Ford, Mazda, Opel & VW: 4 Mittelklasse-Kombis richtig einladend

28.04.2015
Inhalt
  1. KAROSSERIE
  2. FAHRKOMFORT
  3. MOTOR/GERTRIEBE
  4. FAHRDYNAMIK
  5. UMWELT/KOSTEN
  6. FAZIT

Ford Mondeo Turnier, Mazda 6 Kombi, Opel Insignia Sports Tourer und VW Passat Variant stecken ordentlich was weg. Doch welcher der vier Lademeister überzeugt mit dem besten Gesamtpaket? Vergleichstest

Ob sportlich aktive Menschen, die Platz für ihr Equipment benötigen, Familienväter mit sperrigen Kinderwagen oder Geschäftsreisende, die oft mit viel Gepäck unterwegs sind: Geräumige Kombis sind für viele Autofahrer immer noch die erste Wahl.

Kein Wunder, vereinen sie doch limousinenhafte Fahreigenschaften mit einer großen Portion Nutzwert. Dank moderner Diesel-Aggregate sind die praktischen Allrounder zudem zumeist sehr effizient unterwegs. Für diesen Vergleichstest haben wir vier beliebte Lademeister mit kraftvollen Selbstzündern versammelt.

Gerade aus der Modellpflegekur kommt der Mazda 6, der sich mit verbesserten Komforteigenschaften und optimierter Bedienung dem Wettbewerb stellt. Dazu gesellt sich der im Februar eingeführte Ford Mondeo, der mit ausgewogenen Fahreigenschaften und kräftigem Motor punkten soll.

Als ausgewiesener Routinier steigt der Opel Insignia Sports Tourer in den Ring. Mit dem neuem 170-PS Diesel will er jetzt noch einmal richtig durchstarten. Gegen diese drei Herausforderer tritt der VW Passat Variant 2.0 TDI an. Der Wolfsburger gilt derzeit als die Benchmark im Segment, an der sich alle weiteren Konkurrenten messen lassen müssen.

 

KAROSSERIE

Mit 4,76 bis 4,91 Metern Außenlänge sind unsere Testkandidaten allesamt stattliche Erscheinungen. Gleichwohl gibt es Unterschiede in puncto Raumausnutzung. Am geschicktesten geht der VW Passat mit diesem Thema um. Obwohl er der kürzeste und schmalste Kombi im Vergleich ist, bietet er die großzügigsten Platzverhältnisse.

Gerade hinten sprengt das Raumangebot das für das Mittelklasse-Segment übliche Format deutlich. Sowohl die Beinals auch die Kopffreiheit entsprechen eher schon Oberklasse-Niveau. Das Gleiche gilt für den Kofferraum, der mit 650 bis 1780 Litern mehr als üppig ausfällt.

Ein weiteres Pfund, mit dem der Passat wuchern kann, ist die einfache Bedienung. Sinnvoll platzierte Schalter sowie die logische Beschriftung aller Tasten erleichtern das Zurechtfinden maßgeblich. Das Platzangebot im Mazda 6 ähnelt weitgehend dem der Konkurrenz und reicht somit auch für große Menschen völlig aus.

Mit dem jüngst erfolgten Facelift hat der Japaner ein neues Infotainment- System bekommen. Die weitgehend intuitive Bedienung erfolgt während der Fahrt über einen Dreh-/Drücksteller. Im Stand können Eingaben auch über den Touchscreen vorgenommen werden. Vorbildlich:

Der Asiate, den es mit dem hier getesteten 175-PS Diesel nur in der Topausstattung Sports-Line gibt, hat umfangreiche Sicherheits-Features an Bord. City-Notbremsassistent, LED Scheinwerfer, Assistenten zum Spurhalten und -wechseln oder der Müdigkeitswarner sind allesamt Serie.

Darüber hinaus beweist der Mazda mit seinem großen Gepäckraum, der 522 bis 1648 Liter schluckt, gute Transportqualitäten. Allerdings bringt der Japaner die geringste Zuladung mit: Mehr als 491 Kilogramm darf er nicht transportieren. Auch der Ford Mondeo offeriert seinen Fahrgästen ein sehr gutes Platzangebot.

Dies gilt für vorn und hinten gleichermaßen. Der Gepäckraum ist zwar nicht so groß wie beispielsweise der des Passat, reicht aber mit 525 bis 1630 Litern für die meisten Alltagssituationen völlig aus. Dank der niedrigsten Ladekante im Feld ist er zudem sehr gut zugänglich. Der Opel Insignia ist das größte Auto im Feld – allerdings nur äußerlich.

Denn der Innenraum hält weniger Platz parat als die Konkurrenten. Vor allem hinten lässt der Opel seine Insassen durch die weit nach innen eingezogenen Dachholme enger zusammenrücken. Und auch das maximale Gepäckraumvolumen fällt mit 1530 Litern eher mäßig aus.

 

FAHRKOMFORT

Der Ford und der VW bestreiten diesen Vergleichstest jeweils mit adaptiven Dämpfern. Dies bringt ihnen Vorteile gegenüber der Konkurrenz von Mazda und Opel ein, die mit ihren konventionellen Feder-/Dämpfer-Elementen Fahrbahnschäden nicht so geschmeidig ausblenden.

Vor allem der Mazda 6 reagiert auf Querfugen und Kanten etwas hölzern – was zu einem Teil jedoch den serienmäßigen 19-Zoll-Rädern zuzuschreiben ist. Den besten Sitzkomfort finden die Passagiere einmal mehr im Passat vor.

Der 1180 Euro teure ergoComfort-Sitz, mit dem unser Testwagen bestückt ist, lässt sich an alle erdenklichen Größen und Staturen anpassen und gefällt durch seine wirkungsvolle seitliche Körperabstützung.

Und auch die Rückbank des Wolfsburgers dürfte aufgrund der komfortablen Sitz-position und dem gebotenen Seitenhalt den meisten Fahrgästen auf langen Strecken mehr zusagen als die weniger konturierten Rücksitze der Konkurrenz.

 

MOTOR/GERTRIEBE

Der Ford Mondeo 2.0 TDCi (180 PS), der Mazda 6 SKYACTIV-D 175 (175 PS) und der Opel Insignia 2.0 CDTI (170 PS) konkurrieren von der Motorleistung her weitgehend auf Augenhöhe. Der VW Passat 2.0 TDI fällt mit seinen 150 PS leicht aus dem Rahmen. Dennoch kommt bei ihm nur selten der Wunsch nach mehr Leistung auf.

Das liegt einerseits an der spontanen und drehfreudigen Charakteristik seines TDI-Triebwerks. Andererseits hilft dem Wolfsburger sein vergleichsweise geringes Gewicht. Er ist 168 Kilogramm leichter als der Ford Mondeo und 179 Kilo leichter als Opel Insignia.

Dieser Umstand kommt dem VW zusätzlich beim Verbrauch zugute. Mit durchschnittlich 5,8 Litern/100 km ist er der Sparsamste im Feld. Der Schnellste des Quartetts ist der ebenfalls sehr leichte Mazda 6. Sein 2,2 Liter-Biturbodiesel beschleunigt den Asiaten in nur 7,8 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h.

Und auch in den Elastizitätsprüfungen hat der Japaner die ausdrucksstarke Nase vorn. Dazu begeistert das kultivierte Triebwerk durch seine spontane Gasannahme und die ausgeprägte Drehfreude. Mit einem Verbrauch von 6,2 Litern je 100 Kilometer präsentiert sich der Mazda zudem als effizienter Wegbegleiter.

Weniger gut: die etwas hakelige Schaltung des Sechsgang-Getriebes. Das 180 PS starke Diesel-Herz des Ford fühlt sich im mittleren Drehzahlbereich, also zwischen 2000 und 3800 Umdrehungen, am wohlsten. In diesem Fenster schiebt der leise TDCi den Mondeo wuchtig an.

Den Standardsprint erledigt der große Kölner in 8,6 Sekunden, was ihm den zweiten Platz in der Beschleunigsungswertung einbringt. Allerdings ist er mit einem für sich genommen im mer noch guten Verbrauch von 6,6 Litern der Durstigste im Feld.

Zum Herbst seines Produktionszyklus hat der Opel Insignia 2.0 CDTI noch einmal einen neuen Motor erhalten. Der laufruhige Turbodiesel mit AdBlue-Abgasnachbehandlung gefällt durch seine unaufgeregte Arbeitsweise und den geringen Verbrauch von 6,3 Litern auf 100 Kilometern.

Die Beschleunigungswerte des 170 PS starken Insignia liegen auf dem Niveau des schwächeren Passat. Allerdings wartet der Rüsselsheimer im Vergleich zum Wolfsburger Konkurrenten mit den besseren Elastizitätswerten auf. Die teigige Schaltung sorgt indes nicht für Begeisterungsstürme.

 

FAHRDYNAMIK

Mit der Kombination aus präziser Lenkung, verbindlicher Fahrwerksabstimmung und sehr guter Traktion sichert sich der VW Passat Variant einen ordentlichen Vorsprung auf unserem Handlingkurs. Kurven durcheilt der Wolfsburger neutral und mit den höchsten Geschwindigkeiten.

Das sensibel regelnde ESP hält den 1559 Kilogramm schweren Bestseller auch beim Überschreiten des Grenzbereichs sanft und zuverlässig in der Spur. Dazu liefert die standfeste Bremsanlage, die auch bei harter Beanspruchung keinerlei Fadingneigung aufweist, im warmen Zustand hervorragende Verzögerungswerte.

Ebenfalls eine gute fahrdynamische Figur gibt der Mazda 6 ab. Mit ausgeprägter Agilität stürzt sich der Japaner in Kurven und profitiert auf Geraden von seinem kräftigen Motor.

Die im Vergleich zum Passat schwächere Traktion und die ausgeprägtere Neigung zum Untersteuern werfen den Mazda, der nur fünf Kilogramm mehr auf die Waage bringt als der VW, allerdings etwas zurück.

Die gut dosierbare Bremsanlage liefert konkurrenzfähige Verzögerungswerte um die 35 Meter. Der Opel Insignia wirkt aufgrund der stärkeren Karosseriebewegungen und der etwas gefühlsarmen Lenkung nicht so agil wie der VW oder der Mazda.

Doch dieser Eindruck täuscht, denn er umrundet den Rundkurs lediglich zwei Zehntelsekunden langsamer als der Japaner. Das trägere Einlenkverhalten erschwert dem Rüsselsheimer allerdings das Durchwedeln des Slalom-Parcours, den er als Langsamster verlässt.

Dafür bleibt der Opel auch in Grenzsituationen stets gutmütig und leicht zu beherrschen. Dass der Ford der Konkurrenz trotz aller guten Anlagen, wie beispielsweise der besten Lenkung im Feld, auf kurviger Strecke hinterherfährt, liegt an der allzu sehr auf Sicherheit bedachten Fahrdynamikregelung.

Vor dem Erreichen des querdynamischen Limits verweigert der Kölner in schnellen Kurven bei eingeschlagenem Lenkrad die Gasannahme. Erst bei zurückgenommenem Lenkrad-einschlag beschleunigt der Ford wieder in gewohnter Manier.

 

UMWELT/KOSTEN

Der Kostensieger dieses Tests ist der Opel Insignia Sports Tourer, der als Business Edition für 30.958 Euro in der Preisliste zu finden und umfangreich ausgestattet ist. So gehören beispielsweise Leichtmetallräder, Navigationssystem oder der Premium-Sitz mit Gütesiegel Aktion Gesunder Rücken e.V. bereits zum Auslieferungsumfang.

Noch umfangreicher ist nur der Mazda 6 SKYACTIV-D 175 ausgestattet, der lediglich in der Sports- Line-Ausführung zu haben ist. Sein Einstandpreis liegt jedoch 5805 Euro über dem Opel.

 

FAZIT

Gegen den ausgewogenen VW Passat Variant scheint derzeit einfach kein Kraut gewachsen – auch diesen Vergleichstest gewinnt der Wolfsburger Musterschüler mit Abstand. Der Grund: Er leistet sich einfach keine Schwäche.

Einen tollen zweiten Platz fährt der überarbeitete Mazda6 Kombi ein. Sein sportliches Fahrverhalten, der klasse Diesel-Motor und das optimierte Bedienkonzept überzeugen. Das Siegerpodest komplettiert der Ford Mondeo Turnier, der mit seinem guten Platzangebot und den komfortablen Fahreigenschaften punktet.

Platz vier geht an den günstigen Opel Insignia Sports Tourer. Der neue Motor überzeugt mit seiner kultivierten Arbeitsweise und dem geringen Verbrauch. Die Raumausnutzung gehört jedoch nach wie vor nicht zu den Stärken des Routiniers

Marcel Kühler

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