Ford Mondeo 2015: Qualitätssicherung und Erprobungsfahrten bei Ford Zettel-Wirtschaft

18.09.2014

Fast zwei Jahre später als in den USA kommt im Herbst in Europa der Ford Mondeo auf den Markt. AUTO ZEITUNG begleitete Gunnar Herrmann, Vizepräsident für Qualität bei Ford, bei der Qualitätssicherung und Erprobungsfahrten

Gunnar Herrmann streicht vorsichtig über die unzähligen Papierschnipsel, die aussehen, als kämen sie aus dem Schredder, und das Interieur, den Motor sowie die Karosse des Autos zieren. „Das Kleingedruckte auf den Papierschnipseln ist kaum zu entziffern. Federung zu weich“, liest Gunnar Herrmann vor und lächelt. „Hier dürfen auch subjektive Meinungen notiert werden“, erklärt der gebürtige Leverkusener, der seit 2012 Vizepräsident für Qualität bei Ford of Europe ist.

 

Ford Mondeo 2015: Gewichtseinsparung dank Magnesium-Tür

30 Jahre ist er inzwischen bei den Kölnern, und sein Blick für Qualität ist so geschult, dass andere dafür eine Lupe brauchen würden. „Jede einzelne Beschwerde wird auf einem Streifen festgehalten“, erklärt uns der Routinier die Zettelwirtschaft. „Dieser Sticker-Process, wie er intern heißt, soll die Stimme des Kunden simulieren. Die Spezialisten, alles erfahrene Ingenieure aus dem Qualitätsteam, halten fest, was der Kunde möglicherweise beanstanden könnte.

Hier wird das letzte Okay gegeben, wie das Auto in Serie geht. Ein Fahrzeug darf nicht mehr als 1200 Qualitätsthemen aufweisen. Erst dann können wir grünes Licht für die Produktion geben.“ „1200“, raune ich ungläubig. „Ja“, sagt Herrmann, „das ist gängiger Industriestandard. Es gibt Wettbewerber, die akzeptieren 1300 bis 1400 Beanstandungen.“ Doch die Qualitätssicherung beginnt weit vorher. Es ist ein langer Weg, bis ein komplexes Produkt wie ein Auto seine Serienreife erlangt.

Beim neuen Mondeo waren die Herausforderungen besonders groß. Parallel zur Entwicklung des Modells hat Ford das Werk in Valencia ausgebaut und die Produktionsstraßen neu eingerichtet, weil der alte Mondeo vorher im belgischen Genk gebaut wurde. Zusätzlich wurde die Kuga-Fertigung erweitert und die komplette Transit Connect-Baureihe installiert. Mittlerweile wird in drei Schichten gearbeitet.

„Das haben wir so noch nicht gemacht“, erklärt Gunnar Herrmann lachend. 7500 Angestellte arbeiten in Valencia, die derzeit über 400.000 Autos pro Jahr produzieren. Die Qualitätsarbeit beginnt bereits beim Prototypenbau. Hier wird festgelegt, welche Linien und Spaltmaße im Großen und Ganzen das Auto haben darf. Die nächste Stufe sind dann die sogenannten A-Calls.

Die sind Beanstandungen, die ein konstruktives Problem beinhalten, hier wird der Prozess sofort gestoppt. Danach kommen die B-Calls – Details, bei denen Kundenreklamationen zu erwarten sind. Auch das Gewicht war ein Thema beim neuen Mondeo. Für den Fünftürer und den Kombi wurde extra eine Heckklappe aus Magnesium eingebaut.

Der Grund: Die Magnesium-Tür ist deutlich leichter. Wäre der Mondeo mit einer herkömmlichen Stahlblech-Tür versehen, würde er mehr wiegen und bestimmte Schadstoffeinstufungen nicht erreichen. Denn die Plattform des Mondeo ist nicht so leicht geworden, da sie auch für den Galaxy und für viele andere Modelle in der Crashstruktur verbessert wurde.

> > Ford Mondeo 2015: Qualitätssicherung und Erprobungsfahrt Teil 2

Selbstverständlich hat Ford den Mondeo auch gegenüber der USA-Ausführung auf europäischen Standard angehoben. Dazu Gunnar Herrmann: „Man muss sich vorstellen, dass die Autos in den USA deutlich günstiger sind. Die Kunden zahlen hier selten über 20.000 Dollar. Deshalb haben wir für Deutschland die sauber definierte Linienführung noch einmal überarbeitet. Außerdem erfolgten viele Detailoptimierungen, denn der deutsche Kunde ist anspruchsvoller.“

„WIR HABEN DIE ZEIT GENUTZT, DEN MONDEO ZU VERFEINERN“
GUNNAR HERRMANN, FORD-VORSTAND FÜR QUALITÄT

Gunnar Herrmann geht mit mir um ein Exemplar herum, das gerade wieder einem intensiven Qualitätscheck unterzogen wurde. Die vorgegebenen Toleranzen müssen strikt eingehalten werden. Dabei geht es um Spaltmaße, Qualität der Lackierung, Einpassung von Kunststoffteilen und vieles mehr. So wurde die Frontscheibeneinpassung bei den deutschen Modellen deutlich verbessert – in den USA akzeptiert man dagegen einen Acht-Millimeter-Spalt.

Herrmann erklärt: „Das geht hierzulande gar nicht.“ Ein Mondeo weist eine große Beule im Dach auf. „Beim Schweißen haben wir festgestellt, dass das Blech an dieser Stelle zu dünn bemessen wurde – durch den Schweißprozess entstanden diese Hitzebeulen. Hier müssen wir noch deutlich nachbessern.“

Viele Details sind an diesem Auto noch zu optimieren, dennoch zeigt der Mondeo schon einen guten Qualitätsstandard. Um diesen noch zu verbessern, gibt es den Meisterbock. „Der Meisterbock ist essenziell, ohne ihn geht es nicht“, sagt Gunnar Herrmann. Hinter dem Meisterbock verbirgt sich ein Modell, das von Fachleuten extra aufgebaut wird und die optimalen Spaltmaße und Bemaßungen des Autos wiedergibt.

Hier kann im späteren Produktionsprozess immer wieder überprüft werden, inwieweit in der Produktion die Spaltmaße von dem Meisterbock abweichen. Der Meisterbock ist quasi die Optimierung des industriellen Standards eines Autos, alles wird mit Ziffern haarklein festgehalten – Abstände und vieles mehr.

Optimierungen in der Qualität werden dann auf einem großen Plan festgehalten und den Lieferanten mitgeteilt. „Der Ingenieur muss die Kundenbrille aufhaben“, ist sich Ingenieur Herrmann sicher. Danach geht es auf die Piste – Herrmann sieht nicht nur scharf, sondern hört auch gut.

„Das Auto macht im Geräuschkomfort noch einen zu offenen Eindruck. Der Turbo ist zu sehr zu hören, und die Schließkräfte der Türen müssen wir prüfen. Ich glaube, die Windgeräusche sind noch zu präsent.“ Ansonsten fährt der Mondeo so gut wie serienreif. Das Zweiliter-TDCi-Modell mit 140 PS, in dem wir sitzen, fährt sehr komfortabel, verfügt über eine dynamische Abstandskontrolle bis 65 km/h und ein adaptives Fahrwerk.

Der Ford ist grundsätzlich straff ausgelegt, die Lenkung funktioniert hervorragend, das Auto lässt sich sehr souverän durch die Kurven dirigieren. Vorn erfreut der Mondeo mit viel Kopffreiheit, im Interieur, merkt der Ford-Vorstand an, muss die Grafik im Bildschirm aber noch verbessert werden – die Abbildungen sind ihm nicht scharf genug. Ansonsten wirkt der Mondeo so, dass die Konkurrenz sich warm anziehen muss. Er offeriert viel Raum und macht auch in puncto Design einen gelungenen Eindruck.

Gunnar Herrmann scheint mit dem Stand der Dinge zufrieden zu sein: „Wir sind beim Mondeo schon sehr weit, und wir haben ja noch fast vier Monate bis zur Produkteinführung.“ Spätestens der Kunde wird danach Zeugnis ablegen, ob die unzähligen Qualitätsmaßnahmen den richtigen Effekt hatten.

Volker Koerdt

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