General Motors Concept Cars: Buick LeSabre und Cadillac Cien Der Schöne und das Biest

31.03.2011

Studien haben bei General Motors eine lange Tradition. Der prachtvolle Buick LeSabre von 1951 trifft den pfeilschnellen Cadillac Cien in Michigan

Warren unweit von Detroit im US-Bundesstaat Michigan. Hier, wo sich die Hauptquartiere der amerikanischen Autokonzerne ballen – Ford sitzt drüben in Dearborn, Chrysler in Auburn Hills –, hat der Größte von allen sein technisches Entwicklungszentrum und die Designzentrale aus dem Boden gestampft: General Motors.

Es ist schwülwarm. Michigan, das heißt echte Jahreszeiten mit bitterkalten Wintern und heißen Sommermonaten. Sie geben den ohnehin angenagten High- und Freeways, die den Großraum Detroit im Innern zusammenhalten, den Rest. Keine Frage: Die Infrastruktur des wirtschaftlich gebeutelten Auto-Kernlandes der Vereinigten Staaten ist in die Jahre gekommen. Und den „Big Three“, den drei Auto-Kolossen, ging es auch schon mal besser. Dennoch sollte man die Innovationskraft der Amerikaner niemals unterschätzen. Sie fußt auf einer an Highlights reichen Geschichte.

EIN GM-CHROMJUWEL – KURZ VORM ABHEBEN
Beispiel GM. Tür an Tür parken zwei Exoten in der flimmernden Hitze. Studien, Probierstücke, Solitäre. Über 50 Jahre liegen zwischen dem Buick LeSabre und dem CADILLAC CIEN. Barocke Opulenz der 50er-Jahre trifft auf die Keilschrift des neuen Jahrtausends. Aufregende Einzelstücke haben bei GM eine lange Tradition. Mit dem von Designchef Harley J. Earl entworfenen und 1938 vorgestellten Buick Y-Job etwa schufen die Detroiter das erste Konzeptauto überhaupt. Seine Form beeinflusste das Design der Marke bis weit in die 50er-Jahre hinein. Den LeSabre stellten die Modellstrategen ihrer gleichnamigen Baureihe voran, die von 1959 bis ins Jahr 2005 millionenfach gebaut wurde und lange Zeit das erfolgreichste Fullsize-Car auf dem US-Markt war. Nimmt man es pingelig genau, so war der LeSabre bei seinem Debüt am 15. Juli eigentlich noch kein waschechter Buick, sondern eine Art universelle Design-Matrix für den gesamten GM-Konzern.

Das spektakuläre, erneut von Harley J. Earl inszenierte Chrommodell spiegelt den von Geschwindigkeit und Technikversessenheit bestimmten Zeitgeist wider. Fortschritt? Flugzeuge! Die vorderen Stoßfänger sind Tragflächen nachempfunden, und dem in einem Oval auslaufenden Buckel auf dem weitläufigen Plateau der Motorhaube fehlt eigentlich nur noch ein Propeller. Auch die gerade in Mode kommenden Heckflossen, die später nahezu die gesamte Modellpalette von GM schmücken sollten, erinnern eher an Luft- denn an Fahrzeuge, die am Boden bleiben. Im erstaunlich knapp geschnittenen Innenraum des 5,10 Meter langen Zweisitzers finden sich nur unwesentlich weniger Schalter und Anzeigen als in einer zeitgenössischen Lockheed Super Constellation. Was auf den ersten Blick chaotisch wirkt, ist allerdings durchaus ablesbar aufgebaut.

Ein echter Blickfang ist eine Batterie aus kreisrund um die Lenksäule gruppierten Uhren. Ein weiterer ist die Anzeige „Alcohol Level“. Sie kündet allerdings nicht vom Betriebsdruck des womöglich angetüdelten Fahrers, sondern informiert über den Füllstand des Methanoltanks. Der von zwei Roots-Kompressoren unter Druck gesetzte, 335 PS starke 3,5-Liter-V8 des LeSabre ist sowohl für den Betrieb mit Methylalkohol ausgelegt als auch mit Benzin – inklusive zweier getrennter Tanks im Heck. Holzgeist und Sprit – die 193 km/h schnelle Studie ist auf alles vorbereitet. Fortschrittlichkeit beweisen auch das Leichtbauprinzip – die teils aus Alu und Magnesium gefertige Karosserie ruht auf einem Chrom-Molybdän-Rahmen –, die Zwölf-Volt-Elektrik und das automatisch bewegte Klappdach samt Regensensor. Ein zünftiges Gewitter über Warren, und der LeSabre würde zum Coupé.

Zeitsprung. Zum 100sten Geburtstag im Jahr 2002 machte sich Cadillac selbst ein Geschenk. Der Cien – spanisch für 100 – läutete eine Designwende der uramerikanischen Luxusmarke ein. Flach, kantig und technisch steht der weitgehend aus Kohlefaserverbundstoff gefertigte Mittelmotor-Sportler in der Sonne Michigans. Vor der Hinterachse lauert ein 7,5-Liter- V12, gespickt mit technischen Finessen wie Benzin-Direkteinspritzung, Zylinderabschaltung, variablem Ansaugsystem, variabler Ventilsteuerung, gekoppelt mit einem sequenziellen Sechsganggetriebe. Der in Vollaluminium- Bauweise gebaute Konzeptmotor – interner Code Northstar XV12 – ist bei alldem nicht größer als ein Achtzylinder. In knapp 3,5 Sekunden donnert der nur 1,17 Meter hohe, im europäischen Designstudio in Birmingham entworfene Caddy-Keil auf Tempo 100 und weiter bis auf über 350 km/h. Theoretisch.

In der Praxis muss das bereits zu Filmehren gekommene, mehrere Millionen Dollar teure Stück mit Vorsicht bewegt werden. Es gibt nur dieses eine. Während der LeSabre im Innenraum die Super Conny mimt, gibt der Cien den Tarnkappenbomber. Der Fahrer greift zu einem am unteren Ende abgeflachten, von Schaltpaddeln flankierten Steuer, vor sich ein Monitor, der alle Fahrinformationen anzeigt. Auch die gnadenlos schnörkelfreie, mit Bedienknöpfen übersäte Mittelkonsole huldigt einem technischcoolen Lebensgefühl. Unverzichtbar: der Nachtsichtassistent und der Ultra Sonic Parking Assist. Den besonderen Charme des LeSabre kann der Caddy freilich nicht überstrahlen. Das kann nur die Sonne hier in Warren im Staate Michigan.
Stefan Miete

BUICK LESABRE (1951)
V8-Zylinder, zwei Roots-Kompressoren - Hubraum: 3534 cm3 - 335 PS (246 kW) - bei 5200/ min - 381 Newtonmeter bei 3650 /min - Hinterradantrieb - Viergangautomatik - Bereifung rundum: 8.00 x 13 - L/B/H: 5100/1950/1270 mm - Radstand: 2921 mm - 0 – 100 km/h: k. A. - Höchstgeschwindigkeit: 193 km/h

CADILLAC CIEN (2002)
V12-Zylinder-Mittelmotor - 4-Ventiler - Hubraum: 7500 cm3 - 750 PS (550 kW) - bei 5500 /min. - 610 Newtonmeter bei 1500 /min - Hinterradantrieb - Sechsgangautomatik - Bereifung vorn: 245/35 R 19, hinten: 335/30 R 21 - L/B/H: 4457/1975/1170 mm - Radstand: 2750 mm - 0 – 100 km/h: 3,5 s - Höchstgeschwindigkeit: 350 km/h

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