Goggomobil TS 250 Coupe: Fahrbericht Schick und klein

24.05.2015

Das Goggo-Coupé ist als GT im Bonsai-Format heiß begehrt. Fahrbericht

Liebling der Götter nennen begeisterte Kleinwagenfreunde das Goggomobil Coupé“, heißt es 1957 in der selbstbewussten Werbung für den Kleinwagen der Hans Glas GmbH. Das schicke, gerade mal 1,23 Meter hohe Coupé auf Basis der Goggomobil Limousine bot – so die Werbetexter – „Auto-Luxus bei niedrigsten Haltungskosten“.

Unter der Karosserie mit „liebenswürdiger Eleganz“ steckte ein von der Glas-Crew selbst entwickelter und produzierter Zweitakt-Zweizylindermotor, der aus 245 Kubik Hubraum 13,6 PS holte. Das reichte für eine Beschleunigung auf 70 km/h in rund 34 Sekunden.

Als Höchstgeschwindigkeit standen 85 km/h zu Buche. Bergab soll der Tacho bei mutigen Fahrern auch schon mal 110 km/h und mehr angezeigt haben. In der Fahrpraxis fühlt sich das Goggomobil Coupé, dass als Ergänzung zur Limousine (T wie Touring) als TS (Touring Sport) getauft wurde, selbst mit dem populärsten, kleinsten 250er-Motor im Antritt recht agil an. 

Dazu verhalf ihm ein technischer Trick, das „elektromagnetische Vorwählgetriebe“. Wenn dieser von der Firma Getrag entwickelte so genannte„Selektromat“ installiert war, konnte der Goggo-Pilot über einen kleinen Wählhebel am Armaturenbrett den nächsten Gang vorwählen.

Und mit Betätigung der Kupplung legte der sich automatisch ein – was geübte Fahrer zu Schnellstartern an der Ampel machte. „Verkehrssünder?“, fragten die Werbetexter in Anbetracht dieser Tugend: „Durchaus nicht!

Der Herr in seinem Goggomobil Coupé ist nur schneller weg, wenn die Ampel auf Grün springt. Darauf kommt es heute an.“ Mit dem TS 300 und TS 400 folgten später Varianten mit 15, 18,5 und sogar 20 PS, die solche Manöver noch agiler erledigten.

 

DAS 3 METER KURZE GOGGOCOUPÉ WIEGT NUR 460 KILO

Dass der gerade einmal 3,03 Meter kurze Kleinstwagen sich munter anfühlt, liegt auch am niedrigen Gewicht von 460 Kilogramm. Trotzdem bietet das Coupé zwei Erwachsenen und – auf der mit Schaumgummi gepolsterten Rückbank – zwei Kindern relativ viel Platz.

Hübsch anzusehen ist das Armaturenbrett des Goggo. Passend zur Farbe der Karosserie lackierten die Glas-Mitarbeiter das Cockpit in verschiedenen Farbtönen. Serienmäßig waren übrigens voll versenkbare Seitenscheiben.

Auch heute noch, fast 60 Jahre nach seinem Debüt auf der IFMA 1956 in Frankfurt, hat die Karosserie des Goggo-Coupés ihren Reiz. Glatte Flächen, saubere Linien, die markante, hintere Panorama-Scheibe und die als kleine Heckflossen ausgeformten Rückleuchten machen den Goggo TS unverwechselbar.

Die 10 Zoll-Räder mit der 4.80 x 10-Bereifung täuschen beim Betrachten von Fotos über die wahre Winzigkeit des Coupés hinweg. Und sie sorgen mit dafür, dass sich das Goggo-Coupé ähnlich wie sein Limousinen-Pendant fuhr und fährt.

Die hintere Pendelachse führt ein leichtes Eigenleben, was zu einem Fahrverhalten führt, dass nicht gerade von gutem Geradeauslauf geprägt ist. Wer sich heutzutage für ein Goggomobil Coupé interessiert, sollte wissen, dass er sich da ein kultiges Kleinstmobil aus den 50er-Jahren einhandelt – putzig, nett anzusehen, von Goggo- Enthusiasten heiß und innig geliebt.

 

Macht viel Freude, kost’ nicht viel. Lösung klar: Goggomobil

Und diese Liebe treibt die Preise hoch. Für einen Goggo TS 250, Neupreis damals 3722 Mark, liegen die Marktwerte in Zustand 2 bei rund 11.000 Euro. Das stärkere Modell TS 300 ist schon deutlich seltener, der TS 400 mit 20, später mit 18,5 PS sogar ein sehr rares und teures Teil.

Ein wichtiger Unterschied beim Coupé: Ende 1963 mussten die Goggos auf vorne angeschlagene Türen umgestellt werden. Bei älteren Modellen öffnen sich die Türen noch nach vorne, was den Einstieg übrigens erleichterte Experten wie die vom Glas-Club (www.glasclub.org) raten wie bei fast allen Oldtimern zu einer besonders genauen Prüfung der Karosserie.

Zwar ist der Plattformboden oft noch in Ordnung, doch Kosten für Blecharbeiten können das Budget schnell übersteigen. Die Motor- und Getriebetechnik ist dafür wenig anfällig und mit Hilfe von Ratschlägen aus den Clubs und dank guter Ersatzteilversorgung leicht reparabel.

Kreativität bewiesen auch die Werbetexter schon 1956: „Macht viel Freude, kost’ nicht viel. Lösung klar: Goggomobil.“

Goggomobil TS 250 Coupe (Bj.: 1957-69): Technische Daten und Fakten
R2-Zyl.-Zweitakter; Hubraum: 247 cm3; Leistung: 10 kW/13,6 PS bei 5400/min; max. Drehm.: 19,8 Nm bei 4200/min; Viergang-Getriebe; wahlw. Vorwählgetriebe; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Mittragende 2+2-sitzige Stahlbl.- Karosserie, Plattformboden, zwei Türen; Radaufh. vorn: Querl.; hinten: Pendelachse, Längsl.; v./h. Schraubenfedern, TStoßdämpfer; Bremsen: v./h. Trommeln; Reifen: 4.80 x 10; Räder: 3 x 10
Eckdaten
L/B/H: 3035/1370/1235 mm; Radstand: 1800 mm; Leer-/Gesamtgew. 460/650 kg; Bauzeit: 1957 bis 1969; Stückzahl: (TS) 66.522; Preis (TS 250, 1957): 3722 Mark
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 70 km/h in ca. 34 s; Höchstgeschw.: 85 km/h; Verbrauch: 4,4 l 2T/100 km
1Werksangaben


MARKTLAGE

Zustand 2:  10.800 Euro
Zustand 3:     7500 Euro
Zustand 4:     2900 Euro
Wertentwicklung: stagnierend
Definition der Zustandsnoten

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