Wegen PSA-Allianz: General Motors stellt Opel auf den Kopf Opel in der Krise

11.05.2012

Wegen der neuen Allianz mit PSA Peugeot-Citroën stellt GM bei Opel alles auf den Prüfstand. Wird der nächste Zafira in Frankreich entwickelt?

Für viele Jahre war das Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim so etwas wie die heilige Kuh im GM-Konzernverbund. Doch nun machen die Bemühungen um Kostensenkungen selbst davor nicht mehr halt: Das Management von General Motors will den Familien-Van Zafira künftig beim neuen Partner PSA in Frankreich entwickelt lassen und löst damit in Rüsselsheim Entsetzen aus: Bei Opel schlug diese Nachricht ein wie eine Bombe. Schließlich gibt es laufende Verträge. Und die Sorge steigt: Wie viele schmerzhafte Sparpläne hat das Management noch in der Schublade – und wohin führt die Allianz mit Peugeot-Citroën?

 

Wegen PSA-Allianz: General Motors stellt Opel auf den Kopf

So mancher Opelaner dürfte gerade ein Déjà-vu durchleben. 2009 steckt die Welt mitten in der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit. Opels Mutterkonzern General Motors kämpft ums Überleben und will in seiner Not seine deutsche Tochter abstoßen. Über Monate hängt das Schicksal des Rüsselsheimer Traditionsherstellers in der Schwebe. Erst im letzten Moment machen die Manager aus Detroit einen Rückzieher. Opel bleibt bei GM.

Nun ist beim Autobauer, der einfach keine Gewinne schreibt, schon wieder alles in der Schwebe. Zwar geht es nicht um einen Verkauf, aber um harte Einschnitte. Opel muss sparen, hohe Verluste türmen sich auf. Der europäische Automarkt – wo Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall immer noch den Großteil ihrer Wagen verkaufen – lahmt. Opels Produktion läuft mit angezogener Handbremse. Auch das Schreckgespenst einer Werksschließung geistert wieder durch die Hallen am Standort Bochum – und es wirkt dieses Mal besonders real.

Opel und Vauxhall trifft der schwächelnde Automarkt in Europa besonders hart. Nach den Zahlen des Branchenverbandes ACEA fielen ihre Verkäufe im ersten Quartal um mehr als 16 Prozent. Branchenweit lag der Rückgang gerade mal halb so hoch, der Opel-Erzrivale VW blieb sogar nahezu stabil. Opels Marktanteil in Europa ist den Zahlen zufolge von 7,4 auf 6,7 Prozent geschrumpft. Die Spekulationen um die Zukunft des Herstellers dürften wenig helfen, Autokäufer von der Marke Opel zu überzeugen.

Klarstellungen des Managements sind trotzdem eine Fehlanzeige. Nicht nur die Öffentlichkeit, auch die Opel-Mitarbeiter bleiben im Ungewissen. In den Werken wird geschimpft, Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke arbeite unprofessionell vor sich hin. Der langjährige GM-Manager glaube, er könne ohne Rücksicht auf Tarifverträge tun und lassen, was er wolle. Knallhart kritisiert der Betriebsrat in einem Schreiben an die Belegschaft: "Geltende Verträge werden verletzt, Gesetze und Vorschriften missachtet. Der Vorstand versucht Fakten zu schaffen, die nachhaltig die Zukunft von uns und von Opel gefährden."

Erst durch den Entwicklungsstopp soll der Plan durchgesickert sein, den nächsten Familien-Van Zafira nicht mehr in Rüsselsheim entwickeln zu lassen, sondern beim neuen Partner PSA Peugeot-Citroën. Schon kursieren Gerüchte, der Erfolgsvan könnte später vielleicht in Frankreich auch gebaut werden. Denn auch bei den Franzosen sind die Fabriken bei weitem nicht ausgelastet.

Der Opel-Chef soll den Mitarbeitern am Montag auf einer Betriebsversammlung Rede und Antwort stehen. Die IG Metall kündigt längst lautstark Widerstand an, auch gegen das Vorhaben, das wichtigste Opel-Modell Astra künftig nicht mehr in Rüsselsheim vom Band laufen zu lassen, sondern in Polen und England. Dabei hatte das britische Werk Ellesmere Port bis vor kurzem auch noch ganz oben auf der Streichliste des GM-Managements gestanden. Als offenes Geheimnis gilt, dass GM den Verantwortlichen in England die Pistole auf die Brust gesetzt hat.

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Nach Informationen der "Welt" (Freitag) soll die Belegschaft in Ellesmere Port kommende Woche über drastische Einschnitte abstimmen. Unter anderem sollen die Mitarbeiter eine 40-Stunden-Woche schlucken sowie 80 Zusatzschichten pro Jahr. Darüber hinaus sollen sie über einen längeren Zeitraum keine Lohnerhöhungen mehr bekommen. "Es bleibt die Wahl zwischen lebenslänglich oder Strang. Da ist klar, wie die Entscheidung ausfallen wird", zitiert das Blatt einen Arbeitnehmervertreter.

Das GM-Management in Detroit gibt nur vage Hinweise darauf, wann die Sparpläne öffentlich gemacht werden. "Wir erwarten, dass sich hier bald etwas tut", hatte Konzernchef Dan Akerson jüngst auf bohrende Nachfragen von Analysten gesagt. Schon vor der nächsten Bilanzvorlage könne es soweit sein. Das würde schlimmstenfalls weitere drei Monate Ungewissheit bedeuten.
dpa/az

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