Ford Thunderbird Cabrio (1966): T-Bird im Fahrbericht Donner Vogel

18.12.2014

Mit seinem gewaltigen 7,0-Liter-V8 und betörender Linienführung gibt das Ford Thunderbird Cabrio nicht nur auf dem Highway eine prächtige Figur ab. Fahrbericht

Power-Cruising unter der strahlenden Sonne Kaliforniens, begleitet von heißen Elvis-Rhythmen und sonorem V8-Geblubber – stimmiger lässt sich der American Way of Drive in einem US-Cabriolet kaum erleben. Vorausgesetzt, der fahrbare Untersatz stimmt. Ein perfekter Partner dafür ist neben vielen anderen offenen US-Cars das Ford Thunderbird Cabriolet. Mit 345 PS Leistung aus rund sieben Litern Hubraum und einer betörend schönen Formensprache lockte es Mitte der 1960er-Jahre die Fans des Open-Air-Fahrens auf die Highways.

 

Ford Thunderbird: Bereits 1955 Modelle mit diesem Namen

Doch die Geschichte des „Donnervogels“ aus dem Hause Ford begann sehr viel früher. Bereits 1955 hörten Ford-Modelle auf diesen Namen, der Konzernintern bis ins Jahr 1997 ununterbrochen Verwendung fand. Rechnet man die Neuauflage des T-Bird von 2002 bis 2005 hinzu, zählt der Thunderbird neben der Corvette von Chevrolet oder dem Mustang von Ford zu einer der am längsten verwendeten Typenbezeichnungen in der Automobilgeschichte.

Während die ersten T-Bird-Modelle von 1955 bis 1957 als sportive Zweisitzer noch die Corvette oder europäische Sportwagen wie den Jaguar XK 140 ins Visier nahmen und über barocke Formen verfügten, wiesen die von 1958 bis 1969 gebauten T-Birds nicht nur ein kantigeres Design, sondern auch vier bis fünf Sitzplätze und stärkere Motoren auf. 1966 erhielt der Ford Thunderbird – nachdem im Jahr zuvor gegen Aufpreis erstmals Scheibenbremsen an der Vorderachse erhältlich waren – eine umfangreiche Überarbeitung. Verlief die vordere Stoßstange bis dahin noch oberhalb des Kühlergrills, so schmiegte sie sich nun unterhalb davon in einer Linie an und sorgte für ein noch dynamischeres und moderneres Gesicht.

Die Heckpartie zierte jetzt zudem ein durchgehendes Leuchtenband an Stelle der bisher in Chrom gefassten Einzelleuchten und ließ den Thunderbird auch aus dieser Perspektive frischer und gefälliger wirken. Auch bei der Motorisierung machte der T-Bird Fortschritte, denn neben den mit Doppel- und Vierfach-Vergasern erhältlichen 6,4-Liter-V8-Triebwerken mit 275 respektive 315 PS war fortan auch eine 345 PS starke 7,0-Liter-Maschine im Angebot.


Der riesige V8 türmt ein wahres Drehmomentgebirge auf


Aus dem legendären US-Hubraummaß von 428 Cubic Inch – 7014 Kubikzentimetern entsprechend – schöpfte das im Verhältnis 10,5:1 verdichtete Hubraummonster seine Nennleistung bei moderaten 4600 Umdrehungen pro Minute und beschleunigte das offene Großkaliber in rund zehn Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer. Bei Bedarf waren glatte 200 km/h Höchstgeschwindigkeit drin – ein kühnes Unterfangen. Von einem Ford-9510-Vierfach-Vergaser mit Frischgas gefüttert, beeindruckt jedoch vielmehr das Drehmomentgebirge, das der mit traditionell zentral angeordneter Nockenwelle, Stoßstangen und Kipphebeln bewehrte Zweiventil-V8 auftürmt.

Gewaltige 626 Newtonmeter schickt der aus einer zweiflutigen Abgasanlage donnernde V8 bei lediglich 2800 Touren an seine C6-Dual-Range-Automatik, die von November 1965 an nicht nur beim 428-Cubic-Inch-Motor, sondern auch bei seinen beiden kleineren Brüdern mit 390 Cubic Inch Hubraum an Stelle der bisherigen Cruise-O-Matic eingesetzt wurde. Neu war für das Jahr 1966 auch die Farbgebung des  Motorgehäuses, das nun – Ford-typisch – in Blau glänzte.

Ein Novum und wichtiges Komfortattribut für die verwöhnte amerikanische Kundschaft stellte die in jenem Jahr eingeführte Highway Pilot Automatic Speed Control – ein Tempomat – dar. Die Betätigungstasten waren dabei in die beiden verchromten Speichen des Lenkrads integriert, während sich der Ein-Aus-Schalter für den Tempomaten rechts in der Mittelkonsole befand.

Mit der linken Lenkradtaste wurde die Geschwindigkeit vorgewählt, während mit der rechten beim Druck nach unten die Geschwindigkeit reduziert, gleichzeitig verzögert und die Bremsleuchten betätigt wurden. Wollte man die ursprünglich vorgewählte Fahrgeschwindigkeit wieder erreichen, genügte ein kurzer Druck der rechten Taste nach oben, und der Thunderbird beschleunigte bis zur vorgewählten Marke. Vor fast 50 Jahren ein hochmodernes und heiß geliebtes Feature, das sich im Grunde nicht vonden heutigen Temporeglern unterscheidet, sich damals jedoch einer gänzlich anderen Technik als der heute selbstverständlichen Elektronik und Mikroprozessorsteuerung bediente. Vereinfacht geschildert, arbeitete das Regelungssystem über eine Vakuumpumpe, die bei Bedarf das Bremspedal über eine Zugkette betätigte.

Eine weitere Pumpe – gekoppelt mit Tachometer, Motor und Kraftübertragung – regelte wiederum die Geschwindigkeit. Kuriosum dabei: Hatte der Händler die Zugkette nicht richtig eingestellt, konnte es sein, dass der Thunderbird deutlich kräftiger als gewünscht abbremste. Doch nicht nur die Liebhaber größtmöglichen Komforts kamen bei der Sonderausstattungsliste des Jahres 1966 auf ihre Kosten.


Innovatives Soundsystem


Auch den Musikfans servierte Ford ein Schmankerl – in Form des Stereo Sonic Tape Systems in Verbindung mit einem integrierten Mittelwellen-Radioempfänger. Beim Stereo Sonic Tape System handelte es sich kurz gesagt um einen Kassettenspieler, der das Abspielen bereits bespielter Magnetbänder über ein in der Mittelkonsole eingebautes Laufwerk ermöglichte. Legte man eine Musikkassette ein, schaltete das System automatisch auf die Wiedergabe des Tapes und das Radio aus.

Warf man die Musikkassette wieder aus, schaltete sich das Radio automatisch wieder ein. Da die Magnetbänder über vier – übrigens separat anzusteuernde – Spuren verfügten, war eine Wiedergabe über eine Zeit von einer Stunde und 20 Minuten möglich. Damit ließ es sich als Musikfan gut aushalten, zumal das Soundsystem die Musik über vier Lautsprecher – zwei vorne und zwei hinten – in prächtiger Qualität servierte.

Die Amerikaner nahmen also vor rund 50 Jahren mit Tempomat und Soundsystem vorweg, was in Europa erst viel später in den Ausstattungslisten
auftauchte – meist gegen happige Aufpreise. Denn zum relaxten Power-Cruising gehörten schon damals neben der Sonne von oben die heißen Rhythmen an Bord – und wenn schon mit dem Thunderbird über die Highways donnern, warum dann nicht mit Tempomat?

Ford Thunderbird Cabrio (Bj.1965-66): Daten und Fakten
Antrieb
V8-Zylinder; vorn längs; 2-Ventiler, eine zentrale Nockenwelle; Gemischbildung: ein Vierfach-Vergaser Ford 9510; Bohrung x Hub: 104,9 x 101,1 mm; Hubraum: 7014 cm3; Verdichtung 10,5; Leistung: 254 kW/345 PS bei 4600/min; maximales Drehmoment: 626 Nm bei 2800/min; Dreigang-Automatik; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Ganzstahlkarosserie auf Rahmen mit zwei Türen und hydraulisch betätigtem Stoffverdeck; Radaufhängung vorn: Dreieckquerlenker und Längsdrehstäbe; hinten: Starrachse mit Blattfedern; v./h. hydraulische Stoßdämpfer; Bremsen: v./h. Scheiben/Trommeln; Reifen: 8.15-15
Eckdaten
L/B/H: 5220/1962/1334 mm; Radstand: 2875 mm; Spurweite v./h.: 1549/1524 mm; Leergewicht: 2128 kg; Bauzeit: 1965-1966; Stückz.: 5049; Preis (1966): ca. 29.000 Mark
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 10 s; Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h; Verbrauch: 18-22 l/100 km
1Werksangaben


MARKTLAGE

Zustand 2: 29.900 Euro
Zustand 3: 20.700 Euro
Zustand 4:    8800 Euro
Wertentwicklung: leicht steigend
Definition der Zustandsnoten  

Jürgen Gassebner

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