Super auf der AUTO ZEITUNG-Verbrauchsrunde liegt er zwar 1,5 Liter über dem Normverbrauch von 3,9 Litern, jedoch einen halben Liter unter dem des Prius II mit 1,5-Liter-Vierzylinder. Damit unterbietet das mit 136 PS stärkste Aggregat nicht nur seine beiden Konkurrenten in diesem Test deutlich, der Prius bietet zudem das höchste Einsparpotenzial. Mit vorsichtigem Gasfuß und abseits von Autobahnen sind Werte um vier Liter problemlos erreichbar.

Der Honda Insight kann das nicht ganz so gut. Er genehmigte sich außerdem mit 6,3 Liter Super 1,2 Liter mehr als ein zuvor getesteter Insight, was zeigt, dass der Honda- Verbrauch extrem von den Verkehrsverhältnissen abhängt. Viel Verkehr und häufiges Anhalten belohnt der Honda-Hybrid mit sehr niedrigen Verbrauchswerten, beim schnelleren Fahren neigt der vergleichsweise kleine Vierzylinder dagegen zum Saufen. Beim VW ist das Sparpotenzial nicht ganz so groß. Selbst bei sparsamster Fahrweise kommt man nicht unter sechs Liter, genau 7,0 waren es auf der Standard-Verbrauchsrunde.

Perfekt funktioniert beim Toyota das komplexe Zusammenspiel von Benziner, Elektromotor und stufenlosem Getriebe, weshalb der Prius das Motorenkapitel auch knapp vor dem VW gewinnt. Dem Honda täte ein etwas größerer und drehmomentstärkerer Benziner gut.


HONDA INSIGHT TOYOTA PRIUS VW GOLF 1.4 TSI
Leistung Benziner 65 kW/88 PS bei 5800 /min 73 kW/99 PS bei 5200 /min 90 kW/122 PS bei 5000 /min
Leistung E-Motor 10 kW/14 PS bei 1500 /min 60 kW/82 PS  -
Leistung Hybrid-System 72 kW/98 PS bei 5800 /min 100 kW/136 PS  -
Max. Drehmoment Benzin  121 Nm bei 4500 /min 142 Nm bei 4000 /min 200 Nm bei 1500–4000 /min
Max. Drehmoment E-Motor  92 Nm bei 0 – 500 /min 207 Nm  -
Max. Drehm. Hybrid-System 167 Nm bei 1000 /min  k. A. -

Motor und GetriebeMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIHonda InsightToyota Prius
Beschleunigung1501038693
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150534085
Getriebeabstufung1008272
Kraftentfaltung50352633
Laufkultur100705968
Verbrauch325249262279
Reichweite25151116
Kapitelbewertung1000607556574

 

Fahrdynamik

Der VW Golf, ausgerüstet mit optionalen 17-Zöllern und dem dreistufigen, adaptiven Dämpfer-System DCC (945 Euro) spielt auf dem Handlingkurs seine Trümpfe aus. Fahrsicher, auch bei abgeschaltetem ESP, umrundet er den Kurs. Im Slalom können ihm beide Japaner ebenfalls nicht folgen.

Als „Executive“ rollt auch der Toyota Prius auf breiten 17-Zöllern, sein nicht deaktivierbares VSC (ESP)
bremst ihn aber spürbar früh ein. Zudem können die etwas gefühllose Lenkung und auch die schwer dosierbare Bremse nicht überzeugen. Trotzdem vermittelt er satten Fahrbahnkontakt.

Das Fahrwerk des Honda Insight lässt eine große Karosserieneigung in engen Kurven zu, die vergleichsweise schmale 185er Bereifung ermöglicht nur geringe Kurvengeschwindigkeiten. Bei abgeschaltetem VSA (ESP) muss sich der Fahrer zudem auf kräftige Lastwechselreaktionen an der Hinterachse gefasst machen.

Im krassen Gegensatz dazu steht die hervorragende Bremsleistung des Honda. Hier büßt der Toyota wertvolle Punkte ein.

FahrdynamikMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIHonda InsightToyota Prius
Handling150653843
Slalom100542337
Lenkung100826865
Geradeauslauf50383538
Bremsdosierung30201813
Bremsweg kalt150799075
Bremsweg warm150888769
Traktion100424045
Fahrsicherheit150130118130
Wendekreis2015149
Kapitelbewertung1000613531524

 

Umwelt und Kosten

Der Honda Insight bietet vereinfachte Hybrid-Technik und Ausstattung schon ab 19 550 Euro. Sein niedriger Grundpreis erzeugt auch den faktisch geringsten Wertverlust nach vier Jahren Laufzeit. Rein prozentual (53,7 Prozent) gesehen liegt hier der Prius von Toyota vorn. Für den technisch aufwendigeren und ansprechend ausgestatteten Prius sind allerdings mindestens 24 950 Euro fällig.

Der VW Golf TSI (Basis: 20 900 Euro) ist inklusive Doppelkupplungsgetriebe und vier Türen nur rund 1500 Euro günstiger als der Toyota. Stichwort Kfz-Steuer: Honda und Toyota liegen deutlich unter 120 g CO2/km und werden nur entsprechend ihrer Hubraumgröße besteuert, allzu viele Zähler bringt das jedoch nicht.

Der Golf punktet bei den Garantien: Nur der VW bietet eine unbegrenzte Mobilitätsgarantie. Honda und Toyota setzen dagegen jeweils auf eine dreijährige Gesamtfahrzeuggarantie. Weiterhin bietet Toyota auf alle Hybrid-Komponenten eine fünfjährige Garantie.

Kosten/UmweltMax. PunkteVW Golf 1.4 TSIHonda InsightToyota Prius
Bewerteter Preis67518263218
Wertverlust50242824
Ausstattung251020
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50272525
Werkstattkosten20161616
Steuer1091010
Versicherung40353534
Kraftstoff55404245
Emissionswerte2522994
Kapitelbewertung1000398523392

 

Fazit

Der VW Golf gewinnt diesen Vergleich deutlich. Alles klar also in Wolfsburg? Nicht ganz, denn die Qualitäten des neuen Toyota Prius zeigen, welche Möglichkeiten in der Hybrid- Technik stecken. Minimalverbräuche um vier Liter, sehr gute Laufkultur und hohe gesellschaftliche Akzeptanz stehen auf der Habenseite. Dem Honda Insight mangelt es im Vergleich zum Prius vor allem an Kultiviertheit und Leistung, positiv ist seine Kostenbilanz. Der Volkswagen punktet mit Ausgewogenheit, Dynamik und feiner Qualität – Sekundärtugenden, mag so mancher im Zuge der Klimadiskussion sagen. In Verbrauch und CO2-Ausstoß hat er jedenfalls das Nachsehen. Selbst wenn keiner genau weiß, wie Autos in Zukunft angetrieben werden, Hybride werden dazu gehören. Auch in der Kompaktklasse.

Gesamtbewertung

Max. PunkteVW Golf 1.4 TSIHonda InsightToyota Prius
Summe5000298927872735
Platzierung123

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