Drei Mittelklasse-Limousinen im Vergleichstest FORD MONDEO - SKODA SUPERB - SAAB 9-5

14.09.2011
Inhalt
  1. Karosserie
  2. Fahrkomfort
  3. Motor und Getriebe
  4. Fahrdynamik
  5. Umwelt und Kosten
  6. Fazit

Der frische 9-5 soll Saab den Weg in die Zukunft ebnen. Erster Vergleichstest mit dem überarbeiteten Ford Mondeo und dem Skoda Superb

Nur wenige Marken haben eine derart leidensfähige und leidenschaftliche Anhängerschar wie Saab. Aber selbst die treuesten Fans hatten den Glauben an den skandinavischen Hersteller fast verloren. Doch Spyker, der holländische Sportwagenhersteller, hat die Marke nun übernommen und löst verhaltene Euphorie aus. Erster Schritt in eine bessere Zukunft: Der neue 9-5 steht endlich bei den Händlern. Und wir wollen wissen, ob sich der große Saab mit 160-PS-Diesel, der für diesen Test nur mit Automatikgetriebe zur Verfügung stand, gegen den gerade frisch überarbeiteten Ford Mondeo 2.0 TDCi und den etablierten Skoda Superb 2.0 TDI behaupten kann.

 

Karosserie

Die schwedische Limousine orientiert sich mit knapp über fünf Meter Länge bereits an der Oberklasse. Daher gibt es beim Platzangebot auch keinen Grund zur Klage. Allerdings haben auch die beiden deutlich kürzeren Rivalen aus Deutschland und Tschechien Platz in Hülle und Fülle. Vorn glänzt der Ford: Seine Sitze sind etwas weiter von den Türen entfernt, wodurch mehr Bewegungsfreiheit für die Schultern bleibt.

Der Skoda ist zwar schmaler, aber alles andere als eng geschnitten. Insbesondere hinten überzeugt der Superb mit üppiger Beinfreiheit, die selbst in der Luxusklasse nicht selbstverständlich ist. Und das trotz des kürzesten Radstands in diesem Trio. Der ausgedehnte Innenraum geht allerdings nicht zu Lasten des Kofferraums. Zwischen 565 und 1670 Liter Gepäck passen in das lange Heck. Da müssen der Ford (540 bis 1460 Liter) und der Saab (515 Liter) passen. Der 9-5 gibt den Laderaum zudem nur über einen normalen Kofferraumdeckel frei. Erheblich praktischer sind die großen Heckklappen des Mondeo, den es nur noch als Schrägheck und Kombi gibt, und des Superb. Die große Klappe des Skoda lässt sich zusätzlich so einstellen, dass sich nur der hintere Teil – wie beim Saab – öffnet. In flachen Tiefgaragen ein weiterer praktischer Vorteil des variablen Tschechen. Intuitiv gelingt die Bedienung des Skoda. Jeder Schalter ist unmissverständlich gekennzeichnet und problemlos zu erreichen. Etwas verspielter sind die Armaturenträger von Ford und Saab aufgebaut. Mehr Knöpfe und Tasten sowie eine umständlichere Menüführung der über Touchscreen zu bedienenden Navigationssysteme verlangen eine kurze Eingewöhnung.

Typisch Saab: die Night-Panel-Funktion. Auf Knopfdruck lassen sich alle Anzeigen außer der des Tachos ausblenden. Das hilft der Konzentration bei längeren Nachtfahrten. Zudem zeigt sich die Sicherheitsausstattung des Schweden erfreulich komplett. Als einziger bietet Saab auch ein Head-up-Display an. Ford hat jedoch nach dem jüngsten Facelift gerade auf diesem Sektor stark nachgebessert. Für den Mondeo ist neben Spurhalte- und Spurwechselassistent auch ein Aufmerksamkeitsassistent erhältlich. Nur die seitlichen Fondairbags, die bei Skoda und Saab in der Aufpreisliste stehen, gibt es für den Ford nicht.

Für sich betrachtet sind der Innenraum und die Karosserie des Saab 9-5 ordentlich verarbeitet. Dennoch zeigt der Mondeo die exakteren Passungen und der Superb ein deutlich hochwertigeres Finish.

KarosserieMax. PunkteSkoda Superb 2.0 TDI DSGFord Mondeo 2.0 TDCiSaab 9-5 2.0 TiD
Raumangebot vorn100818281
Raumangebot hinten100947976
Übersichtlichkeit70373737
Bedienung/ Funktion100858282
Kofferraumvolumen100605443
Variabilität100352520
Zuladung/ Anhängelast80414445
Sicherheit150939492
Qualität/ Verarbeitung200180173170
Kapitelbewertung1000706670646

 

Fahrkomfort

Die drei Mittelklasse-Limousinen gefallen als exzellente Reisebegleiter. Grundlage für eine entspannte Dienstreise sind an erster Stelle bequeme und Halt bietende Sitze. Die des Saab und des Skoda – jeweils angenehm groß geschnitten – bieten eine ordentliche Schulterabstützung. Die des Mondeo liegen sogar noch eine Spur besser am Körper an.

Beim Geräuscheindruck liegen die drei Limousinen nicht so eng zusammen. Vor allem die steil aufragende Frontscheibe des Saab 9-5 löst mehr Windgeräusche aus als es beim Mondeo oder Superb der Fall ist. Auch der Motor des Saab arbeitet eine Spur lauter als die Triebwerke der Konkurrenz.

Während der Skoda bis auf Querfugen sämtliche Unebenheiten gelassen überwindet und der Ford schlechten Wegstrecken mit Samtpfoten begegnet, zeigt sich der 9-5 auf welligen Pisten recht stößig. Das Drive-Sense-Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern ist den stärkeren Varianten vorbehalten und lässt sich beim 2.0 TiD nicht nachrüsten.

Erfreulich ist dagegen, dass Saab und Mondeo mit einer serienmäßigen Klimaautomatik den Innenraum temperieren. Beim Skoda muss sie extra geordert werden. Der niedrige Aufpreis von nur 520 Euro ist aber in Anbetracht des günstigsten Basispreises eher von theoretischer Natur. Die Möglichkeit, den Fahrersitz an warmen Sommertagen mit Frischluft zu kühlen, offeriert nur der Ford (325 Euro ab Ausstattung Titanium).

FahrkomfortMax. PunkteSkoda Superb 2.0 TDI DSGFord Mondeo 2.0 TDCiSaab 9-5 2.0 TiD
Sitzkomfort vorn15010210597
Sitzkomfort hinten100726866
Ergonomie150121112112
Innengeräusche50474543
Geräuscheindruck100747470
Klimatisierung50313837
Federung leer200133136129
Federung beladen200134136130
Kapitelbewertung1000714714684

 

Motor und Getriebe

Kraftvoll und sparsam – in der Mittelkasse gehören Zwei-Liter-Turbodiesel zu den favorisierten Antriebsquellen. In unserem Vergleichstest reicht die Spannbreite der Leistung von 160 PS (Saab) über 163 PS (Mondeo) bis hin zum 170 PS starken Skoda.

Und der Tscheche hat seine Konkurrenten fest im Griff. Sein 2.0 TDI aus dem VW-Regal überzeugt nicht nur bei der Laufkultur, sondern entfaltet seine Kraft auch deutlich leichtfüßiger als die Motoren von Mondeo und 9-5. Der Vierzylinder-Diesel des Skoda schiebt schon ab 1750 Touren druckvoll an und scheut auch hohe Drehzahlen nicht. Bis Tempo 140 hat der Superb seinen Konkurrenten bereits gut zwei Sekunden abgenommen. Top: das weich und schnell schaltende Doppelkupplungsgetriebe (DSG) des Skoda.

Das Mondeo-Triebwerk reagiert auf Gasbefehle etwas verhaltener als das des Skoda. Dafür entfaltet es seine Kraft sehr gleichmäßig und kultiviert. Das manuelle Sechsgang-Getriebe ist nicht nur gut auf die Motorcharakteristik abgestimmt, es überzeugt auch mit exakter Führung.

Nicht ganz so rund präsentiert sich der Antriebsstrang des Saab 2.0 TiD. Mit deutlich knurrigerem Ton verrichtet er seinen Dienst. Auch die Sechsstufen-Automatik bietet nicht den guten Schaltkomfort des Skoda-DSG. Hinzu kommt, dass der Saab über 100 kg mehr wiegt als seine Mitstreiter. Resultat: Mit 7,5 Liter Diesel auf 100 km verbraucht er einen Liter mehr als Skoda und Ford.

Motor und GetriebeMax. PunkteSkoda Superb 2.0 TDI DSGFord Mondeo 2.0 TDCiSaab 9-5 2.0 TiD
Beschleunigung150117110109
Elastizität100
Höchstgeschwindigkeit150686860
Getriebeabstufung100888077
Kraftentfaltung50363333
Laufkultur100646461
Verbrauch325258258239
Reichweite25182218
Kapitelbewertung1000649635597

 

Fahrdynamik

Selten lagen Vergleichstestgegner in einem Kapitel so eng beieinanander wie in diesem Dreikampf.
Ausgesprochen gutmütig zieht der Skoda seine Runden auf dem Handlingkurs. Im Grenzbereich baut er überschüssige Energie konsequent durch Untersteuern ab. Dabei gibt sich lediglich die Lenkung stellenweise etwas sperrig. Der Mondeo überzeugt mit seinem sehr neutralen Fahrverhalten. Er überträgt am meisten Rückmeldung von Lenkung und Fahrwerk an seinen Fahrer – das sorgt für den höchsten Spaßfaktor.

Der neue Saab 9-5 lenkt äußerst willig ein. An die leichtgängige Lenkung muss sich der Fahrer beim Umsteigen vom Skoda oder vom Ford in den Schweden kurz gewöhnen, um nicht zu zackig abzubiegen. Die leichten Lastwechselreaktionen in Wechselkurven hat das ESP stets sicher im Griff.

Bei den Bremsleistungen liegen die drei Limousinen dicht zusammen – mit nur leichten Vorteilen für den 9-5 bei warmen Bremsen.

FahrdynamikMax. PunkteSkoda Superb 2.0 TDI DSGFord Mondeo 2.0 TDCiSaab 9-5 2.0 TiD
Handling150767574
Slalom100636462
Lenkung100808577
Geradeauslauf50414141
Bremsdosierung30181818
Bremsweg kalt150929294
Bremsweg warm150909297
Traktion100303030
Fahrsicherheit150132132129
Wendekreis201079
Kapitelbewertung1000632636631

 

Umwelt und Kosten

Der Saab ist fast 10.000 Euro teurer als Ford oder Skoda. Dafür gibt es weder ein innen größeres, besser verarbeitetes noch luxuriöser ausgestattetes Auto. Zudem fallen auch die laufenden Unterhaltskosten des 9-5 höher aus als bei seinen Mitstreitern. Vor allem der Skoda zeigt wieder einmal, dass Gutes nicht teuer sein muss. Das gilt sowohl für den Anschaffungspreis als auch für alle anderen relevanten Kosten. Der Mondeo bietet extrem viel Auto fürs Geld. Aber wegen des hohen Wertverlusts und der nur mäßigen Garantien verliert er wertvolle Punkte in der Endabrechnung.

Kosten/UmweltMax. PunkteSkoda Superb 2.0 TDI DSGFord Mondeo 2.0 TDCiSaab 9-5 2.0 TiD
Bewerteter Preis675190188151
Wertverlust50211815
Ausstattung2514106
Multimedia50
Garantie/Gewährleistung50281821
Werkstattkosten20141313
Steuer10787
Versicherung40302929
Kraftstoff55424240
Emissionswerte25868384
Kapitelbewertung1000432409366

 

Fazit

Saab hat den neuen, teuren 9-5 ungünstig zwischen Mittel- und Oberklasse positioniert. Die weitaus günstigeren Konkurrenten Ford Mondeo und Skoda Superb haben deutlich mehr zu bieten. Vor allem der Testssieger aus Tschechien überzeugt mit guter Verarbeitung, einem spritzigen Antrieb und gutem Komfort. Letzterer ist zwar beim zweitplatzierten Mondeo noch eine Spur besser, aber sein etwas träger Motor verhindert ein engeres Duell an der Spitze der Mittelklasse.

Gesamtbewertung

Max. PunkteSkoda Superb 2.0 TDI DSGFord Mondeo 2.0 TDCiSaab 9-5 2.0 TiD
Summe5000313330642924
Platzierung123

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