Ford Mustang von Giugiaro Ford Mustang Giugiaro - Im vollen Galopp

15.06.2007

Den Gegensatz zwischen amerikanisch urgewaltiger V8-Power und italienisch filigranem Karosseriebau soll ein Projekt aufheben, das Giugiaro erstmals Ende November 2006 zur Automobilmesse von Los Angeles zeigte: die Automobil-Ikone Ford Mustang in feinem italienischen Tuch

Doch die Giugiaros wären nicht so erfolgreich, wenn ihr Bemühen nur um formale Schönheit kreiste. Insbesondere Fabrizio, der 41-jährige Sohn des Firmengründers und Leiter von Ital-design, legt großen Wert darauf, Fahrdynamik und Handling seiner Autos auch der Qualität seiner italienischen Formensprache anzupassen. Deshalb trampelt der Ford Mustang by Giugiaro nicht mit gestrafften Gesichtszügen und ungehobelter US-Technik ins automobile Leben, sondern auch technisch feiner abgeschmeckt als das Original - einmal abgesehen vom Triebwerk.

Rau kratzend und ohne Rücksicht auf empfindsame Ohren der Anwohnerschaft, schüttelt der Amerikaner seine Glieder und erwacht zum Leben. Der Amerikaner, das ist das mächtige 4,6-Liter-V8-Triebwerk des Ford Mustang GT, von einem heiser jaulenden Kompressor beatmet und mit vollmundig wummerndem Sound über eine Doppelauspuffanlage entlüftet. Satte 500 PS versprechen die Väter des Kraftpakets dem Kunden. Sie betreiben Ford Racing, eine werkseigene Tuning-Abteilung, die ihre Dienste in Katalogen mit Umfängen eines New Yorker Telefonbuchs anpreisen.

Der Motor ist weitgehend baugleich mit dem Triebwerk des Mustang-FR500-Racer aus der US-Rennserie "Grand Am-Challenge". Die Shelby-Version des Ford Mustang GT verfügt ebenfalls über einen solchen Motor. In Giugiaros Einzelstück thront ein voluminöser Whipple-Kompressor im Gehäuse aus gebürstetem Aluminium zwischen dem V der acht Zylinder.

Er ist so appetitlich angerichtet, dass man verführt ist, auf ihm Hot Dogs zu grillen. Mit unüberhörbarer Präsenz setzt er die acht Verbrennungsräume unter Druck. Und steigert so die Serienleistung von 300 PS um nochmals 200, um Mustang-Kunden mit großem Leistungshunger ein Gefühl von Sättigung zu verschaffen. Oft sind dies Liebhaber eines US-Volkssports, den man drüben gern an Ampelkreuzungen betreibt. Mit dem Umspringen auf Grün fällt der Gasfuß des Piloten, um möglichst viel Gummi auf den Asphalt zu brennen. Dieser bleibt als Dokument der persönlichen Schnellkraft zurück, die den Sprinterkönig des Augenblicks kürt.

So viel Spurtstärke verlangt nach einer kurz übersetzten Schaltbox. Ford Racing verbaut sie als Fünfgang-Handschaltgetriebe mit geschmeidig führbarem Stick, den Giugiaro als verchromtes, massives Pleuel ausbildet. Die Sportkupplung dagegen ist kraftzehrend, die zum Tuning-Paket gehörenden Stabilisatoren sind unerlässlich, und die Feinabstimmung des Fahrwerks bedarf für Passagiere mit sensibler Wirbelsäule der Nachbesserung. Giugiaro versteht das Technikpaket als Grundversorgung der würdigen Fortbewegung für ein viersitziges Coupé, das amerikanischer kaum sein könnte. Um genau dieses Flair zu wahren, ist das Giugiaro-Design bemüht.

Auf serienmäßiger Bodengruppe fährt der Italo-Mustang mit hinten 75 Millimeter breiterer Spur vor und bleibt in der Karosserielänge 1150 Millimeter unter der des Originals. Allein sein Fondüberhang misst 80 Millimeter weniger. Seine dermaßen betonte Hecklastigkeit und mithin länger wirkende Motorhaube führt zu kraftvolleren Karosserie-Proportionen, und das schwungvoll aufgespannte Glasdach suggeriert dem Fahrer ein sehr luftiges Raumkonzept. Das Dach ist dem Hersteller Solutia nach vollkommen undurchlässig für schädliche UVA-Strahlen und endet knapp vor der scharfen Heckabrisskante.

Im Interieur prägt schwülstiger Wildwest-Stil eine Art US-Barock. Stellenweise abgewetzte Kuhhäute bekleiden die Schalensitze und verbreiten rauen Charme. Die hinteren zwei Sitze sind einzeln umklappbar und öffnen auf diese Weise den Zugang zum Kofferabteil mit stehendem Reserverad. Viel Glas spiegelt im Cockpit die 60er-Jahre wider, doch hinter ihrem Glanz wohnt innovative Technik. Gespeist durch die Weitsichtigkeit von vier Kameras, wird auf drei in Armaturenblenden integrierten Bildschirmen der rückwärtige Raum abgebildet: Drei Kameras übernehmen die Funktion der beiden Außen- und des Rückspiegels, die vierte über dem Mustang-Emblem im Heck schaltet sich beim Einlegen des Rückwärtsgangs zu.
Der mit italienischem Charme kokettierende Muskelprotz sieht leichtfüßiger aus, als er sich in freier Wildbahn gebärdet. Lenkung? Okay. Der Mustang ist bemüht, den Fahrer-Wünschen zu folgen. Spurtreue? Es ist für ihn nicht einfach, Kurs zu halten und die fahrdynamischen Grenzen der Starrachse zu verleugnen. Auch der Kompressor-Motor tut sich schwer, seine 500 PS überzeugend zu vermitteln. Über 3000 Umdrehungen sollten es sein, um den Hengst gehorsam am Gas zu halten. Und so zeigt das Projekt Ford Mustang by Giugiaro mehr Potenzial als tatsächlich verfügbare Potenz.

Die Marktchancen eines verfeinerten Pro-duktionsmodells hat Fords Chef-Designer J. Mays offenbar erkannt. Denn aus den USA ist zu vernehmen, dass eine Sonderserie des Italo-Mustang für 2008 durchaus möglich werden könnte - ohne effekthaschende Flügeltüren, versteht sich, doch mit dem rauen Charme des stampfen-den V8-Kompressor-Motors. Ein Auto wie eine Pizza aus zwei Welten, mit mächtigem Fundament und filigraner Delikatessen-Auflage.
Jürgen Zöllter

» zur Übersicht: PS-Parade - Die neuen Supersportwagen für 2007 und 2008

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