GM-Entwicklungsvorstand Bob Lutz Bye, bye Bob Lutz

11.02.2009

Robert A. Lutz vereinigt Superlative auf sich: als einziger Autovorstand mit 76 Jahren, als Top-Manager, der im Vorstand aller drei großen US-Hersteller war. Zum 1. April 2009 gibt Lutz sein Amt ab. Eine Rückschau

In Zeiten wo Begriffe wie „Superstar“ oder „Ikone“ in Castingshows des Privatfernsehens als Lebensziel für Talentfreie mit der Halbwertszeit von Transuranen degeneriert sind, verlieren Zeitgenossen, die sich diese Attribute durch ein eindruckvolles Lebenswerk verdient haben, nichts an Strahlkraft. Robert A. Lutz war ohne wenn und aber über mehr als vier Jahrzehnte eine der herausragendsten, wenn nicht gar die Ikone und der Superstar der Autoindustrie schlechthin. Nun tritt der 76jährige als amtierender Entwicklungsvorstand des GM-Konzerns zum 1. April 2009 von seinem Amt zurück.

Zum Ende seiner aktiven Laufbahn hatte die Fortune den gebürtigen Schweizer mit amerikanischer Staatsangehörigkeit verlassen. In seiner Funktion als Chef aller Entwickler bei GM war es Lutz nicht geglückt, die Entwicklungspolitik weg von temporär profitablen und preiswert zu fertigenden Pick-ups und SUVs in Richtung zeitgemäßer, Kraftstoff sparender Fahrzeuge zu lenken. Nicht zuletzt deshalb hatten der Wirtschaftseinbruch und die weltweit steigenden Kraftstoffpreise seit 2008 den jahrzehntelang größten Autoproduzenten der Welt, ausgerechnet in dessen 100. Jubiläumsjahr an den Rand des Abgrunds eines (fast sicher) potentiellen Pleitekandidaten geführt.

Dabei hat Lutz im Laufe seiner Laufbahn mehr als einen Autobauer saniert oder auf die Straße des Erfolgs gelenkt. Der ehemalige Kampfpilot, der 1959 das United Staates Marine Corps im Range eines Captains verlassen hatte, um an der Eliteuniversität im kalifornischen Berkeley Produktionsmanagement zu studieren, ging für General Motors ab 1963 nach Europa. Nach seinem Wechsel 1971 zu BMW krempelte er als Verantwortlicher für das Marketing komplett das Produktportfolio der Bayern um und initiierte unter anderem die Dreier-  und Fünfer-Baureihe.

1974 wechselte Lutz zu Ford. Als Chef von Ford Europa leitete er unter anderem den Wechsel vom Taunus in der Mittelklasse zum Sierra mit seiner polarisierenden, neuen Designsprache ein. Nach der Rückkehr in die USA verantwortete er die Nutzfahrzeuge-Division von Ford und ließ unter anderem das Erfolgsmodell Explorer entwickeln.

Der kleinste US-Hersteller Chrysler, 1986 zum fast hoffnungslosen Sanierungsfall verkommen, bot sich Lutz als nächste, angemessene Herauforderung an. Hier war er vordringlich für  die Entwicklung verantwortlich. Neben neuen Produkten, schärfte Lutz das Profil der traditionsreichen Konzernmarken wie Dodge und Plymouth mit spektakulären und imageträchtigen Autos wie der Viper von Dodge oder dem Plymouth Prowler.

Den termingerechten Ruhestand mit 65 ignorierte Bob Lutz ab 1998 als Vorstandsvorsitzender des Batteriespezialisten Exide Technologie. Auch mit 69 übte das private 43-Hektaranwesen mit renommierter Autosammlung und zwei Kampfjets im privaten Hangar auf den Zigarren- und Golf-Fan noch nicht die entsprechende Anziehungskraft aus, um ein neuerliches Angebot von GM für die Übernahme der Verantwortung für die technische Entwicklung des Konzern, abschlägig zu bescheiden.

Der bedingungslose Verfechter von automobiler Power verpasste unter anderem Cadillac eine profilierte neue Designsprache und initiierte so spektakuläre Studien wie den Sixteen, Ivoque oder Cien für Cadillac. Lutz setzte die Renaissance des Musclecars Camaro in Gang. Er sorgte für emotionale Produkte wie den Saturn Sky, der die technische Basis für Konzernderivate wie den Pontiac Solstice und den Opel GT bildete. Die Corvette ZR-1 adelte er mit jetzt 647 PS zum stärksten Serienfahrzeug, das GM jemals gebaut hat. Auf der anderen Seite initiierte er als Antwort auf Energiepreise und Klimawandel das Elektroauto Volt, das ab 2010 die ökologische Zukunftsorientierung von GM einleiten soll.

Die Medien werden den charismatischen Weltbürger Lutz besonders vermissen, der stets deutlich Worte fand, auch auf die Gefahr hin, politisch unkorrekt zu agieren. So bezeichnete er beispielsweise den Toyota Camry, mithin seit vielen Jahren die erfolgreichste Limousine auf dem US-Markt mit bis zu 500.000 verkauften Einheiten per annum, als „eines der hässlichsten Autos, das je auf  die Straße gekommen ist“. Oder bemerkte öffentlich zu Restrukturierung von Opel, dass das Design des damals neuen Vectra „den Kunden nicht gerade das Portemonnaie aus der Tasche zieht“.

Die Aufgabe von Bob Lutz bei General Motors übernimmt ab April  der 60jährige Thomas Stephens. Natürlich wird sich Robert A. Lutz auch im 77. Lebensjahr nicht hundertprozentig dem Golfspiel und seinen Jets widmen. Er soll seinen letzten Arbeitgeber auf dem Weg durch das wirtschaftliche Jammertal als Berater weiter begleiten.

AUTO ZEITUNG

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