Premium-Dreikampf: Mercedes greift BMW an Entscheidet China das Rennen?

04.08.2015

In den Premium-Dreikampf zwischen Audi, BMW und Mercedes kommt Bewegung, die Stuttgarter setzen BMW zunehmend unter Druck. China könnte der entscheidende Faktor im Kampf um die Premium-Krone werden

In den nächsten Jahren an BMW vorbeizuziehen und die Nummer eins zu werden – dieses Ziel haben Audi und Mercedes immer wieder bekräftigt. Aber die Entwicklung in China hat vieles durcheinandergewirbelt. Plötzlich stehen ganz andere Fragen auf der Tagesordnung.

Zum Amtsantritt des neuen BMW-Chefs Harald Krüger hatte Audi-Chef Rupert Stadler ihn willkommen geheißen «zum sportlichen Wettstreit» - und keck erklärt: «Einer von beiden wird die Nase vorn haben.» Ein Vierteljahr später sieht das Rennen der Autobauer um die Krone im Oberklasse-Segment aber ganz anders aus: BMW und Verfolger Audi verlieren beide an Tempo, während Mercedes mit Vollgas auf die Überholspur zieht. Ein Grund: das China-Geschäft.

Wie laufen die Geschäfte von BMW, Audi und Mercedes?
Die Verkündung von Rekordzahlen ist für die drei Autokonzerne fast schon zur Routine geworden. Die gute Nachricht vorweg: Alle drei steuern auch dieses Jahr auf neue Bestmarken bei Verkäufen, Umsatz und Gewinn zu und schaffen neue Arbeitsplätze, auch in Deutschland.

Wie lief es im ersten Halbjahr?
Sehr unterschiedlich. Audi legte beim Verkauf um 4 Prozent zu, BMW um 8 Prozent, Mercedes um 16 Prozent. Damit hat BMW in puncto Absatz mit 1,1 Millionen Autos die Nase vorn, Audi und Mercedes folgen fast gleichauf mit rund 900.000 Autos. Einschließlich verkaufter Lamborghini- und VW-Modelle setzte Audi 1,0 Millionen Autos ab, Mercedes kam einschließlich Smart-Verkäufe auf 960.000 Fahrzeuge. Aber beim Gewinn ist Mercedes klare Nummer eins, mit einer Umsatzrendite von 10,0 Prozent im Autogeschäft und einem Betriebsergebnis von 4,1 Milliarden Euro. Die BMW-Rendite sank dagegen auf 8,9 Prozent, das Betriebsergebnis im reinen Autobereich sank auf 3,6 Milliarden Euro. Die VW-Tochter Audi kam auf 9,8 Prozent Rendite und auf ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Warum diese Unterschiede?
Mercedes ist mit einer neuen Modellpalette auf dem Markt und hat in China seine Löcher im Händlernetz inzwischen gestopft. Bei Audi steht der wichtige A4 noch in den Startlöchern, bei BMW das Flaggschiff, der 7er. BMW verkauft derzeit mehr Minis und kleine BMWs wie den neuen 2er-Van, die weniger Profit abwerfen als die großen Modelle. Entwicklungskosten sowie Milliarden-Investitionen in neue Werke und Technologien belasten. Audi verkauft jedes dritte Auto in China, BMW und Mercedes jedes fünfte - dort sind die Gewinnspannen doppelt so hoch wie im Rest der Welt, wie die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) erklärt. Dafür ist Audi auf dem boomenden US-Markt viel schwächer als die Konkurrenten aus München und Stuttgart.

Warum ist China so wichtig?
Bei den Bilanz-Pressekonferenzen von BMW, Audi und Mercedes war China das Hauptthema. Die Volksrepublik hatte 2009 die USA als größten Automarkt der Welt überholt und wuchs zweistellig – bislang. Jetzt wächst der Automarkt nur noch einstellig. Trotzdem haben BMW, Audi und Mercedes zusammen dort im ersten Halbjahr 670.000 Autos verkauft.

Was bremst die Nachfrage in China?
Die Wirtschaft wächst nicht mehr so extrem, die Immobilienpreise sind gesunken, der Börseneinbruch hat viele Anleger Geld gekostet. Eine Anti-Korruptions-Kampagne dämpft die Nachfrage nach Premium-Autos – der Briefumschlag vom Chef mit Bargeld für den Autokauf als Bonus ist seltener geworden, wie es bei einem Konzern heißt. Funktionäre wurden aufgefordert, mehr Fahrzeuge aus heimischer Produktion zu kaufen. Staus plagen die Städte – Peking, Schanghai und andere beschränken die Zulassung neuer Autos. Viele Kunden verschieben den Kauf, andere fordern Rabatte – das belastet Absatz und Gewinn der Autokonzerne.

Ist der chinesische Traum für die Autobauer damit beendet?
Der Absatz von Audi und BMW ist dort im Juni gesunken, Audi hat seine Jahresprognose wegen China leicht nach unten korrigiert, und BMW-Chef Krüger sieht noch «keine zusätzlichen Nachfrage-Impulse – eher das Gegenteil». Die Normalisierung in China verlaufe schneller als erwartet, erklärte BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner.

Was macht Hoffnung?
Die chinesische Wirtschaft und die Autonachfrage schrumpfen nicht – sie wachsen derzeit nur viel langsamer als bisher. In China besitzen nur rund 80 von 1000 Einwohnern ein Fahrzeug. Und die meisten Chinesen zahlen ihr Auto bisher bar, nur ein Viertel kauft auf Pump. In Deutschland ist es umgekehrt, in den USA nehmen laut LBBW sogar 85 Prozent der Käufer einen Autokredit in Anspruch. Auch hier haben die Konzerne noch viel Spielraum - und eine weitere Verdienstmöglichkeit.

Was sind die Kostentreiber für die Autokonzerne?
Die Modellpaletten werden immer größer. BMW, Audi und Mercedes haben zusammen aktuell über 100 Modelle im Angebot. Im Durchschnitt alle sieben Jahre wird ein Modell erneuert - und zur Halbzeit wird es oft mit einem Facelift überarbeitet. Wegen Klimaschutz-Vorgaben müssen die Autos leichter, die Benzin- und Dieselmotoren sparsamer und zudem Elektromotoren als alternative Antriebe entwickelt und gebaut werden. Auch die Digitalisierung schreitet voran - Käufer erwarten heute Head-up-Displays, Fahrassistenten und das vernetzte Auto. Zudem investieren die Konzerne Milliarden in neue Werke. Und sie stellen neue Mitarbeiter ein - in Deutschland mehrere tausend allein 2015.

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