Honda Civic Tourer vs. Hyundai i30 & Skoda Octavia: Kombi-Vergleich Geräumig, günstig, gut?

14.05.2014
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GETRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT
  7. Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Nach anderthalb Jahrzehnten bietet Honda wieder einen Kompakt-Kombi an. Gegen Hyundai i30 und Skoda Octavia muss der Honda Civic Tourer seine Qualitäten unter Beweis stellen. Vergleich

Ein Honda Civic als Kombi? Moment, da war doch mal was. Richtig: Ende des vergangenen Jahrhunderts boten die Japaner die sechste Generation ihres Kompaktmodells auch in einer Kombi-Version an. Dem Civic Aerodeck war allerdings kein nachhaltiger Erfolg beschieden. Nach nur rund zweijähriger Bauzeit wurde die Produktion im Jahr 2000 bereits wieder eingestellt. Erst jetzt, 14 Jahre und drei Modellgenerationen später, kehrt Honda in das Segment der Kompakt-Kombis zurück.

Ob die Erfolgsaussichten dieses Mal besser stehen, klärt ein Test des Basis-Diesels gegen Hyundai i30 und Skoda Octavia Combi.

 

KAROSSERIE

Der Honda Civic punktet mit seinem durchdachten Laderaum-Konzept

Wie ernsthaft sich die Honda-Ingenieure mit dem Wiedereinstieg in die Welt der kompakten Lademeister auseinandergesetzt haben, offenbart ein Blick in das Gepäckabteil des Civic Tourer. Dieses bietet mit 624 bis 1668 Litern nicht nur erfreulich viel Stauvolumen, sondern  überzeugt  zudem  mit  zahlreichen durchdachten Details. Da ist beispielsweise die exakt zugeschnittene Verstaumöglichkeit für die Gepäckraumabdeckung in einem Fach im Ladeboden zu nennen. Bemerkenswert auch die Größe des Staufachs unter dem doppelten Boden, in das problemlos zwei Handgepäckkoffer passen. Positiv zu vermerken sind zudem die serienmäßig hochklappbaren Sitzflächen der Rückbank („Magic Seats“), wodurch sich zusätzlicher Stauraum hinter den Vordersitzen gewinnen lässt.

Der Skoda Octavia (610 bis 1740 Liter) hält in puncto pfiffiger Ideen dank Fernentriegelung der Rücksitzlehne und der umklappbaren Beifahrersitzlehne (je 80 Euro, ab Ambition) zumindest teilweise dagegen. Der Hyundai i30 bietet hingegen ein eher konventionelles Gepäckabteil, das mit 528 bis 1642 Litern zudem das kleinste in diesem Vergleich ist, aber durchaus klassenübliche Standards erfüllt.

Beim Raumangebot für die Passagiere fällt wiederum der Honda hinter seine Kontrahenten zurück. Denn um Details wie den tiefen, doppelten Ladeboden oder die hochklappbaren Rücksitze realisieren zu können, musste der im Fahrzeugboden integrierte Tank aus dem Heckbereich weiter nach vorn wandern. Das hat recht hoch montierte Vordersitze zur Folge, was die Kopffreiheit einschränkt. Das stark auf den Fahrer zugeschnittene Cockpit inklusive einer breiten, mit Bedienelementen belegten Armlehne in der Tür schränkt den Bewegungsspielraum weiter ein. Auch in der zweiten Reihe ist der Platz in alle Richtungen recht begrenzt.

Ganz anders Hyundai und Skoda, die in beiden Sitzreihen mit üppigem Platzangebot glänzen. Der Tscheche hat hier knapp die Nase vorn, weil seine Fondpassagiere etwas mehr Beinfreiheit genießen dürfen. Zu den weiteren Vorzügen des Octavia zählen die hohe Qualitätsanmutung, die einfache Bedienbarkeit, die dank großer Fensterflächen und schnörkellosem Design sehr gute Übersicht sowie die umfangreiche Sicherheitsausstattung.

Auch der Hyundai i30 präsentiert sich sauber verarbeitet und lässt sich gut bedienen, ist allerdings nicht ganz so übersichtlich. Vor allem aber kann er bei den Sicherheitssystemen und -technologien nicht mithalten. Eine Reifendrucküberwachung ist für ihn beispielsweise ebenso wenig erhältlich wie Verkehrszeichenerkennung, Fernlichtassistent oder Abstandsregeltempomat.

Der Honda Civic zeigt sich da schon sehr viel eher auf der Höhe der Zeit. Als einziger der drei Probanden lässt er sich zum Beispiel mit einem Spurwechsel- und einem Notbremsassistenten ausrüsten. Voraussetzung für die allermeisten dieser Optionen ist allerdings eine der drei höheren von insgesamt fünf Ausstattungslinien. Für den Abstandsregeltempomaten, mit dem i30 und Octavia ebenfalls nicht aufwarten können, muss es sogar die Topversion Executive sein, die bereits mit 8525 Euro zu Buche schlägt.

Honda Civic Tourer 1.6 i-DTEC Hyundai i30 Kombi blue 1.6 CRDi Skoda Octavia Combi 1.6 TDI Green tec
120 PS 128 PS 105 PS
0-100 km/h in 10,2 s 0-100 km/h in 10,2 s 0-100 km/h in 11,5 s
Vorderradantrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Spitze 195 km/h Spitze 193 km/h Spitze 191 km/h
Grundpreis: 21.550 Euro Grundpreis: 23.260 Euro Grundpreis: 20.990 Euro

 

FAHRKOMFORT

Hyundai und Skoda schnüren geradezu Rundum-Wohlfühlpakete

Der Honda Civic Tourer tritt zu diesem Test mit dem adaptiven Dämpfersystem ADS (850 Euro, ab Sport), was allerdings nur die Hinterachse einschließt. Einen spürbaren Komfortgewinn bringt es nicht. Der Japaner gibt Stöße recht trocken weiter, und auf langen Wellen gerät der Aufbau deutlich in Bewegung. Mit zunehmender Beladung liegt der Civic Tourer satter und absorbiert  Fahrbahnunebenheiten etwas souveräner.

Insgesamt wirkt das Federungsverhalten aber unausgewogen. Wie es besser geht, zeigt der Skoda Octavia. Der eher straff abgestimmte Tscheche spricht recht sensibel an, lässt dabei aber selten Zweifel an der Straßenbeschaffenheit ankommen. Was an Impulsen in den Innenraum durchdringt, wird jedoch zuverlässig von den gut gepolsterten Sitzen abgefedert.

Den Federungskomfort des Hyundai erreicht allerdings auch der Skoda nicht, zumindest im unbeladenen Zustand. Der im Gegensatz zu seinen Kontrahenten auf kleineren 16-Zoll-Reifen mit  größerem Querschnitt rollende i30 lässt sich praktisch durch nichts aus der Ruhe bringen. Die Fahrgastzelle ist bestens vom Chassis entkoppelt, Stöße dringen so gut wie überhaupt nicht durch. Im Gegensatz zu den anderen beiden wird die Qualität des Federungsverhaltens mit steigendem Gewicht nicht besser, sondern lässt eher nach. Bei voller Zuladung erweist sich das Zusammenspiel zwischen Vorder- und Hinterachse als nicht mehr ganz so harmonisch.

Abgesehen von der Federung verliert der Honda Civic Tourer auch in allen anderen Bewertungskritieren des Komfort-Kapitels Boden auf seine beiden Rivalen – sei es bei der Ergonomie, den zu wenig Halt und Unterstützung bietenden Sitzen oder beim höheren Geräuschniveau.

 

MOTOR/GETRIEBE

Kraftvoll, sparsam, kultiviert – der Honda-Diesel überzeugt

Bei der Bewertung der Antriebseinheit kann der Civic Tourer seinen ersten und einzigen Kapitelsieg feiern – und das sogar verhältnismäßig deutlich. Der 1.6 i-DTEC ermöglicht mit seinen 120 PS gute Fahrleistungen, kombiniert mit dem niedrigsten Verbrauch (5,5 l). Abgesehen von einer kleinen Anfahrschwäche glänzt der Vierzylinder mit einer hohen Laufkultur und einer gleichmäßigen  Kraftenfaltung. Dazu passt die Abstimmung des knackig zu schaltenden Sechsgang-Getriebes.

Der Hyundai i30 Kombi 1.6 CRDi befindet sich bei den Fahrleistungen absolut auf Augenhöhe mit dem Honda. Obwohl mit 128 PS der stärkste im Bunde, wirkt der rau arbeitende Korea-Diesel dennoch eher schlapp und verbraucht zudem am meisten.

Dem Skoda Octavia Combi 1.6 TDI mangelt es mit 105 PS im direkten Vergleich schlichtweg an Leistung. Einzig bei der Elastizitätsmessung weist er die Konkurrenten in die Schranken – aber auch nur, weil er die Zwischensprints wegen seines Fünfgang-Getriebes im niedrigeren Gang absolvieren darf. Und so kann er dank geringerem Verbrauch, besserer Kraftenfaltung und höherer Laufkultur noch knapp am Hyundai vorbeihuschen.

 

FAHRDYNAMIK

Unspektakulär, aber schnell und mit top Bremsen fährt der i30 nach vorn

Ein wirklicher Fahrdynamiker ist keiner der drei Rivalen – allerdings jeder aus ganz unterschiedlichen Gründen. So kommt im i30 Kombi eigentlich nie wirklich der Wunsch auf, mal etwas ambitionierter durch Kurven zu fahren. Zu synthetisch wirkt die Lenkung in jedem ihrer drei einstellbaren Modi (Normal, Comfort, Sport). Überhaupt macht der Koreaner einen eher behäbigen Eindruck – straft seine Kritiker dann aber mit der schnellsten Zeit auf dem Handlingparcours Lügen.

Dabei bleibt er in jeder Situation lammfromm und gut beherrschbar, Lastwechselreaktionen sind ihm fremd. Seine gute Vorstellung krönt er mit Bremswegen von gut 33 Metern aus Tempo 100 bis zum Stillstand.

Sehr viel agiler, ja geradezu heiß auf die Kurvenjagd präsentiert sich der Skoda. Und mit seinem sportlich-straffen Fahrwerk, der direkten, rückmeldungsfreudigen Lenkung und den 17-Zoll-Rädern bringt er auch die besten Voraussetzungen mit. Doch es fehlt ihm einfach die Kraft. Seine Bremswege sind mit 34,5 (kalt) und 34,2 Metern (warm) für sich betrachtet zwar aller Ehren wert – aber eben jeweils rund einen Meter länger als die des Hyundai.

Schlechtere Bremsleistungen liefert dagegen der Honda. Mit kalter Anlage benötigt er aus 100 km/h 36,1 Meter bis zum Stillstand, mit warmen  Bremsen  sind  es  noch  35,5  Meter. Auch auf dem Handlingkurs kann er nicht voll überzeugen. Beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven ringen die Vorderräder verzweifelt um Traktion. Die vor allem um die Mittellage ungenaue Lenkung erschwert das Anpeilen von Kurven, die er anschließend mit starker Tendenz zum Untersteuern durchfährt. Nur in schnellen Wechselkurven bleibt der Civic sehr stabil und markiert so im Slalom die Bestzeit.

 

UMWELT/KOSTEN

Hyundai und Skoda sprechen kühle Rechner gleichermaßen stark an

Der Skoda Octavia Combi erfreut in diesem Trio mit dem niedrigsten Grundpreis. Nur knapp überspringt der Tscheche die 20.000-Euro-Marke. In der testrelevanten Konfiguration braucht er seinen  Preisvorteil allerdings schnell auf und erreicht das Preisniveau des Hyundai i30 Kombi. Der Koreaner relativiert den höchsten Einstiegspreis aufgrund seiner umfangreichen Serienausstattung.

Weitere Punkte sammelt der Hyundai mit den kundenfreundlichsten Garantieleistungen. Jeweils fünf Jahre auf die Technik und den Lack sind ein Wort. Der Skoda kontert mit einer deutlich höheren Wertstabilität und den weniger als halb so hohen Werkstattkosten. Am Ende der Kostenrechnung herrscht somit Gleichstand. Der verhältnismäßig niedrige Einstiegspreis des Honda Civic Tourer ist in gewisser Weise trügerisch. 

Denn dafür erhält der Kunde ein überschaubar ausgestattetes Basismodell, für das auch nur wenige Optionen zur Verfügung stehen. Wer seinen Civic Tourer hingegen mit dem ein oder anderen Feature aus der erfreulich umfangreichen Palette der angebotenen Sicherheits- und Multimediaausstattungen aufwerten möchte, muss zu einer der höheren Ausstattungslinien greifen. So fallen unter Umständen schnell ein paar tausend Euro zusätzlich an. 

 

FAZIT

Nach einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen geht der Skoda Octavia Combi knapp als Gewinner aus diesem Vergleich hervor. Den entscheidenden Vorsprung holt er sich im Karosseriekapitel. Der Hyundai i30 Kombi bleibt dem Sieger in allen Bereichen dicht auf den Fersen. Bemerkenswert ist, wie gut ihm der Spagat zwischen Fahrkomfort und -dynamik gelingt.

Der Honda Civic Tourer bietet ein zu unausgewogenes Gesamtbild, um ganz vorn landen zu können. Auf der Habenseite verbucht er das überzeugende Laderaum-Konzept und den guten Motor mit dem niedrigsten Verbrauch. Demgegenüber stehen die beengten Platzverhältnisse und die kundenunfreundliche Preisgestaltung.

 

Technische Daten & Gesamtbewertung als PDF zum nachlesen

Carsten van Zanten

Tags:
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