Ford Mustang Fastback: Fahrbericht, Bilder & technische Daten Pferde-Stärkung

26.03.2014

Der Ford Mustang Fastback von 1966 begeistert mit seiner betörenden Linienführung. Doch erst eine umfangreiche Kraftkur machte aus dem zahmen Pony ein echtes Wildpferd. Fahrbericht

Mit fast schon europäisch anmutender GT-Optik wurde der Ford Mustang Fastback im zweiten Jahr der 1964 angelaufenen Baureihe zu einem Objekt der Begierde. Der markante Hüftschwung im Bereich der B-Säule und die sanft abfallende Dachlinie im Stil eines Fließheck-Coupés begeisterten die Fans der von Ford neu geschaffenen Gattung der „Pony Cars“ auf Anhieb.

Die Philosophie, die dahinter steckte, hatte handfeste Vorzüge: Man nehme ein vergleichsweise kleines und leichtes Auto und implantiere vorzugsweise drehmomentstarke V8-Triebwerke. Heraus kam deshalb zwar noch kein Sportwagen, aber ein durchaus fahraktives Auto, das wenig später sogar auf den Rennpisten den Beweis strammer Performance abliefern sollte.

Hinter dem Plan, dem Mustang so richtig das Laufen beizubringen, steckte vor allem Carroll Shelby, Ex-Rennfahrer und Vater der legendären Cobra im kalifornischen Venice. Kaum auf dem Markt, widmete er sich dem Fastback und versetzte den von Hause aus rund 200 PS starken Mustang in den Stand, auf Rennkursen um Siegerlorbeer zu kämpfen. Es war die Geburtsstunde des Shelby GT-350 mit 306 PS starkem 4,7-Liter-V8, der insgesamt 562 Mal gebaut wurde und heute fraglos zu den amerikanischen Automobil-Ikonen zählt.

 

FORD MUSTANG FASTBACK: INSPIRATION VON SHELBY

Glücklich  sind  jene,  die  einen solchen Shelby GT-350 besitzen, doch kaum weniger glücklich sind auch die Fans, die in den Genuss eines Mustang Fastback der ersten, von 1965 bis 1966 produzierten Version kommen. Und irgendwo dazwischen befinden sich jene Mustang-Verstrahlten, die sich vom Geiste Carroll Shelbys inspirieren ließen und ihrem frühen Fastback mit allerlei technischer Optimierung auf die Sprünge halfen – so wie der Besitzer und Restaurator unseres Fotofahrzeugs.

Dieses erblickte als so genannter C-Code im April 1966 im Ford-Werk in San Jose das Licht der Autowelt. Er verfügte über den 289 Cubic Inch oder umgerechnet 4736 Kubikzentimeter großen V8 mit Zweifach-Vergaser sowie bei einem Verdichtungsverhältnis von 8,5:1 über 200 SAE-PS, die in DIN übertragen jedoch auf 150 schrumpften – allemal genügend Punch zum Cruisen, doch eingedenk der 306 PS eines Shelby GT-350 einfach zu wenig.

Also machte sich unser Besitzer – nachdem er den Wagen 1990 in Oceanside, Kalifornien, von einer Hausfrau gekauft hatte – daran, das behäbige Wildpferd in einen feurigen Hengst zu verwandeln. Als gleichermaßen bequem wie sinnvoll entpuppte sich dabei der beherzte Griff ins Spezialteile-Regal von Ford Racing. Dort fanden sich erprobte Komponenten wie Leichtmetall-Zylinderköpfe, eine schärfere Nockenwelle, höher verdichtende Schmiedekolben sowie hochwertige, geschmiedete Kipphebel zur drehzahlfesten Betätigung der Ventile.

Die Optimierung von Ein- und Auslasstrakt übernahmen eine Cobra-Ansaugspinne nebst 600er Vierfach-Vergaser und Fächerkrümmer, wie sie bereits unter Carroll Shelby zum Einsatz kamen. Im Sinne eines langen Motorlebens kümmerten sich fortan auch zusätzliche Motor- und Getriebeölkühler um das thermische Gleichgewicht des gedopten V8.

Doch damit nicht genug. Ganz im Sinne der Shelby-Philosophie widmete sich der Mustang-Fan auch dem Fahrwerk. So erhielt die Vorderachsgeometrie die Werte des 65er-Shelby-Mustang  inklusive einer Tieferlegung von zehn Millimetern und leicht negativem Sturz. Im Sinne des geplanten Straßenbetriebs und gewisser Mindestansprüche hinsichtlich Komfort wurden die serienmäßigen Federn beibehalten, allerdings wie beim Shelby mit Koni-Stoßdämpfern ergänzt. Einem 67er Shelby entlehnt wurden hingegen die Räder der Dimension 7 x 15.

Für ein ungewohnt präzises Lenkgefühl sorgte zudem der Einsatz einer Zahnstangenlenkung, die mit geringem Spiel und gut definierter Mittellage durchaus sportliche Ansprüche zu befriedigen vermag. Last but not least wurde die Bremsanlage mit Scheiben vorne auf weiche und bissige Beläge umgerüstet sowie ein Bremskraftverstärker eingebaut, um der neuen Fahrdynamik gerecht zu werden.

Ein völlig anderes, weitaus arbeitsintensiveres Kapitel schlug unser Mustang-Eigner beim Thema Karosserie auf. Als so genanntes „Black Plate“-Auto hatte der Ford das warme Kalifornien nie verlassen, und so offenbarte die Karosseriesubstanz praktisch null Korrosion. Allerdings hatte der tägliche Dienst in den Händen der Vorbesitzerin manche Spur hinterlassen und dem in „Tahoe turquoise” lackierten Fastback zu einer ansehnlichen Patina verholfen.

Da der Besitzer von Beruf Exterieur-Designer eines namhaften Sportwagen-Herstellers ist, blieb es nicht bei einer einfachen Neulackierung des Fastback. Dem täglichen beruflichen Qualitätsanspruch folgend, musste auch beim Mustang jede Linie, jedes Spaltmaß und jeder Übergang die Forderung nach Perfektion erfüllen – mit dem Ziel, eine dem betörenden Fastback-Design angemessene Oberflächengüte zu schaffen. So verschwanden Mustang samt Besitzer rund ein Jahr lang in den Tiefen des Karosseriebaus. Es wurde auseinandergebaut, entlackt und ausgebeult, bevor mit Muße verzinnt sowie gespachtelt und damit der Grundstein für einen perfekten Lackaufbau gelegt wurde.

 

FORD MUSTANG FASTBACK: MINUTIÖSER AUFBAU

Nach einer zweischichtigen Grundierung mit EP-Füller folgten unzählige Kontrollschichten zur Visualisierung von Flächenfehlern, bevor sich die Karosserie nach Auftrag einer Ein-Komponenten-Absperrschicht für einen Monat zur Ruhe setzen durfte. Erst dann folgten der finale Auftrag von Füller, Metallic-Basislack sowie zwei versiegelnden Schichten Klarlack. Das ist 13 Jahre her, und bis auf ein paar wenige Steinschläge präsentiert sich der Fastback von 1966 heute noch in absoluter Bestform.

Die Optik verheißt Dynamik und Fahrspaß – das Fahrerlebnis löst dieses Versprechen ein, wie wir anlässlich unseres Foto-Shootings auf den winkligen Sträßchen der Schwäbischen Alb erfahren dürfen. So quittiert der Fastback den Tritt  aufs Gaspedal mit einem gierigen Schlürfen aus den Tiefen seines Ansaugtrakts, bevor markerschütterndes Grummeln die beiden Edelstahl-Endrohre verlässt und vom US-amerikanischen Drehmomentangriff kündet.

Kaum einen Wimpernschlag später presst der 4,7-Liter-V8 Mann und Maus mit Macht ins Gestühl, und man mag es kaum glauben, dass hier ein gemeinhin behäbiger Wandlerautomat für die Kraftübertragung sorgt. Grund für den Temperamentsausbruch ist die unveränderte Gesamtübersetzung.

Was mit wenig mehr als 150 PS vorher rund 200 km/h schnell lief, rennt jetzt nicht sehr viel schneller, geht aufgrund der drastisch gesteigerten Zugkraft aber ab wie die sprichwörtliche Feuerwehr. So verwundert es nicht, dass man beim Ampelstop hin und wieder in die ungläubigen Mienen aktueller Sportwagen-Besatzungen blickt, die den Fastback als vermeintlich leichte Beute ausmachten. Dass gerade der Mustang Fastback das keineswegs ist, bewies Carroll Shelby bereits vor fast 50 Jahren eindrücklich.

FORD MUSTAND FASTBACK (1966): Technische Daten und Fakten
Antrieb
V8-Zyl.; Hubraum: 4736 cm3; Leistung: 149 kW/203 PS bei 4400/min; max. Drehm.: 407 Nm bei 2800/min; Dreigang-Automatik; Hinterradantrieb
Aufbau und Fahrwerk
Selbsttragende Ganzstahlkarosserie mit zwei Türen; Radaufhängung vorn: Doppelquerlenker, Schraubenfedern; hinten: Starrachse, Blattfedern; v./h. hydr. Stoßdämpfer; Bremsen: v./h. Scheiben/Trommmeln; Reifen: v./h. 205/60 R 15
Eckdaten
L/B/H: 4610/1730/1300 mm; Radstand: 2720 mm; Leergew.: 1330 kg; Bauzeit: 1965 bis 1966; Stückzahl: 35.698 (1966); Preis (1966): 2607 Dollar
Fahrleistungen1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in 9,2 s; Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h; Verbrauch: ca. 14 l/100 km
1,2Mustang Fastback Serie


MARKTLAGE2

Zustand 2:  33.400 Euro
Zustand 3: 22.700 Euro
Zustand 4: 16.000 Euro
Wertentwicklung: leicht fallend
Definition der Zustandsnoten

Jürgen Gassebner

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