Großer Sportwagen-Vergleichstest Breit, tief und scharf

01.12.2006
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Wenn Porsche 911 Turbo, Corvette Z06, Ferrari F430 und Lamborghini Gallardo ihre Kräfte messen, wird der Testalltag zum Feiertag und das Motodrom zur Arena der großen automobilen Leidenschaften. Der neue deutsche Vorzeigesportler fährt gegen die extrem starken Sportwagen-Stars aus Amerika und Italien.

Der Porsche 911 Turbo ist der fahrende Beweis, dass die Schwaben tatsächlich alles können, außer Hochdeutsch. Ein Auto fürs ganz große Gefühl, ein ultimativer Wunschtraum vieler kleiner und großer Jungen, der, wenn überhaupt, meist erst dann in Erfüllung geht, wenn man es als Mann finanziell geschafft hat. Das ist bei seinen hier versammelten Konkurrenten nicht viel anders, denn wir reden von Exoten wie dem Lamborghini Gallardo oder der Corvette Z06. Ganz zu schweigen vom Ferrari F430, der schon mal grundsätzlich in der Rubrik Mythos geführt wird. Ob es dem neuen 911 Turbo gelingt, seine exklusiven Konkurrenten im direkten Vergleich zu überholen, zeigt dieser Test. Mit 480 PS ist er hier der Schwächste im Test, der Lamborghini mit 520 PS der Stärkste.

 

Karosserie

Eine gute Verarbeitung und die nahezu komplette Sicherheitsausstattung bringen den Turbo hier in die Spitzenposition. Diese verpasst der F430 wegen seiner schlechteren Sicherheitsausstattung. Die Z06 sollte sowohl bei der Sicherheitsausrüstung als auch bei Qualität und Bedienung verbessert werden. Und der Gallardo? Wenig Platz im Innenraum und die Unübersichtlichkeit der Karosserie sorgen für Punktabzüge. Die Verarbeitung des Italieners aber liegt inzwischen auf einem hohen Niveau.

KarosserieMax. PunktePorsche 911 TurboCorvette Z06Ferrari F430Lamborghini Gallardo
Raumangebot vorn10060616754
Raumangebot hinten10010
Übersichtlichkeit7058485628
Bedienung/ Funktion10080708574
Kofferraumvolumen10012742913
Variabilität1005
Zuladung/ Anhängelast8015441
Sicherheit15085554870
Qualität/ Verarbeitung200188161178180
Kapitelbewertung1000513473467420

 

Fahrkomfort

Ein Ferrari gewinnt das Komfortkapitel – kaum zu glauben. Aber seine Abstimmung kommt am besten mit Straßenunebenheiten klar. Dazu gesellen sich noch die niedrige Geräuschkulisse und der gute Sitzkomfort des Italieners. Der 911 Turbo wirkt wie die Corvette etwas stuckerig, während der Lambo nahezu alle Unebenheiten ungefiltert an die Passagiere weiterleitet.

FahrkomfortMax. PunktePorsche 911 TurboCorvette Z06Ferrari F430Lamborghini Gallardo
Sitzkomfort vorn150100789591
Sitzkomfort hinten10010
Ergonomie15011297126102
Innengeräusche5087
Geräuscheindruck10072737671
Klimatisierung5026232528
Federung leer200908811181
Federung beladen200908811181
Kapitelbewertung1000500455551454

 

Motor und Getriebe

So unterschiedlich wie die Meinungen der potenziellen Käufer zu den vier Boliden ist auch die Auffassung der Hersteller, welches Motorenkonzept das richtige ist. Sechs-, Acht- und Zehnzylinder werden eingesetzt. Turbo und Sauger. An Leistung mangelt es bei keinem dieser Triebwerke. Die Amerikaner setzen bei der Z06 auf einen V8-Zylinder mit sieben Liter Hubraum, 512 PS und 637 Newtonmeter Drehmoment – und der ist in der Front eingebaut. Ferrari und Lamborghini vertrauen auf klassische Mittelmotor-Konzepte. Im F430 aktivieren acht Zylinder 490 Pferdestärken und 465 Newtonmeter Drehmoment, während im Gallardo zehn Zylinder powern – hier werden 520 PS und 510 Nm aktiviert. Im Gegensatz zu den Einbaulagen der drei Rivalen ist der 911er-Motor im Heck des Porsche untergebracht und wird mittels zweier Turbolader befeuert. Der Sechszylinder-Boxer leistet 480 PS, offeriert 620 Nm maximales Drehmoment. Mit 3,6 Liter Hubraum ist das Porsche-Triebwerk auch das kleinste. Nominell hat der Porsche so die geringste Leistung im elitären Quartett, seine Leistungswerte liegen aber viel früher an als bei den Konkurrenten. Sein maximales Drehmoment erreicht der Turbo schon bei 1950 Umdrehungen. Die Konkurrenz muss da im Bestfall (Lamborghini) warten, bis der Drehzahlmesser die 4.500er-Marke durcheilt hat. Auch seine maximale Leistung erzielt der Zuffenhausener als erster – bei 6000 Umdrehungen. Italienische Sportwagenbauer vertreten dagegen immer noch die Philosophie, dass ein Sportwagen hohe Drehzahlen braucht. Der 520-PS-Gallardo benötigt hierfür immerhin 8000 Touren, während der Ferrari mit 490 PS auch vor der 8500er-Marke nicht zurückschreckt. Die Corvette braucht für ihre 512 PS 6300 Umdrehungen. Nach nackten Messwerten ergeben sich aus diesen Konstellationen folgende Resultate: Den Sprint von Null auf 100 km/h erledigt der Ferrari mit 3,8 Sekunden am eindrucksvollsten. Der Turbo knackt mit 3,9 Sekunden ebenfalls die Vier-Sekunden-Marke, während der Gallardo 4,2 und die Corvette 4,4 Sekunden benötigen. Aber bei solchen Boliden ist der Vortrieb natürlich nicht bei Tempo 100 beendet, die Beschleunigung geht munter weiter. Mal schiebt die Corvette ihre riesige Front am Turbo vorbei, mal setzt sich der Elfer an die Spitze. Bei der 200-km/h-Marke hat der Ferrari wieder seine Nase vor dem Porsche im Wind. Ganz vorn liegt die Z06 in Sachen Topspeed: 320 km/h. Der F430 schafft 316 km/h, der Gallardo 315 km/h, und der Turbo muss sich mit 310 km/h begnügen. Marginale Unterschiede, die auf normalen Straßen keinerlei Rolle spielen, aber am Stammtisch in Prestigewerte umgerechnet werden. Auch die Geräuschentwicklung der Auspuffanlagen ist für die Liebhaber ein Thema. Wenn Ferrari-, Lambo- und Corvette-Eigner darüber philosophieren, hält sich der Turbo-Fahrer sehr bedeckt. Gegen die ausländische Konkurrenz hört sich sein 911er wie ein Auspuff-Flüsterer an. Der Ferrari schreit schrill und laut seine Lebensfreude mit jedem Gasstoß ungeniert in die Landschaft, während der Lamborghini dumpf dröhnend auf seine zehn Zylinder unter der Motorhaube aufmerksam macht - ein typischer, unverkennbarer Klang. Und das Hämmern des Corvette-Triebwerks versetzt Kenner und Unbedarfte ebenso in Verzückung. Trotzdem gewinnt diese nicht bepunktete Wertung klar der aggressive Ferrari-Sound. Als einziger im Test ist der Ferrari mit einem automatisierten Getriebe, der so genannten F1-Trac-Schaltung, ausgerüstet. Hier werden die Gänge über zwei Wippen am Lenkrad gewechselt. Dies funktioniert problemlos und blitzschnell. Rund 90 Prozent der Kunden entscheiden sich inzwischen für diese Variante. Der Gallardo indes fasziniert mit seiner offenen Schaltkulisse, die bei jedem Gangwechsel das begeisternde metallische Klacken bietet. Das sieht klasse aus, auch wenn das Ganze ein wenig hakelig in der Handhabung ist. Da arbeitet die Porsche-Schaltbox wesentlich souveräner und genauer. Das Corvette-Getriebe ist dagegen relativ schwergängig zu betätigen. Zudem erzielt der Amerikaner seine Höchstgeschwindigkeit im fünften Gang. Denn der sechste ist sehr lang übersetzt, weil er Kraftstoff sparen soll. Dies gelingt dann aber eindrucksvoll: Mit durchschnittlich 14,9 Litern pro 100 km erzielt die Z06 den Bestwert der vier Sportler. Für ein Auto mit sieben Liter Hubraum und 320 km/h Spitze eine kleine Sensation. Selbst der neue 911 Turbo konsumiert für die gleiche Distanz 16,5 Liter. Die Italiener sind viel durstiger: 17,6 (Gallardo) beziehungsweise 18,4 Liter (F430).

Motor und GetriebeMax. PunktePorsche 911 TurboCorvette Z06Ferrari F430Lamborghini Gallardo
Beschleunigung150196191197193
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150180190186185
Getriebeabstufung10096769588
Kraftentfaltung5050505047
Laufkultur10090969086
Verbrauch32575915664
Reichweite2510131616
Kapitelbewertung1000697707690679

 

Fahrdynamik

Verdammt schnell geht es hier voran, egal mit welchem der vier Kandidaten man gerade auf dem Handling-Parcours unterwegs ist. Normalfahrten auf öffentlichen Straßen sind eine Sache, Fahrten im Grenzbereich eine ganz andere. Alle vier Kandidaten zeigen ein sehr ausgewogenes Fahrverhalten und sind grundsätzlich untersteuernd ausgelegt. Bei Gallardo und 911 Turbo ist dies auf die serienmäßigen Allradantriebe zurückzuführen, beim F430 auf das elektronische Sperrdifferenzial, und die Corvette baut unglaublichen mechanischen Grip auf. Während der Lamborghini nur mit Gewalt zu einem ausbrechenden Heck bewegt werden kann, erweist sich das Heck des Porsche bei ausgeschaltetem PSM (ESP) als überaus nervös: Es reagiert schon auf leichteste Lastwechsel. Blitzschnelle Reaktionen am Lenkrad sind dann erforderlich. Dies bereitet aber keinerlei Probleme, da seine Lenkung sehr direkt und schön feinfühlig arbeitet. Ähnliches gilt für den Ferrari, der sich als der handlichste und agilste im Testfeld präsentiert. Seine Fahrparameter werden über einen kleinen roten Drehknopf (Manettino) am Lenkrad eingestellt. Das Auto agiert unglaublich lange neutral, und wenn das Heck dann nach außen drängt, geschieht dies so sanft, dass es keinerlei Probleme bereitet, zu reagieren. Auch hier hilft die sehr direkte Lenkung bei allen Aktionen. Als überraschend gutmütig und flink erweist sich die Corvette. Sie scheint förmlich auf der Straße zu kleben, nur der brutale Einsatz des Gaspedals bringt den Amerikaner zum nervösen Heckschwänzeln. So ist es nicht verwunderlich, dass die vier Sportler Spitzenzeiten auf der Handlingstrecke erzielen. Ferrari und Porsche liegen exakt gleichauf, der Lamborghini folgt mit nur einer Zehntelsekunde Abstand. Knapp über eine Sekunde verliert die Corvette. Auch im Slalom liegt der F430 vorn, dicht gefolgt vom Gallardo. Der Porsche verliert hier etwas Boden durch sein nervöses Heck, die Corvette durch ihre Unübersichtlichkeit vorn. Und auch bei den Bremsen liegt der Amerikaner noch nicht ganz auf dem Niveau der Konkurrenz, die von Porsche angeführt wird.

FahrdynamikMax. PunktePorsche 911 TurboCorvette Z06Ferrari F430Lamborghini Gallardo
Handling150150150150150
Slalom10086689696
Lenkung1001007110092
Geradeauslauf5044364340
Bremsdosierung3025212523
Bremsweg kalt150150120132136
Bremsweg warm150150139150150
Traktion10083527190
Fahrsicherheit150132131131135
Wendekreis201637
Kapitelbewertung1000936791905912

 

Umwelt und Kosten

Ganz klarer Sieg für den Amerikaner, der mit seinem Kampfpreis so viel Boden gut macht, dass er den zweiten Gesamtplatz erzielt. Zudem ist er in der Versicherung und bei den Kraftstoffkosten am günstigsten. Dem Ferrari machen ebenso wie dem Gallardo der hohe Anschaffungspreis und die Wartungskosten zu schaffen.

Kosten/UmweltMax. PunktePorsche 911 TurboCorvette Z06Ferrari F430Lamborghini Gallardo
Bewerteter Preis67547200123
Wertverlust50
Ausstattung2550485050
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung5018201117
Werkstattkosten202216
Steuer1034142926
Versicherung40242816
Kraftstoff55121679
Emissionswerte2569626962
Kapitelbewertung1000276404183187

 

Fazit

Diese Autos kauft man nicht mit Vernunft, sondern mit Herz. Dass sich der neue Porsche 911 Turbo in der Summe aller Eigenschaften am Ende durchsetzen kann, verwundert nicht. Der zweite Platz der Corvette kommt da schon viel überraschender: Auch wenn sie das Motorkapitel für sich entscheidet und inzwischen beim Handling gut mithalten kann – ausschlaggebend ist einfach ihr günstiger Preis. Dieses Thema wiederum wirft den teuren Ferrari nach hinten. Aber er ist der beste Kompromiss aus Fahrspaß und Komfort. Der Gallardo überzeugt mit seinen Fahrleistungen und begeistert durch sein Auftreten. Dies reicht am Ende aber nicht für einen Erfolg nach Punkten.

Gesamtbewertung

Max. PunktePorsche 911 TurboCorvette Z06Ferrari F430Lamborghini Gallardo
Summe50002922283027962652
Platzierung1234

Tags:
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