1973 Mercury Cougar XR-7 Cabrio: Ein echtes Goldstück Echtes Goldstück

22.06.2014

Schön, stark und hierzulande selten – mit diesen Attributen lockt das Cougar XR-7 Cabrio die Frischluft-Fans unter den Liebhabern großvolumiger US-Klassiker

Ford war mit dem Mustang Mitte der 1960er-Jahre zweifellos ein großer Wurf gelungen. Bereits zwei Jahre nach dessen Erscheinen reagierte Konkurrent General Motors auf die Herausforderung Mustang und brachte 1966 den Chevrolet Camaro auf den Markt. Praktisch zeitgleich hatte Ford mit dem Mercury Cougar jedoch schon wieder die passende Antwort auf den Camaro im Ärmel und offerierte mit ihm eine luxuriösere Spielart des Mustang für all jene Fahrerinnen und Fahrer, die gesteigerten Wert auf Komfort, Exklusivität und großzügiges Raumgefühl legten.

 

1973 Mercury Cougar XR-7 Cabrio: Ein echter Hingucker

Dass General Motors seinerseits kaum ein Jahr später wiederum mit dem Pontiac Firebird dagegenhielt, bewies, wie sich die beiden US-Autoriesen am Markt belauerten. Als eigene Marke innerhalb des Ford-Konzerns sprach Mercury – gegründet bereits im Jahre 1939 durch Edsel Ford – die Kunden des mittleren Preissegments und damit der gehobenen Mittelschicht an. Aus diesem Grunde waren die Mercury-Automobile zwar oberhalb des günstigen Ford-Programms, jedoch noch unterhalb der exklusiven und kostspieligen Lincoln-Modelle positioniert.

Zunächst als Coupé lanciert, gab es den Mercury Cougar von 1969 an auch als Cabriolet. Bereits ein Jahr zuvor hatte man die Motorenpalette für den Cougar überdacht und bot ihn nun mit zwischen 5,7 und 7,0 Litern großen V8-Triebwerken statt zuvor 4,7 bis 6,4 Liter an. Im Herbst 1970 erhielt der Wagen schließlich eine neu und überaus stattlich gestaltete Karosserie, deren Front für das Jahr 1973 nochmals leicht modifiziert wurde.

Ein Mercury Cougar XR-7 Cabriolet wie unser Fotomodell aus dem Jahre 1973 ist auf den einschlägigen US-Car-Treffen hierzulande ein sehr seltener Gast und speziell in der auffälligen goldfarbenen Lackierung daher stets ein besonderer Hingucker. 1973 wurden lediglich 3165 Exemplare (bei insgesamt 60.628 Cougar in jenem Jahr) dieses Modells gebaut, das einst für 3826 US-Dollar in den Ausstellungsräumen der Händler stand.

Doch nicht nur in optischer Hinsicht macht der Mercury Cougar XR-7 einiges her. Immerhin 271 PS aus 5763 Kubikzentimetern Hubraum befeuern das 1810 Kilogramm schwere Luxus-Cabriolet. Die Power wird via Dreigang-Automatik mit souveränem Nachdruck an die Hinterachse geleitet, und mit exakt 200 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit gehörte man anno 1973 wahrlich zu den Schnellen im Land der damals noch weitgehend unbegrenzten Möglichkeiten.

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Satt schiebt der V8 aus den Tiefen seines Drehzahlkellers an, und die Dreistufen-Wandlerautomatik überträgt das Drehmoment in sehr gepflegter, weil ruckfreier Weise auf das Differential. Allerdings gilt auch für den Cougar XR-7 die Faustformel für allermeisten US-Cars mit großvolumigen V8-Triebwerken: Ein Gaul, der richtig rennt, will auch kräftig saufen! Im Falle des XR-7 Cabriolets von Simone Graf bedeutet das durchschnittlich geschmeidige 28 Liter, die der nachgerüstete Edelbrock-Vierfachvergaser pro 100 Kilometer in zündfähiges Gemisch für den überaus wohlklingenden V-Achtzylinder verwandelt.

 

Mercury Cougar Cabrio: Souveräne Power, großer Durst

Doch alles sei relativ, schränkt Simone Graf ein: „Ich fahre ihn ausschließlich bei schönem Wetter und dann meistens zu US-Car-Treffen. Fürchterlich viele Kilometer bekommt er bei mir nicht“, verrät sie und deutet auf den Tachometer (mit km/h-Skala), dessen Zähler gerade mal 45.000 Kilometer ausweist. Doch die wohlüberlegte Nutzung des Cougar XR-7 hat noch einen weiteren und für Simone Graf sehr viel entscheidenderen Grund: Es ist die Geschichte des Fahrzeugs selbst. Vater Graf hatte das US-Cabriolet im Jahr 1990 in Leonberg bei Stuttgart aus erster Hand als reinrassigen Freizeit-Oldtimer erworben und bewegte ihn fortan selbst ausschließlich zu Genuss- oder auch mal Urlaubsfahrten. Nach seinem Tod vor einigen Jahren ging der Cougar XR-7 schließlich in die Hände von Tochter Simone über, die ihn seitdem wie einen Augapfel hütet.

Außer mit seinen guten, ja fast sportlichen Fahrleistungen begeistert das Mercury Cougar XR-7 Cabriolet auch mit einem durchaus soliden, berechenbaren Fahrverhalten. So ist ihm das bei US-Cars aus jener Epoche gerne anzutreffende große Spiel in der Lenkung von einer Hand breit und mehr ebenso fremd wie etwa eine schwachbrüstige Bremswirkung. Tatsächlich lässt sich der offene, 5,10 Meter lange 1,8-Tonner genüsslich, weil präzise selbst über kurvenreiche kleinere Landstraßen im Schwäbischen steuern, und die Bremsanlage mit Scheiben vorne sorgt für kräftige und vor allem spurtreue Verzögerung.

Zweifelsohne trägt auch die gehobene Ausstattung des Mercury Cougar XR-7 zum großen Fahrgenuss bei. So verströmt das braun melierte Kunstleder-Interieur durchaus ein edles Ambiente, und die komfortablen, sowohl in Längsrichtung als auch in der Höhe justierbaren Sitze laden gar zu Langstreckenfahrten ein. Bei Bedarf freut sich die Cougar-Besatzung zudem über die wirkungsvolle Klimaanlage (auch die Heizung funktioniert übrigens gut). So verwundert es nicht, dass Simone Graf hin und wieder die Lust überkommt, ihr Cougar Cabrio für einen ausgedehnten Urlaubstrip in sonnige Gefilde zu nutzen. Der bereits erwähnte ausgeprägte Durst ihres vierrädrigen Urlaubspartners ist da nur ein kleiner Wermutstropfen.

Viele der Zutaten, die heute im Automobilbau durchgängig zur Serienausstattung zählen, mussten beim Cougar XR-7 im Jahr 1973 noch als aufpreispflichtige Extras geordert werden. Dazu gehörten zum Beispiel die bereits erwähnte Servolenkung und auch die Klimaanlage, die elektrische Betätigung von Sitzen und Fenstern, das Stereo-Radio mit Kassettenlaufwerk oder das optionale Viergang-Schaltgetriebe. Bereits serienmäßig war dagegen die elektrische Betätigung des Verdecks – und 1973 war das letzte Jahr, in dem der Cougar als Cabriolet angeboten wurde.

Jürgen Gassebner

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