Hemmungslos Hemmungslos

30.11.2006
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Ein mächtiger V8 treibt den Mercedes C 55 AMG zu neuen Höchstleistungen, Audi setzt beim S4 auf die quattro-Technik, und der BMW M3 zelebriert hohe Drehzahlen. Wir gewährten den drei sportlichen Rivalen freie Fahrt auf dem Hockenheimring, um zu klären, wer sich die Pole Position erkämpft

Auch wenn Mercedes schon mit dem Vorgänger, dem 354 PS starken C 32 AMG, die Leistungsparade der Sportlimousinen anführte - ein bisschen mehr geht immer. Also pflanzen die Ingenieure aus Affalterbach nun die Saugversion des 5,4-Liter-V8 unter die Haube der im Frühjahr renovierten C-Klasse. Jetzt tritt der C 55 AMG mit 367 PS an. Können Audi S4 (344 PS) und BMW M3 (343 PS) da überhaupt noch mithalten? Oder bieten sie trotz des Leistungsmankos sogar mehr Sportlichkeit? Ausführliche Tests auf der Straße und der Rennstrecke geben Aufschluss.

 

Karosserie

Ungeachtet aller optischen Vorlieben - der BMW M3 hat nur zwei Türen. Das erschwert natürlich den Einstieg nach hinten. Auch beim Platzangebot schneidet der Münchner schlechter ab als die Konkurrenten. Im Fond mangelt es dem 3er-Coupé vor allem an Ellenbogenfreiheit. In punkto Bedienbarkeit dagegen verdient er sich Bestnoten. Mercedes und Audi verfügen jeweils über vier Türen und eine weit geräumigere Rückbank. Der Benz profitiert bei Parkmanövern vom dekorativen Stern, der das vordere Ende klar markiert. Gut: Die Kopfstützen im Fond lassen sich vom Fahrersitz aus versenken. Seine Außenspiegel hingegen fallen zu klein aus. Ein dickes Lob erntet der AMG aber für seinen soliden Klappmechanismus der Rückbank, die sich fast eben zusammenlegen lässt. Auch die Spiegel des M3 überzeugen nicht völlig. Die äußeren sind ebenfalls etwas klein geraten, und der Innenspiegel versperrt beim Rechtsabbiegen die Sicht auf Verkehrszeichen. Der Audi gefällt mit großen Spiegeln und guter Bedienbarkeit. Xenonlicht gehört beim S4 zur Serienausstattung. Die Hauben entziehen sich jedoch dem Blick des Fahrers. Anhänger zieht keiner der drei. Und in der Zuladung liegen sie ebenfalls sehr dicht beieinander.

KarosserieMax. PunkteAudi S4BMW M3Mercedes C 55 AMG
Raumangebot vorn100706069
Raumangebot hinten100645457
Übersichtlichkeit70525562
Bedienung/ Funktion100859070
Kofferraumvolumen100524853
Variabilität100201833
Zuladung/ Anhängelast80222021
Sicherheit150108113110
Qualität/ Verarbeitung200192190187
Kapitelbewertung1000665648662

 

Fahrkomfort

Neuerdings schmücken vier chromumrandete runde Uhren das Cockpit des Mercedes. Die euphorischen 320 km/h auf dem Tacho erreicht der 55er aber nicht: Bei 250 regelt die Elektronik ab. Im AMG peppen zudem rote Zeiger und hellgraue Zifferblätter die Optik auf. Allerdings bieten die Skalen zu wenig Kontrast. Orangefarbene und grüne Leuchten lassen sich nur schwer erkennen. Die Instrumente im Audi und BMW sind besser ablesbar. Nettes Gimmick im M3: Der Warnbereich des Drehzahlmessers variiert abhängig von der Öltemperatur. Solange die Maschine kalt ist, beginnt der Warnbereich bei 5000 Touren, warmgelaufen steigt die Grenze auf 7500. Doch egal, wo die Nadel des Tourenzählers steht, der Motor des M3 drängt sich akustisch immer in den Vordergrund. Selbst wenn man heiseren Klang des Reihensechsers liebt, zehrt er auf längeren Etappen an den Nerven. Obendrein gibt sich die Federung des BMW am bockigsten. Der Audi bleibt diesbezüglich deutlich verbindlicher. Sein V8 läuft erheblich leiser, und die Federung filtert mehr Schläge heraus. Von sänftenartigem Komfort bleiben aber sowohl der S4 als auch der C 55 weit entfernt. Der AMG rollt auf der Autobahn am geschmeidigsten ab, neigt jedoch auf Fugen zu Stößen. Der dicke V8 läuft sehr leise und wird nur unter Last hörbar. Die Sitze gewähren jedoch zu wenig Seitenhalt.

FahrkomfortMax. PunkteAudi S4BMW M3Mercedes C 55 AMG
Sitzkomfort vorn15012011590
Sitzkomfort hinten100787060
Ergonomie150118130112
Innengeräusche50281735
Geräuscheindruck100856585
Klimatisierung50322832
Federung leer200133105135
Federung beladen200130107135
Kapitelbewertung1000724637684

 

Motor und Getriebe

Schon erstaunlich, aber wahr: Der größte und stärkste Motor des Vergleichs verbraucht am wenigsten Sprit. Mit 12,6 Liter Super Plus pro 100 Kilometer bescheidet sich der Mercedes, während der Audi 14,5 Liter verfeuert und der M3 14,2 Liter verbrennt. Doch dafür bieten die drei Maschinen auch was, nämlich Leistung im Überfluss. Der drehzahlgierige BMW-Motor reagiert auf Vollgas mit einer regelrechten Leistungsexplosion, begleitet von einem furiosen Soundspektakel. Der Audi-V8 bollert vernehmlich und glänzt hauptsächlich mit seiner erstklassigen Elastizität. Der V8 unter der Mercedes-Haube wiederum schnurrt sehr verhalten vor sich hin, bis der Fahrer kräftig aufs Gas tritt. Dann ändert er schlagartig die Tonlage und hämmert mit brutaler Wucht voran. Die fünfstufige Speedshift-Automatik des C 55 nimmt dem Mercedes viel von seiner Vehemenz. Auf der Autobahn überzeugt das Getriebe mit gesteigertem Komfort. Seine überlegene Motorkraft kann der Benz jedoch erst jenseits der 200 km/h voll ausspielen. Bei der forcierten Fahrt über den Hockenheimring hingegen hemmen ihn die zögerlichen Reaktionen auf Schaltbefehle. BMW und Audi rüsten ihre Fahrzeuge ab Werk mit einer knackigen Sechsgang-Schaltung aus. Die Gangwechsel im M3 gestalteten sich aber schwergängig, und der zweite Gang des Testwagens hakelte; untypisch für BMW. Im S4 dagegen wechselt der Schalthebel jederzeit mit äußerster Präzision von Gang zu Gang.

Motor und GetriebeMax. PunkteAudi S4BMW M3Mercedes C 55 AMG
Beschleunigung150177185180
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150120120120
Getriebeabstufung100888676
Kraftentfaltung50939087
Laufkultur100443840
Verbrauch3259598114
Reichweite25131215
Kapitelbewertung1000630629632

 

Fahrdynamik

Aber wir wollten uns ja mal so richtig austoben und mit den drei Sportlern durchs Motodrom jagen. Dort kann der BMW zeigen, was wirklich in ihn steckt. Mit seiner extrem präzisen Lenkung und einem äußerst agilen Handling fegt der M3 deutlich schneller durch die Kurven als seine Rivalen. Trotz Bremsassistent lassen sich seine Stopper auf den Punkt genau dosieren, und die Traktion fällt für einen Hecktriebler beachtlich gut aus. Doch wehe dem, der das ESP (DSC) abgeschaltet und die Haftgrenze überschritten hat. Dann nämlich keilt das Heck schlagartig aus. Damit gestattet der Bayer wunderschöne Drifts, verlangt aber nach einem kundigen Dompteur, um die Fuhre zu bändigen. Ganz anders der Audi: Er wirkt auf der Rennstrecke viel sicherer. Ganz gleich, was der Fahrer anstellt, dieses Auto lässt sich kaum aus der Ruhe bringen. Doch dem S4 fehlt auch die Leichtfüßigkeit des Münchers. Die ungleichmäßige Servounterstützung der Lenkung verlangt Gewöhnung. Traktionsschwächen kennt der Audi dank Allrad und Torsen-Differenzialen nicht. Der Mercedes hingegen hat schon beim Anfahren sichtlich Mühe, die Kraft auf den Boden zu übertragen. Ist das ESP abgeschaltet, hüllen sich die Hinterräder bei Vollgas in weißen Qualm. Das ist zwar gut für die Show, aber schlecht für die Rundenzeit. Außerdem zirkelt der Stuttgarter trotz neuer, direkterer Lenkungsabstimmung und breiterer Spur nicht so zielgenau um den Kurs wie der BMW. Die Dosierbarkeit seiner Bremsen genügt den Erwartungen an eine Sportlimousine nicht. Dafür macht der AMG auf der Start-/Zielgeraden den verlorenen Boden mit schierer Leistung wieder wett und erzielt beinahe dieselbe Rundenzeit wie der Audi.

FahrdynamikMax. PunkteAudi S4BMW M3Mercedes C 55 AMG
Handling150125133126
Slalom100727358
Lenkung100709266
Geradeauslauf50463643
Bremsdosierung30172115
Bremsweg kalt150119147119
Bremsweg warm150127150127
Traktion100865239
Fahrsicherheit15013585115
Wendekreis20111413
Kapitelbewertung1000808803721

 

Umwelt und Kosten

Im Kosten-Kapitel unterstreicht der Audi seinen Sieg. Der günstigste Grundpreis - inklusive Allrad-Technik -, die kundenfreundlichsten Aufpreise und der geringste Wertverlust sprechen für ihn. Außerdem punktet er bei den Kosten für die Wartung sowie den Beiträgen für Versicherung und Steuer. Dem BMW fehlt die Klassifizierung nach Euro 4. Er genügt lediglich den gesetzlichen Mindestanforderungen. Der Mercedes kostet samt Automatik stattliche 10 076 Euro mehr als der Audi - kein Kommentar. Im Preis inbegriffen ist die vorbildliche Rostgarantie.

Kosten/UmweltMax. PunkteAudi S4BMW M3Mercedes C 55 AMG
Bewerteter Preis675278271251
Wertverlust50201712
Ausstattung25474646
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50141416
Werkstattkosten20413739
Steuer10292821
Versicherung40171316
Kraftstoff55232427
Emissionswerte25736479
Kapitelbewertung1000542514507

 

Fazit

Auf der Rennstrecke heißt der Sieger eindeutig BMW M3. Wer seinem Auto richtig die Sporen geben will, findet kaum ein besseres Fahrzeug. Doch in der Summe aller Eigenschaften stellt der Audi S4 einmal mehr seine Qualitäten unter Beweis. Er überzeugt mit seiner uneingeschränkten Alltagstauglichkeit und dem mustergültig sicheren Fahrverhalten. Zudem wartet er als einziger mit Allradantrieb auf, womit er die Konkurrenz im Regen und erst recht auf Schnee düpiert. Der Mercedes empfiehlt sich mit seiner Automatik eher für lange Reisen mit hohen Geschwindigkeiten als für die Rennstrecke. Dafür haben ihn die Entwickler wohl auch nicht vorgesehen, aber Spaß bereitet hat es uns trotzdem.

Gesamtbewertung

Max. PunkteAudi S4BMW M3Mercedes C 55 AMG
Summe5000336932313206
Platzierung123

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